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Plausible SF-Utopie
Waldviech:
Da bringt einen die Tanelorn-Diskussion zu Christopher Nolans "Interstellar" doch glatt auf Ideen! Der dort festgestellte Umstand, dass im Bereich SF momentan (und schon seit einigen Jahren) die Dystopie regiert, ist ja wirklich ziemlich gut sichtbar. Die Zukunft ist sicherlich ganz grausig, neue Technologien grundsätzlich ganz bestimmt furchtbar gefährlich, die Regierung mies, die Menschheit schlecht. Been there, done that. Was aber nun, wenn man ganz dezidiert mal einen positiven Zukunftsentwurf basteln würde? Und wie kriegt man ihn halbwegs plausibel hin? Die Grundprämissen wären, wenn ich sie festlegen würde, wohl:
- Die Technologie dieser Zukunft sollte sich einigermaßen an Hard-SF orientieren.
- Probleme unserer heutigen Zeit haben sich (zum Teil) als lösbar herausgestellt.
- Wissenschaft ist nicht der Teufel ;).
- Die Menschheit als Ganzes ist weder kriminell noch Krebsgeschwür
- Natürlich ist die Utopie nicht so utopisch, dass wirklich ALLE Menschheitsprobleme gelöst sind. Kriminalität z.b. wird den Homo Sapiens wohl begleiten, so lange er existiert. Außerdem braucht man ja immernoch Konfliktstoff, soll das Ganze ein gutes RPG-Setting abgeben.
So spontan würde mir eine Art "Biopunk-Setting" vorschweben, in dem die Beherrschung der Gentechnologie und verbessertes Verständnis von Ökologie und Ökonomie die Menschheit durch die Wirrungen des 21.Jahrhunderts hindurch gerettet hat. Nationalstaaten, Großkonzerne u.ä. gibt es natürlich immer noch, im Großen und Ganzen ist die Epoche aber eine ziemlich lebenswerte. "Corestory" könnte eventuell sein, dass man als SC (recht klassisch) zu einer internationalen Ermittlertruppe gehört o.ä.
Was Raumfahrt angeht, wär ich unschlüssig - eine Space-Opera wäre es vermutlich nicht, wobei ich öfter vorkommende Flüge oder gar Kolonien im heimischen Sonnensystem nicht zwingend ausschließen würde.
Also - was braucht das Ganze?
Quaint:
Uh-oh, Biopunk könnte aber so manche Empfindsamkeit verletzen. Es soll ja Leute geben, die finden schon die Bereinigung des Erbgutes (eben von erblichen Krankheiten usw) faschistisch, falsch und böse.
Ansonsten, nur mal so als Idee: Nimm Eclipse Phase her und streiche den Exsurgent-Krams. Dann wären die Titanintelligenzen auch nett gewesen und hätten nicht die Erde verwüstet sondern würden ihre Intelligenz in den Dienst der Menschheit stellen. Die Nationalstaaten müssten sich dann noch halbwegs vertragen und natürlich wird der Erstkontakt zu einer ausserirdischen Spezies als postiv gewertet, auch wenn es sich nur um glorifizierte Schleimpilze handelt.
Galatea:
Bei Biopunk kommst du aber ganz schnell in den Transhumanismus.
Wobei ein Setting an der Schwelle zum Transhumanismus sicher auch sein Reiz hätte - es ist interessanter in einer Zeit zu spielen in der die großen Fragen aktuell sind, als in einem in den man zwar philosophieren kann, das Kind aber schon in den Brunnen gefallen ist.
YY:
--- Zitat von: Quaint am 11.12.2014 | 14:58 ---Uh-oh, Biopunk könnte aber so manche Empfindsamkeit verletzen. Es soll ja Leute geben, die finden schon die Bereinigung des Erbgutes (eben von erblichen Krankheiten usw) faschistisch, falsch und böse.
--- Ende Zitat ---
Auf die Gefahr hin, aus dem Brainstorming gleich wieder eine Grundsatzdiskussion zu machen:
Man muss ja nun kein Setting schreiben, um damit ein politisches oder transhumanistisches Statement abzugeben - davon gibts schon genug (lies: mehr als gar keins ;)).
Aber dass sich andere Leute durch wie auch immer geartete religiöse, ethische oder sonstige Betrachtungen (oder auch Phobien u.Ä.) bei solchen Settings selbst im Weg stehen (ob gewollt oder ungewollt), kann für die Erstellung nicht der Maßstab sein.
Es muss nicht jeder alles spielen (können/wollen), und wenn man sich trotz aller in dieser Haltung beinhalteten Widersprüche gegen jedwede Biotechnologie oder sonstigen Kram mit transhumanistischen Ansätzen sperrt, kann man wohl nicht erwarten, dass der Autor eines SF-Settings einem da irgendwie entgegen zu kommen hat.
Da bleibt nämlich ganz schnell nichts mehr an SF übrig, außer vielleicht das Hirngespinst einer Menschheit, die kollektiv eine grundlegend andere Geisteshaltung entwickelt hat.
Und das widerspräche schon zwei der Eingangsprämissen dieses Threads.
Ucalegon:
--- Zitat von: YY am 11.12.2014 | 15:33 ---Man muss ja nun kein Setting schreiben, um damit ein politisches oder transhumanistisches Statement abzugeben - davon gibts schon genug (lies: mehr als gar keins ;)).
--- Ende Zitat ---
Zumindest wenn man eine Utopie oder ein Setting mit utopistischen Elementen schreiben will, kommt man um politische Statements kaum herum.
--- Zitat von: YY am 11.12.2014 | 15:33 ---Da bleibt nämlich ganz schnell nichts mehr an SF übrig, außer vielleicht das Hirngespinst einer Menschheit, die kollektiv eine grundlegend andere Geisteshaltung entwickelt hat.
Und das widerspräche schon zwei der Eingangsprämissen dieses Threads.
--- Ende Zitat ---
Wenn man nicht gerade einen radikalen Primitivismus vertritt, kann man fiktive Entwicklungen in der Gentechnik, bei künstlichen Intelligenzen, beim Verständnis des menschlichen Gehirns und bei allen anderen Themen, die ein zeitgenössisches SF Setting beinhalten müsste doch in der eigenen SciFi Utopie einfach begrenzen, indem man die Utopie eben gerade darüber definiert, dass die meisten Menschen bzw. die aktuelle Gesellschaftsordnung davon ausgehen, dass der Kram gefährlich und problematisch ist und ihn dementsprechend über Ethik-Komissionen, GMV oder was auch immer man sich vorzustellen bereit ist, regulieren.
An anderer Stelle von Rumpel eingebrachtes Beispiel:
In Mindjammer besteht innerhalb der Commonality der Konsens, dass man bei Mind-Uploads stirbt und man es deswegen lassen sollte.
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