Medien & Phantastik > Hören
Was hört Ihr gerade so?
JS:
Danke, danke, Frau Huhn... ohne Ihre verlinkte Metalknüppelgrunzerei ( ;) ) wäre ich nicht auf den grandiosgenialen Dark Techno Livestream heute gestoßen. Ich freue mich und höre mit Genuß!
So wurde - wie immer bei Techno - aus etwas Erdigem etwas Göttliches.
:d
Chiarina:
Skillibeng, auch "The Fresh Prince" genannt, ist 24 Jahre alt und wird derzeit als neuer Stern am Dancehall Himmel gefeiert... manchmal sogar als Erneuerer bezeichnet. Sein neues Mammut-Album "The Prodigy" ist 1 3/4 Stunden lang und enthält 35 Tracks. Die Stimme ist durchgehend verfremdet, alle Sounds sind digital erzeugt, 3+3+2-Rhythmen sind relativ dominant, das Patois zentnerschwer und für mich schwer verständlich. Die Vocal Skills des jungen Delinquenten sind bemerkenswert. Der Typ toastet wie ein Maschinengewehr, verliert nie den Flow und alles klingt wirklich, als käme es völlig spontan aus seinem Hirn herausgesprudelt. Insgesamt eine beeindruckende Selfmade-Ghetto-Attitüde, auch wenn ein paar Stars für Gastauftritte herangezogen wurden.
Ghetto sind auch die Lyrics (soweit ich sie verstehe): Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Texte derart blutgetränkt, waffenverliebt und gewaltlastig, dass ich irritiert mit den Augen zwinkern muss. Ist es das Establishment, das hier abgeknallt wird? Noch nicht ´mal das kann ich erkennen. Es ist in meinen Augen die bloße Faszination der Gewalt. Ja, das ist "wicked", ich stimme zu, begeistern kann mich das allerdings nicht. Vielleicht bin ich zu alt dafür.
Ghetto sind auch die dazugehörigen Videos. "Brand new gun" besteht aus einem Zusammenschnitt von Shootouts aus irgendwelchen jamaicanischen Action Filmen, "Not" zeigt eine Underground Party (Frauenanteil 0%), bei der sich die Teilnehmer heiß machen für die nächste Fahrt mit Waffen durch die Stadt, zwischendrin werden ein zerfallender Totenschädel und der Anfang des Matthäus-Evangeliums (?) eingeblendet, "Bin Laden" (zentrale Aussage: "Mi love war like Bin Laden") zeigt einen Gang War mit Massen von Toten (um den Clip sehen zu können, muss man seine Volljährigkeit belegen, ich verlinke lieber "Not").
Wenn´s nicht um das AK geht, und alles das, was man damit so machen kann, dann geht´s auf dem Album um Sex... und da geht es leider ähnlich gewalttätig zu.
In einem Interview hat Skillibeng behauptet, das, was er da macht, sei "Cinema for the ears". Sind wir also nur in einem Action Film gelandet? Skillibeng bestätigt allerdings auch: die Tracks "reflect the reality of certain youths in the streets of Jamaica circa 2020".
Für eine Einschätzung der Musik ist mir der Realitätsgehalt eigentlich auch ziemlich egal. Ich habe auch gar nichts gegen Gewaltdarstellungen in der Musik. Hier allerdings sehe ich keinerlei Reflexion und auch keinerlei Vision, stattdessen brodelt eine ziemlich kranke Blutsuppe vor sich hin. Ich hätte mir für die Zukunft des Dancehall gern eine lebensbejahendere Attitüde gewünscht. Vielleicht gibt´s ja auch noch ein paar Alternativen.
Skillibeng: Not
Ayou:
Smash Into Pieces - Bangarang
Ich möchte dazu gar nicht so viel sagen, weil ich nicht so wortgewandt, oder auskennend in Musik bin wie meine Vorredner.
Aber ich finde der Song macht einfach gute Laune. Das Video dazu tut sein übriges. ^-^
Chiarina:
Eine letzte Nummer von George Jones. Ende der Siebziger wurde es still um ihn, dann veröffentlichte er 1980 mit „I am what I am“, ein Album, mit dem er noch einmal einen letzten großen Erfolg hatte (Jones hat noch bis 2008 Musik gemacht).
Der größte Hit auf dem Album war „He stopped loving her today“. Ein ganz simpler Country-Song, der von vorn bis hinten einfach nur auf den drei sattsam bekannten Kandenzharmonien beruht (in diesem Fall G-C-D).
Erzählt wird die Geschichte eines Mannes, der sich von seiner Frau trennt, ihr aber sagt, dass er sie immer lieben wird. Sie hingegen sagt, er wird sie irgendwann vergessen. Nun wird erzählt, wie er Erinnerungsstücke von ihr aufbewahrt, unter anderem ihre Briefe, in denen er jedes „I love you“ rot unterstreicht. Es wird auch erzählt, wie der Mann an seinem Liebeskummer quasi wahnsinnig wird und leidet. Der Moment, an dem er sie zu lieben aufhört (siehe Songtitel) ist der Tag, an dem er stirbt. Er wird beerdigt und sie erscheint zur Beerdigung. Der Mann aber trägt zum ersten Mal seit langen Jahren einen heiteren Gesichtsausdruck und es heißt, dass er im Tod seine Liebe endlich überwunden habe.
Eigentlich gibt es nur zwei erwähnenswerte musikalische Ausdrucksmittel: In dem Moment, wo deutlich wird, dass es sich um keine einfache Trennung handelt (wenn er die „I love you“-Passagen aus den Briefen rot unterstreicht) rücken die Harmonien um einen Halbton aufwärts, wodurch die Intensität im Ausdruck etwas steigt. Die Strophe über den Moment, an dem er sie zu lieben aufgehört hat, erklingt zweimal… eine Art Refrain, wenn auch die Melodie sich von den anderen Strophen kaum unterscheidet. Hier jedenfalls sind auffällige Streicherläufe zu hören, die aufwärts streben… vielleicht folgen sie der Seele des guten Mannes in den Himmel.
Ja, es ist ein trauriger Song und alle Instrumente scheinen in die Trauer einzustimmen: Die Slide-Gitarre schluchzt, die Mundharmonika hat den Blues, das Schlagzeug beschränkt sich lange Zeit pietätvoll auf ein paar dezente Rim-Clicks, gegen Ende weint eine Backgroundsängerin auch noch ein paar Fill-Ins. Wenn von der Beerdigung die Rede ist, hört Jones auf zu singen und spricht. Vom zu späten Erscheinen der Geliebten wird zwar berichtet, Emotionen bekommt sie aber keine mehr – er ist ja auch bereits verstorben und ist damit endlich über die Sache hinweg. Der letzte Refrain dreht dann ein bisschen auf – es darf nun mitgeweint werden, könnte man meinen.
Und warum nicht? Sicherlich ist der Song superpathetisch, die Musik ist einfach gestrickt und sehr aufdringlich, aber bei bestimmten Menschen entfaltet sie offenbar eine Wirkung. Ist Rührung etwas Schlechtes? Steckt nicht sogar ein wenig Katharsis in diesem Song? Ein wenig Georg Büchners "Lenz" für Arme?
George Jones: He Stopped Loving Her Today
6:
Lienne - Borderline
Die Stimmung des Liedes kommt gerade recht. Und dazu 3/4-Takt.
Echt gerade perfekt. :)
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