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Brainstorming: Wie funktionieren Götter-Kulte in einer High-Fantasy-Welt?
Maarzan:
Ich gehe von einer Metaphysik ähnlich Earthdawn aus, wo mit Vorstellungen Matrizen verändert werden. Und genügend komplexe Matrizen entwickeln ein eigenes Bewusstsein.
Götter sind damit arkane abstrakte Lebewesen, geboren aus den Vorstellungen anderer natürlicher bewusster Wesen.
Zu der Änderung durch Matrizen gehört ein Energiefluss, welchen der Gott dann nutzen kann, wie auch eine winzige Veränderung in Richtung dessen, was der sich mit dem Gott beschäftigende dann im Detail glaubt.
Das Kraftfeld Gott ist wiederum nicht komplett homogen sondern dadurch lokal mehr oder weniger unterschiedlich, was zu inneren Spannungen bis Unwohlsein führt. Im Extremfall kommt es zur Götterspaltung wenn die einzelnen Teile etwa gleich stark und zunehmend unvereinbar werden.
Der Gott ist damit an einer großen homogenen und intensiv glaubenden Bevölkerung interessiert. Die Bevölkerung kann erst in seinem Unterbewusstsein, später direkter Einfluss nehmen.
Priester vereinfachen die Sache für den Gott, da es weniger und weniger unharmonische Störungen gibt und ein guter Teil des die Leute bei Laune und auf Linie halten ausgegliedert werden kann. Die Priester können wiederum auf arkaner Ebene in dieses Gottkonstrukt reinhören und so ein Gefühl bekommen für all das, was auf diese Matrix einwirkt. Die Deutung auf dieser unterbewussten Ebene führt dann zu entsprechenden Orakeln etc.
Text:
Danke schon mal für eure Beiträge bisher!
Da sind ein paar interessante Denkansätze dabei.
Ich will noch ein paar spezifische Randbedingungen ergänzen zu meiner Fantasy-Welt an der ich gerade bastle:
Die Götter existieren in der realen Welt mitten unter den Menschen. Viele von ihnen in einer menschenähnlichen Form. Andere Sphären oder Bewusstseinsebenen, Seelen, oder ein Leben nach dem Tod sind keine allgemein anerkannten Konzepte. Möglicherweise versprechen einige wenige Götter/Kulte etwas in der Richtung, das sind dann aber metaphysische (oder gar metaphorische) Konzepte jenseits der allgemein anerkannten Wahrheit. Dementsprechend werden die Götter eher wegen diesseitiger Dinge verehrt: wegen kulturellen Leistungen oder technischen Errungenschaften die sie den Menschen gebracht haben, oder weil man ihrer gesellschaftlichen Vision folgt.
Es gibt so viele Götter, dass es nicht nur einen einzigen Gott für ein Belang gibt, sondern immer mehrere die miteinander konkurrieren. Wobei es in den meisten Fällen unstrittig und erwiesen ist welcher Gott was gemacht hat - die Anhänger streiten sich eher über die Bewertung, wessen Errungenschaften nun höher zu bewerten sind. (So ein bisschen wie Marken-Kulte a la Apple vs. Android in der realen Welt, die ja auch schon fast religiöse Züge annehmen.)
Götter sind sehr mächtig (stärker und weiser als der typische Mensch), praktisch unsterblich (altern nicht, immun gegen Krankheiten, können nicht gewaltsam getötet werden) und können durch willige Menschen hindurch agieren (Kleriker). Trotzdem sind sie nicht allmächtig, insbesondere weil sie jeweils nur eine einzelne Person sind. Sie können nicht überall gleichzeitig sein. Deswegen brauchen sie eine Organisation an die sie delegieren können - und eine breite Anhängerschaft die ihr Werk verrichten kann.
Holothuroid:
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Es könnte eine Beziehung sein, wie die zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Kleriker zu sein ist zunächst mal ein sicherer Job (der Tempel sorgt für einen). Daneben ist es für viele auch ein interessanter Job (man hat viel mit Leuten zu tun, kann Menschen helfen, macht was mit Magie) der auch Aufstiegschancen bietet (politischer Einfluss, mächtige Magie). Ein motivierter Arbeitnehmer ist einer der sich auch mit den strategischen Zielen seines Arbeitgebers identifizieren kann. Analog ist es durchaus von Vorteil (aber nicht in allen Positionen unbedingt erforderlich) wenn sich der Anhänger mit den Zielen und Idealen seines Gottes identifizieren kann.
--- Ende Zitat ---
Hmmm. In der griechisch-römischen Antike ist das nicht so. In Ägypten passts vielleicht besser.
Bei den Römern werden Priester nicht bezahlt. Die rekrutieren sich aus der Oberschicht. Wer kein Geld hat, kommt da gar nicht rein. Die machen auch nichts mit Gläubigen. Priester sind dazu da, zu bestimmten Zeiten im Jahr bestimmte Dinge zu tun, meistens also Opfer. Gelgentlich aber auch nackt, singend durch die Straßen ziehen. Aufstiegschancen gabs durchaus: In andere politische Ämter, aber nicht innerhalb einer Kirchenhierarchie. Die gibts nicht.
Unser Blick auf Religion ist generell sehr vom europäischen Sonderweg verstellt: Glaube ist größtenteils keine Kategorie, die mit Religion zu tun hat. Wir betonen den Glauben so sehr, weil wir uns eine Lebensweise ohne Religion vorstellen können. Und sofern man "glaubt", gibt es verschiedene Angebote, die einander Konkurrenz machen. Man ist eben entweder Evangelisch oder Katholisch oder sonst was. Diese Probleme stellen sich üblicher Weise nicht. Religion sind bestimmte Rituale der Gemeinschaft. Wer zur Gemeinschaft gehört, nimmt da teil. Bei komplexen Gesellschaften kann es verschiedene Angebote geben, aber die müssen sich gegenseitig ausschließen, wie die Buchreligionen mit ihren Du-sollst-keinen-Gott-Ansprüchen. Es ist z.B. heute auch in Japan nicht merkwürdig, dass eine Person buddhistisch "getauft" wird, christlich heiratet und shintoistische Bestattung bekommt. Oder so.
Grundsätzlich würde ein Anhänger an seinen Taten und an seinem Potential gemessen.
--- Zitat ---Welche Rolle haben in einer solchen Situation Gottesdienste und Rituale? Spielen sie überhaupt eine Rolle?
--- Ende Zitat ---
Religiöse Rituale dienen aus Innensicht der Personen entweder dazu:
- gewisse natürliche Abläufe am Laufen zu halten: Man opfert, damit der Regen kommt. (Aus soziologischer Sicht dient das dann dem Gruppenzusammenhalt.)
- den Status einer Person zu ändern (Laie -> Priester, Kind -> Erwachsen, Lebend -> Tot...)
Bei komplexen Kulten können sich Rituale verselbsttändigen. In Ägyptischen Tempel wurde jeden Tag geopfert. Die Priester da müssen ja auch was zu tun haben.
Lichtschwerttänzer:
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Ausgangsbasis ist eine typische High-Fantasy-Rollenspiel-Welt:
--- Ende Zitat ---
Ein Pantheon oder mehrere? gut - neutral - böse oder hellenisch - römisch - phönizisch- sumerisch - indisch?
--- Zitat ---Es geht nicht um Glauben - schließlich sind die Götter nachweisbar und unstrittig real.
--- Ende Zitat ---
Anerkennung der Existenz vs Verehrung / Anhängerschaft
Priester brauchen die Anerkennung/Akzeptanz der Gemeinde/Kirche/Gläubigen, es ist ein sozialer Job
--- Zitat ---Welche Rolle haben in einer solchen Situation Gottesdienste und Rituale?
--- Ende Zitat ---
Initiation, Taufe, Kommunion, Firmung, von der Geburt bis zum Vollmitglied in die Gemeinde
Schicksalsgemeinschaft Ehe , Patenschaft, Legitimation der Herrschaft
Tot Abschied, Trauerbewältigung
Priestertum ist ein ggf erblicher Platz in der Struktur der Gemschaft und damit Macht unter anderem andere Mächtige zu bestimmen bzw zu legitimieren
Verknüpfung Herrschender Schichten mit dem Priestertum
Erster Stand
Priesterkönigtum
Leviten, Magusch, Brahmanen
Druiden
Pharao
Pontifex Maximus
Römische Patrizier
--- Zitat ---Götter sind sehr mächtig (stärker und weiser als der typische Mensch),
--- Ende Zitat ---
an welche Regeln sind sie gebunden? Kann ein Dämon durch entsprechendes Handeln sie zwingen ihnen Gunst zu erweisen?
Können Weise und Mächtige sie zwingen wie z.b. Rishis ?
Übermenschliche Schwächen wie die Olympier?
--- Zitat ---praktisch unsterblich (altern nicht, immun gegen Krankheiten, können nicht gewaltsam getötet werden
--- Ende Zitat ---
verwundbar wie Aphrodite durch Diomedes (mit etwas Hilfe durch Athene) , Schicksalsgebunden (Moiren, Parzen, Nornen) gehen sie mit dem Weltenende unter?
Allmächtig können Götter nicht sein, weil mehrere Allmächtige Entitäten nicht sein können.
Slayn:
--- Zitat von: Text am 31.07.2014 | 01:53 ---Worin genau begründet sich die Beziehung der Anhänger zu ihrem Gott?
Es geht nicht um Glauben - schließlich sind die Götter nachweisbar und unstrittig real.
--- Ende Zitat ---
Es kommt ganz darauf an was "Gott sein" dann bedeutet. Wenn "Gott" nur irgend ein mächtiges Wesen ist, sieht die Lage anders aus als wenn "Gott" die direkte Inkarnation einer Macht/eines Naturgesetzes ist.
Beispiel: Wenn Chronos nicht "Ein/der Gott der Zeit" ist sondern "Die zeit ist", dann wäre man schier wahnsinnig ihn nicht zu verehren.
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