Medien & Phantastik > Sehen

[TV-Serie] Lasko - Die Faust Gottes (RTL)

(1/17) > >>

Jed Clayton:

Kaum ist David Carradine unter der Erde, da bekommen wir Deutschen nun prompt unseren eigenen kung-fu-kickenden, gerechtigkeitsliebenden frommen Mönch, immer im Einsatz für das Wohl der Witwen und Waisen. Es ist ... kein Vogel, kein Flugzeug, ... es ist... LASKO!

Die neueste Erfindung auf RTL, die irgendwie dem Wunsch nachkommt, endlich eine eigene, einheimische Action-TV-Serie im großen Stil zu fabrizieren. Dieses Mal mit Ramba-Zamba-Martial-Arts-Szenen, Terroristen und fiesen Verschwörungen in der Kirche. Ich habe soeben die erste Folge (von 7 jeweils 1-stündigen TV-Filmen) gesehen und bin mir noch etwas unschlüssig darüber. Um es frei heraus zu sagen, so richtig "vom Hocker gehauen" hat mich der gute Lasko nicht, aber ich habe wacker die erste Folge über durchgehalten.

Irgendwie wirkte es auf mich wie ein Kung-Fu-Ballett à la deutsche "Matrix" für ganz, ganz Arme, mit ein bisschen Onk Bak, Jean-Claude Van Damme, ruppigen Mönchen wie aus einem Bud-Spencer-Film (bloß ohne die guten Sprüche!), Stunts vom Schlage Colt Seavers... und überhaupt recht wagemutig zusammengeklaut und zusammengekleistert. Aber gerade das macht es so interessant, weil ich eine so abstruse Ballaballa-Geschichte wie "Lasko" im Lande der Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen in dieser Form nicht erwartet hatte... Was hätte ich vor 15 oder vor 20 Jahren für eine regelmäßige, gute Martial-Arts-Actionserie mit allen Klischees (geheimer Mönchsorden, fetter Wrestler auf dem Rummelplatz, Pseudo-RAF-Ganoven, Waffenschieber, hübsche Polizistin in Gefahr ...) gegeben?

Allerdings fand ich heute Abend an Lasko fast jede einzelne Nebenfigur interessanter als Bruder Lasko selber: Der Hauptdarsteller hat einfach kaum Charisma, Ausstrahlung, Sex-Appeal oder Pathos, er sieht aus wie der ältere, durchtrainierte Bruder von Oliver Pocher. Er macht aber als Karate-Sportler seine Sache noch, wie man so sagt, den Umständen entsprechend gut. Die Idee mit seinem rundlichen Mitbruder, der säuft und deshalb in Schwierigkeiten gerät, ist noch dazu klassisches Rollenspielmaterial: der Compagnon oder "Schutzbefohlene" hat eine Schwäche, gerät wegen dieser Schwäche in Schwierigkeiten und muss daher gerettet werden... natürlich von der aufopferungsvollen Hauptfigur.
Dann noch die blendend aussehende, toughe BKA-Beamtin, welcher der Held das Leben rettet und die in das Geheimnis seines Geheimbundes (der "Ringträger"!!) verwickelt ist, da auch ihr verschollener Vater wahrscheinlich Mitglied dieses Bundes war. Sie mag den Helden, kann ihn aber natürlich niemals haben, weil er ein Mönch ist.
Die Rolle des Schutzpatrons mit Connections und Informationen im Hintergrund fällt natürlich an den netten, abgeklärten "Abt Primas" (der moderne Jet-Set-Abt mit Freunden im Vatikan), und der Obi-Wan Kenobi der Serie ist der bodenständige weißhaarige Alte im Kloster (der, der die jungen Kung-Fu-Mönche des Geheimbundes ausbildet).

Alles in allem klingt das fast wie eine nette Ausgangsbasis für eine Feng-Shui- oder Savage-Worlds-Rollenspielrunde, nicht wie eine RTL-Serie unter der Woche um 20.15 Uhr.  ;D

Was soll's ... mich beschleicht das Gefühl, dass diese Serie, obwohl deutsch, etwas sehr Stephen J. Cannell-artiges an sich hat, sehr 80er-mäßig (nur dass darin viel mehr Figuren wirklich erschossen werden). Ich werde sie mir nächste Woche wieder angucken.

Selganor [n/a]:
Wer's verpasst hat kann unter http://rtl-now.rtl.de/lasko.php?film_id=13434&player=1&na=1 die ganze erste Folge nochmal kostenlos anschauen

scrandy:
Hab gerade die Folge im Netz geschaut und muss sagen, dass die echt was hatte.

Na klar, in Amerika sind selbst die meisten schlechten Serien auf dem Niveau aber es ist doch erstaunlich, dass man sowas wie Lasko auch in Deutschland produzieren kann.

Jetzt müssten wir sowas nur mehr haben, bräuchten noch bessere Dialoge und weniger Klischees dann ginge es der deutschen Serienlandschaft auch besser.

Ach übrigens: Ich fand auch die Persönlichkeit des Hauptdarstellers mit das schlechteste an dem Piloten, aber weit über dem, was sonst so in Deutschland fürs TV produziert wird war er allemal.

Jetzt müssten sie nur noch einen passenderen Namen wählen, dann würden auch die richtigen Leute angezogen. Denn ich hielt "Lasko" in der Fernsehzeitschrift eher für ein Kommissar Rex Spinof und nicht für eine Kung-Fu-Action-Serie.

Jed Clayton:
Es hat irgendwas von 'nem Hundenamen. Richtig, scrandy.

Lasko ... männliche Form von Lassie? Hihi. Aber im deutschen Fernsehen haben fast alle Serienhelden doofe Namen... Schimanski, Balko, Lenßen & Partner, Barbara Salesch... klingen alle bescheuert. "Hans-Georg Superklopper" wäre auch nicht so toll.

Vash the stampede:
Also man kann ja vieles kritisieren, aber wenn schon die Namen herhalten müssen, um seinen Spott zu begründen... ::)

Ich habe die Sendung übrigens auch gesehen und fand, dass sie versuchte einem internationalen Anspruch gerecht zu werden, sich aber zugleich nicht traute neue Wege zu gehen und damit, bezogen auf den eigenen Anspruch, versagte. Sie blieb, so weit ich das beurteilen kann, auf dem bekannten Alarm für Cobra 11 oder Der Clown Niveau. Einzig bei der Bildsprache und -führung merkte man den Anspruch an, aber ohne das man den Post Mortem-Fehler beging (extreme Wackelkamera mit vielen Zooms). So richtig konnte mich das auch nicht überzeugen, weil mir die Bildqualität irgendwie schlecht erschien, was aber auch an der Datenübertragung gelegen haben kann. Die Schauspieler haben durch die Bank nicht überzeugt und die Geschichte war mau, mit einigen Anspielungen für die kommenden Teile. So weit, so vorhersehbar.

Wie gesagt, man hätte mehr daraus machen können. Aber wie so oft, will man den bestehenden Markt nicht verlieren. Das ist zumindest mein Eindruck.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln