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Was hört Ihr gerade so?

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Chiarina:
Ich höre György Ligeti.
Morton Feldman hat behauptet, Ligeti sei verrückt. Ich fasse das als Kompliment auf. Ligeti hat großartige Musik komponiert.
Das Chorwerk Lux aeterna besingt das Licht aus dem Jenseits. Das Stichwort für die Musikwissenschaftler lautet hier "Mikropolyphonie". Das bedeutet nichts anderes, als dass Ligeti eine Melodie genommen hat, die von einer anfänglichen Tonwiederholung ausgehend langsam immer mehr und weiter auseinander liegende Töne verwendet. Und diese Melodie hat er dann zeitversetzt die einzelnen Stimmen eines 16-stimmigen Chores singen lassen, sodass eine Art Mikrokanon entsteht. Durch die allmähliche Erweiterung des Tonraums entsteht für den Hörer der Eindruck einer sich ausdehnenden Klangfläche. Weil sich die Einzelstimmen bewegen, wirkt diese Klangfläche aber nicht statisch, sondern ein bisschen wie ein Bienenschwarm. Sie besitzt eine erkennbare Form, ist in sich aber voller schwer identifizierbarem Gewusel.
Ich liebe das Stück, weil es intellektuell gearbeitet ist und doch auch eine extrem starke Klangwirkung für den affektiven Hörer hat.
Damit bin ich wohl nicht allein. Kubrick hat das Stück als Filmmusik für 2001 - Odyssee im Weltraum eingesetzt. Es erklingt (gekürzt), wenn die Mitglieder von Floyds Mondmission zum ersten Mal dem mysteriösen Monolithen gegenüber stehen. Verlinkt ist die Gesamtaufnahme des Werkes.

György Ligeti: Lux Aeterna

Lyonesse:
Wonderful Christmastime (Cover) - featuring Renee Foy

Chiarina:
Ich habe Franz Liszt gehört... nicht unbedingt mein Lieblingskomponist... seine "großen Würfe", die Faust-Symphonie und die h-Moll Klaviersonate, nerven mich eher, als dass sie mich erfreuen. Seine symphonischen Dichtungen - zumindest soweit ich sie kenne - finde ich viel weniger innovativ, als oft behauptet wird. Ich fühle mich gelangweilt. Dennoch gibt´s ein paar kleinere Stücke von ihm, die ich mag, z. B. das Nachtstückchen "En rêve".

Ich kenne kein anderes Stück von ihm, was Romantik so auf den Punkt bringt und gleichzeitig so reduziert und bescheiden bleibt. Für einen Moment steigt mir der Duft der blauen Blume in die Nase und schon ist er wieder verflogen.

Franz Liszt: En rêve: Nocturne

Turgon:
DŸSE – Spinne

Chiarina:
Ich stelle noch ein Klavierstück von Franz Liszt hier ein. "Funérailles" ist eine der beiden bekannteren Nummern aus der Sammlung "Harmonies poétiques et religieuses" für Klavier. Irgendwie geht es um die Klage für die Gefallenen im ungarischen Freiheitskrieg 1847/48. Zu hören sind düstere Klänge, eine Art Trauermarsch, verzerrte Militärmusik und Melancholie. Für mein Geschmack trägt das Stück ganz schön dick auf, und es ist mir etwas zu plakativ. Trotzdem hat es seine Momente... nicht zuletzt den verrückten Schluss.

Franz Liszt: Funérailles

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