Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau
[Eigenes System] Mit Persönlichkeit des SC als Regelkern
Ahab:
Moin Forum,
ich spiele nun seit beinahe 20 Jahren Rollenspiel. Dabei habe ich DSA, Shadowrun, Kult, Savage Worlds, Earthdawn, Fate, D&D, Wheel of Time, Cthulhu, BoL, Pathfinder, Scion, WoD, DRYH, Opus Anima und einige andere Systeme kennengelernt. Dabei hat mich immer gestört, dass selbst jene Systeme, die sich als „tragisches Rollenspielsystem mit Höhen, Tiefen, Düsternis, Leid, Tränen und allem, was das menschliche Gemüt sonst noch so zu bieten hat“ schimpfen, keinen kompakten Weg haben, eben dies darzustellen. Ich für meinen Teil habe jedenfalls keines gefunden, das mich überzeugt hätte. Sie alle leisten irgendwie alle nicht das, was ich gern möchte bzw. was meinem Spielstil entspricht.
Mir ist bewusst, dass meist Urban Fantasy Games wie Kult oder Unknown Armies bzw. einige neuere Indie-Spiele verschiedene Mechanismen aufweisen, um den Einfluss des GrauensTM auf den menschlichen Geist abzubilden, aber davon behagt mir keines wirklich. UA ist mir zu schräg, Kult zu retro und die meisten anderen folgen Mechanismen, die gänzlich an mir vorbei ziehen. Ich wünsche mir ein System hierfür, das auch zB auf Fantasy anwendbar ist und eher generalistisch für verschiedene Epochen/Settings/Welten brauchbar ist.
Aus diesem Grund kam mir der Gedanke, ein komplett neues System aus dem Boden zu stampfen, das dies leisten kann und dazu noch universell/generisch ist und für verschiedene Settings eingesetzt werden kann. Und dafür hoffe ich auf Eure Unterstützung.
Eine zusätzliche Nische habe ich mir auch gesucht: es soll für all jene Settings gedacht sein, in denen es einen Kampf zwischen Gut und Böse gibt, die beide um den Charakter ringen. Aber mehr dazu weiter unten.
Also zunächst einmal meine Anforderungen an ein solches System:
* Das System soll regeltechnisch den Kampf zwischen einer hellen und einer dunklen Macht um die Seele/Psyche/den Geist des SC abbilden bzw. zum Kern haben. Ich sehe da ein generisches System, welches dazu geeignet ist, ein solches (doch recht klassisches) Szenario in verschiedenen Settings abzubilden, solange eben diese beiden gegensätzlichen, als gut und böse einstufbaren Mächte im Spiel sind.
* Dieses „Persönlichkeitssystem“ soll eine Art Hell-bis-Dunkel-Skala haben, an der sich der SC einordnen lässt. Wenn man so will, eine Art binäres Gesinnungssystem. Indem verschiedene Eigenschaften in unterschiedlicher Ausprägung gewählt werden, kann man so vom totalen Schurken über Anti-Helden bis zu strahlenden Paladinen alles quantitativ abbilden (so zumindest die Idee).
* Es soll dann eine Art „Persönlichkeits-/Stimmungs-/Gemütswurf“ geben, der vorgibt, wie sich der SC in Abhängigkeit der Gegebenheiten verhält. Mir ist klar, dass so etwas vielen Spielern widerstrebt, aber ich empfinde so etwas als herrliche Anregungen und Herausforderungen für die Darstellung meines Charakters. Vor allem: wenn das Ergebnis dieses Wurfs aus den, sagen wir, Punkten resultiert, die ich selbst auf die verschiedenen Wesenszüge vergeben habe, dann habe ich dieses Ergebnis ja maßgeblich beeinflusst und kann mich nicht (oder nur bedingt) beschweren, dass mir durch das System ein unerwünschtes Verhalten meines Charakters diktiert wird.
* Da es meiner Vorliebe am ehesten entspricht, schwebt mir ein System vor, das die klassische Aufteilung zwischen Attributen und Fertigkeiten hat. Allerdings würde ich hier gern abseits vom geschlossenen Fertigkeits- und Attributesystem landen.
* Ich möchte gern den Aspekt mit der Persönlichkeit und den von Attribute und Fertigkeiten verweben oder zumindest kompatibel skaliert haben, damit man alle Aspekte mit den gleichen Würfel adressieren kann.
* Was den Würfeltypus und -mechanismus angeht, habe ich mich noch nicht festgelegt. Von einem Poolsystem möchte ich aber vorerst absehen, da ich es favorisiere, einen oder zwei Würfel zu werfen, abzulesen und weiter zu machen. Bei einem Poolwurf ist mir zuviel Drumherum (Würfel abzählen, in ne Box werfen, weil sie sonst über den Tisch scheppern und sonstwo landen, Erfolge suchen und zusammenzählen usw.).
* Insgesamt wünsche ich mir eine Crunchiness die etwas oberhalb von BoL liegt. BoL ist zwar wirklich rules-lite und ermöglicht ein tolles Spieltempo, ohne das Erzählerische dabei zu bremsen, aber es ist mir als 90er-Jahre-Kernspieler etwas zu grobgranular. Natürlich gibt es bereits zahlreiche Systeme, die auf die eine oder andere Weise diese Anforderungen erfüllen könnten, aber ich kenne eben keines, das die Persönlichkeit des SC soweit in den Vordergrund rückt.
* Für Magie könnte ich mir auch gut ein freies System vorstellen, oder zumindest eine relativ kleine Zauberliste. Ebenso Alchimie, Weird Science oder ähnliches. Vielleicht eine Liste klassischer Zauber und eine Anleitung zum Selberbasteln weiterer Zauber oder so.
* Ich bin nicht sicher, was das Kampfsystem angeht. Ehrlich gesagt, ist das für mich eher nebensächlich. Aber was meine Vorlieben anbelangt: aktive Verteidigung (Ausweichen oder Parieren, denke ich), Rüstung als fester Wert, der vom Schadenswurf abgezogen wird, Angriffs und Schadenswurf getrennt. Aber hier bin ich offen für abweichenden Input.
Das einzige, wozu ich mir bislang konkret Gedanken gemacht habe, ist das, was ich gern als Kern des Systems ansetzen möchte: die „Persönlichkeit“. Meine Gedanken dazu:
* Wir nehmen Achsen mit jeweils zwei Extremen an den Enden, die das gute und das böse Spektrum darstellen (hier jetzt beispielhaft und nicht wirklich durchdacht):
* Wo ein guter Mensch ehrlich und aufrecht ist, ist ein Schurke hinterlistig und niederträchtig.
* Wo ein guter Mensch mutig ist, ist ein Schurke feige.
* Wo ein guter Mensch emotional ist, ist ein Schurke kalt.
* Wo ein guter Mensch sanftmütig ist, ist ein Schurke brutal.
* Usw…
* Diese Achsen werden in der Mitte getrennt und auf jeder Seite gibt es drei Kringel, die die Werte von (zB) -3 bis +3 darstellen. Dabei kann jede Achse nur in eine Richtung ausgeprägt sein. Bei der Charaktererschaffung können dann Punkte vergeben werden. Wenn man einen guten Menschen spielen will, kann mann soundso viel Punkte auf die guten Ausprägungen verteilen, wobei auf negative Punkte verteile Ressourcen Gummipunkte geben, die andernorts in gute Ausprägungen investiert werden können. Die Summe könnte dann auf einer Gesamtskala einen Indikator geben, wo der SC auf der Gut-Böse-Skala anzusiedeln ist.
* Die Gut-Böse-Punkte sind temporär und können durch gute/böse Taten bzw. durch Patzer/krit. Erfolge bei Persönlichkeitswürfen gesteigert werden. Ebenso könnte es permanente Gut-Böse-Punkte geben, die durch direkten Kontakt mit der bösen oder guten Entität erlangt werden, und die nur unter ganz besonderen Umständen wieder verschwinden können.
Hier mal eine Visualisierung, wie ich es mir in etwa vorstelle (sämtliche Zahlen und Wesenszüge sind in keinster Weise repräsentativ und dienen nur der Verdeutlichung meiner Idee):
Die zentralen Gesamtwerte stellen den Modifikator für den "Gemütswurf" dar. Der Modifikator wid entsprechend der Situation gewählt. Da könnte ich mir auch vorstellen, dass mehrere Achsen zur Geltung kommen, je nachdem, welche Wesenszüge des SC angesprochen werden. In der Summe ergeben die auf positive und negative Eigenschaften vergebenen oder im Spiel erlangten Punkte den Rang auf dem "Bös-O-Meter". Dieser wiederum könnte für generelle Gesinnungsproben relevant sein. (So nach dem Motto: der Türknauf der Kirche beginnt zu glühen, als Du ihn ergreifst.) Hat man einen gewissen Schwellenwert erreicht, ist man entweder so korrumpiert, dass man zum NSC wird und seinen Bogen abgeben darf, oder so erleuchtet, dass man zum Sendboten des Lichts wird und damit ebenfalls zum NSC.
So könnte es ausgefüllt aussehen:
So, soweit meine ersten Gedanken. Was haltet Ihr davon? Hat jemand andere Ideen? Weiterführende? Vielleicht auch genereller Art?
Jemand eine Idee, wie man auch den Rest des Systems auf dieser Basis aufbauen könnte? Bzw. irgendwie Fertigkeiten/Attribute synchron zu den Wesenszügen abbilden?
Gibt es vielleicht doch andere Systeme, die meinen Wünschen gerecht werden, sodass ich mir (und Euch) das alles hier ersparen kann? Ich würde mich über rege Beteiligung freuen.
Vielen Dank im Voraus und beste Grüße,
Ahab
Pyromancer:
Pendragon arbeitet mit solchen Gegensatz-Paaren, das ist vielleicht als Inspirationsquelle gut.
Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder):
Keep das mal updated. Mir ist sowas vor einiger Zeit gestorben. War einfach nicht praktikabel. Wenn Du da was tischtaugliches rauskriegst, gib Ignoranten wie mir hilfreiche Tipps.
Horatio:
Einen Blick auf Greg Stolzes "A Dirty World" wirst dir da nicht erspart bleiben, das macht etwas sehr ähnliches :). Der benutzt allerdings ein Poolsystem.
Hier mal das Character Sheet für einen ersten Eindruck.
Slayn:
Das Bös-O-Meter als solches ist doch hier eher ein Paladin-O-Meter ;)
Die Idee an sich ist gut, die Umsetzung taugt nur nichts. Das ist ein Haufen an Wesenszügen und Charaktereigenschaften, am Ende verknüpft mit einer moralischen Gesinnung. Das geht nicht auf.
Wenn man Pendragon betrachtet, dann sieht man hier christliche ethische Werte als Gegensätze, also z.B. Keuschheit - Wolllust. Bei einem Samurai Spiel könnte man mit Bushido als werte arbeiten, etc.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln