Das Tanelorn spielt > Capital Files
Shadowrun: Capital Files "Volume/03 - White Russian Nights"
The_Kossack:
Vadim balancierte die Tasse auf der Untertasse, und hielt sie dann einfach fest. Grinsend hörte er Zagos Analyse zu, hockte sich dann auf das eine Ende der Couch. "Ich könnte morgen wieder in Düsseldorf sein ... mittags, in der Kante. Eilt aber nicht, ich meine, Andrei kann wie üblich auch anrufen." Das war nicht richtig fair, aber Andrei würde verstehen müssen, daß Job Job war und daß der Auftraggeber die Zeiten vorgab. Wodka ist Wodkas und Dienst ist Dienst, wie der Corporal immer geesagt hatte.
Er nahm einen Schluck von dem heißen Gebräu und nickte anerkennend. Kein Vergleich mit der seifigen Plörre, die sonst als Kaffee durchging. Ein Monatsgehalt in eine Kaffeemaschine zu investieren machte durchaus Sinn. Er würde erstmal bei seinem Tauchsieder und den Teebeuteln bleiben - oder Iwans quietschbunten Wasserkocher strapazieren (zehn Nuyen, "Wassörheißköch" von IKEA). Das verdammte Chrom und Metal wirkte sich eben nicht nur auf seine Reflexe aus.
"Schon okay, ich meine, hey, bei OMON gilt es als höflich, anderen Leuten den Gewehrkolben durch die Fresse zu schieben." Er lachte trocken. Oh Mann, sein Humor wurde langsam etwas dunkel. "Solange Herr "Ich werde ewig leben" seinen Job macht ..." Er hob die Schultern und trank etwas mehr Kaffee, dachte darüber nach. Tool konnte er leiden, obwohl er Ukrainer war. Die anderen ... puh. Waren wohl okay, solange keiner von denen ihm in den Rücken schoß. Alles andere nahm er nicht so krumm.
"Hey, meine Zeit ist deine Zeit, Zago - ist ja nicht gerade so, daß ich massenweise Hobbies hätte oder eine Familie oder so einen Unsinn. Ich bin zu allen Schandtaten bereit."
Enkidi Li Halan (N.A.):
"Na dann los." Zago klatschte sich von plötzlichem Tatendrang erfüllt auf die Oberschenkel und raffte sich von der Couch auf. Das Knie ächzte, aber ein, zwei Vodka waren die beste Medizin für solche Fälle.
Er verschwand kurz im oberen Stockwerk und kam wenig später in lässigem Straßenlook nach unten, das Haar leicht verstubbelt. Nichts mehr ließ an das protzige Outfit von heute Mittag denken.
Sie schwangen sich in den Americar, obwohl Zago in der Garage sichtlich zögerte und dem BMW einen langen, fast verliebten Blick zuwarf. Aber nein, schon wieder keine Gegend für sein baby. Trotzdem hielt er es für an der Zeit, Vadim in die tieferen Geheimnisse des BMW einzuweihen und als sie zwanzig Minuten später die Auobahnabfahrt erreichten, wusste Vadim alles über Motor, Elektronik, Innenausstattung und jede verdammte Schraube darin.
Sie parkten vor dem Karenin, Zagos Stammkneipe. "Lass uns erst mal hier reinschauen, bevor wir uns um den Job kümmern." Er zog wieder sein Kom aus der Tasche und checkte kurz die Mailbox. Immer noch nichts von Feder. Ließ sich Zeit heute.
The_Kossack:
Komisch, ohne Waffen loszuziehen. Naja, was heißt "ohne". Muay Thai bis zu den Augenbrauen, und die Sporne, die in seinem Arm lagen, ruhig. Und die kleine Holdout-Pistole beim Knöchel. Ganz unbewaffnet - das konnte er nicht, ging einfach nicht. Berugfskrankheit, ganz sicher.
Die schwarzen Tarnklamotten waren ganz sicher ein Overstatement, trotz des derzeit wieder coolen "Urban Combat"-Looks. Vadim grinste schief, hörte sich die Lektion über Autos an. Zago war witzig, unterhaltsam, und seine Augen leuchteten. Schwer, etwas nicht zu mögen, für das sich jemand so begeistern konnte. Irgendwie sprang immer etwas von dem Funken über - die einzigen Wagen, die Vadim gefahren hatte, waren die Jeeps in der Armee, und auch nur, wenn die anderen noch besoffnener waren als er. Eine Einweisung jenseits von "Da ist das Gas, da ist die Bremse, lenken wirst du wohl können" hatte er nie wirklich erhalten. Aus ihm machte man einen Nahkämpfer, keinen Fahrer. Und bisher kam er mit Taxis oder Mietwagen ganz gut klar.
Als Zago vor dem Karenin hielt, stand Vadim auf und lockerte etwas den Nacken, rollte langsam die Schultern. Er sollte mehr Zeit mit Stretching verbringen. Kurzer Rundum-Blick, nur das Übliche, dann trat er an Zagos Seite. Nur zwei Kumpel, die zusammen einen zischen gingen. Vadim spürte, wie er sich entspannte - eine träge Schwere, wach, aber nicht wachsam im Militär-Sinn, warm und wohlig-gemütlich - ein Gefühl, das er seit dem Upgrade der Reflexe nur noch ganz selten empfand. Konnte eigentlich nur ein netter Abend werden.
Ludovico:
Sergej hatte genug.
Er stand auf und zahlte seine Rechnung. Beim Rausgehen zog er sein Handy und rief eine gute alte Bekannte aus Odessa an:
"Hey Molotowa, mein Engel.
Wieso ich anrufe? Ich hab lange nichts mehr von Dir gehört. Wie sieht es aus mit einem Essen am Wochenende als Gedenken an die alten Tage?
Wo? Weiß ich noch nicht. Du bist hier ein paar Tage länger als ich. Kennst Du... Aha...aha...ja das klingt gut.
Samstag um 19 Uhr? Super!
Übrigens ruf ich nicht nur deswegen ab. Klar ist mir klar, daß Du es wußtest.
Was es ist?
Ja, also ich suche zur Zeit nach einem Jaroslav Weizmann, der die Flatter gemacht hat. Ich versuche gerade ein paar Infos über ihn zusammenzutragen, was gar nicht so leicht ist ohne die richtigen Kontakte.
Ich bin bisher nur über einige Ungereimtheiten gestoßen.
Hilfst Du mir?
Nun komm schon! Bitte! Für mich...
Na also, das ist die Molotowa, die ich kenne und liebe.
Also, kannst Du für mich nach Infos über einen Dr. Mark Kessler suchen. Er ist der Umweltbeauftragte der AGC Europa.
So ein hohes Tier kann der nicht sein. So wie die AGC mit der Natur umgeht, scheint das ein Posten für diejenigen zu sein, die man wegbefördert haben will.
Machst Du das?
Danke!"
Doc Letterwood:
--Schnitt--
Taxi - Am "Suthern"
Er ging die paar Schritte um das Haus herum. Eine gepflasterte Einfahrt führte in einen Hinterhof, der mit Mülltonnen vollgestellt war. Die Fassade des Hauses sah aus, als sei sie seit Jahrzehnten nur noch mit Graffiti und saurem Regen in Berührung gekommen.
Gerade wollte Taxi um die Ecke biegen, um zu dem schmalen Stahltürchen zu kommen, das den Hintereingang markierte, als er Stimmen hörte. Zwei männliche Stimmen. Über die hohen Mülltonnen hinweg erkannte er drei Männer, die um die beiden Sprecher verteilt im Hinterhof des Suthern standen. Einer der beiden in der Mitte des Kreises war Dan.
Dan, schmal und hochaufgeschossen, überragte seinen Gesprächspartner um mindestens eine Haupteslänge. Sein langes, zerzaust wirkendes Haar war nass wie nach einem Regenguss. Er schien nervös an einer Zigarette herumzukauen. Was er immer tat, wenn er nervös war. Es sei denn, er kratzte sich in seinem pockennarbigen Gesicht.
"Okay, Dan, was weißt du darüber?"
"Nichts, Morten. Ich weiß vieles, aber nicht alles."
"Komm schon. Du bist es mir schuldig. Ich habe deinen Arsch vor den Japsen gerettet..."
Dans Gegenüber, ein untersetzter Mann mittleren Alters, zog etwas aus seiner Windjacke.
"Hier. Nimm das. Als kleine Anerkennung. Und nun rück mit der Sprache raus!"
"Ach verdammt, Morten...", sagte Dan und nahm das Päckchen an sich, das Morten ihm hinhielt.
"Okay...also, ich habe gehört, dass Vak angeblich noch lebt."
"Mh-mh. Und weiter? Wer hat ihn so zugerichtet?"
"Darüber weiß ich nicht viel..."
"Hey, Dan...!"
"Ja...okay, das einzige, was ich weiß, ist, dass es Profis waren. Ein Räumkommando mit einem goldenen Adler."
"Na, das ist doch schon mal was. Der Boss wird erfreut sein, mit dir weiter Geschäfte zu machen."
Morten nickte Dan aufmunternd zu. "Jungs, wir rücken ab."
Als er in das fahle Licht trat, das die Küche des "Suthern" in den Hinterhof warf, fuhr sich Morten durch sein dunkelblondes Haar. Er war breitschultrig, und seine Cyberaugen strahlten einen unheimlichen fahlweißen Glanz aus. Seine Begleiter waren Konzerntypen - gestylt und völlig unpassend gekleidet für diese Gegend. Einer schloss schnellen Schrittes zu Morten auf, der auf den Ausgang des Hinterhofes zuhielt - und dabei zwangsläufig Taxis Beobachtungsposition passieren musste.
"Eagle One ist in der Stadt...", hörte Taxi den Konzerntypen murmeln. Morten nickte. "Ich habe es befürchtet. Aber machen Sie sich nicht ins Hemd. Wir benachrichtigen Maggiaro. Indessen werden wir mal sehen, wo unser lieber Russendon abgeblieben ist. Wenn einer weiß, wo Weizmann ist, dann er."
Schnellen Schrittes näherten sich die vier der Mülltonne, hinter der Taxi saß. Dan schnippte inzwischen die Kippe davon und zündete sich eine zweite an. Dann lehnte er sich gegen die Hausmauer und ließ den Kopf hängen.
Zago und Vadim - Im "Karenin"
Eine Zeitlang saßen sie an der Bar, tranken, redeten und ließen den Blick schweifen. Das "Karenin" war nicht sonderlich gut besucht. Aus den Lautsprechern dudelte Elektropop. Mitten in einer Diskussion um gelochte Bremsschreiben für den BMW meldete sich Zagos Handy. Feder.
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