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[Hard SF] Redshift - Die Fliegenden Rochen der Venus (war: Redux)

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Feuersänger:

--- Zitat von: JorisClausen am 29.08.2026 | 13:19 ---Ich finde das Bild mit dem Riesen-Rochen gerade deshalb ziemlich genial.

--- Ende Zitat ---

Mir fällt gerade auf, dass das dein erster Beitrag hier im Forum ist. Willkommen!  :howdy:
Naja, ich denk mir jetzt halt, Hauptsache überhaut Riesen-Rochen. ^^ Die Idee war ja schonmal zeitweise der Schere zum Opfer gefallen, weil ich es zunächst nicht gerafft hatte dass man aus der Venus-Atmosphäre auch Wasserstoff ernten kann.


--- Zitat von: Chaos am 29.08.2026 | 17:18 ---Na das ist doch mal echtes Kino: Ein Schwebkörper-Rodeo in den Wolken der Venus!

--- Ende Zitat ---

Howdy, howdy, howdy!  ;D Allerdings ist das auch nicht ohne Tücken: Luftschiffe (die sich auf statischen Auftrieb verlassen) sind sehr langsam und das Square-Cube-Law arbeitet gegen sie. Gerade in 72km Venus-Höhe müssen sie schon sehr groß sein um sich überhaupt tragen zu können. Flugzeuge (mit dynamischem Auftrieb) hingegen haben es bei solchen Luftdichten (entspricht etwa 22km Höhe auf der Erde) schwer, sich überhaupt in der Luft zu halten und müssen eine Mindestgeschwindigkeit halten. Als Antrieb kommt eigentlich fast nur Solar-Elektrik in Frage, was wiederum die Leistungsfähigkeit stark begrenzt.
--> Will sagen: diese Rodeos laufen in einem ziemlichen Schneckentempo ab. xD

Chaos:
Welche Größe hätten diese einzelnen Module (und dementsprechend die Flugzeuge, die sie einfangen) denn? Es ist ja schon ein Unterschied, ob die etwa die Dimensionen eines PKW haben oder eher die eines Ozeanriesen.

Und wie stürmisch ist es in der Höhe überhaupt? Gleitet man da eher in sanften Winden vor sich hin, oder machen da gerade kleinere Flugzeuge und Schwebkörper eher eine Sturm-Achterbahn durch?

Feuersänger:

--- Zitat von: Chaos am 29.08.2026 | 19:09 ---Welche Größe hätten diese einzelnen Module (und dementsprechend die Flugzeuge, die sie einfangen) denn? Es ist ja schon ein Unterschied, ob die etwa die Dimensionen eines PKW haben oder eher die eines Ozeanriesen.
--- Ende Zitat ---

Genau weiss ich nicht was da praktikabel wäre, aber ich habe den Eindruck, auch hier spricht das Square-Cube-Law eher zugunsten größerer Lasten. Also ich denke da so ungefähr an Größenordnung "Seecontainer".
Grob gesagt: um zB eine 12,5t Last schweben zu lassen, brauchen wir 1 Hindenburg.


--- Zitat ---Und wie stürmisch ist es in der Höhe überhaupt? Gleitet man da eher in sanften Winden vor sich hin, oder machen da gerade kleinere Flugzeuge und Schwebkörper eher eine Sturm-Achterbahn durch?

--- Ende Zitat ---

Stürmisch ist nicht ganz das richtige Wort -- und sanfte Winde noch viel weniger. Vielmehr haben wir hier einen permanenten Jetstream von 360-400kmh. Deswegen ist es ja wichtig, dass der Rochen diese 400kmh selber fliegen kann um nicht vom Wind davongeblasen zu werden.
Entsprechend die Schwierigkeit für kleinere Flugzeuge auf dieser Höhe - diese müssten mindestens zu 500kmh in der Lage sein, sonst können sie ja kein Ziel erreichen, das gegen die Windrichtung liegt.
Umgekehrt scheint dieser Jetstream aber auch sehr gleichmäßig zu sein -- d.h., wenn man sich mit dem Wind treiben ließe, würde es sich nahezu wie Windstille anfühlen.
Ich bin da gerade am rumbasteln und wenn mich Google nicht in die Irre führt, sollte ein breites "Blended Wing Design" mit 30m Spannweite und 300m² (PV-bedeckter) Flügelfläche ausreichen, um über 560kmh pushen zu können. Aber natürlich nur auf der Tagseite der Venus; auf der Nachtseite ist sofort Feierabend.

Feuersänger:
Angeregt durch Chaosens Frage nach den Windverhältnissen habe ich noch etwas recherchiert und festgestellt: es gibt auch auf diesen Höhen noch Stürme und die Windgeschwindigkeit schwankt. Es könnte sogar sein, dass das Wetter so schlecht wird, dass Gefahr für den Solarkreuzer besteht.
Für solche Fälle haben wir einen Notfallmodus: wir weichen einfach nach oben aus, in ruhigere Atmosphärenschichten. Dazu:
- einholen und sichern des Wolken-Sammelscoops
- Solarthermie-Kollektoren in Ruhemodus schalten -- das letzte was wir jetzt brauchen ist mehr Wärme
- Ballast dumpen - alles was wir gerade an Schwefelsäure, CO2, Graphit und was wir sonst noch an schweren Stoffen angesammelt haben, alles raus
- Unterbrechen aller exothermen Produktionsprozesse (v.a. Bosch- und Sabatier-Reaktionen)
- Reserve-Auftriebskammern mit Wasserstoff fluten
- Flügelprofil auf maximalen dynamischen Auftrieb stellen ("Flaps Full")
- Großteil der PV-Zellen mit Alu-Shuttern abdecken, um so wenig Sonnenlicht wie möglich zu absorbieren.

--> theoretisch könnte der Rochen auf über 90km Höhe steigen. Oberhalb von 80km flaut aber der Jetstream abrupt ab. "Schon" auf 82km dürften wir vor dem Wetter unter uns komplett safe sein. Dieser Aufstieg geht auch relativ schnell, vermutlich weniger als 30 Minuten.
Auf der Zielhöhe müssen wir außerdem wahrscheinlich Hilfsradiatoren ausfahren, die speziell für diesen Zweck installiert wurden. Hier könnte es sich um hauchdünne Carbonpaneele handeln. Hierüber muss die sich im Inneren anstauende Wärme abgeleitet werden. Wir können es uns aber sicherlich leisten, das Crewhabitat zu klimatisieren -- Radiatoren laufen ja umso besser, je heißer sie sind. Falls zB die Abwärme in diesem Notbetrieb immer noch stolze 5MW beträgt (das finde ich schon reichlich), genügt dafür ein einzelner ungefähr 75x75m großer Radiator (bei 300K Temperatur).

Wenn die Gefahr vorbei ist, packen wir einfach den Wasserstoff aus den Reservezellen zurück in die Drucktanks - ganz allmählich, sodass sich der Rochen in gemütlichem Tempo wieder absenkt. Und dann so ziemlich alle Schritte in umgekehrter Reihenfolge zurück. Naja, bis auf den Ballast, der ist weg. xD

--

Noch ein Tidbit:
Da die Winde immer von Osten kommen, zeigt auch die Nase des Rochen immer nach Osten. Lifter starten ebenfalls in Richtung Osten und treten somit in eine prograde Umlaufbahn ein, und wenn sie wieder absteigen, kommen sie logischerweise von Westen. Das coole: während der Lifter (in Form eines Spaceplanes) im Landeanflug ist, fliegt er mit der gleichen Geschwindigkeit gegen den Wind wie der Rochen. Für die Beobachter auf dem Rochen sieht es quasi aus wie die Senkrecht-Landung eines Harrier.
Und der Start eines Lifters könnte im Gegensatz dazu so erfolgen, dass man ihn mit einem Aufzug zum untersten Deck transportiert, dort eine Klappe öffnet und ihn einfach rausfallen lässt. Er lässt sich hundert Meter fallen, zündet seine Methalox-Stufe, und brennt dann davon.
Theoretisch könnte man sich die geplante 1800m-Start-und-Landebahn eigentlich fast komplett sparen - ein Landepad würde im Regelfall ausreichen - aber diese schafft natürlich Redundanz und Sicherheitsmarge. Und was gegen den Start nach unten spricht -- was, wenn das Triebwerk dummerweise nicht anspringt?  >;D

Chaos:

--- Zitat von: Feuersänger am 29.08.2026 | 19:57 ---Stürmisch ist nicht ganz das richtige Wort -- und sanfte Winde noch viel weniger. Vielmehr haben wir hier einen permanenten Jetstream von 360-400kmh. Deswegen ist es ja wichtig, dass der Rochen diese 400kmh selber fliegen kann um nicht vom Wind davongeblasen zu werden.
Entsprechend die Schwierigkeit für kleinere Flugzeuge auf dieser Höhe - diese müssten mindestens zu 500kmh in der Lage sein, sonst können sie ja kein Ziel erreichen, das gegen die Windrichtung liegt.
Umgekehrt scheint dieser Jetstream aber auch sehr gleichmäßig zu sein -- d.h., wenn man sich mit dem Wind treiben ließe, würde es sich nahezu wie Windstille anfühlen.
Ich bin da gerade am rumbasteln und wenn mich Google nicht in die Irre führt, sollte ein breites "Blended Wing Design" mit 30m Spannweite und 300m² (PV-bedeckter) Flügelfläche ausreichen, um über 560kmh pushen zu können. Aber natürlich nur auf der Tagseite der Venus; auf der Nachtseite ist sofort Feierabend.

--- Ende Zitat ---

Klingt nach einer ziemlichen Herausforderung, unter solchen Bedingungen Schwebkörper einzufangen, ohne sonstwohin (schlimmstenfalls in eine Kollision mit dem Schwebkörper) geweht zu werden.

Es ist also wahrscheinlich eine ganz besondere Truppe, die sich sowas zutraut - echte Teufelskerle, die sich selbst für die ganz Harten halten (und die viele Andere für leichtsinnig bis an die Grenze zur Selbstmordgefahr halten).

Da hätten wir dann auch schon einen deinem Setting eigenen Charakter-Archetyp: Den Venus-Sturmreiter!

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