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[SF: Redshift] Schiffsdesign und Technologie

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Yerho:

--- Zitat von: Feuersänger am 27.03.2013 | 19:35 ---das Problem mit den bzw für die Piraten ist, dass im Unterschied zu heute - aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen in mehreren Nationen - ein gut Teil der Frachter / Kauffahrer nicht großen Reedereien gehört, sondern genossenschaftliches Eigentum der Besatzungen selbst (freilich auf Pump finanziert). Das ist also nicht ihr unterbezahlter Job mangels besserer Alternative (wie das bei heutigen Seeleuten der Fall ist), sondern ihre unersetzliche Existenz. Da würde ich mich wirklich nicht drauf verlassen, dass diese Klientel beim ersten Anzeichen eines Piraten sich freiwillig in die Beiboote setzt.
--- Ende Zitat ---

Angesichts der hohen Investitionen und laufender Kredite wäre selbst der Verlust einer einzigen Ladung bereits so verheerend, dass es aus Sicht der Crew keinen Unterschied macht, ob die Piraten nur die Ladung oder die Ladung und das Schiff haben wollen.

Auch aus Sicht der Piraten ist das egal, denn sowohl zum Entladen des Schiffes als auch zu dessen kompletter Übernahme müsste der Widerstand der Besatzung gebrochen werden.

Geiselnahme als Geschäftsmodell wäre natürlich vom Tisch, weil hinter dem Schiffsverkehr nichts genug freies Kapital steht. Aber mal anders gefragt, wie kommt's denn, dass ausgerechnet die mit ordentlich Kohle nicht in dem Bereich investieren und der Markt komplett Genossenschaften überlassen wird? Und müssten nicht auch massiv staatliche Gelder drinstecken, wenn es bei den Transporten darum geht, Gewinne aus den Kolonien zu ziehen?


--- Zitat ---Das ließe sich einzig durch Existenz entsprechender Versicherungen auflösen -- aber mal ehrlich, würdest du wirklich ein Rollenspiel zocken wollen, in dem es um _Versicherungsprämien_ geht?
--- Ende Zitat ---

Nun ja, es geht ja auch schon massiv um Kredite, damit es überhaupt - weil vom Look&Feel her so gewollt - kleine Skipper gibt. Da macht die unvermeidliche Notwendigkeit von Versicherungen den Kohl auch nicht mehr fett.

Die Frage ist dann eher, ob sich jeder freie Skipper bei den geringen Margen überhaupt eine Versicherung leisten kann oder ob er es sich leisten kann, immer die Bedingungen zu erfüllen, die für die Police gelten. Zur Hochzeit des irdischen Piratenunwesens lautete eine der Hauptbedingungen für die Gültigkeit einer Police "Segeln unter Bedeckung", sprich man musste die Überfahrt mit Eskorte antreten. Selbst wenn dieser Schutz von staatlicher Seite erfolgt und wenig bis gar nichts kostet, stellt er doch eine zeitliche Bindung dar. Wenn gerade kein eskortierter Konvoi von A nach B abgeht, kann das nicht immer maßgeblich für kleine Skipper sein, bei denen jede Sekunde Geld kostet.

Feuersänger:

--- Zitat von: Fantomas am 28.03.2013 | 09:54 ---Angesichts der hohen Investitionen und laufender Kredite wäre selbst der Verlust einer einzigen Ladung bereits so verheerend, dass es aus Sicht der Crew keinen Unterschied macht, ob die Piraten nur die Ladung oder die Ladung und das Schiff haben wollen.
--- Ende Zitat ---

Das ist nicht so. Ein neues Schiff ist ausgelegt auf 30 bis 40 Jahre Abschreibung. Zwischen zwei Fahrten ist immer ein Layover zur Wartung des Schiffs und Erholung der Crew eingeplant [das ist die Zeit, in der Abenteuer auf Planeten stattfinden können]. Wenn man einmal eine Ladung verliert, kann man das wieder aufholen; insbesondere wenn es nur konsolidierte Fracht ist (d.h. sie gehört nicht der Crew, sondern wird nur gegen Entgelt befördert). Natürlich werden die Spacer trotzdem nicht scharf darauf sein, ihre Ladung abzuwerfen, aber sie werden dazu ungefähr hundertfünfzigmal eher bereit sein, als ihr Schiff aufzugeben.


--- Zitat ---Aber mal anders gefragt, wie kommt's denn, dass ausgerechnet die mit ordentlich Kohle nicht in dem Bereich investieren und der Markt komplett Genossenschaften überlassen wird? Und müssten nicht auch massiv staatliche Gelder drinstecken, wenn es bei den Transporten darum geht, Gewinne aus den Kolonien zu ziehen?
--- Ende Zitat ---

Dafür gibt es je nach Modell X Gründe, die sich auch von Nation zu Nation unterscheiden können. Das gehört aber alles mehr in den Setting- als in den Technologiethread. Um es kurz zusammenzufassen: Konzerne und Banken wurden entmachtet, und stehen in den meisten Nationen unter staatlicher Kontrolle. Es gibt noch Zinsen, aber keine Zinseszinsen mehr, weil man endlich eingesehen hat, dass diese in regelmäßigen Abständen zum Kollaps des Systems führen. Nebenbei ist aufgrund des hohen Automatisierungsgrads der Arbeitsmarkt stark geschrumpft; die meisten Menschen arbeiten maximal Teilzeit. Viele Staaten sehen es als ihre Hauptaufgabe - auch in Analogdemokratien - die Bürger mit einem gewissen Lebensstandard zu versorgen, um Revolten zu vermeiden, aber es wird auch großer Wert auf Konformität gelegt. Wer nicht in dieses Schema passt, wird wenn irgend möglich ins Weltall entsorgt. Dann stiftet er auf der Erde keine Unruhe mehr und bringt obendrein noch Kohle ins Haus.
Schließlich: es gibt nach wie vor Logistikkonzerne à la DHL, Mærsk etc., die einen Großteil des Linienbetriebes abdecken. Aber es gibt eben auch viele unregelmäßige Fahrten, für die die Konzerne nicht flexibel genug sind, und dieser Bereich wird eben von Trampfrachtern bedient.
Der Markt im Weltenverkehr ist sehr prekär: einerseits darf der Transport nicht viel kosten, weil sich sonst niemand die Fracht leisten kann, und die Kolonien verkümmern. Andererseits bedingen die Kosten für Raumschiffe eine hohe Investition, die niemand mehr tätigen würde wenn es sich nicht rentiert. Auf die Weise sind die Frachtraten und Preise nicht beliebig in die eine oder andere Richtung verschiebbar.

Der typische Werdegang einer Schiffsgenossenschaft ist, dass man erstmal ein altes, bereits abgeschriebenes Schiff für relativ wenig Geld (also notfalls ein kleiner Kredit) kauft. Nach einigen Jahren hat man dann genug Eigenkapital, um ein neues Schiff anzuschaffen. Neue Schiffe sind effizienter und natürlich zuverlässiger als alte.


--- Zitat ---Die Frage ist dann eher, ob sich jeder freie Skipper bei den geringen Margen überhaupt eine Versicherung leisten kann oder ob er es sich leisten kann, immer die Bedingungen zu erfüllen, die für die Police gelten. Zur Hochzeit des irdischen Piratenunwesens lautete eine der Hauptbedingungen für die Gültigkeit einer Police "Segeln unter Bedeckung", sprich man musste die Überfahrt mit Eskorte antreten.

--- Ende Zitat ---

Das ist eine schöne Idee, warum Versicherungen nicht die universelle Lösung darstellen.
In eine ähnliche Kerbe könnte die Paranoia der Versicherungen hauen, dass ja womöglich Piraten und Crews unter einer Decke stecken, und den Überfall nur fingiert haben um die Versicherung abzuzocken.

Im Wesentlichen geht es hier um die Perspektiven für die Protagonaisten und Stories, die sich abspielen sollen:
- wenn du von Piraten überfallen wirst und die dir dein Schiff wegnehmen: Game Over --> bescheuert
- wenn du von Piraten überfallen wirst und sie dir nur die Ladung wegnehmen, und du gehst pleite: --> langweilig
- wenn du von Piraten überfallen wirst und die Versicherung bezahlt: --> langweilig
--> die Piratenbedrohung muss so austariert werden, dass es einen Grund gibt, um die Ladung zu kämpfen, ohne im Falle einer Niederlage sofort game over zu sein.
Nebenbei sollen Piraten ja sowieso nicht das Hauptthema sein. Aber man erwartet sie halt irgendwie in so einem Setting.

Yerho:

--- Zitat von: Feuersänger am 28.03.2013 | 11:17 ---Wenn man einmal eine Ladung verliert, kann man das wieder aufholen; insbesondere wenn es nur konsolidierte Fracht ist (d.h. sie gehört nicht der Crew, sondern wird nur gegen Entgelt befördert). Natürlich werden die Spacer trotzdem nicht scharf darauf sein, ihre Ladung abzuwerfen, aber sie werden dazu ungefähr hundertfünfzigmal eher bereit sein, als ihr Schiff aufzugeben.
--- Ende Zitat ---

Okay, unter dem Gesichtspunkt haut das hin. Darauf basierend fällt mir direkt eine Szenario ein: Manche Auftraggeber bestehen womöglich darauf, ihrer wertvollen Fracht Sicherheitspersonal beizugeben. Da sind Konflikte vorprogrammiert, wenn die Crew im Angesicht einer Gefahr längst die Aufgabe der Ladung erwägt.


--- Zitat ---Der typische Werdegang einer Schiffsgenossenschaft ist, dass man erstmal ein altes, bereits abgeschriebenes Schiff für relativ wenig Geld (also notfalls ein kleiner Kredit) kauft. Nach einigen Jahren hat man dann genug Eigenkapital, um ein neues Schiff anzuschaffen. Neue Schiffe sind effizienter und natürlich zuverlässiger als alte.
--- Ende Zitat ---

Dennoch solltest Du die Option berücksichtigen, dass nicht die komplette Crew aus Miteignern besteht. Je mehr Geld jemand in so ein Schiff stecken kann, desto besser ist er gestellt und desto weniger wird er bereit sein, den ungemütlichen und manchmal gefährlichen Job selbst zu machen. Ein paar angestellte Crewmen dürfte es also schon geben, schon allein damit man die Option auf Meutereien und das Shangaien nicht verliert, worasu sich auch schöne Szenarien basteln lassen.


--- Zitat ---In eine ähnliche Kerbe könnte die Paranoia der Versicherungen hauen, dass ja womöglich Piraten und Crews unter einer Decke stecken, und den Überfall nur fingiert haben um die Versicherung abzuzocken.
--- Ende Zitat ---

Da hättest Du womöglich gleich noch eine weitere Gruppe von Leuten, die sich noch im Weltraum herumtreiben, obwohl es auf Planeten gemütlicher ist: Agenten der Versicherungen oder der Investoren, die ihre Versicherten kontrollieren bzw. ihre Investition im Auge behalten möchten.


--- Zitat -----> die Piratenbedrohung muss so austariert werden, dass es einen Grund gibt, um die Ladung zu kämpfen, ohne im Falle einer Niederlage sofort game over zu sein.
--- Ende Zitat ---

Wobei das auch ein starker Anreiz sein kann, nach der Ladung zu forschen. Es ist ja nicht so, dass die mal eben beim Hehler um die Ecke unterm Thresen verschwindet. Die Ware muss erst einmal "gewaschen", also irgendwo aufbewahrt, neu verpackt, mit gefälschten Herkunfts- und Eigentumsnachweisen versehen werden, bevor man sie unbemerkt wieder in Umlauf bringen darf. Da Piraten in Deinem Setting eher Einzeltäter sind, werden sie das vermutlich irgendwo dort tun, wo auch legale Waren umgeschlagen werden.


--- Zitat ---Nebenbei sollen Piraten ja sowieso nicht das Hauptthema sein. Aber man erwartet sie halt irgendwie in so einem Setting.
--- Ende Zitat ---

Ich könnte mir überdies vorstellen, dass die meisten Piraten dies nicht hauptberuflich machen, sondern eigentlich nur glücklose Skipper sind, die sich nicht anders zu helfen wissen und die nach einem geglückten Coup die Finanzspritze erhalten haben, um wieder den regulären Frachtbetrieb aufzunehmen. Generell dürften für Quertreiber, wie sie die Spacer ja sind, die Übergange zwischen Frachtführer, Schmuggler und Pirat ziemlich fließend sein. Insbesondere dann, wenn die Zeiten schlecht sind.

Feuersänger:

--- Zitat von: Fantomas am 28.03.2013 | 15:17 ---Dennoch solltest Du die Option berücksichtigen, dass nicht die komplette Crew aus Miteignern besteht. Je mehr Geld jemand in so ein Schiff stecken kann, desto besser ist er gestellt und desto weniger wird er bereit sein, den ungemütlichen und manchmal gefährlichen Job selbst zu machen. Ein paar angestellte Crewmen dürfte es also schon geben, schon allein damit man die Option auf Meutereien und das Shangaien nicht verliert, worasu sich auch schöne Szenarien basteln lassen.
--- Ende Zitat ---

Diese Optionen müssen wir wohl auf ein Rocketpunk-Paralleluniversum verlagern. Aufgrund des konsequenten Techlevels mit weit entwickelten Computern und hohem Automatisierungsgrad sind die Crews moderner Schiffe in Redshift sowieso schon sehr überschaubar -- nämlich üblicherweise 4 bis 6 Mann. [Die typische Spielrunde eben.] Da ist schlicht kein Platz für Angestellte oder Zwangsverpflichtete. Das spielt ja auch mit rein, warum die Schiffe so leicht sein und entsprechend viel Nutzlast aufladen können.

Das wäre bei einer Kriegsmarine auch wieder ganz anders: da will man eine große Besatzung haben, zwecks Redundanz und schlicht mehr Manpower zur Schadenskontrolle. Ganz abgesehen von den Espatiers für den Enterkampf. Deswegen müssten Kriegsschiffe auch viel größere Habitate und entsprechende Lebenserhaltungssysteme besitzen.


--- Zitat ---Wobei das auch ein starker Anreiz sein kann, nach der Ladung zu forschen. Es ist ja nicht so, dass die mal eben beim Hehler um die Ecke unterm Thresen verschwindet. Die Ware muss erst einmal "gewaschen", also irgendwo aufbewahrt, neu verpackt, mit gefälschten Herkunfts- und Eigentumsnachweisen versehen werden, bevor man sie unbemerkt wieder in Umlauf bringen darf.

--- Ende Zitat ---

Kommt darauf an, ob die Piraten die Ladung wirklich wieder verkaufen oder sie einfach zur eigenen Verwendung behalten. Hängt natürlich davon ab, was man jetzt gefangen hat. Aber generell hätte ich auch so den Verdacht, dass es den Handelsagenten der indischen Kolonie relativ egal ist, ob die Proteinriegel und Computerchips mit dem Logo des British Empire gebrandet sind. [Indien ist eine Macht für sich und steht nicht unter Fuchtel der Briten]


--- Zitat ---Ich könnte mir überdies vorstellen, dass die meisten Piraten dies nicht hauptberuflich machen, sondern eigentlich nur glücklose Skipper sind, die sich nicht anders zu helfen wissen und die nach einem geglückten Coup die Finanzspritze erhalten haben, um wieder den regulären Frachtbetrieb aufzunehmen. Generell dürften für Quertreiber, wie sie die Spacer ja sind, die Übergange zwischen Frachtführer, Schmuggler und Pirat ziemlich fließend sein. Insbesondere dann, wenn die Zeiten schlecht sind.

--- Ende Zitat ---

Das ist sehr gut möglich. Und die Zeiten sind immer schlecht. ;)

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