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Brainstorming: "Modernes" SF-Setting

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Achamanian:
Dieser Thread sammelt Ideen für ein "modernes" Sf Setting im Stil von Spielen wie Eclipse Phase, Mindjammer, Nova Praxis, In Flames (Okay, das habe ich noch nicht, ist nur geraten). Bezugspunkte sind dabei auch vor allem SF-Romane wie Iain M. Banks Kultur-Zyklus, Peter Watts' "Blindsight", Justina Robsons "Natural History", Kim Stanley Robinsons "2312", Richard Morgans Takeshi-Kovacs-Reihe, EDIT: Greg Egan, Ann Leckie ... und ein Haufen mehr. Die nur als Anhaltspunkte. Wer mitreden will, muss das natürlich nicht alles kennen, sollte aber zumindest ein Gefühl dafür haben, welche Art von SF damit gemeint ist.

Motive/Themen (beliebig erweiterbar):
Post-/Transhumanismus
Künstliche Intelligenz
Uplifts
Glaubwürde Fremde Spezies und Welten (also keine Humanoiden Star-Trek-Aliens)
Terraforming (evtl. auch von Planeten unseres Sonnensystems, siehe Eclipse Phase)
EDIT: Diaspora (also eher: Die Menschheit hat sich verteilt/aufgespalten und lebt in einer Vielzahl von Gesellschaftsentwürfen, anstatt die Menschheit bildet ein großes, einiges Imperium)

Die Grundästhetik sollte zwar eher "wissenschaftlich" sein, aber nicht zu verbissen ... evtl. ist auch ein Kippen ins Beinahe-Magische denkbar (siehe Numenera).


Ein Ansatz schwirrt bei mir schon länger im Kopf herum - wobei das hier keine "Vorgaben" für das Setting sind, sondern einfach nur mein erster Brainstorming-Beitrag:

Die Menschheit hat bereits vor Jahrhunderten das Sonnensystem kolonisiert und dabei auch verschiedene posthumane Ableger entwickelt. Uplift-Oktopi auf Europa, künstliche Intelligenzen, vielleicht auch lebende Raumschiffe und derlei mehr ... über die Verschaltung menschlichen Bewusstseins in einem Quantencomputernetzwerk wurden schließlich enorme Fortschritte in der "Theorie von Allem" erzielt und ein Überlichtantrieb entwickelt, der der Menschheit den Weg zu etwa einem Dutzend nahen und fernen Sonnensystemen ebnete.
Als das Quantennetzwerk jedoch wenige Jahrzehnte später eine neue Entwicklungsstufe erreichte, "sog" es die mit ihm verbundenen Individuen auf und schrieb sich selbst in die Raumzeitstruktur auf, als quasi-göttliche Intelligenz.

Zurück blieben ein Haufen ratloser Menschen, Uplifts und KIs, die entweder nicht "eingeloggt" waren oder sich vor dieser zweifelhaften Apotheose retten konnten, indem sie alle Verbindungen kappten.

Inzwischen sind Jahrhunderte vergangen. Die Planeten des Sonnensystems befinden sich technologisch und kulturell auf dem absteigenden Ast, hier und da kommt es zu Rückfällen in die Primitivität. Vor dem in der Raumzeit verschwundenen "Gott" herrscht in vielen Kulturen eine abergläubische Angst, anderswo wird er verehrt; letztlich mischt sich dieses transzendierte Wesen jedoch nicht mehr von sich aus in postmenschliche Belange ein. Unterlichtraumfahrt zwischen den Planeten findet statt, ist aber ein gefährliches und langwieriges Unterfangen.

Da taucht irgendein Bindeglied zum Quantennetzwerk im Sonnensystem auf - vielleicht eine flotte alter Überlichtschiffe auf Autopilot. Glücksjäger und Abenteurer gehen an Bord, lernen die Schiffe zu steuern - wozu sie vorsichtige Verbindungen zu der Über-Intelligenz aufnehmen müssen, die den Menschen inzwischen völlig fremd geworden ist und keinen Anteil an individuellen Schicksalen nimmt. Wer mit der Über-Intelligenz zu tun hat, muss dabei immer auf der Hut sein, um nicht selbst von ihr aufgesogen zu werden und zu transzendieren.

Das Tor zu dem guten Dutzend Systemen, in das die Menschheit zur Zeiten der Überlicht-Raumfahrt vorgestoßen ist (wobei sie vielleicht sogar Kolonien begründet hat) steht wieder offen ...


Meine dahinterstehenden Überlegungen:
Der Transhumanismus-Aspekt bei Spielen wie Eclipse Phase ist für mich in Sachen Spielbarkeit etwas problematisch: Morph-Wechsel und Quasi-Unsterblichkeit, ein allgegenwärtiges "Mesh" (Datennetz) - deshalb hatte ich die Idee, diese Sachen präsent zu halten, sie aber gleichzeitig mit alter Technologie zu verknüpfen, deren Benutzung Risiken birgt (also dem Quantennetzwerk) und deshalb immer wieder abgewogen werden muss. D.h., diese Motive können im Spiel auftauchen, sind dann aber auch "Thema" und nicht nur beständiges Hintergrundrauschen.
Unser Sonnensystem ist ein interessanter Schauplatz, deshalb möchte ich es im Fokus haben; insbesondere kolonisierte und terraformte Planeten (wie Mars, Merkur, Venus), die vielleicht schon wieder in die ökologische/gesellschaftliche Krise gekippt sind, fände ich interessant.
Gleichzeitig sollen reisen zu wirklich fremden Welten möglich sein - mit verlorenen Kolonien und abgedrehten Aliens, ins Unbekannte ...
Mit der Über-Intellitenz ist rollenspielerisch der Weg offen für eine Art "Magie" oder sogar Priestertum; sowohl spielmechanisch als auch in der Wahrnehmung der Figuren. Zur Über-Intelligenz wären viele interessante Positionierungen möglich, ich dachte beispielsweise an eine religiöse Sekte, die sich als "Augen, durch die das Universum sich selbst betrachtet" begreifen und das Ziel haben, möglichst viele erstaunliche Erfahrungen zu machen, um sich dann schließlich mit der Über-Intelligenz zu vereinen und so den Erfahrungsschatz dieses "Gottes" zu erweitern.

Interessant fände ich auch noch irgendeine Lebensform aus einem anderen Sonnensystem, die sich evtl. in unserem Sonnensystem angesiedelt hat und nun entweder mit den Menschen und ihren Abkömmlingen konkurriert, eine Symbiose mit ihnen eingegangen ist oder beides ...

Und die Core Story wäre natürlich, dass man zu den Glücksrittern gehört, die sich ein Überlichtschiff krallen!

Quaint:
Ein paar zusammengewürfelte Ideen dazu:

- Profane; Leute/Uplifts/KIs die aufgrund ihrer schadhaften Persönlichkeitsstruktur nicht oder nur ungern vom "Quantengott" aufgenommen werden, die also vergleichsweise sicher eine Verbindung aufbauen und den Kram nutzen können; da die aber alle "einen Schaden" haben und auch nicht unbedingt die mental stabilsten sind, aber mit aufwühlendem Kram in Verbindung kommen können wenn sie Verbindung aufnehmen, nur relativ sicher

- Superkavitationsuboote in einem unterirdischen Ozean und dann Gefechte im Stile von WW2 Luftgefechten

- moderne Waffentechnologie sollte auch was können

- evtl. sind die biologischen Wesen des Settings standardmäßig mit Naniten integriert, die gewisse Regenerationskräfte und eine robuste Gesundheit verleihen (inklusive einer optimalen Entwicklung ihres biologischen Potentials, also sind Menschen z.B. größer, athletischer und intelligenter als heute, viele Krankheiten usw. durch DNA Bereinigung und die Einflüsse der Naniten verschwunden; evtl. dann auch Körperhipster, die willentlich von sonst allgegenwärtigen Körperideal abweichen und an den Naniten rumdoktern und so)

Achamanian:

--- Zitat von: Quaint am 16.08.2014 | 17:08 ---- evtl. sind die biologischen Wesen des Settings standardmäßig mit Naniten integriert, die gewisse Regenerationskräfte und eine robuste Gesundheit verleihen (inklusive einer optimalen Entwicklung ihres biologischen Potentials, also sind Menschen z.B. größer, athletischer und intelligenter als heute, viele Krankheiten usw. durch DNA Bereinigung und die Einflüsse der Naniten verschwunden; evtl. dann auch Körperhipster, die willentlich von sonst allgegenwärtigen Körperideal abweichen und an den Naniten rumdoktern und so)

--- Ende Zitat ---

Schon rein spielpraktisch gesehen sehr vernünftig!

Slayn:
Ich werfe mal in den Ring: We are doomed to repeat the failures of the past.

ich empfinde es immer als ganz spannend wenn es einen großen Unterschied zwischen "etwas vernünftiges machen" und "das richtige machen" gibt.
Bei dem skizzierten Szenario so weit wurde das "vernünftige" gemacht und hat zur Katastrophe geführt, die Gedanken und Ideen dahinter werden aber immer wieder und wieder aufgenommen ...

alexandro:
Gerade in einer transhumanistischen Gesellschaft ist imo durchaus Raum für "menschliche" Aliens: man nehme eine auf ein bestimmtes Körperideal ausgerichtete Philosophie/Sekte, lasse diese 10^27 Raumsonden in alle Richtungen ins All schießen, mit Naniten an Bord welche die Evolution junger Organismen entsprechend beeinflussen sollen (weiter entwickelte Wesen werden entweder von den Naniten nicht angesteuert oder sie werden angesteuert, aber der Versuch sie zu verändern tötet sie - Kollateralschaden halt).

Dann noch ein paar memetische Tafeln mit "kulturell wichtigen Inhalten" an den Sonden montieren und man hat ein paar Alien-Kulturen, welche jeweils auf bestimmten menschlichen Idealen (Ehre, Profit etc.) aufbauen und ihre Gesellschaft um diese herum konstruiert haben.

In diesem Setting gäbe es sogar ein plausible Begründung für eine "Erste Direktive", wonach die Alien-Gesellschaft nicht zu früh mit "memetisch unreinem" Gedankengut kontaminiert werden soll, wodurch sie sich in eine unerwartete Richtung entwickeln könnte. Erst wenn die Spezies so weit fortgeschritten ist, dass sie ein nützlicher Verbündeter/Handelspartner für die Menschheit ist, wird durch Experten in den Feldern der Psychohistorik der Erstkontakt hergestellt.

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