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[SF: Redshift] Schiffsdesign und Technologie
Yerho:
Zum Thema Wassertransport eine Anregung: Man könnte bestimmte Segmente von Raumschiffen, zum Beispiel den Antikollisions-Frontschild, modular gestalten und wann immer passend bei einem solwärtigen Trip durch ein Modul aus Eis ersetzen. Damit hätte man ohnehin notwendige, aber wertlose Masse durch Wertmasse ersetzt. Dabei kommt pro Trip nicht viel mit, aber in der Summe läppert sich das schon und bereitet einen nur geringfügigen Mehraufwand.
--- Zitat von: Feuersänger am 27.03.2013 | 17:36 ---Piraten -- "komplette Prise" kannst du vergessen, weil die Zivilisten überhaupt keinen Anreiz haben, den Piraten ihr Schiff zu überlassen. Wenn sie so oder so draufgehen würden, können sie sich auch genausogut selber in die Luft sprengen.
--- Ende Zitat ---
Stimmt, die Opfer von Piratenüberfällen haben in jüngster Zeit immer bis aufs letzte Brotmesser gewehrt und den heroischen Freitod gewählt, statt sich zu ergeben und von ihrer Reederei ausgelöst zu werden. ;)
Mal wieder ernsthaft: Das Ganze steht und fällt doch damit, wie die Erfahrungen in solchen Fällen aussehen. Wenn die Frachtercrews wissen, dass sie für die Piraten den Wert eines Lösegelds besitzen und daher üblicherweise nicht über die Planke durch die Luftschleuse hinaus geschickt werden, sehen sie nicht dem sicheren Tod ins Auge. Sie nicht dem sicheren Tod ins Auge sehen zu lassen ist - aus den von Dir genannten Gründen - im Interesse der Piraten, weshalb sie entschlossen, aber nicht unnötig brutal vorgehen werden.
Dann ist zu berücksichtigen, dass Space-Age-Piraten nicht die verrohten Analphabeten früherer Jahrhunderte sind, selbst wenn Geiselnahme nicht integraler Bestandteil des Geschäfts ist und auf die im Falle der Festnahme nicht ohnehin nur der Galgen wartet, die also nichts zu verlieren haben, egal wie schonend oder brutal sie vorgehen. Das sind vielmehr Leute, die ein Raumschiff führen und unter widrigen Umständen in Schuss halten können - also schon eher intellektuelle Kriminelle, eventuell angereichert um ein paar technisch weniger qualifizierte Gasten für's Grobe, wenn doch mal wer den Helden spielen will. Geht man zu brutal vor, werden die Forderungen nach sofortigem Handeln der offiziellen Stellen so laut, dass eine ernsthafte Piratenhatz losgeht, mit null Toleranz und Standgerichten, weshalb es auch im Interesse von Piraten liegt, die Eskalation zu minimieren.
Wenn Du Piraten zutraust, dass sie zur Wahrung eines gepflegten Umgangs mit ihren Opfern Umstände in Kauf nehmen, auf Beute verzichten und die Besatzung am Leben lassen, warum traust Du ihnen dann nicht zu, einfach nur die Besatzung am Leben zu lassen? Die Optionen sind doch:
* 1.) Nimm Fracht, nimm Schiff, nimm Crew --> höchster Gewinnaussichten, mittlere Eskalation.
* 2.) Nimm Fracht, nimm Schiff, setze Crew in Beiboot oder Rettungsmodul aus --> etwas geringere Gewinnaussichten, geringe Eskalation.
* 3.) Nimm Fracht, nimm Schiff, töte Crew --> etwas geringere Gewinnaussichten, maximale Eskalation.
* 4.) Nimm Fracht, lasse Schiff, lasse Crew. --> sehr viel geringere Gewinnaussichten, geringste Eskalation.
Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass Piraten maximalen Gewinn erzielen wollen, aber nicht zwingend sadistische Psychopathen sind, kommen am ehesten die Varianten 1 und 2 in Frage.
--- Zitat ---Kurze Anmerkung noch zu den Coilguns, ich habe jetzt mal das Standardmodell auf 10mm umdefiniert -- bzw eigentlich war das Rohr sowieso auf 10mm ausgelegt, aber ich hatte die vorher als Sabotgeschosse definiert, da ich Penetration für wünschenswert hielt. Unter Umständen will man vielleicht auch noch deutlich größere Kaliber bei umso kürzeren Projektilen haben, aber das kommt mir komisch vor.
--- Ende Zitat ---
Ich halte es für richtig. Penetration ist schon wichtig, um die Hülle zu durchschlagen, aber ab einem bestimmten Punkt bringt es nichts mehr, die Penetrationsstärke zu maximieren, wenn die Penetration nicht das ist, was den eigentlichen Schaden verursacht. Geschossgeschwindigkeit, -querschnitt und -masse müssen ausgewogen sein. Was Du willst/brauchst ist HEIAP, wobei Du den Aufbau prinzipbedingt bei Verwendung von Coilguns spiegeln, also die Brandladung hinter den Wuchtkern legen müsstest. Durch das Mehrkomponentengeschoss steigt allerdings der Querschnitt um das Doppelte und das Gewicht etwa um das 20fache. Ich habe das jetzt nur überschlagen, aber wenn Du die Lauflänge der Coilgun um einen Meter erhöhst, sollten trotzdem noch etwa 6 km/s drin sein und wenn das Ding trifft, geht auch ordentlich was kaputt.
Feuersänger:
@Roman: hervorragend, werd ich mir eins schießen.
@DK:
nicht zwingend, meine ich. Ich bin jetzt nicht der Experte für Flüge aus der Ekliptik heraus, aber prinzipiell müsste man auch direkt drauf zuhalten können.
Man muss ja generell nur in Ausnahmefällen zum Sprungpunkt hinfliegen - es ist ja im Allgemeinen nur der Ankunftspunkt; abfliegen kann man von überall.
@Yerho:
das Problem mit den bzw für die Piraten ist, dass im Unterschied zu heute - aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen in mehreren Nationen - ein gut Teil der Frachter / Kauffahrer nicht großen Reedereien gehört, sondern genossenschaftliches Eigentum der Besatzungen selbst (freilich auf Pump finanziert). Das ist also nicht ihr unterbezahlter Job mangels besserer Alternative (wie das bei heutigen Seeleuten der Fall ist), sondern ihre unersetzliche Existenz. Da würde ich mich wirklich nicht drauf verlassen, dass diese Klientel beim ersten Anzeichen eines Piraten sich freiwillig in die Beiboote setzt.
Das ließe sich einzig durch Existenz entsprechender Versicherungen auflösen -- aber mal ehrlich, würdest du wirklich ein Rollenspiel zocken wollen, in dem es um _Versicherungsprämien_ geht?
Gasbow:
Ich antworte hier mal auf Feuersängers Beitrag aus dem Nachbarthread, da die Antwort dort doch recht off topic wäre.
--- Zitat ---Das ist genau son Punkt, an der Autor von heute die Computertechnologie verflucht. =D Hatten wir ja im anderen Thread.
Ob es heute schon eine Software bzw Autopiloten geben könnte, die ein Schiff spontan (ohne langwierige Planung) von hier zum Jupiter bringen könnte, quasi auf Knopfdruck und idiotensicher, sei mal dahingestellt.
Aber wenn Computer allein in den nächsten 2 Jahrzehnten nochmal 1000x stärker werden, dürfte das wohl wirklich kein Problem mehr darstellen.
Ihr kennt ja vielleicht die Simulation "Orbiter". Dafür gibt es ein sehr realistisch anmutendes Plugin namens TransX, welches ein Programm zur Durchführung von interplanetaren Missionen darstellt. Da es über das Cockpit-MFD gesteuert wird, ist es wahnsinnig unkommod zu bedienen. Prinzipiell lässt es sich in, sagen wir mal: wenigen Stunden erlernen, damit umzugehen.
Technisch würde ich sagen, ist es etwa auf dem Stand von 1990 oder früher. Wenn ich mich recht entsinne (kann grad nicht nachschauen), ist es etwa 500K groß.
Wie dem auch sei: ein simulierter Flug von der Erde zum Mars ist immer noch kein Pappenstiel. Ich weiß, wie man TransX bedient, ich kann den Kurs plotten, ich kann sogar die Mid-Flight Kurskorrekturen vornehmen. Und dennoch: oft geht mir auf den letzten "Metern" etwas schief, wenn ich Mars schon in Sichtweite habe und nur noch ein seinen Orbit einschwenken müsste.
Teilweise liegt das glaub ich daran, dass TransX einige Vereinfachungen vornimmt, die man als Pilot von Hand bzw nach Gefühl ausgleichen muss: es nimmt vielleicht an, dass die delta-V augenblicklich eintritt (statt über mehrere Minuten), und es rechnet per der Kursprojektion nicht die Schwerkraft der Planeten mit ein.
Was ich damit sagen will: mit einem Programm wie TransX verlangt der interplanetare Flug durchaus noch einiges an Skill, Übung und ein gewisses Maß an Intuition. Wäre die Technik auf diesem Maß eingefroren, hätte man Pilotenraumschiffe.
Aber wie gesagt, vermutlich wären da heute schon ganz andere Kaliber möglich, nicht auszudenken was man da in 200 Jahren machen kann.
--- Ende Zitat ---
Einen optimalen Kurs zu berechnen ist aber auch nicht gerade trivial.
Es sind ja zwei paar Schuhe eine Simulation zu machen, die sich als Spiel echt anfühlt (wie TransX) und eine Simulation zu machen, die tatsächlich die Realität hinreichend genau darstellt.
Die Bewegungen des Raumschiffes werden ja jetztentlich durch ein System von partiellen Differentialgleichungen bestimmt. Für diese Gleichungen lassen sich auch im allgemeinen keine analytischen Lösungen finden, man ist also tatsächlich von Computern abhängig.
Den optimalen Kurs zu bestimmen ist dann ja ein Optimierungsproblem mit diesen Differentialgleichungen als Randbedingen.
Das ist schon anspruchsvoll, aber eben lösbar und man kann ja davon ausgehen, dass eine Gesellschaft, die zivile Raumfahrt im großen Stil betreibt, diese mathematischen Probleme hinreichend gut lösen kann.
Der Mensch ist als Raumfahrer jetztendlich nur dazu da, Entscheidungen zu treffen, wenn Dinge nicht nach Plan laufen.
Man kann sicherlich postulieren, dass in der interplanetaren Raumfahrt eigentlich keine Probleme auftreten, die von einem Mensch, aber nicht von einem Computer gelöst werden können. Allerdings kann man meiner Meinung nach auch plausibel das Gegenteil annehmen.
Menschen können durchaus ihre Rechtfertigung auf realitischen Raumschiffen haben, allerdings sollte diese nicht in Dingen bestehen, die Computer einfach besser können, wie z.b. Kurse berechnen.
Der 08/15 Raumfahrer wird einen recht langweiligen Job haben, aber Rollenspieler tendieren ja dazu in Situationen zu kommen, die nicht nach Plan laufen.
Feuersänger:
Hinweis auf einen neuen Thread im SwoF-Bereich zum Thema Hohmann-Transfers:
http://tanelorn.net/index.php/topic,83158.msg1675919.html#msg1675919
Feuersänger:
Achja, den Beitrag hätt ich fast aus den Augen verloren.
--- Zitat von: Quaint am 27.03.2013 | 16:49 ---Was die Waffentechnologie angeht: Für später mal mit professionellen Waffen wären vielleicht auch fusionsgetriebene Lenkwaffen denkbar, je nachdem wie man die Machbarkeit einschätzt dann eben noch mit nuklear-gepumpten Gammalasern als Gefechtskopf (also quasi eine Atomexplosion, die ein paar % oder Promille ihrer Leistung in einem direktionalen Gammapuls abgibt).
--- Ende Zitat ---
Fusionsgetriebene Lenkwaffen halte ich innerhalb dieses Settings für nicht praktikabel, aus verschiedenen Gründen. Erstens würde ich mal schätzen, dass sich ein Fusionsreaktor nicht beliebig miniaturisieren lässt. Und viel wichtiger noch, der Grund den du selber schon vermutest: die Dinger sind viel zu teuer, um sie für solche Späße zu verheizen.
Was eher im Bereich des Möglichen läge, wäre etwas, das in Richtung des klassischen Einmannjägers ginge, oder eher plausibel ein automatisch gesteuerter Raketenbus wie du ja auch vorschlägst. Das hatten wir auch schonmal in einem anderen Thread (von Grey, wenn ich mich recht entsinne). Problem: Burnsides' Nulltes Gesetz, das da grob gesagt lautet: vollautomatische Waffensysteme sind langweilig.
Die bombengepulsten Gammalaser hingegen sind komplett außen vor. Das darf ich im Sinne der Hard SF bestimmen, weil nicht raus ist, dass man so eine Waffe tatsächlich bauen könnte, und das muss ich, weil eine solche Waffe im Falle ihrer Existenz so dermaßen unausweichlich und absolut tödlich wäre, dass sie einem jedes Setting schrottet, das nicht von vornherein "Armageddon" heisst. Ein Gammalaser könnte auf mehrere Licht_minuten_ einen fokussierten Strahl liefern, gegen den keine Panzerung hilft und der alles grillen würde was er trifft. Das hat nichts mehr mit "ordentlicher Wirksamkeit" zu tun, das ist der Todesstern auf Steroiden.
Anderes Thema:
--- Zitat von: Destruktive Kritik am 27.03.2013 | 18:56 ---http://www.mps.mpg.de/dokumente/publikationen/pa/pa_9907_sonnenatmosphaere.pdf
Ist so ein ganz altes Blatt. Aber man sieht auf Seite 4, dass der Sonnenwind in Pol(winkel)nähe wesentlich schneller weht als am Äquator. Beziehen sich die 632m^2 auf die Region über den Polen oder überm Äquator?
--- Ende Zitat ---
Oh, dieses Statitensegel war ausschließlich als Photonensegel gedacht. Zum Auffangen des Sonnenwindes wäre es gänzlich ungeeignet, da die Teilchen die Folie einfach durchschlagen würden ohne nennenswert Impuls abzugeben.
Für den Sonnenwind bräuchte man ein Magnetsegel. Die Magnetschleifen wiederum müssten von Supraleitern erzeugt werden, und diese müssen kühl gehalten werden, und das wiederum dürfte in Sonnennähe unmöglich sein (bzw. nur mit sehr großen Aufwand an Isolierung und Kühlen, was wieder irrsinnig Masse frisst).
Hier ist ein Artikel zu dem Thema, den ich recht fundiert geschrieben finde:
http://www.drg-gss.org/typo3/html/index.php?id=100
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