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[WoD] Grenzenloser Smalltalk

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La Cipolla:
Die Sache ist, dass das in dem Meme beschriebene Thema von Changeling the Dreaming lediglich eine recht spezifische (in meinen Augen ziemlich zynisch-fatalistische) Sicht der Welt repräsentiert und das Spiel dieser Weltsicht dann auch noch MEGA eskapistisch und elitär "begegnet", wenn man es überhaupt so nennen will: "Hey, du bist nicht like the others in ihrer langweiligen, grauen Cubicle-Welt, du bist quirky und hast noch Kreativität! Du musst nicht gucken, wie du ernsthaft mit dieser komplizierten mundanen Welt klarkommst, du bist besser als das!" Da ist es nicht groß verwunderlich, dass sich kaum jemanden auf die düsteren Aspekte des Spiels konzentriert – schließlich weigert sich Dreaming selbst ganz vehement, sich mit diesen Aspekten auseinanderzusetzen und nutzt sie stattdessen nur als unreflektierte, "objektiv schlechte" Gegendarstellung ... was aber auch Sinn macht, denn würde es etwas anderes versuchen, würde die Philosophie des Spiels wahrscheinlich ziemlich schnell in sich zusammenfallen.
Ich hab mir Dreaming ja erst vor ein paar Jahren mit fast 30 angeguckt und kann mir LEBHAFT vorstellen, was einen Teenager in den fatalistischen 90ern daran angesprochen hat ... aber meine Fresse, ist es schlecht gealtert. Wenn sich Spiele darüber beschweren, wie doof die Welt ist, will ich heute bitte auch konstruktive Ansätze oder zumindest eine differenzierte Sichtweise. Die "doofe Welt" dann aber auch noch mit absolut schamlosem Eskapismus abzuschmettern, lässt mir heute echt die Lippen schlottern. Entweder soll man den Eskapismus als Verbesserungsansatz benutzen (das heißt betont NICHT, die reale Welt zu umgehen!) oder aber die reale Welt ganz rauslassen und einfach puren Eskapismus machen.
Okay, vielleicht ist Changeling the Dreaming doch ziemlich dark – aber halt nur auf der Metaebene.

Ups. Das ist ein Rant geworden. xD'' Bitte nicht persönlich nehmen, es geht natürlich nur um das Spiel selbst!

Wraith ist für mich aber auch nicht sonderlich dark, muss ich sagen. Es ist allem voran deprimierend, und das liegt mehr an der Aufmachung und dem inhaltlichen "Window Dressing" als an den tatsächlichen Themen, die sich ja sogar ganz bewusst zwischen Extremen wie Leben und Tod und Verzweiflung und Hoffnung bewegen (Geist in der nWoD hat das Thema dann deutlich spielfreundlicher und auch menschenfreundlicher integriert). Am "darkesten" in der oWoD ist für mich tatsächlich Vampire, weil es zumindest as written so fucking statisch und lebensfeindlich ist. Dadurch habe auch nie einen Reiz verspürt, das Ding zu spielen. Man muss aber fairerweise erwähnen, dass es kaum jemand so spielt und die meisten Spieler-Vampire einfach Menschen mit einer Menge Drama sind. Das kann natürlich Spaß machen, ich spiele ja auch gerne Teenager. Und die neueren Auflagen haben die Starre ja auch offiziell weiter aufgebrochen.

Dass Vampire das dunkelste Spiel ist, gilt in meinen Augen übrigens auch für die nWoD, obgleich man das "Klarkommen" mit der statischen Situation da etwas offener in den Mittelpunkt gestellt hat (Stichwort Golconda). Changeling the Lost ist zwar auch recht dunkel, aber da geht es am Ende des Tages ja immer noch darum, mit Trauma umzugehen und es vielleicht sogar zu verarbeiten, daran zu wachsen usw. Also was sehr Konstruktives, Positives. Selbiges gilt für Promethean, was sich für mich immer ähnlich deprimierend wie Wraith angefühlt hat, damit aber nur einen Gegenpol zu den sehr luftigen Zielen der Protagonisten setzt – und dass diese luftigen Ziele letztendlich "nur" die Menschlichkeit sind. Was könnte positiver sein?


Jiba:

--- Zitat ---(Geist in der nWoD hat das Thema dann deutlich spielfreundlicher und auch menschenfreundlicher integriert).
--- Ende Zitat ---

...und nebenbei gleich mal den eigentlichen Witz an einem Geisterrollenspiels in die Tonne getreten!

Sorry, aber da muss ich mal ranten:
Geist ist nicht mit Wraith vergleichbar. So, überhaupt nicht! Es ist höchstens mit Orpheus vergleichbar!

Bei den ersten Ankündigungen war ich damals schon skeptisch, habe mir aber gedacht: Hmmm, okay, vielleicht wird ja doch ein Geisterrollenspiel draus. Wurde es aber nicht. Es wurde ein Spiel um Medien und menschliche Reisende in der Unterwelt. Es ist ein gutes Spiel (wenn auch im Sinne gut, wie viele andere Spiele der nWoD: Für sich und nur für sich genommen ein starkes Thema aber eigentlich was für ein schlankes einbändiges Indie-Setting und weniger für eine Sourcebooks-füllende Reihe. Viele nWoD-Spiele sind sehr stark, wenn man sie einzeln betrachtet, wirken aber weit hergeholt, wenn man sie zusammenpanscht).

Aber es ist kein Geisterrollenspiel. Und boah hat mich das sauer gemacht, als mir das klar wurde. Das rührt nämlich, wie so vieles, von einer Hyperkorrektur der Macher her: "Hmmm, niemand hat "Wraith" gespielt damals, also machen wir mal lieber kein echtes Geisterrollenspiel für die nWoD, denn Geister will ja anscheinend niemand spielen."

Und dann sitze ich als Freund von Geistergeschichten da und denke mir: Ja vielen Dank auch!

Und lese mich dann auch noch durch eine furztrockene, gähnend langweilige Version der Unterwelt, die gegen das viszerale, kafkaeske Hieronymus-Bosch-beschwörende Totenreich von "Wraith" in jeder Hinsicht abstinkt. Die Reiter finde ich gut und ein ähnliches Konzept in den Fokus von Wraith zu rücken hätte dem Spiel sicher gut getan (auch wenn meiner Meinung nach bei Geist ein eigener Reiter für den Selbstmord fehlt). Aber sonst ist Geist ein niedliches Konzeptspiel im Vergleich zu dem uferbrechenden Content, der in Wraith drinsteckt.

Wraith erzählt nämlich wenigstens Geistergeschichten aus der Sicht des Geistes. Und das ist doch eigentlich der USP der WoDen: Sie erzählen die Monstergeschichten aus der Sicht des Monsters. Bei Geist wurde das aufgebrochen und das schmeckt einfach schal für mich.

Wraith ist bei Weitem nicht perfekt geeignet um Geistergeschichten zu erzählen. Ich schiebe die mangelnde Spielbarkeit von Wraith weniger darauf, dass es zu deprimierend sei, sondern darauf, dass der Fokus falsch gesetzt wurde. Wenn ich Geister spielen will, will ich Geister spielen, die mit der Welt interagieren. Die herumspuken, die auch mal Leuten erscheinen. Die präsent sind bei den Lebenden. Und die letztlich ihre Bindungen an die Welt auflösen und richtig sterben können. Ich habe Wraith immer als ein Spiel wahrgenommen, das zu sehr in der Unterwelt rumhängt – direktere Interaktionsmöglichkeiten mit der Welt der Lebenden hätten das Ganze deutlich verbessert ("Exalted" nimmt ja für seine Totenkosmologie viel von Wraith auf, aber deutlich verbessert und zugänglicher gemacht. Die Möglichkeit etwa, als Geist in Schattenlanden einfach von der Totenwelt in die Welt der Lebenden wechseln zu können, wenn gerade Nacht ist (und umgekehrt für Menschen dasselbe), ist einfach spitze!)

Und verdammt, sicherlich ist "Wraith" ein ebenso darkes Rollenspiel wie Vampire (das in Form der Menschlichkeit ja auch einen Hoffnungsmechanismus hat). Die Geistergesellschaft ist aber mindestens so schlimm wie die Vampirgesellschaft. Ich meine, da sind Geister, die entmenschlicht, ja zu Seelenstahlobjekten gemacht werden, das Rückgrat der gesamten Ökonomie von Stygia. Das betrachte ich als eine Analogie zu einem zutiefst menschenverachtenden Kapitalismus. Und dann noch der Schatten als das eigene dunkle Selbst, als der kleine Mann im Ohr, das Schlimmste in dir, das dann auch noch alles kaputt macht, was dir an Menschenwärme noch geblieben ist.

Also nein: Wenn du in den Text guckst, das Ding ist megadark. Und das ist auch genau das, was ich persönlich daran auch so gut finde.

Edit: Aber Zustimmung bei deiner Changeling-Analyse.

Teylen:
Meines Erachtens, und eingeschränkter Spielerfahrung, funktioniert Changeling: The Dreaming auf zwei Ebenen.
Einerseits bietet es den Eskapismus wie ihn Peter Pan oder auch Narnia anspricht. Man spielt junge Charaktere, die eigentlich keine Menschen sind, respektive zwischen den Welten stehen und sich quasi auf der Suche nach bzw. dem abtauchen in Kreativität beschäftigen. Etwas das sich ganz aktuell auch in "Dispatches of Elsewhere" widerfindet. Das kann man so spielen, und damit hat man ein ungewöhnlich farbenprächtiges Spiel, gerade für die World of Darkness, aber auch Allgemein. Zumal man noch die Courts und die Sidhe zum beschäftigen mit "sich selbst" dazu bekommt.

Andererseits ist das Spiel halt in der Welt der Dunkelheit verankert, was dann mit einem Zusammenstoß mit der Setting-Realität gibt, in der die Leichtigkeit zumindest in der Theorie keine Chance hat. Was mit dem hereinbrechenden "Winter" nochmal intensiver wird bzw. in Bezug auf die Kreativität und allem mit den Veränderungen nach der Pubertät konfrontriert wird.
Wenn man diesen Ansatz nimmt, wird das Spiel düsterer als die anderen Spiele, da man in den anderen Spielen eher eine Chance hat "weiter zu machen wie bisher". Man kann sich als Vampir seine Menschlichkeit bewahren in dem man einfach kein Arschloch ist (Starr waren die Vampire afair schon zuvor nicht, weder regelseitig noch von den Ingame Texten her), man kann als Werwolf gegen den Wyrm kämpfen und sogar Schlachten gewinnen, man kann als Wraith sich in den Schattenlanden einmuggeln.
Man kann bei Changeling nicht verhindern das man Erwachsen wird respektive zum Grump oder der Glamour halt weg geht.

Wo es meines Erachtens auch kein Gegenkonzept braucht, da man in der normalen Welt halt irgendwann mal Erwachsen wird. Ein Problem das die Kinder in Nimmerland nicht haben - auch wenn man den Hook-Ansatz nehmen könnte. Ein Problem das in Narnia wohl recht direkt angesprochen wird weil da Teenager und Erwachsene nicht reinkommen. Bei Dispatches from Elsewhere... (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Wird es eigentlich 1 zu 1 im Changeling Ansatz durchgezogen. Die Hauptfigur Clara ist halt einfach Erwachsen geworden und hat fesgestellt das der Plan überall Glamour zu verbreiten direkt am Kapitalismus zerschellte.

Ansonsten finde ich sowohl Wraith als auch Geist spannend.
Allerdings stimmt es, dass Geist einfach keine Geister-Geschichten bietet. Was schon einigermaßen bizarr ist.

JAW6:
Gibt es denn den Chicago by night zusatzband für nicht ks Backer nur als print in jemand über drivethru, wenn man ihn als haptische buch haben will ?

Teylen:

--- Zitat von: JAW6 am 27.04.2020 | 16:06 ---Gibt es denn den Chicago by night zusatzband für nicht ks Backer nur als print in jemand über drivethru, wenn man ihn als haptische buch haben will ?
--- Ende Zitat ---
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