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[PtA] Szenenwünsche, Plot-Conflicts
Nocturama:
So, demnächst werde ich auch zum ersten mal PtA leiten und freue mich schon drauf ;) Zwei Fragen hätte ich aber noch, die ich bisher noch nicht so richtig beantworten konnte. Vielleicht kann mir da jemand weiterhelfen.
1. Wenn eine Szene verlangt wird, ist dann automatisch der Protagonist des Spielers in der Szene oder kann er - theoretisch - auch eine Szene verlangen, in der sein Protagonist gar nicht vorkommt? Letzteres käme mir nicht so sinnvoll vor, aber ich kann mich auch wieder nicht erinnern, dazu etwas explizites im Regelbuch gelesen zu haben.
2. Müssen Conflicts immer mit Character Developement zusammenhängen oder gibt es auch Conflicts, die nur den Plot vorantreiben? Schon klar, auch persönlich ausgerichtete Conflicts treiben den Plot vorran ;). Allerdings hatte ich den Eindruck, dass auch Conflicts mit Stakes möglich sind, die nichts mit dem Issue oder Character Developement zu tun haben. Etwa der Conflict im Beispiel am Ende des Buches, bei dem es um die Verfolgungsjagd geht: Kann der Protagonist hohe Kollateralschäden vermeiden? Oder etwas wie: Kann der Agent rechtzeitig die Informationen über einen anderen Agenten löschen oder wird dieser von EvilCorp enttarnt? Alternativ: Kann der Agent rechtzeitig die Informationen über einen Doppelagenten finden oder bleibt er unentdeckt und kann seinen bösen Plan durchführen?
Nun ja, ich kann mir plotrelevante Conflicts noch nicht so richtig gut vorstellen. Es wäre toll, wenn da jemand ein paar Beispiele für mich hätte. Oder sollte man solche Conflicts nach Möglichkeit vermeiden? In den Spielberichten kommen nach meinem Eindruck nur persönliche Conflicts vor.
oliof:
Meine Meinung:
ad 1) Das ist möglich, hat bei einer meiner PtA-Runden auch geklappt. In den Regeln steht folgendes:
--- Zitat ---Scene creation starts with a request from a player. In play, everyone takes turns requesting a scene, and the player whose turn it is to make a request must declare three things to the producer: The scene's focus, the scene's agenda, and its location. The producer takes the three pieces of information from the player and establishes the scene, describing what the audience sees when the scene begins.
--- Ende Zitat ---
Hier kann man noch nicht erkennen, wer festlegt, welche Protagonisten oder Antagonisten dabei sind. Das ergibt sich erst aus der Agenda:
--- Zitat ---The agenda is a general description of what happens in the scene. It shouldn't explain how the scene resolves, but instead should explain what the likely conflict is. An example of an agenda on the show Lost would be "Locke and Boone are trying to open the secret hatch they've found buried in the ground."
--- Ende Zitat ---
Und selbst hier ist die Benennung der Protagonisten nur implizit aus dem Beispiel gegeben; es gibt keinen expliziten Hinweis, ob Spieler oder Producer die Beteiligren benennen, und der Protagonist des Szenengebers muß auch nicht zwingend dabei sein. Später wird nochmal erwähnt, dass nach der Producer-Szene eine Szene für den Spotlight Character folgen sollte; doch auch hier ist nicht explizit, dass man seinen eigenen Protagonisten einbinden muß.
Doch es gibt mehrere Gründe, seinen Protagonisten einzubinden: Weil man die Location festlegt, kann man seinen Protagonisten ans Personal Set führen, was eine Edge oder einen Contact reaktiviert; und niemand sonst ist verpflichtet, den Protagonisten einzubinden.
ad 2) Es gibt Plot Scenes und Character Development Scenes. Beide sollten in einen Konflikt münden, der sich aus der Agenda ergibt. Eine Szene ohne Konflikt treibt das Spiel nicht voran, also gehört sie geschnitten.
Man darf aber nicht den Fehler machen, die Trennung zwischen Plot und Character Development absolut verstehen zu wollen. Der Fokus legt zwar den Schwerpunkt der Szene fest, doch trotzdem macht es Sinn, dass Charaktere sich am Plot abarbeiten bzw. die Entwicklung eines Protagonisten den Plot mit vorantreibt. Wie stark der Einfluß eines Protagonisten auf die Szene ist, wird ja durch seine Screen Presence bestimmt; darüber muß man sich also bei der Gestaltung einer Szene nicht allzusehr den Kopf zerbrechen.
Nocturama:
Danke schon mal für die schnelle Antwort :)
Ich als Spieler würde vermutlich so gut wie immer eine Szene verlangen, in der mein Protagonist vorkommt - Vorschläge für andere machen ist ja schön und gut, aber man will ja auch selbst dran sein ;) Habt ihr da Erfahrungen mit Spielern gemacht, die eher ruhig sind und lieber Szenen für andere verlangen?
Also könnte ich das so erklären: In der Regel verlangt man Szenen für den eigenen Protagonisten, aber man kann auch Szenen für andere verlangen, wenn es irgendwie sinnvoll ist.
Stimmt, Character Developement und Plot lassen sich nicht wirklich trennen. In Conflicts, die sich von der Formulierung der Stakes her eher auf den Plot beziehen und wenig Persönliches haben (Kollateralschäden) spielt im Endeffekt auch Character Developement mit rein. Verliert man, muss der Protagonist immerhin mit den Kollateralschäden leben. Und eventuell kann sich das zu einem Problem zwischen den Protagonisten ausweiten (da einer "versagt" hat). Conflicts, die eine Auswirkung auf den Plot haben, haben vermutlich automatisch auch immer eine Auswirkung auf die Protagonisten.
Und wie gesagt haben natürlich auch Szenen, in denen es um Character Developement geht, einen Einfluss auf den Plot...
Joe Dizzy:
zu 1) Wenn ein Spieler seinen Charakter nicht in einer Szene auftauchen lassen will, dann bietet es sich an auf eine eigene Szene zu verzichten und jemand anderen eine Szene anmelden lassen. Wer keine Szene für seinen Charakter möchte, verzichtet quasi auf seinen Spielzug. So wie jemand in einem Kampf bei D&D sich entscheidet, eine Runde lang nichts zu tun. Ob man die eigene Handlungsmöglichkeit benutzt um einen anderen Charakter handeln zu lassen, das liegt außerhalb des gewöhnlichen Spielrahmens von PTA. Eine Szene für einen anderen Charakter anzumelden, ist vergleichbar damit seinen D&D-Kämpfer nicht handeln zu lassen aber dafür den Zauberer eines Mitspielers einen zusätzlichen Angriff zu schenken. Ich denke nicht, dass es dem Spielspaß abträglich ist; aber die Charaktere laufen Gefahr noch mehr Gemeingut zu werden... was nicht unbedingt jedem gefällt.
zu 2) Die Issue muss in jedem Konflikt auftauchen. Ein Konflikt ohne Issue ist spielerischer Leerlauf. Wie stark die Issue in den jeweiligen Konflikt spielt, dass ist jedoch eine Frage, die ihr erst als Gruppe im Laufe des Spiels beantworten könnt. Je nachdem wie die Geschichte der Episode gerade läuft, sollte deutlich sein, ob die Issue in dieser Szene das einzige ist worum es geht; ob die Issue den Konflikt ergänzt oder vielleicht nur ausschmückt. Oder im Falle einer Screen Presence von 1 vielleicht so gut wie gar nicht auftaucht. Ein Konflikt, in dem die Issue eingebunden ist, "passt" zum Charakter. Man könnte sich die Szene anschauen und sofort sagen: "das ist die Art von Problem mit dem sich dieser Charakter rumschlagen würde". Ein Konflikt in dem die Issue nicht eingebunden ist, ist etwas bei dem der Charakter vollkommen austauschbar wirkt. Wenn plötzlich ein anderer Charakter in der Szene auftauchen würde, könnten die zwei problemlos die Plätze tauschen.
Die Trennung zwischen Charakterszene und Plotszene ist aber eine ganz andere. Sie dient vielmehr zur inhaltlichen Rahmensetzung für den Producer und die restlichen Spieler. Durch die Unterscheidung weiß die Gruppe, in welche Richtung die Erzählungen bzw. Erzählvorschläge gehen sollen.
Bei einer Plotszene geht es gewissermaßen um Konsequenzen: Was könnte diese Aktion für Folgen haben? Was könnte es für Komplikationen geben? usw.
Bei einer Charakterszene hingegen, konzentriert man sich eher darauf den Charakter auszubauen nicht unbedingt zu verändern. In einer Charakterszene kann man vielleicht Hintergrunddetails einwerfen, die Lage der Figur verdeutlichen oder ähnliches. Die in Fernsehserien (und schlechten Filmen) so beliebten Monologe, in denen eine Figur lang und breit erklärt was sie wirklich denken, fühlen oder erlebt haben, sind typische Charakterszenen.
Mit dieser Unterscheidung lädt man die Gruppe ein Vorschläge in diese Richtung zu geben. Wobei auch hier natürlich oliofs Kommentar gültig ist, und man Charakter und Plot nicht als absolute Trennung ansehen sollte.
Fredi der Elch:
--- Zitat von: Georgios am 26.03.2008 | 22:38 ---zu 1) Wenn ein Spieler seinen Charakter nicht in einer Szene auftauchen lassen will, dann bietet es sich an auf eine eigene Szene zu verzichten und jemand anderen eine Szene anmelden lassen.
--- Ende Zitat ---
Das halte ich für völlig falsch. Ganz ehrlich, wir spielen komplett anders und haben damit kein Problem. Die Idee, dass sowas "gegen die Guten Sitten verstößt"... Merkwürdig. *kopfschüttel*
Dementsprechend würde ich es auch nicht so erklären:
--- Zitat von: Nocturama am 26.03.2008 | 22:30 ---Also könnte ich das so erklären: In der Regel verlangt man Szenen für den eigenen Protagonisten, aber man kann auch Szenen für andere verlangen, wenn es irgendwie sinnvoll ist.
--- Ende Zitat ---
Ich würde eher sagen, dass man Szene verlangen sollte die einen interessieren. Die sich in der Handlung als nächstes anbietet (die man also in einer "echten" Serie an der Stelle erwarten würde). Die das Potenzial für interessante Konflikte bietet. Und besonders wenn der eigene Protagonist gerade Screen Presence 1 hat, sollte man sich bemühen, Szenen für andere Protagonisten zu finden. Es geht schließlich gerade nicht um den eigenen Protag! Also ist es meine Aufgabe, dem Spieler (und Protagonisten) mit SP 3 das Spotlight zu besorgen und ihn zu unterstützen. Wenn ich richtig gut bin und es gerade passt, schaffe ich vielleicht eine Szene, in der es um den anderen Protagonisten geht, meiner aber auch drin vorkommt (wenn sich so eine Szene gerade anbietet).
Insgesamt denke ich nicht, dass man den eigenen Protagonisten bevorzugen sollte. Man sollte nach Handlung und Screen Presence entscheiden. Es ist ja schließlich nicht so, dass man sonst nicht "drankommt". Bei PtA gibt es genug Möglichkeiten etwas zu tun, selbst wenn der eigene Protagonist gerade nicht On-Stage ist. Und wenn alle sich daran halten (und keiner egoistisch das Spotlight stiehlt), gibt es auch kein Problem. Schließlich wechselt die Screen Presence von Folge zu Folge.
Und wenn es doch mal schwer werden sollte, ist es die Aufgabe des Producers, dafür zu sorgen, dass sich alle Spieler kreativ einbringen können. Und das muss ja nicht zwingend nur über den eigenen Protagonisten sein. "Mein Charakter" ist eine Vorstellung aus "klassischen Rollenspielen", die daher rührt, dass der Charakter da die einzige Möglichkeit war, sich kreativ zu betätigen. Bei PtA ist das nicht so (schließlich kann man ja sogar alles mögliche über andere Protagonisten erzählen, wenn man das Erzählrecht gewinnt). Also sollte man da auch nicht so viel Wert drauf legen und lieber schauen, dass jeder sich auf verschiedene Arten kreativ einbringt.
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