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Was hört Ihr gerade so?
Chiarina:
Hier noch ein Kendrick Lamar Track, diesmal "The Blacker The Berry" von seinem Album "To Pimp A Butterfly" aus dem Jahr 2015. Der Track hat wütenden Protest ausgelöst... besonders von einigen seiner schwarzen Fans. Was macht Lamar hier?
"The blacker the berry the sweeter the juice" lautet die Catchphrase dieses Tracks und das hört sich ja erstmal nach dem Selbstbewusstsein der Diskriminierten an, die aus ihrer prekären Situation heraus Würde und Stolz aufbauen. Heißt der Satz aber nicht auch, dass da Abstufungen gemacht werden: Ist nur so ein bisschen Schwarz auch nur ein bisschen gut? Sind die tiefschwarzen Menschen die besseren Schwarzen? Irritierend ist auch der Vers, mit dem Lamar alle seine Strophen einleitet: "I´m the biggest hypocrite of 2015". Mit dieser Aussage stellt Lamar alle anderen seiner Aussagen grundsätzlich erstmal unter Ironie-Verdacht.
Der Song steht im Zusammenhang mit dem Tod von Trayvon Martin, einem Schwarzen, der 2012 von einem Wachmann erschossen wurde. Der Wachmann wurde freigesprochen, was 2013 die Rassismus-Debatte in Amerika neu entflammte. Lamar bezieht sich auf diese Tat und erzählt darüber hinaus in den ersten Strophen ganz allgemein von Polizei-Brutalität und Rassismus, aber wie sind seine typischen Protestphrasen im Zusammenhang mit der erwähnten Scheinheiligkeit zu verstehen? Die letzte Strophe, die auch musikalisch mit aufsteigenden Keyboard-Linien und emphatischerem Rap dargeboten wird, berichtet von Stammeskriegen in Afrika und Gang Violence in Amerika. Lamar endet mit den Worten: "So why did I weep when Trayvon Martin was in the street? When gang banging make me kill a nigga blacker than me? Hypocrite!" (4:28)
Wenn ihr euch über die Polizei-Brutalität aufregt, dann hört doch erstmal auf euch gegenseitig zu erschießen! So ähnlich dürfte der Song also wohl zu verstehen sein... und die Botschaft war natürlich nicht überall willkommen - aber wert gehört zu werden, wie ich finde.
Kendrick Lamar: The Blacker The Berry
Lyonesse:
Elyon OST Reunion Vulpin Theme
Crimson King:
Gilgamesh - Another Fine Tune You've Got Me Into
Das ist dann wohl sowas wie typischer Canterbury-Prog. Locker dahinfließender instrumentaler Jazzrock, bei dem rock eher klein geschrieben wird, angereichert mit Kompositionskonzepten aus der neueren Orchestermusik, die hohe Komplexität geschickt verbergend, aber auch arm an Höhepunkten. Die Musik ist gut, und Gilgamesh würde ich glatt oberhalb von Hatfield And The North oder National Health einordnen, aber so richtig vom Hocker haut mich das alles nicht. Ich bin da echt mit mir am Hadern. Ggf. braucht das einfach mehr Zeit.
Ich habe ja mit Caravan, Soft Machine, Gong und Henry Cow Alben der vier bedeutendsten Bands, die mit der Canterbury-Szene assoziiert werden, im Schrank stehen. Diese Bands haben auch ihre eigenständigen Stile, auch wenn man bei Caravan und der Soft Machine die typischen Canterbury-Trademarks schon heraushören kann. Die anderen Bands erscheinen mir stilistisch dagegen deutlich näher beieinander. Ok, Hatfield And The North und National Health haben Gesang, vor allem diesen körperlosen Soprangesang von Amanda Parsons, Egg ist weniger jazzig und stärker in Richtung Neue Musik orientiert, aber die große Bandbreite höre ich da nicht.
Chiarina:
Ich höre Jon Batiste, und habe nach einigen Youtube-Clips endlich auch sein neues Album "We are" in der Hand. Der Mann singt, rapt und spielt alles von Jazz über Blues, Soul, Hiphop und R´n´B bis Rock und Pop. Hört sich nach´m obskuren Gemischtwarenladen an? Ja, aber es ist einer mit ausgesuchten, extrem leckeren, handverlesenen Waren ohne Plastikverpackung. Vielleicht das Lebensbejahendste, was ich seit langer Zeit gehört habe. Garantiert mit Selbstironie und ohne jegliche Coolness. Hält mich derzeit über Wasser.
Freedom ist einfach nur ein Blues (mit ´ner winzigen Bridge). Hört und seht euch an, was man aus einem Blues machen kann!
Jon Batiste: Freedom
Crimson King:
--- Zitat von: Chiarina am 16.10.2021 | 09:54 ---Ich höre Jon Batiste, und habe nach einigen Youtube-Clips endlich auch sein neues Album "We are" in der Hand. Der Mann singt, rapt und spielt alles von Jazz über Blues, Soul, Hiphop und R´n´B bis Rock und Pop. Hört sich nach´m obskuren Gemischtwarenladen an? Ja, aber es ist einer mit ausgesuchten, extrem leckeren, handverlesenen Waren ohne Plastikverpackung. Vielleicht das Lebensbejahendste, was ich seit langer Zeit gehört habe. Garantiert mit Selbstironie und ohne jegliche Coolness. Hält mich derzeit über Wasser.
Freedom ist einfach nur ein Blues (mit ´ner winzigen Bridge). Hört und seht euch an, was man aus einem Blues machen kann!
Jon Batiste: Freedom
--- Ende Zitat ---
Oh, der ist cool. Schön oldschool, tonnenweise Zitate.
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