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Was hört Ihr gerade so?
Chiarina:
Jan Johansson, der Mann, der in den Sechzigern eine recht individuelle Art von Jazz in Schweden etablierte (er hat übrigens auch die Titelmelodie von Pippi Langstrumpf geschrieben). Leider ist er 1968 bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Ein paar Platten gibt es von ihm, auf denen er Volksmusikmelodien verjazzt: am bekanntesten ist die mit schwedischen Melodien (Jazz på Svenska), auch noch sehr schön ist die mit russischen Melodien (Jazz på Ryska). Die meisten Stücke sind getragen, sanft und zurückgenommen, ihre Einfachheit rührt mich oft an. Vielleicht, weil hier jemand gar nicht erst versucht, sein Können unter Beweis zu stellen, sondern einfach diese kleinen, bescheidenen Melodien für sich sprechen lässt.
Hier je ein schönes Stück der beiden Alben:
Jan Johansson: Visa Från Utanmyra (aus: Jazz på Svenska)
Jan Johannson: Jag Broderade Till Gryningen (aus: Jazz på Ryska)
Crimson King:
Motorpsycho aus Norwegen ist meines Erachtens eine extrem unterbewertete Combo. Die *meistens* drei Männer liefern seit 1990 zuverlässig gute Rockalben zwischen Sabbath-artigem Metal mit Garage Sound, epischem Space Rock und an die 60s angelehntem Retro-Psychedelic ab, meist kombiniert mit einer Prise proggiger Komplexität und in den letzten Jahren vermehrt mit jazzigen Einflüssen. Die Komplexität der neueren Outputs lässt sich dabei auf dem Debut nur erahnen. Lobotomizer ist vor allem eine Sammlung von Bratzgitarrenriffs, garniert mit rotzigem, noch nicht wirklich ausgereiftem Gesang. Der verlinkte Song wartet auch mit einem hammergeilen Riff auf, das so direkt aus der Feder von Tony Iommi stammen könnte. Spaß macht's in jedem Fall, und es ist spannend, die Entwicklung der Band bis zu den Meisterwerken The Death Defying Unicorn und Here be Monsters zu verfolgen.
Motorpsycho - Hogwash
Crimson King:
Ich konnte mir jetzt mal das von Chiarina verlinkte Coleman-Stück anhören. Das finde ich in der Tat sehr spannend. Coleman steht auf meiner Prioritätenliste eigentlich nicht so weit oben, aber ich muss das ggf. mal ändern.
Gibt einfach viel zu viel gute Musik.
Chiarina:
Hier ein wenig Theatermusik... bei der ich oft das Gefühl habe, dass mir etwas fehlt, wenn ich nicht weiß, was dazu auf der Bühne geschieht.
...aber Jóhann Jóhannsson ist schon etwas Besonderes. Für das Drama Englabörn legt er über eine regelmäßige Folge von zehn Harmonien mit absteigendem Bass einen gebrochenen Dreiklang, der erst am Schluss ein wenig in Bewegung gerät... und gleich wieder erstarrt.
Dieses Gerüst wird den gesamten Film über immer wieder neu variiert und instrumentiert. Ohne Dramenhandlung und nur gehört ergibt sich eine Variationsreihe, die für mein Empfinden auch allein als Musik Bestand haben kann.
Der Text ist übrigens ein Gedicht von Catull:
Odi et amo. Quare id faciam, fortasse requiris:
Nescio, sed fieri sentio et excrucior.
(Ich hasse und liebe. Vielleicht fragst du, warum ich das tue:
Ich weiß es nicht, aber spüre es so und ich quäle mich ab.)
Hier das hübsche Thema mit kleinem Geigensolo im Mittelteil:
Jóhann Jóhannsons: Odi et amo
Grey:
"La Valse" von Maurice Ravel. Ich liebe dieses Stück! Formal erfüllt es alle Anforderungen an einen Walzer, aber "mal eben" darauf zu tanzen ist praktisch unmöglich. Es liegt immer eine Nuance neben der festlichen Stimmung eines Balls und wirkt dadurch (zumindest auf mich) richtig creepy. Wenn ich jemals eine Horror-Runde leite, bei der die SCs auf einem Ball das Gefühl haben sollen, dass "irgendwas ganz schrecklich falsch" ist, wird das mein Soundtrack. >;D
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