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Shadowrun: Capital Files "Volume/03 - White Russian Nights"
Enkidi Li Halan (N.A.):
Zago hatte sich zurückgeleht, zog genussvoll an der Zigarre und genoß die Show. Das hier war Marovs Bühne und wie immer war er gespannt, wie er das Stück diesmal inszenieren würde. Sie kannten sich schon lange, er und Aleksej, aber es gelang ihm trotzdem immer wieder, ihn zu überraschen.
Zug um Zug bewegte Marov seine Figuren, manchmal vorsichtig, manchmal riskant. Doch am Ende ging er als Sieger hervor. Ob er dabei fair war– nun, das war eine Sache des Blickwinkels. Er fragte sich, ob Vak das auch auch erkannt hatte, als seine Stunde gekommen war. Fair ist, was die Kreise der Familie nicht stört. Das hatte der alte Ilja ihm immer gesagt, damals in Moskau. Zago lebte nach diesem Kodex und hatte es nie bereut. Niemals.
Aber Typen wie Vak kassierten früher oder später die Rechnung. Die Familie duldete keine Verräter. Und wenn die AGC ihre Finger in der Sache hatte, würde Marov dafür sorgen, dass sie ihren Anteil daran zahlte.
Er musterte den Runner, der einsam vor ihnen auf seinem Stuhl saß, beobachtete seine Mimik, seine Körpersprache. Wenn Marov wirklich wollte, dass er dem Team zur Hand ging, musste er sie kennen, sie einschätzen können. Wie immer würde das der spannenste Teil seines Jobs werden. Runner waren empfindliche Psychen. Er grinste.
Ludovico:
Ein kleines bißchen tat Taxi Sergej leid.
Hier saß er, umringt von Russen in einem Laden, der Russen gehörte und das ganz allein. Er wollte jetzt nicht in der Haut des Runners stecken.
Tool trank ein Schluck Bier und schaute sich das alles an. Außerdem war er ja auch selber neugierig auf die Mission. Dummerweise durfte er als Angestellter jetzt nicht selber die Fragen stellen, wenn er nicht wollte, daß Marov das Gesicht vor diesen Runnern verliert.
Doc Letterwood:
"Sicher, sicher." Marov winkte lässig mit der Hand, während Taxi das Gespräch annahm.
"Messiah. Schalt mich auf Lautsprecher. Dann kann es losgehen."
Im gleichen Moment, als Taxi die Lautsprechertaste gedrückt hatte, klingelte auch Marovs Handy. Er hob kurz die Hand, um Halt zu signalisieren, und nahm das Platinhandy aus der Jackentasche.
"Ja? - Wieso, zu teuer? - Ich habe dir hundert Mal gesagt, dass meine Geschäftspartner bevorzugt behandelt werden, wenn es um Preise geht. - Ja, natürlich! - Fünfzehn Prozent Nachlass. - Ja. - Ich stehe zu meinem Wort, du weißt das. Ehre, wem Ehre gebührt. - Ja. Und jetzt halte die Leute nicht auf. Sonst komm ich vorbei und mache dir Beine. Fünfzehn Prozent, kapiert? - Danke. Auf Wiederhören."
Damit legte er auf.
"Entschuldigen Sie. Also, da jetzt scheinbar alle eingetroffen sind...", er musterte Taxis Handy, das der in seiner offenen Hand hielt, "Wie ich gehört habe, befinden wir uns beide in einer Situation, die möglicherweise gegenseitiges Entgegenkommen erfordert. Ich bilde da keine Ausnahme, und ich vertraue auf das, was ich von Ihnen gehört habe."
Er wechselte kurz einen Blick mit Zago. "Der Auftrag, den ich Ihnen erteilen möchte, dreht sich um die Beschaffung einer Person. Ihr Name ist Jaroslav Weizmann."
Sir Mythos:
Taxi hatte seine Züge glücklicherweise genug unter Kontrolle. Ein Vorteil wenn man früher mal auf der Auftraggeberseite mit am Tisch gesessen hatte. Zwar nicht als Schmidt, aber man musste trotzdem auf seine Gesichtszüge achten.
Er mussterte den Russen kritisch. Wusste er von den Vorgängen die das Team mit Weizmann bzw. dessen Schwester verband? Wahrscheinlich, schließlich würde sich der Russe vorher schlau gemacht haben.
Taxi deutete dem Russen gegenüber ein wissendes Lächeln an.
"Erste Grundsatzfrage dazu: in welchem Zustand? Lebendig oder tot?"
Er hasste Wet-Work, aber er war darin ausgebildet worden und er war gut darin. Trotzdem musste er es ja nicht mögen, geschweige denn immer annehmen. Obwohl man bei gewissen Personen ne Ausnahme machen konnte. Taxi dachte kurz an Mira Weizmann, kam dann aber sofort wieder zu dem Geschäft zurück.
Es wurde anscheinend interessant. Der Russe gefiel ihm.
Doc Letterwood:
"Lebendig.", antwortete der Russe und lächelte zurück. "Ich kann ihnen allerdings nicht sagen, ob er freiwillig mitkommt oder ob sie ihn zwingen müssen. Gehen Sie besser von zweiterem aus.
Was wir wissen, ist, dass er seit einer Tagung über Molekulargenetik vor ein paar Tagen hier im Rhein-Ruhr-Plex verschwunden ist. Was es mit seinem Verschwinden auf sich hat, ist unbekannt. Unser Wissen ist hier."
Er legte einen Datenchip zwischen sich und Taxi auf den Tisch.
"Unsere Bezahlung wird in der Extraktion Ihrer Bekannten liegen. Zusätzlich bieten wir Ihnen an, Ihre Auslagen zu decken, die Sie während der Suche nach Weizmann haben."
"Akzeptabel.", ließ sich Messiahs Stimme aus dem Handy vernehmen. "Ich denke, es liegt in unser aller Interesse, wenn diese Extraktion ohne Schäden am Subjekt vonstatten geht. Darüber hinaus erwarten wir, Weizmann in einer anderen Angelegenheit verhören zu dürfen. Einer Ihrer Mitarbeiter kann gerne zugegen sein, allerdings handelt es sich dabei um eine persönliche Angelegenheit. Taxi wird Ihnen das sicherlich bestätigen."
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