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[Science-Fiction] Weltraum-Kolonisation

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Eulenspiegel:
Da im alten Thread [Science Fiction] Schiffsdesign und Technologie etwas OT, aber dennoch interessant, habe ich mal diesen Thread hier eröffnet.


--- Zitat von: Fantomas am  8.08.2011 | 20:08 ---Hier wird bereits das Pferd von hinten aufgezäumt, wenn man davon ausgeht, dass irgend jemand das Gefühl hat, irgend jemanden versorgen zu müssen, egal ob das rentabel ist oder nicht. So funktioniert freie Wirtschaft bekanntlich nicht. Wenn die Erde gegenüber Planet X nichts mehr hat, was Planet X braucht, wird die Erde von Planet X entweder nichts über bilateralen Handel erhalten oder das Exportdefizit aus anderen Quellen deckeln müssen.
--- Ende Zitat ---
Es fängt ja ganz vorne an: Erstmal muss der Planet besiedelt werden.

Die Besiedlung eines Planeten ist mit Kosten verbunden, die sich nicht in der 1. Generation und auch nicht in der 2. Generation amortisieren. Aber irgendwann zahlt sich die Kolonisation aus und die Kolonie macht mehr Gewinne als Ausgaben.

Man könnte sich das ganze sozusagen so vorstellen: Die 1. und 2. Generation der Siedler verschulden sich bei terranischen Organisationen, um sich ihr Heim auf der Kolonie aufbauen zu können. Und die späteren Generationen müssen diese Schulden samt Zins&Zinseszins zurückzahlen. (Andererseits wird ihr Heim gepfändet und geht an die terranische Organisation über.)


--- Zitat ---Für die Entwicklung von Welten muss man Spezialisten hinkutschen, und die werden sehr schnell für technisch-wirtschaftliche Autonomie sorgen.
--- Ende Zitat ---
Kommt darauf an, wem sich die Spezialisten verpflichtet fühlen: Fühlen sich die Spezialisten den Kolonisten gegenüber verpflichtet? Oder fühlen sie sich der Organisation gegenüber verpflichtet, die sie bezahlt?
Erst recht, wenn die Spezialisten alle 5 Jahre weiterziehen, kommt so etwas richtiges wie Heimatgefühle nicht auf.


--- Zitat ---Jedes Bemühen, dies zu unterbinden, wird unweigerlich in bewaffnete Konflikte münden, in denen das Mutterland der Mutterplanet noch stärker gelackmeiert ist als bei Unabhängigkeitskriegen auf der Erde, zumal die Versorgungswege noch länger sind.
--- Ende Zitat ---
Zum ersten Teil: Ja. Aber gerade diese bewaffneten Auseinandersetzungen sind aus rollenspielerischer Sicht doch interessant. Vor allem, wenn sich die Spieler dann aussuchen können, auf welcher Seite sie in den Konflikt eingreifen oder ob sie gar beide Seiten gegeneinander ausspielen.

Ansonsten denke ich, dass die Versorgungswege sich nicht viel nehmen und in etwa gleich lange dauern. (Bloß dass man auf einem Raumschiff nicht mit einer Windflaute zu kämpfen hat.)

<Juju>:

--- Zitat von: Eulenspiegel am  8.08.2011 | 20:43 ---Es fängt ja ganz vorne an: Erstmal muss der Planet besiedelt werden.

Die Besiedlung eines Planeten ist mit Kosten verbunden, die sich nicht in der 1. Generation und auch nicht in der 2. Generation amortisieren. Aber irgendwann zahlt sich die Kolonisation aus und die Kolonie macht mehr Gewinne als Ausgaben.

--- Ende Zitat ---

Und diese Besiedlung wird vermutlich einem Zweck des Heimatplaneten folgen. Die Angesprochene Organisation handelt bestimmt nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit,
sondern verfolgt Ihre eigenen Ziele. Die ersten Siedler werden direkte Angestellte oder Subkontraktoren eben dieser Organisation sein. Bestehend aus Pionieren, im militärischen Sinne, Experten zum Abbau der Ressourcen und Vorsteher der Organisation. Dazu Familie und Kinder. Und später ein wenig Luxus.

Und ich denke Experte ist bei solch einer Aktion eher ein Job fürs Leben, als dass man da nach ein paar Jahren wieder weg versetzt wird.

Feuersänger:
Gute Idee, ich lagere mal auch meine Antwort hierhin aus:


--- Zitat von: Fantomas am  8.08.2011 | 20:08 ---Hier wird bereits das Pferd von hinten aufgezäumt, wenn man davon ausgeht, dass irgend jemand das Gefühl hat, irgend jemanden versorgen zu müssen, egal ob das rentabel ist oder nicht. So funktioniert freie Wirtschaft bekanntlich nicht. Wenn die Erde gegenüber Planet X nichts mehr hat, was Planet X braucht, wird die Erde von Planet X entweder nichts über bilateralen Handel erhalten oder das Exportdefizit aus anderen Quellen deckeln müssen.
--- Ende Zitat ---

Von "versorgen müssen" kann auch nicht unbedingt die Rede sein. Die Wirtschaft wird bei gegebener Technologie selber ihre Interessen verfolgen wollen, und von einem Konzern betriebene Bergbauunternehmen sind keine unabhängigen Staaten. Wenn auf der Erde kein z.B. Hafnium mehr verfügbar ist, weil die Chinesen die gesamte Produktion kontrollieren und nichts davon rausrücken, sucht man halt auf anderen Planeten oder Asteroiden danach.

Und mal weiter vorgespult: wenn eine extrasolare Kolonie wirklich autark ist, und nichts mehr von der Erde importieren _muss_, ja, dann hat sie insofern gewonnen. Da spricht aber aus der Draufsicht auch nichts dagegen. Vielleicht passt es dem Mutterland nicht und es gibt einen Unabhängigkeitskrieg -- wunderbar für uns und unsere Stories. Aber bis dahin ist es eine lange Frist, und eine Kolonie muss sich schon vorrechnen lassen, wieviel vorher von der Erde dorthin geflossen ist.


--- Zitat ---Daher ja mein Vorschlag, die langweiligen, aber notwendigen Setting-Bestandteile von den spannenden, spielbaren zu trennen und der Deduktion ihren Lauf zu lassen.
--- Ende Zitat ---

Naja, auch wenn man es nicht spielt, muss es doch trotzdem funktionieren. Es kotzt mich in _allen_ Settings an, wenn die Zahlen und Werte vorn und hinten nicht zusammenpassen. Ob das nun in DSA ist, wo ein "armer Fischer" über ein Boot im Wert von 15 Kilo Gold verfügt, oder in Shadowrun, wo man für bescheidene 200.000 Nuyen einen ausgewachsenen Learjet kaufen kann. Die "es muss nur den Spielfluss der Gruppe unterstützen" These kann ich nicht ausstehen.



--- Zitat ---1.) Wenn Raumreisen etwas für Abenteurer, VIPs und Flüchtlinge sind, werden wenige Passagiere genug zahlen, um Raumflüge für kleine Frachter rentabel zu machen. Sind Raumreisen alltäglich, werden die gewaltigen Zahlen an Passagieren in riesigen Passagierschiffen weniger Beförderungsunternehmen befördert und für kleine Trampfrachter besteht kein Bedarf.
--- Ende Zitat ---

Lies, wir brauchen einen Mittelwert. Vielleicht ungefähr so wie, ich sag mal, der Luftverkehr der 1950er Jahre oder so? Wohlgemerkt ist da Luftverkehr kein so guter Vergleich, weil es soweit ich weiss keine "Tramp-Flieger" gibt oder gab. Trampfrachter zur See hingegen gibt es bis heute. Zwischendurch waren sie mal im Rückgang, aber in letzter Zeit nimmt der Trampverkehr angeblich wieder zu.


--- Zitat ---2.) Der große Rohstoffverkehr ist dröge und wird von Robotfrachtern abgewickelt. Trampfrachter sind klein, können also nur kleine Frachtmengen bewegen.
--- Ende Zitat ---

Die Größe des Frachters ist wie gesagt bei interplanetaren Raumschiffen relativ egal. Solange man den Schwerpunkt ausbalanciert, kann man so viele Fracht- und Tankmodule dranklipsen, wie man lustig ist -- intelligent designte Schiffe werden sowieso modular sein, um das zu ermöglichen. Die Größe des Schiffs limitiert eigentlich nur die Leistung des Antriebes, d.h. mit mehr Ladung wird das Ding halt langsamer.
Ich will es zwar auch so haben, dass der dröge Rohstoffverkehr von Robofrachtern (oder jedenfalls nicht von den SCs) erledigt wird, aber mir fällt dafür keine bessere Begründung ein als "Das ist den Raumfahrern zu langweilig". :6

Tudor the Traveller:

--- Zitat von: Eulenspiegel am  8.08.2011 | 20:43 ---Die Besiedlung eines Planeten ist mit Kosten verbunden, die sich nicht in der 1. Generation und auch nicht in der 2. Generation amortisieren. Aber irgendwann zahlt sich die Kolonisation aus und die Kolonie macht mehr Gewinne als Ausgaben.

Man könnte sich das ganze sozusagen so vorstellen: Die 1. und 2. Generation der Siedler verschulden sich bei terranischen Organisationen, um sich ihr Heim auf der Kolonie aufbauen zu können. Und die späteren Generationen müssen diese Schulden samt Zins&Zinseszins zurückzahlen. (Andererseits wird ihr Heim gepfändet und geht an die terranische Organisation über.)

--- Ende Zitat ---

Kommt das nicht sehr darauf an, warum der Planet erschlossen wird? "Besiedlung" kann ja alles sein, von einer Forschungsstation, die nur das nahegelegene XY studiert, über Bergbaukolonien, die permanent versorgt werden müssen, oder Urlaubsresorts, weil die Sonne dort so schön ist, oder privaten Exilen steinreicher Personen, eben bis hin zur "echten" breit angelgeten "Kolonie".

Besetzung aus militärischen Gründen oder Gefängnisplaneten nicht zu vergessen  ;)

Chaos:

--- Zitat von: Feuersänger am  8.08.2011 | 21:41 ---Gute Idee, ich lagere mal auch meine Antwort hierhin aus:

Von "versorgen müssen" kann auch nicht unbedingt die Rede sein. Die Wirtschaft wird bei gegebener Technologie selber ihre Interessen verfolgen wollen, und von einem Konzern betriebene Bergbauunternehmen sind keine unabhängigen Staaten. Wenn auf der Erde kein z.B. Hafnium mehr verfügbar ist, weil die Chinesen die gesamte Produktion kontrollieren und nichts davon rausrücken, sucht man halt auf anderen Planeten oder Asteroiden danach.

Und mal weiter vorgespult: wenn eine extrasolare Kolonie wirklich autark ist, und nichts mehr von der Erde importieren _muss_, ja, dann hat sie insofern gewonnen. Da spricht aber aus der Draufsicht auch nichts dagegen. Vielleicht passt es dem Mutterland nicht und es gibt einen Unabhängigkeitskrieg -- wunderbar für uns und unsere Stories. Aber bis dahin ist es eine lange Frist, und eine Kolonie muss sich schon vorrechnen lassen, wieviel vorher von der Erde dorthin geflossen ist.
--- Ende Zitat ---

Ich stelle mir das so ähnlich vor wie damals in den amerikanischen Kolonien, dass das Mutterland der Kolonie schlicht verbietet, bestimmte Industrien zu betreiben, gerade extrem profitable Geschichten wie Pharmazeutik oder High-Tech-Elektronik, und dieses Verbot auch mit eiserner Faust durchsetzt, um die Kolonie von sich abhängig zu halten. Das Ganze wird dann irgendwann natürlich auch wie damals in den amerikanischen Kolonien enden, vielleicht mit einer "Microchip Party" im orbitalen Frachtumschlagplatz von New Boston.

Und selbst ohne so eine Konstruktion ist es ein himmelweiter Unterschied, ob eine Kolonie keine Importe vom Mutter braucht, oder ob das Mutterland nichts zu bieten hat, was die Kolonisten wollen. Eine Kolonie könnte etwa durchaus auch mit dem auskommen, was sie selbst an Agrarmaschinen und Medikamenten herstellen, aber ohne Exporte von entsprechend fortschrittlicheren Produkten von der Erde wäre die Lebenserwartung geringer und die Nahrungsproduktion würde wesentlich mehr Arbeitsaufwand benötigen.

Und letztlich ist die Erde vermutlich die einzige Quelle für Raumschiffe und moderne planetare Verteidigungssysteme, die man braucht, um sich Piraten, Plünderer und anderes Gesocks vom Leib zu halten.


--- Zitat ---Ich will es zwar auch so haben, dass der dröge Rohstoffverkehr von Robofrachtern (oder jedenfalls nicht von den SCs) erledigt wird, aber mir fällt dafür keine bessere Begründung ein als "Das ist den Raumfahrern zu langweilig". :6

--- Ende Zitat ---

Wäre es nicht sowieso einfacher, den Rohstoffpaketen einen kleinen Stups zu geben und sie dann langsam und unbeaufsichtigt durch das System treiben zu lassen, bis sie am Zielort ein Schlepper "einfängt"? Zeitkritisch sind sie ja nicht, und wenn die Schiffe die Strecke nicht mitmachen müssen, braucht man auch viel weniger von ihnen.

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