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[Macabre Tales] Das neue Lovecraft-Rollenspiel - jetzt draußen!
Jed Clayton:
Danke, Stonewall. Ich wollte eben schon dasselbe sagen.
Aber H.P. Lovecraft ist streng genommen Teil des Pulp, das wird leider oft übersehen. Das mag mitunter daran liegen, dass er selbst sehr anglophil und traditionsverliebt war und sich in den 1920er und 30er Jahren quasi als Mann in einer falschen Zeit sah und in seinen Briefen und Selbstdarstellungen stets wie einen viktorianischen britischen Gentleman stilisierte, obwohl er in Wirklichkeit ein "struggling writer" und amerikanischer Staatsbürger war.
Vielleicht hatte ich das auch für manche missverständlich formuliert. Es geht um den Arkham Cycle von Geschichten, und die wurden nun einmal ursprünglich nicht als ehrwürdige in Leder gebundene Bücher verlegt, sondern sie erschienen im Magazin Weird Tales zwischen 1923 und 1937, und das war ein Billig-Abenteuer-Heft dieser Ära, ein Groschenroman der Depressionszeit.
Weird Tales war sozusagen sogar das Hausmagazin für die Werke von Lovecraft zu dessen Lebzeiten, abgesehen von seinen zahlreichen Briefen, Aufsätzen, Gedichten, wissenschaftlichen Artikeln und was der gute Mann sonst noch so alles verfasst hat. Lovecraft war zu Lebzeiten leider alles andere als erfolgreich oder angesehen. Sein ganzer heutiger Ruhm kam erst posthum zustande. Er starb völlig verarmt und hatte keinerlei lukrativen Verträge mit Verlagen.
Publikationsgeschichtlich waren seine Geschichten also groschenromanartige Veröffentlichungen, keine dicken Romane. Daher ist das Spiel Macabre Tales auch im Look eines 30er-Jahre-Groschenromans aufgezogen, mit Fonts und Grafiken dieser Zeit, vergilbtem Pulp-Papier usw.
Stonewall:
--- Zitat von: Jed Clayton am 1.11.2011 | 00:30 ---Publikationsgeschichtlich waren seine Geschichten also groschenromanartige Veröffentlichungen, keine dicken Romane. Daher ist das Spiel Macabre Tales auch im Look eines 30er-Jahre-Groschenromans aufgezogen, mit Fonts und Grafiken dieser Zeit, vergilbtem Pulp-Papier usw.
--- Ende Zitat ---
Das finde ich, soweit man da aus der Preview schließen kann, auch hübsch gemacht.
Ich glaube, da spielen mehrere Momente in das Mißverständnis herein: Einerseits die "verschobene" Auffassung des Begriffs Pulp im Rollenspielbereich, andererseits die in Deutschland anders verlaufene Lovecraft-Rezeption. In Deutschland wurden seine Werke ja mWn erst wirklich durch die Insel/Suhrkamp-Ausgaben bekannt, also durch "ernsthafte" Verlage. Wahrscheinlich hat dann die deutsche Version des CoC-Rollenspiels mit der Betonung auf historisch fundiertes, anspruchsvolles Besserspielen die Wahrnehmung als "gehobene" Thematik durch den deutschen Phantastik/Rollenspiel-Fan noch bestärkt.
Jed Clayton:
--- Zitat von: Stonewall am 1.11.2011 | 19:29 ---Das finde ich, soweit man da aus der Preview schließen kann, auch hübsch gemacht.
Ich glaube, da spielen mehrere Momente in das Mißverständnis herein: Einerseits die "verschobene" Auffassung des Begriffs Pulp im Rollenspielbereich, andererseits die in Deutschland anders verlaufene Lovecraft-Rezeption. In Deutschland wurden seine Werke ja mWn erst wirklich durch die Insel/Suhrkamp-Ausgaben bekannt, also durch "ernsthafte" Verlage. Wahrscheinlich hat dann die deutsche Version des CoC-Rollenspiels mit der Betonung auf historisch fundiertes, anspruchsvolles Besserspielen die Wahrnehmung als "gehobene" Thematik durch den deutschen Phantastik/Rollenspiel-Fan noch bestärkt.
--- Ende Zitat ---
Richtig. Ich selbst würde jetzt zwar nicht direkt von "Besserspielen" sprechen, denn das wird auch als offene Beleidigung aufgefasst und viele Leute können es wie man so sagt in den falschen Hals bekommen.
Aber rezeptionsgeschichtlich hast du wohl Recht. Wie gesagt gefiel sich H.P. Lovecraft selbst in der Rolle des ehrwürdigen Gentleman-Gelehrten. Da das Spiel Call of Cthulhu als bekanntermaßen dickes Hardcover und der Verlag Arkham House über Jahrzehnte an diesem Image weitergestrickt haben, hat sich dieser Eindruck nur noch weiter verstärkt.
"Pulp" bezeichnet in der Tat viele Dinge, ist aber bei uns offensichtlich geprägt durch den Film "Pulp Fiction" und vielleicht durch Savage Worlds. Aber steht denn in der Savage Worlds: Explorer's Edition überhaupt irgendwo das Wort "pulp"? Ich denke, wahrscheinlich nicht.
Jed Clayton:
Die ersten ausführlichen Besprechungen trudeln gerade ein... auf Englisch natürlich.
Eine längere Rezension steht seit heute auf der Seite von RPG.net. Sie stammt von Royce Thigpen und ist doch sehr positiv ausgefallen. ;D YAY!!
Im Fazit heißt es:
--- Zitat ---All in all, I have to say that Macabre Tales, even with a few places that could be polished up some, works exceedingly well at being a truly suspenseful horror game. The focus on a single player/narrator interaction generates a sense of tension that so many of its predecessors have lacked. The book is lovingly constructed, and it is obvious from the layout, thought and research put into its pages that this was a labor of love from the designer. If you’re looking for a “simple” game between two people to tell a cooperative tale of terror and desperation, look no further than Macabre Tales.
--- Ende Zitat ---
Jed Clayton:
Update:
Ich habe heute das gedruckte Softcover von Macabre Tales von DriveThruRPG erhalten. Das war zugleich mein erster Kauf beim Print-on-Demand-Service von DriveThruRPG, um zu sehen, ob das alles richtig klappt und wie die Druckqualität dort aussieht. Von Lulu.com-Büchern war ich nämlich zuletzt doch ein bisschen desillusioniert, muss ich sagen.
Kurz und gut: Die Drucke von DriveThruRPG sind Lulu momentan bei Weitem überlegen. Außerdem war die Lieferzeit viel geringer: am 16.11. online bestellt, am 23.11. bei mir zu Hause eingetroffen, und dies bei einem "on demand" Buch, das erst mal gefertigt werden musste! :)
Wenn man wie ich von Deutschland aus bestellt, kommt das Päckchen aus Milton Keynes in Buckinghamshire, England. Darum war das Porto auch sehr niedrig, nicht wie bei USA.
Das Buch gefällt mir auch in der vorliegenden Softcover-Version echt gut. Es hat das Standard-Rollenspielformat mit ca. 28 x 21,75 cm und ist mit 94 Seiten ein doch recht leichtes, dünnes Büchlein, vergleichbar mit einem 96-seitigen Abenteuerpfad-Band von Pathfinder oder einem der neuen Basic-Roleplaying-Erweiterungsbücher. Das Cover ist farbig und auf den Innenseiten wurde das vergilbte zerknitterte Pulp-Heftchen-Design weggelassen, was laut Spectrum Games ästhetische Gründe hat. Dieses Design hätte im Schwarzweiß-Druck einfach nicht wirkungsvoll ausgesehen und den Fließtext schwer leserlich gemacht.
Das Design, von dem ich hier spreche, wird natürlich in der vollfarbigen Deluxe-Version von Macabre Tales zu sehen sein - und vermutlich in den kommenden Erweiterungen in PDF.
Von DriveThruRPGs Druckergebnis bin ich jedenfalls total begeistert: Angenehmes weißes (nicht graues!) Papier, die Fonts sind schön zu lesen, das Layout passt einfach. Genial.
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