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[Hard SF] Redshift - Die Fliegenden Rochen der Venus (war: Redux)

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Feuersänger:
Wie es halt öfter passiert, hat sich in die Berechnungen irgendwo ein gewaltiger Fehler eingeschlichen -- ob das nun an einer Verwechslung von MW mit MWh lag oder einfach irgendwo zwei unterschiedliche Skalierungen durcheinandergebracht wurden, kann ich jetzt nicht mehr recht nachvollziehen. (Ich drücke das so komisch im passiv aus, weil der Fehler zwar der KI passiert ist, aber ich ihn nicht rechtzeitig entdeckt habe). Darum jetzt also alles nochmal neu berechnen.

Aber immerhin ist es kein Showstopper, im Gegenteil: wir haben jetzt die Wahl, ob wir bei den bisherigen Produktionstargets bleiben, dann dürfen die Rochen deutlich kleiner werden, oder ob die Rochen so riesengroß bleiben sollen, dann können wir die Produktion nach oben schrauben.

Aktueller Zwischenstand ist: um pro Tag 200 Tonnen CNT zu produzieren und genug H2 um diesen in den Orbit zu schießen, muss der Rochen 1,8km lang und 2,6km breit sein. Das bietet nach wie vor mehr als genügend internes Volumen für die Auftriebskammern und alles was sonst so reingehört.

Blieben wir hingegen bei den ursprünglich angedachten 3x4,5km, könnte ein einziges solches Trumm pro Tag 580t CNT herstellen und exportieren. Das wäre also ein Heavy-Lifter Start alle 4 Stunden.

Allerdings skaliert das durchaus favorabel nach oben: 1x 3km Mega-Rochen hätte nur etwas mehr als die doppelte Masse eines 1,8km-Rochen, aber eben fast den dreifachen Ausstoß. Andererseits skalieren da natürlich auch Probleme mit der Statik nach oben, Biegemomente und Hebelkräfte usw. Auch "interessant" ist die Frage, wie diese Dinger überhaupt zusammengebaut werden, so schwebend im Venus-Jetstream. --> Darum vllt doch besser nicht ganz so dick auftragen und sich mit einem 1,8m-Rochen zufrieden geben.

--

Eigentlich schwebt mir ja für den Anfang eine kleine Flotte dieser "Solarkreuzer" vor, da es ja wie gesagt um eine globale Initiative geht. Namen hab ich schon! Nämlich basierend auf mythologischen Venus-Referenzen aus verschiedenen Kulturen. Den Anfang macht natürlich die älteste Zivilisation der Menschheit, und danach sollen die anderen Namen aus verschiedenen Kulturräumen kommen. Stellt euch diese Riesendinger vor, wie sie sich ins Bild schieben und, dick vorne auf dem Rumpf aufgemalt, die Namen jeweils in "traditioneller" und lateinischer Schrift:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
𒀭𒈹
INANNA

शुक्र
SHUKRA

金星
JINXING

ΕΩΣΦΟΡΙΑ
EOSPHORIA

CHAK EK'
[hier Maya-Glyphe vorstellen]

KHWEZI
[hier habe ich partout kein geeignetes Symbol auftreiben können]

gilborn:

--- Zitat von: Feuersänger am 29.08.2026 | 00:40 ---Aber immerhin ist es kein Showstopper, im Gegenteil: wir haben jetzt die Wahl, ob wir bei den bisherigen Produktionstargets bleiben, dann dürfen die Rochen deutlich kleiner werden, oder ob die Rochen so riesengroß bleiben sollen, dann können wir die Produktion nach oben schrauben.

--- Ende Zitat ---
Warum nicht beides nehmen?
Es gibt ja auch unterschiedlich große Ernetemaschinen, Tanker etc..

Cooles Projekt übrigens!

Feuersänger:

--- Zitat von: gilborn am 29.08.2026 | 07:31 ---Warum nicht beides nehmen?
Es gibt ja auch unterschiedlich große Ernetemaschinen, Tanker etc..

--- Ende Zitat ---

Nun, so wie sich mir das darstellt, skaliert die Produktivität so günstig nach oben, dass es eigentlich keinen Grund gibt, die Dinger kleiner zu bauen als was man ingenieurstechnisch/physikalisch konstruieren kann. Es sei denn, man fände einen Aspekt, wo kleinere Maschinen im Vorteil sind. IRL baut man ja zB unterschiedlich große Schiffe damit die durch unterschiedlich große Kanäle passen, und die Klassen heissen dann "Panamax" und so. Und die Größe von Erntemaschinen richtet sich vermutlich nach den zu bearbeitenden Feldern. Aber auf Venus hast du diese ganzen Unterschiede ja gar nicht, da ist alles ein riesiges Wolkenmeer.

Es gibt halt umgekehrt ein unteres Limit -- der Kreuzer muss genug Oberfläche haben um die benötigte Menge Solarenergie einzufangen, und braucht genug internes Volumen um 1. alle Produktionsanlagen, Habitat usw unterzubringen und 2. mit Wasserstoffkammern genug Auftrieb zu erzeugen. Da hat sich zB mein ursprüngliches Ziel von 100t Carbon-Produktion pro Tag als zu gering erwiesen, weil ein exakt darauf skalierter Rochen auch nur gerade genug Auftrieb erzeugen kann um sich selbst zu tragen, und keinen Platz mehr für einen Lifter mit 500t Startmasse hat. Hingegen bei 200t Produktion kommt dann schon so ein 1,8km-Gerät heraus, welches aber dafür über 4000t Auftriebsreserven bietet. Und der eigentliche Flaschenhals ist wie gesagt nicht die Kohlenstoff- sondern die Wasserstoffproduktion.

Im Zuge meiner Rechnungen habe ich übrigens diesbezüglich noch was Spannendes entdeckt: ich hatte zunächst gewohnheitsmäßig das Aufstiegsprofil des Lifters so ausgetüftelt, wie ich es auf der Erde machen würde, nämlich nach der niedrigsten Energie. Dann ist mir gedämmert, dass es hier für die Venus-Mission viel gescheiter ist, nach dem niedrigsten Wasserstoffbedarf aufzulösen, und das ist nicht dasselbe. Und so konnte ich tatsächlich noch einiges optimieren, und meine Lifter benötigen jetzt nur noch 50t Wasserstoff (statt vorher 75), um 100t Nutzlast in den Orbit zu bringen. Auch mit ermöglicht dadurch, dass wir im CO2-Medium den nuklearen Scramjet weiter ausreizen können. (Sauerstoff fällt bei unseren Produktionsprozessen sowieso im Überfluss ab, da muss man nicht sparen)


--- Zitat ---Cooles Projekt übrigens!

--- Ende Zitat ---

Danke. ^^

Aktuell bin ich am tüfteln, wie man so ein Monstrum überhaupt bauen kann -- man braucht ja quasi eine frei im Wind fliegende Werft.

gilborn:

--- Zitat von: Feuersänger am 29.08.2026 | 11:30 ---Nun, so wie sich mir das darstellt, skaliert die Produktivität so günstig nach oben, dass es eigentlich keinen Grund gibt, die Dinger kleiner zu bauen als was man ingenieurstechnisch/physikalisch konstruieren kann.

--- Ende Zitat ---
Gut, das wäre die reine technische Sicht.
Wenn dann aber ein Controller und Manager darüber schaut, kann es schnell heißen:
"Das ist ja schön und gut Herr Ingenieur, aber wenn ich so eine Werft hinstelle, macht die erstmal über Jahrzehnte keinen Gewinn. Wie soll ich das den Stakeholdern erklären? Und was, wenn es am Ende gar nicht funktioniert? Können wir das zunächst in kleinerem Maßstab testen? Ein Prototyp? Außerdem sind sie dann schneller gebaut, und wir schreiben schneller schwarze Zahlen."
Wenn du es so im Setting haben willst, findet sich irgendeine plausibel-kapitalistische Begründung warum es mehr Typen gibt.


--- Zitat von: Feuersänger am 29.08.2026 | 11:30 ---Aktuell bin ich am tüfteln, wie man so ein Monstrum überhaupt bauen kann -- man braucht ja quasi eine frei im Wind fliegende Werft.

--- Ende Zitat ---
...womit man dann eine Werft-Werft bauen müsste ; )

Könnte die Werft im Orbit sein, meinetwegen an L1 (Da hätte man gleich viel Solarenergie) von wo man dann die Rochen bei der Jungfernfahrt in die Venusathmosphäre "hinabtauchen" lässt?

Feuersänger:

--- Zitat von: gilborn am 29.08.2026 | 11:56 ---Wenn dann aber ein Controller und Manager darüber schaut, kann es schnell heißen:
"Das ist ja schön und gut Herr Ingenieur, aber wenn ich so eine Werft hinstelle, macht die erstmal über Jahrzehnte keinen Gewinn.<snip>
--- Ende Zitat ---

Nun, Redshift spielt ja _nach_ der Weltrevolution.  ;D Will sagen, das Venusprojekt ist ja Teil eines internationalen "Long Game" Plans, nachdem das Bewusstsein sich weg vom nächsten Quartalsbericht und hin zum längerfristigen Denken gewandelt hat.


--- Zitat ---...womit man dann eine Werft-Werft bauen müsste ; )

--- Ende Zitat ---

Meine Idee dazu wäre, Lastengleiter per Aerobraking in die Atmosphäre eintreten zu lassen, wo sie nach dem Bremsvorgang aufploppen und sich entfalten wie ein Rettungsfloß, nur dass die Auftriebskörper mit Wasserstoff statt Luft befüllt werden und obendrauf eine feste Plattform ist. Etliche dieser Module werden dann (von Robotern) zu einer großen Wanne verbunden, und in dieser Wanne wird dann der Solarkreuzer gebaut.


--- Zitat ---Könnte die Werft im Orbit sein, meinetwegen an L1 (Da hätte man gleich viel Solarenergie) von wo man dann die Rochen bei der Jungfernfahrt in die Venusathmosphäre "hinabtauchen" lässt?

--- Ende Zitat ---

Das klingt an sich praktisch, allerdings habe ich so meine Bedenken dass so ein 6000-Tonnen-Brocken so stabil ist dass er einen Atmosphäreneintritt übersteht. Aber kA, wer weiß -- wenn das Ding eine ausreichend hohe Gleitzahl hat, oder man ausreichend Einweg-Descent-Raketen dranschraubt, wäre es womöglich eine Option. Und natürlich ein extrem cinematisches Bild. Ich denk da mal drauf rum!

Edit:
Computer sagt Nein.
Diese Konstruktion ist im Prinzip darauf angewiesen, von aufgeblasenen Wasserstoffzellen unter Spannung gehalten zu werden. Im aufgeblasenen Zustand kann man sie aber nicht de-orbiten, weil durch die dabei entstehende Wärme der Wasserstoff sich extrem ausdehnen würde und die Zellen platzen würden. Und nicht-aufgeblasen geht auch nicht weil die auftretenden Kräfte das Trumm zusammenknüllen würden wie Alufolie.
Also so cool das mentale Bild, wie so ein riesiger Rochen in die Atmosphäre eintaucht auch ist, es dürfte wohl physikalisch unmöglich sein und passt somit nicht zum Hard-SF Anspruch von Redshift. Wir werden uns wohl doch an eine peu à peu zusammengebaute Wannen-Werft halten müssen.

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