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Dragons Dogma (PS3/Xbox360)

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Uebelator:
Dragons Dogma ist ein OpenWorld-Rollenspiel von Capcom, das sich ein gutes Stück an westlichen Rollenspielen wie Skyrim oder The Witcher orientiert. Kämpfe laufen in Echtzeit und spielen sich actionreich mit einer Prise Taktik.

Worum gehts?
Man spielt den "Arisen", einen mutigen Helden, der sich gleich zu Beginn einem Drachen gegenüber stellt und dabei leider getötet wird. Der Mut scheint dem Drachen allerdings imponiert zu haben und daher erweckt er den Helden wieder zum Leben, der fortan als einer der "Arisen" - mythischen Helden - durch die Gegend zieht und ein entsprechendes Maß an Respekt genießt. Was es mit den Arisen aufsich hat, was der Drache eigentlich will und wer da sonst noch so die Strippen zieht, das findet man im Laufe des Spiels wohl heraus.

Charaktererschaffung
Die Charaktererschaffung ist schön umfangreich und man kann allerlei Dinge einstellen (Augenbrauen, Augenform, Nase, etc.). Interessant ist hierbei, dass man auch Körpergröße, Körperbau und dergleichen einstellen kann, was dann auch Einfluss aufs Spiel hat (Kraftmänner können mehr tragen, Winzlinge sind flinker usw...)
Anfangs hat man die Wahl zwischen den drei Grund-Klassen Kämpfer (mit Schwert und Schild), Streicher (Bogenschütze mit Dolchen) und Magier. Leider gibts es nur einen Spielsstand und man darf sich somit nur einen Helden erstellen. Erstellt man einen zweiten, wird der erste gelöscht. Daher hab ich noch nicht viel mit unterschiedlichen Klassen experimentiert und vorerst meinen Streicher gespielt. Später im Spiel gibt es die Möglichkeit, die Klasse zu wechseln bzw. zu spezialisieren. Dabei sind einem grundsätzlich keine Grenzen gesetzt und ich könnte meinen Streicher vermutlich auch nachträglich zu einem Magier machen... Kostet nur Geld und Erfahrungspunkte... Daher hab ich mir für die Spezialisierung "Ranger" entschieden und kann nun auch Langbögen benutzen. Toll! :)

Das Spiel ansich
Oberflächlich hebt sich Dragons Dogma nicht großartig von Spielen wie Skyrim ab... Man wird in diese große offene Welt geworfen, holt sich hier und da seine Quests ab und erforscht so nach und nach jeden Winkel. Eine tolle Idee ist aber das Pawn-System. Pawns sind Begleiter, derer man maximal 4 mit auf seine Reisen nehmen kann. Witzig dabei ist, dass jeder Spieler nur einen Haupt-Pawn hat, den er ebenso generieren, hochleveln und ausrüsten kann, wie seinen eigenen Charakter. Dieser Haupt-Pawn ist ständiger Begleiter und auf allen Reisen dabei. (Bei mir ist es der rothaarige, leicht untersetzte Krieger Ragnar, der mittlerweile mit einem dicken Zweihänder draufhaut.) Desweiteren kann man aber noch zwei weitere Pawns für seine Party anheuern und diese Pawns sind allesamt von anderen Spieler generiert und man "borgt" sie sich quasi aus. Ist man auf ihre Dienste irgendwann nicht mehr angewiesen, entlässt man sie und kann dem "Besitzer" eine Nachricht schicken, wie gut sich der Zögling geschlagen hat... Wer will kann auch ein Geschenk als Dank mitschicken.
Ebenfalls eine schöne Idee ist, dass die Pawns Erfahrung in Bezug auf bestimmte Quests und Gegner sammeln und diese dann mit Dir teilen... Sprich: Ein Magier beschießt Zombies evtl. zuerst mit einem Blitzstrahl... Während des Kampfes bemerkt er, dass die Untoten wesentlich empfindlicher auf Feuer reagieren und probiert ein wenig mit Feuerbällen herum, bis er sich wirklich sicher ist... Zukünftig wird er dann Zombies mit mehr Feuerbällen bekämpfen. Und diese Erfahrung kann er auch sammeln, wenn er mit anderen Spielern unterwegs ist.

Unweigerlich kommt es auf Reisen und bei den Abenteuern zu Kämpfen, denn überall in der Landschaft haben sich Goblins und Banditen niedergelassen und ich bin auch schonmal über eine Schimäre gestolpert, die so durch den Wald zog (lieber umgehen!!!). Die Kämpfe spielen sich actionlastig (wobei ich da bislang nur vom Bogenschützen erzählen kann) und man hat im Nahkampf einen schnellen und einen schweren Grundangriff, wobei man eine menge Fertigkeiten dazulernen kann, die dann durch Schultertasten ausgelöst werden. Mit Druck auf eine andere Schultertaste geht man in den Bogenschützen-Modus und verschießt Pfeile (von deren Grundversion man unendlich viele hat... es gibt aber auch Giftpfeile usw., deren Stückzahl natürlich begrenzt ist). Als Ranger hab ich mittlerweile einige coole neue Talente und kann so z.B. 11 Pfeile auf einmal verschießen und damit einen 45° Winkel vor mir abdecken... Oder ich schiesse einen Haufen Pfeile in die Luft, die dann als Pfeilregen auf ein besimmtes Gebiet niedergehen... oder ich ziehe den Bogen besonders stark durch, um einen extra wirkungsvollen Schuss zu landen.
Nettes Detail: Der Langbogen hat deutlich mehr Wums als die kurze Variante und so fallen kleinere Gegner wie z.B. Goblins bei einem Treffer durch die Wucht gern mal um. :)

Eine tolle Idee ist, dass man in Kämpfen gegen größere Gegner, diese anspringen und an ihnen entlang klettern kann. So kletter ich am Leib einer Hydra hinauf, um ihr direkt meine Dolche in den Kopf zu rammen... Sehr dramatisch und dynamisch.

Die Pawns unterstützen einen in den Kämpfen so gut es geht, locken Gegner an, heilen, wirken Buffs auf die Verbündeten usw... das machen sie gut und die KI hat nur selten echte Aussetzer. Während der Kämpfe kann man grobe Befehle geben, aber bislang war das noch nicht nötig. Dem eigenen Pawn kann man in den Städten ein paar Verhaltensregeln geben ("Beschütze mich, wenn du kannst", oder "greife immer den stärksten Gegner an".)

In Städten kann man bei Händlern seinen Kram verkaufen, sich neu ausrüsten, Ausrüstung verbessern, Dinge herstellen (ja, Crafting gibts auch.) usw... Außerdem sollte man sich öfters mal im Gasthaus ausruhen, denn in Kämpfen verlorene Lebenskraft kann nur bis zu einem gewissen Grad wieder geheilt werden, so dass mein Lebenspunkte-Maximum nach langen Kämpfen ordentlich reduziert ist... Nur eine ruhige Nacht im Bett (oder die Einnahme von teuren Heiltränken) kann da helfen.
 
Die Grafik
Verglichen mit Skyrim zieht Dragons Dogma vermutlich den kürzeren. Die Grafik ist schick und bietet tolle Licht- und Wettereffekte, ist insgesamt aber etwas matschiger und unschärfer als Bethesdas Konkurrent. Aber gerade die größeren Monster sehen toll aus und sind fein animiert... Als ich bei einem Zyklopen am Rücken hing, schmeisst der sich doch glatt mit voller Wucht nach hinten und zerdrückt mich unter sich. Toll! :)
Und der Tag- Nacht-Wechsel ist toll... Denn Nachts ist es richtig dunkel... Viele Rollenspiele färben die Umgebung in der Nacht einfach blau, aber bei Dragons Dogma sieht man wirklich kaum die Hand vor Augen und selbst mit einer Laterne sieht man nur den unmittelbaren Umkreis. Sehr gruselig. Daher sollte man besser tagsüber reisen.

Mein Fazit
Dragons Dogma macht mir zur Zeit unheimlich viel Spaß und lässt diesbezüglich sogar Skyrim hinter sich. Die toll dynamischen Kämpfe und die Welt ansich rufen bei mir eine Abenteuerlust und einen Sense-of-Wonder hervor, den ich selten in Computerspielen finde. Für mich auf jeden Fall ein ganz heisser Kandidat auf das Spiel des Jahres.

Blizzard:
Hab mir mal ein Video mit den ersten 10 Spielminuten angesehen, und schon da hat es auf mich einen recht guten Eindruck gemacht. Leider gibt es das bislang nicht für PC  :(

Uebelator:
Hier sieht man ganz gut, wie die Kämpfe so ablaufen...

http://www.youtube.com/watch?v=LN5vQI-vsXQ&feature=related

Uebelator:

--- Zitat von: Blizzard am  4.06.2012 | 13:34 ---Leider gibt es das bislang nicht für PC  :(

--- Ende Zitat ---

Eine PC-Version wirds laut Aussage des Entwicklers auch leider nicht geben. Aber Konsolen sind ja auch nicht mehr sooo teuer und ich würd meine PS3 - auch abseits der Spiele - als Media-Center nicht mehr missen wollen.

JS:
Hm, ganz so euphorisch kann ich das Spiel nach 40 Spielstunden mit einem (Erz-)Magier nicht bewerten.

Pro:
- SC-Gestaltung und Steigerung machen Spaß, und es gibt genügend ganz feine Fähigkeiten, die man seinem SC und dem Hauptvasallen angedeihen lassen kann.
- Das Vasallensystem ist eine wirklich innovative Idee und funktioniert sehr gut. Der eigenen Vasall wächst einem ans Herz, die "Mietlinge" ebenso, wenn man erst einmal seine guten Favoriten gefunden hat. Das Bewertungssystem mit den Sternen betrachte ich aber immer noch als unnötig.
- Das Questlog ist gut, und im Gegensatz z.B. zu Witcher 2 kann man auch ALLE Questen problemlos verfolgen.
- Die Geschichte verdient keinen Rollenspiel-Nobelpreis, ist aber solide und spannend.
- Die Kämpfe erinnern an Dragon Age und Amalur, sie sind aktionsreich und können taktisch herausfordernd sein. Die Taktik möchte ich aber nicht überbewerten, denn gerade dann, wenn ich sie am meisten brauchte, ging es eigentlich nur ums Draufdreschen. Manche Bosse, z.B. die harten Golems, sind aber nur durch Taktik gut zu besiegen.

Cons:
- Die KI der Vasallen finde ich so lala. Die Kämpfer machen ihre Sachen ganz gut, aber die Magier könnten erheblich verbessert werden, vor allem die Unterstützungsmagier. Ich habe meinen Hauptvasallen z.B. mit Unterstützend und Beschützend gestaltet und seine Fertigkeiten auch danach optimiert. Nun heilt er zwar artig (und bei jeder Pipiwunde) und macht mir immer eine schöne Feuerwaffe, aber die wirklich wichtigen Schutzzauber wirkt er nach Gutdünken. Das ist bei echten Abwehrknallern wie Großer Schutzwall oder bei der Großen Heiligkeit ärgerlich. Blitzgeißel wurde im Angriff noch nie benutzt, auch andere Zauber werden selten gewählt. Feuerschlag und Blitzregen dagegen kommen regelmäßig zur Anwendung. Dragon Age hat vorgemacht, wie ein taktisches Gruppensystem im Einzelspielermodus großartig funktionieren kann, Dragon´s Dogma hat es leider nicht übernommen.
- Ein vernünftiges Schnellreisesystem ist nicht vorhanden. Zwar kann man mit teuren Reisesteinen zur Hauptstadt zurück oder später auch zum Ort mit dem Reisekristall reisen, aber ansonsten heißt es latschen, laufen, latschen. (Laufen geht aber nur, bis die Ausdauer platt ist.) Das ist nach der zehnten Reise von Gran Soren in den Hexenwald nur noch nervig.
- Die "Mobs" finde ich ermüdend stark, und weil sie immer wieder neu entstehen, ist jede Reise entweder eine dauernde Flucht oder ein langweiliges Metzeln. Bei höherer Stufe halten die kleinen Mobs dann unnötig die Reise auf, die gleichstufigen Mobs fressen zuviel Zeit und Ressourcen, und die gefährlichen Mobs beenden die Reise oftmals sehr schnell. Man kann zwar an vielen Mobs vorbeirennen, doch wegen der Verbindung Ausdauer/Rennen klappt das i.d.R. mehr schlecht als recht.
- Als Magier kann man sich nicht vernünftig vor Fernkämpfern schützen, die durch ihren Beschuß sehr häufig die eigenen Zauber abbrechen. Fairerweise klappt das auch bei Feindmagiern. Was nützen mir Supermächtigflächenzauber, wenn ich sie gegen Mobs mit Bogenschützen nie zaubern kann? Das macht auch noch auf hohen SC-Stufen die Banditenbanden gefährlicher als Zyklopen, Oger oder Chimären. Die Bosse sind (mit einigen Ausnahmen) einfach zu besiegen, aber Fernkampfmobster sind für Magierspieler nervenraubend, weil auch die Vasallen den Befehl "Hilfe" in diesen Situationen nicht sinnvoll umsetzen.
- Manche Aufträge sind ortsgebunden, und überschreitet man eine unsichtbare Grenze, ist der Auftrag gescheitert, ohne daß man das wollte. Zieht man sich z.B. während eines heftigen Golemkampfes kurz zurück, um sich zu heilen und neu zu sortieren, kann es schnell passieren, daß der Golem frisch und munter auf die Ausgangssituation zurückgesetzt wird. Schönen Dank auch.
- Das Inventarsystem hätte umständlicher fast nicht sein können. Im Laufe der Zeit gewöhnt man sich daran, aber ätzend bleibt es trotzdem.
- Man scheffelt Geld ohne Ende, ohne es vernünftig ausgeben zu können. Die Gegenstände bei den wenigen Händlern passen sich nur langsam dem SC an, ihre Verbesserung ist mühselig, weil es nicht an Geld, sondern häufig an ganz bestimmten Exotenzutaten mangelt.
- Die Graphik ist in Ordnung, aber selbst für die Konsolen nicht mehr zeitgemäß. (Ein eher unwichtiger Kritikpunkt.). Der Vorteil davon ist aber, dass es nur relativ wenige Ladezeiten gibt.

Fazit: Dragon´s Dogma bietet solide, spielenswerte Action-RPG-Kost mit einigen sehr guten und einigen sehr nervigen Elementen. Durch das Vasallensystem, das schöne SC-Steigern und die recht freie Welt kommt zwar ein gewisser Suchteffekt auf, aber die weniger guten Seiten des Spieles trüben das Bild doch mehr, als es hätte sein müssen. Dennoch macht es mir bei weitem mehr Spaß als Skyrim, daß für mich nur ein Aufguß Oblivions mit besserer Graphik und schlechterer SC- und Benutzerführung ist.

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