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Brainstorming: Wie funktionieren Götter-Kulte in einer High-Fantasy-Welt?
Text:
Ausgangsbasis ist eine typische High-Fantasy-Rollenspiel-Welt:
Es existieren viele Götter, die nachweisbar real sind.
Jeder Gott hat seinen eigenen Kult, mit eindeutigen Erkennungszeichen (Kleidungsstil, heilige Symbole, Rituale).
Die einzelnen Götter geben den Anhängern ihres jeweiligen Kults magische Kräfte (Priester/Kleriker).
Die meisten Kulte unterhalten eine eigene Organisation und Infrastruktur (Tempel mit eigenem Personal, eigene Wachen, etc.) und pflegen ein Auftreten nach außen hin (z.B. mildtätige Hilfe, Anbieten von Heilzaubern für die Allgemeinheit, etc.).
Die Aktivität der Kulte unterscheidet sich regional - aber in den meisten Gegenden gibt es viele Kulte die (friedlich) um Anhänger und Einfluss konkurrieren.
Worin genau begründet sich die Beziehung der Anhänger zu ihrem Gott?
Es geht nicht um Glauben - schließlich sind die Götter nachweisbar und unstrittig real.
Es könnte eine Beziehung sein, wie die zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Kleriker zu sein ist zunächst mal ein sicherer Job (der Tempel sorgt für einen). Daneben ist es für viele auch ein interessanter Job (man hat viel mit Leuten zu tun, kann Menschen helfen, macht was mit Magie) der auch Aufstiegschancen bietet (politischer Einfluss, mächtige Magie). Ein motivierter Arbeitnehmer ist einer der sich auch mit den strategischen Zielen seines Arbeitgebers identifizieren kann. Analog ist es durchaus von Vorteil (aber nicht in allen Positionen unbedingt erforderlich) wenn sich der Anhänger mit den Zielen und Idealen seines Gottes identifizieren kann.
Grundsätzlich würde ein Anhänger an seinen Taten und an seinem Potential gemessen.
Welche Rolle haben in einer solchen Situation Gottesdienste und Rituale? Spielen sie überhaupt eine Rolle?
Wie stark und auf welche Weise nehmen die Götter Einfluss auf das "Tagesgeschäft" ihrer Kulte?
Wie wird das von Außenstehenden wahrgenommen?
Die Kulte sind einflussreiche Organisationen (in der selben Weise wie Gilden einflussreich sind).
Für den Einzelnen bieten sie alltägliche Dienstleistungen an (Heilung, etc.).
Wie ist die Beziehung der Mächtigen zu den Kulten? Sehen sie sie als Konkurrenz oder als potenzielle Verbündete?
Welches Bild haben die Menschen von den Göttern?
Haben normale Menschen überhaupt eine klare Vorstellung von den Göttern - jenseits von dem was ihre Kulte tun?
AcevanAcer:
Also, die intressanteste Frage für mich ist immer, wie weit profitiert der Gott von seinen Anhängern und inwieweit benötigt er sie.
Benötigt ein Gott keine Anhänger für seine persönliche Macht, ist es eher eine Charakterfrage des jeweiligen Gottes wie die Dienste aussehen.
Benötigt er Anhänger für seine Macht, wird er eher bereit sein auch einige Geschenke springen zu lassen.
Hast du dir darüber Gedanken gemacht?
Anastylos:
Ein Gott profitiert davon wenn sich seine Ideen, Ideale und Wertvorstellungen durchsetzen. Dazu benötigt er überzeugte Gläubige die diesen Glauben verkünden. Die Gläubigen profitieren aber auch wenn sich ihre Vorstellungen durchsetzen, zumal ja auch noch ein Jenseits gemäß der eigenen Wertvorstellungen winkt.
Die Mächtigen werden im Zweifelsfall passende Götter haben. Händler beten zum Gott des Handels, Paladine zum Gott des Rechts etc.
Die Beziehung zwischen Gläubigem und Gott ist nicht anders als die zwischen Menschen. Freundschaft und Liebe, Opportunismus und Kalkül etc.
Ob ein Gott sich in die Handlungen seines Kultes einmischt solange alles nach seinem Willen läuft hängt vom Gott ab würde ich sagen.
Mr Grudenko:
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Worin genau begründet sich die Beziehung der Anhänger zu ihrem Gott?
--- Ende Zitat ---
In letzter Konsequenz wäre es die selbe Beziehung wie zwischen Fürst und Untertan, nur auf einer höheren Ebene (Loyalität und Verehrung wird erwartet, weil das halt so in der Welt ist).
Evtl. hat der/die betreffende Gott/Götting auch bedeutende Taten vollbracht (die Welt erschaffen, den Menschen das Feuer geschenkt, den Menschen die erste Schrift gelehrt), und erwartet jetzt Dankbarkeit (= Verehrung) dafür, besonders von jenen Gruppen, die am meisten davon profitieren (z.B. alle, Schmiede, Gelehrte).
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Kleriker zu sein ist zunächst mal ein sicherer Job (...).
--- Ende Zitat ---
Wobei Kleriker auch eine Berufung und kein Beruf sein kann. Und bei High Fantasy kann das wortwörtlich bedeuten, daß jemand von einem Gott auserwählt wird (brennender Busch und so). Die Gründe dafür müssen Menschen nicht verstehen, schließlich reden wir von Göttern.
Oder Kleriker aus Familientradition ist auch eine Möglichkeit (immer der zweitgeborene Sohn / die jüngste Tochter, oder halt ganze Priesterfamilien).
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Welche Rolle haben in einer solchen Situation Gottesdienste und Rituale? Spielen sie überhaupt eine Rolle?
--- Ende Zitat ---
Auf jeden Fall. Wenn man den Vergleich mit weltlichen Würdenträgern nimmt, sind Rituale die metaphysische Form von Ehrerbietung und Schmeichelei.
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Wie stark und auf welche Weise nehmen die Götter Einfluss auf das "Tagesgeschäft" ihrer Kulte?
--- Ende Zitat ---
Wenn es das 'klassisch' göttliche Verhalten ist, werden sie halt vor allem aktiv, wenn sie nicht genug angebetet werden (Leute werden vom Blitz erschlagen, Tempel stürzen ein, Massenerkrankungen etc.) bzw. ein Priester ihren Unmut entfacht hat.
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Wie wird das von Außenstehenden wahrgenommen?
--- Ende Zitat ---
Es gibt keine "Außenstehende", wenn sie nicht gerade 'Heiden' sind. Jeder muß in irgendeiner Art und Weise mindestens einem Gott huldigen (also zumidestens dem Schöpfergott), um nicht göttlicher Vergeltung gegen sich zu provizieren. Und dafür sind die einzelnen Kulte unerläßlich, auch wenn man evtl. mit einzelenn Priester Probleme hat (wie mein Opa immer sagte: "Gott ist schon in Ordnung, aber das Bodenpersonal")
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Wie ist die Beziehung der Mächtigen zu den Kulten? Sehen sie sie als Konkurrenz oder als potenzielle Verbündete?
--- Ende Zitat ---
Falls Fürsten o.a. nicht schon selbst als Halbgötter verehrt werden bzw. ihre Abstammung von Göttern ableiten können, hätten sie, wie z.B. bei den Römern oder im alten Japan, wichtige Positionen in den Kulten innen. So Sachen wie 'erster Priester', die vielleicht im Tagesgeschäft eher symbolisch sind, aber bei wichtigen religiösen Anlässen einen zentralen Platz einnehmen (z.B. indem sich der Gott dem König im Allerheiligsten des Tempels offenbart).
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Haben normale Menschen überhaupt eine klare Vorstellung von den Göttern - jenseits von dem was ihre Kulte tun?
--- Ende Zitat ---
Jeder kennt jemanden, dessen Nachbar mal gesehen hat, wie ein Sünder vom Blitz erschlagen wurde. >;D
In dem Zusammenhang wäre natürlich die "Konkurrenz" interessant (also Dämonen, böse Geister etc.), deren zerstörerisches Wirken jeder wahrnimmt, und gegen die man sich mit göttlichen Beistand schützen muß.
Talim:
Der Glaube ist weiterhin wichtig.
Dabei geht es weniger um die Existenz des Gottes als um den positiven Einfluss des Gottes auf das Leben des Glaeubigen.
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