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Rollenspieldoku vom 12.8.08 im ZDF: Wow und Sucht

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Thot:

--- Zitat von: Haukrinn am 13.08.2008 | 11:39 ---Er meinte, denke ich, weniger das Verbot an sich, als die Tatsache, dieses durch eine Kontrolle der Abrechnungen durchsetzen zu wollen.  ;)

--- Ende Zitat ---

Zunächst mal wäre das eine gesetzliche Vorgabe für den Serverbetreiber. Nach X Stunden pro Tag/Woche erscheint beim Einloggen eben dann "Tut mir leid, erst wieder in X Zeiteinheiten".

Das verhindert einerseits, dass Leute sich ihr Leben kaputt machen, und andererseits macht es den Betreibern nicht das Geschäftsmodell kaputt.

Asdrubael:

--- Zitat von: Ein am 13.08.2008 | 11:35 ---Aber wahrscheinlich wird das einfach indirekt über die normalen Psychatrien abgefangen, wo dann die schweren Fälle landen.
Denke ich nicht, denn das könnte man auch als unterlassene Hilfeleistung werten. Gilt ja auch für die Unterlassung von Hilfe bei Selbstmordversuchen.

--- Ende Zitat ---

De facto ist es ähnlich aber nicht ganz gleich. Wenn jemand auf einem Brückengeländer steht darf man natürlich nicht einfach weitergehen. Oder wenn jemand mit einer Tablettenüberdosis in seiner eigenen Kotze liegt, sollte man auch zumindest den Krankenwagen rufen.

Das ist aber eine andere Liga, als wenn jemand seit mehreren Wochen Raids macht und einfach nicht mehr nach draußen geht. Es besteht nämlich keine Gefahr für Leib und Leben. Jeder darf gerne ein Privatleben haben. Das darf er aber genauso selber in die Tonne treten, wenn er will.

Gleich sind beide Verhaltensweisen meiner Erfahrung nach in der Anbahnung. Beim Selbstmord geht das ja meist über Lustlosigkeit, zur Depression in die Infragestellung der eigenen Existenz mit einer Lebensunlust gepaart. In diesem Stadium bleiben dann aber die meisten, die zumindest ansatzweise noch Bindungen haben stecken und denen kann man helfen. Die Leute, die dann den festen Entschluss fassen und sich auf die Gleise stellen, die bekommt man mMn in den seltensten Fällen noch gegriffen und gerettet.

Eine WoW Sucht läuft meiner Erfahrung nach aus anderen Motiven ähnlich ab. Meistens haben die Leute sogar einen gewissen Antrieb (Ehrgeiz, etwas zu erreichen, Neugier usw), aber wenig Souveränität mit ihren Problemen umzugehen und wollen ein Erfolgserlebnis. Sie sind irgendwie vom Leben enttäuscht (Freundin weg, Job verloren, Prüfung vergeigt) und haben oft trotz ihres Engagements, mindestens einmal keinen Erfolg gehabt.
Und hier grätscht WoW gekonnt rein, denn mit Engagement und Ausdauer hat man bei WoW immer Erfolg. Da das RL aber eh gerade scheiße ist, verliert man hieran die Lebenslust, die vom Spiel ersetzt wird.
Nach Außen sieht das durchaus nach Depression aus (tür zu, nur das nötigste zum leben regeln und wieder abtauchen) aber der Unterschied ist: ein Suizidgefährdeter hat nichts außer seinem Schmerz, ein WoWler hat WoW.
Und da könnte man mit viel Zeit ansetzen, indem man über das Spiel Kontakt hält und Gildentreffen oder ähnliches macht. Aber beide Dinge (Lebensmüdigkeit und WoW-Sucht) brauchen Zeit und verständnisvolle Freunde, die aber klare Ansagen machen können

Ein:
Naja, ich rede ja jetzt von den wirklich schweren Fällen. Da wo die Sucht zur Gefahr wird: Wenn sich jemand regelmäßig 24 und mehr Stunden isoliert und dabei seine körperlichen Ansprüche vernachlässigt, dann sollte es gerade im Interesse von Eltern und Freunden, aber auch der Allgemeinheit, sein, dem einen Riegel vorzuschieben. Denn die Freiheit des Individuums endet immer wenn es jemanden Schaden zufügt. Das umfasst sowohl Schäden gegen die eigene Person, als auch das Zulassen von vermeidbarer Schädigung bei anderen.

Sich da hinzustellen und das kleinzureden zeugt meiner Ansicht von fragwürdigen, moralischen Vorstellungen (oder dem typischen Verhalten eines Süchtigen -- Nachtrag: Was keine Andeutung sein soll). Es ist doch im Interesse jedes einzelnen von uns, dass andere Menschen geschützt werden und dass ihnen geholfen wird. Allein schon aus dem Grund, dass man irgendwann selbst einmal derjenige sein könnte, der in der Notlage steckt.

Daher werden Menschen mit bekannten psychischen Krankheiten, wie Magersucht, von ihrem Umfeld zum Arzt geschickt und genau so sollte es auch bei Süchtigen sein, egal in welcher Form. Denn ich würde mir nicht herausnehmen wollen, dass ich in der Lage bin einem ernsthaft psychisch Kranken kompetent helfen zu können.

Dennoch ist es meine feste Überzeugung, dass jeder dazu angehalten ist, sich um seine Mitbürger zu kümmern, wenn diese sich in Gefahr bringen. Und der Gesetzgeber scheint das ähnlich zu sehen, denn jedes Jahr werden genug Leute wegen Vernachlässigung ihrer Sorgfaltspflicht verurteilt.

Asdrubael:
hm. also entweder ich schreibe das was ich schreibe zu distanziert oder du bekommst es in den falschen Hals.
Ich denke, ich muss mal klarstellen, dass ich weder einen Suizidgefährdeten noch einen WoW-Süchtigen jemals seinem Schicksal komplett überlassen habe. Aber ich kenne meine Grenzen und die sind da, wo der Betroffene das Problem nicht erkennt bzw nicht geholfen bekommen will.

Und ich möchte es nicht kleinreden, gerade die suizidgedanken nicht, denn die werden oft vom Umfeld am ehesten ignoriert. Aber... ich weiß das klingt jetzt überheblich... es stellt sich mit der Zeit eine gewisse Routine ein, selbst wenn man selber keine ausgebildete Fachkraft ist. In starken Fällen würde ich aber auch immer die Polizei alarmieren

Merlin Emrys:

--- Zitat von: Thot am 13.08.2008 | 09:01 ---Beispielsweise würde eine gesetzliche Vorgabe, dass ein Spieler am Tag nicht mehr als vier Stunden eingeloggt können sein darf (leicht zu identifizieren über die Abrechnung), der Sucht als solcher ja durchaus einen Riegel vorschieben, ohne den Leuten den Spaß zu nehmen. und wer nicht suchtgefährdet ist, würde es gar nicht bemerken...
--- Ende Zitat ---
Abrechnung bei Bezahlung durch GameCards? Das wird schon schwierig, die werden ja nicht auf Namen ausgegeben... naja, noch nicht. Das Verfahren wäre also höchst einfach auszuhebeln: Man meldet mehrere Accounts auf verschiedene Namen an, lädt die Spielzeit über GameCards auf, und wechselt halt den Account. Was dagegen spricht, ist, daß bestimmte vorgesehene Aktionen im Spiel länger als vier Stunden dauern, sich Blizzard also keinen Gefallen tun würde, wenn sie Leitungen zwangstrennen. Eine Spielzeitbegrenzung pro Woche wäre dann sinnvoller - und es würde trotzdem keinen Spaß machen, wenn man immer mit Stoppuhr dasitzen müsste und ausrechnen, ob man irgendwann mitten im Kampf, wenn andere sich auf einen verlassen, vom System gekickt wird. Das merken auch die, die nicht suchtgefährdet sind, und sie werden sich überlegen, ob sie das hinnehmen; immerhin ist es zum Nachteil von bis zu 39 anderen Personen, wenn das System einen auf diese Weise "unzuverlässig" macht. Der Nachteil würde sich sogar potenzieren: Die bis zu 39 müssten ja erst, um weitermachen zu können, einen Ersatz finden, und das kostet sie ihre eigene Spielzeit. Wenn dann noch einer ans Zeitlimit kommt usw... Große "Raids" könnte man damit praktisch nicht mehr außerhalb von strikten Gildenstrukturen durchführen - was auf der anderen Seite auch die, die sich nicht so stark binden wollen, in ein soziales Geflecht zwingen würde, das dann mit Anforderungen an sie kommt, sie also praktisch zu suchtähnlichem Verhalten zwingt - oder, wie gesagt, dazu, dem Spiel den Rücken zu kehren.

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