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Was lest ihr gerade?
Bitpicker:
Ich lese gerade 'A Year in the Merde' von Stephen Clarke. Es ist die köstliche Geschichte eines Briten, der für ein Jahr nach Paris geht, um dort für eine französische Firma eine Kette von englischen Tearooms in Frankreich aufzubauen. Ein Zusammentreffen der Kulturen...
Der Autor ist selbst Brite, der als Journalist schon seit längerem in Frankreich arbeitet, der Roman enthält also durchaus biographische Züge und tatsächliche Beobachtungen, natürlich hübsch aufbereitet. Ursprünglich wollte der Autor den Text bloß auf seiner Webseite zum Download bereitstellen, aber dann hat sich ein Verleger gefunden... Jetzt ist das Buch ein Bestseller und hat schon zwei Fortsetzungen erfahren (Band 2 heißt 'Merde Actually', Band Drei liegt mir gerade nicht vor und ist derzeit nur in gebundener Form erhältlich).
Sehr unterhaltsam, und da ich in einer Firma arbeite, die einer französischen Holding gehört, gibt es für mich immer wieder einige 'So ist es!'-Momente...
Robin
Caralywhynn:
... ich hab gerade das 2. Kapitel der Deutschen Übersetzung vom neuen Potter gelesen und bekomme gerade einen mittelschweren Kotzkrampf.
Die Übersetzung ist GROTTENSCHLECHT!
Und das sage ich, die ich im Englischen eher mäßig gut bin. Ich kann jedoch Deutsch und ich habe auch bei einem Jugendbuch - eigentlich gerade bei einem Jugendbuch- den Anspruch, dass es sprachlich und grammatikalisch richtig ist.
Was sich Carlsen da geleistet hat ist unter aller Sau. Und das für das Geld. Die hatten über 3 Monate Zeit das Ding ordentlich zu übersetzen und zu lektorieren... das hätte selbst ich besser hinbekommen....*rumwüt*
Ich überlege ernsthaft, das Buch zurückzubringen, und mein Geld zurück zu verlangen!
Nicht nur, das der engliche Satzbau übernommen wurde, nein, z.B. als und wie wird fleißig verwechselt und noch so ein paar Kleinigkeiten ... :puke:
Feuersänger:
Alte Crossposterin ^^
HP7 war ja schon auf englisch grottenschlecht. Wie mir gestern wieder aufgefallen ist, als ich jemandem nen Handlungsabriss gegeben habe.
Now reading:
Frans G. Bengtsson -- Waffengänge
Falcon:
@caralywhynn: hast du mal ein paar Stilblüten :D ?
AlexW:
Paraphrasiert aus meinem Blog:
“As Used on the Famous Nelson Mandela: Underground Adventures in the Arms and Torture Trade” von Mark Thomas.
Leider wurde das Buch nicht übersetzt.
Hintergrund:
Mark Thomas ist einer der bekannteren Komiker in UK, und natürlich merkt man das an der Art, wie er das Buch geschrieben hat. Falsch: Das ist seine Masche. Wem “Menschenrechtsbücher” oder Amnesty International-Veröffentlichungen zu dröge sind (oder gar den Betroffenheits-Brechreiz auslösen), der kommt bei Mark Thomas auf seine Kosten.
Menschenrechtsorganisationen betteln ja um Geld und Aufmerksamkeit, um ihre Arbeit fortzusetzen. Wenn man dann in Stellenanzeigen schaut, dann wollen alle eigentlich nur “fund raiser”, also Klinkenputzer, Leute, die die Message ans Volk bringen, ein paar Betroffenheitstränen rausquetschen und dann mit dem Fuffy siegreich abziehen. Und hat man sich erst erweichen lassen, bekommt man solange Post mit dickbäuchigen Kindern aus Afrika, Kamera-dokumentiertem Elend, bis die eigene Spende mit “Werbematerial” aufgezehrt ist. Und man fragt sich: Warum habe ich überhaupt was gegeben?
Weil viele Menschenrechtsorganisationen so schamlos auf die Tränendrüse drücken, als gäbe es einen Betroffenheitspreis oder als müsste mit der letzten Soap Opera konkurriert werden. Spendensammeln als emotionale Erpressung.
Mark Thomas zeigt, dass es anders geht. Dass man über schockierende Vorkommnisse schreiben kann, ohne die “Buhuuu”-Tränen-Nummer abzuziehen.
Inhalt:
Das Buch “As Used on the Famous Nelson Mandela” entstand bei seinen Recherchen zum Waffenhandel, an dem Grossbritannien beteiligt ist.
Mark Thomas beschreibt, wie leicht es ist, an Waffen zu kommen, als britischer Dealer über schweizer Dunkelmänner, mit Hilfe von Etikettenschwindel und nackter Profitgier Kleinwaffen (sogenannte small arms - was auch Sturmgewehre wie die AK einschliesst) dahin zu bringen, wo die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass sie gegen Zivilisten und zwecks Völkermord eingesetzt werden.
Er zeigt die Löcher, wie Staaten (etwa Grossbritannien) ihre Rüstungsindustrie nicht nur hoch subventionieren, sondern auch aktiv darin understützen, unappetitliche Regimes mit Waffen auszustatten - EU Embargo oder UN Embargo sind egal, weil die Globalisierung schon einen Weg findet. Da werden auch schonmal Ausfuhrbescheinigungen erteilt, die nicht okay sind. Alles, um die Wirtschaft zu fördern. Und, ja, Tony hat da mitgemacht, unser lieberaler, ach so menschelnder Ex-Oberpudel.
Er hat aberwitzige Episoden in diesem Buch - so besucht er eine Arms Show in London (wo Waffenhersteller ausstellen), gibt sich dabei als PR-Mensch aus, der den Regimes Unterricht darin geben will, wie man auf so lästige Amnesty International-Anklagen am besten, medienwirkasm, reagieren kann. War bei einem hohen indonesischen General ein Riesenerfolg. Auch wenn der Mann vermutlich ein Problem damit hatte, dass sein “Kameratest” am Ende im englischen Channel 4 ausgestrahlt wurde.
Ein andermal zeigt er, dass Waffenhandel so einfach ist, dass er ein Waffenhandels-Biz mit Schulkindern und einer Nonne aufzieht. Wieder ein anderesmal lädt er einen Londoner Waffenhändler an eine Uni ein, wo dieser den Studenten Hinweise gibt, wie sie ins Geschäft einsteigen können - kein grosser Erfolg bei den Kids, die der Uni-Menschenrechtsgruppe angehörten.
Fazit:
Es ist alles eine Frage der Präsentation. Mark Thomas schreibt witzig, respektlos, dabei aber zutiefst menschlich und bringt gleichzeitig knallhart seine Fakten. Bei einem Geschäft, das so aberwitzig ist wie der internationale Waffenhandel, hilft nur Drama (wie bei dem Film Lord of War, den selbst Nick Cage nicht totschauspielern konnte) oder Humor.
Jedenfalls war “As Used on the Famous Nelson Mandela” eine gute Quelle für mein aktuelles Buch, gut zu lesen und auf eine Art lustig, dass man den Text nicht einfach von sich wegschieben und vergessen kann, wie man’s sonst so macht, schon um sich selbst zu schützen. Jedenfalls werde ich mich mal informieren, wie ich mein Scherflein beitragen kann, um den Waffenhändlern das Leben saurer zu machen. Und Mark Thomas wird mir sicher keine Bettelbriefe schicken.
Es wäre zu wünschen, wenn sich jemand mal im selben Stil die deutsche Rüstungsindustrie vornähme. Ich kann nämlich nicht glauben, dass es da soviel anders aussieht, so bitter das ist.
Daten:
# Paperback: 352 pages
# Publisher: Ebury Press; New Ed edition (5 April 2007)
# ISBN-10: 0091909228
# ISBN-13: 978-0091909222
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