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Herr der Ringe, Nationalsozialismus
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Ja, Tolkien hat die Geschichte so schon vor den oft damals damit parallel gesetzten realen Ereignissen durchgeplant.
Es ist allerdings kein Geheimnis, dass er Hitler und den Nationalsozialismus aus tiefster Seele verabscheut hat und das in seinen Briefen auch sehr deutlich gesagt hat.
Wenn du mehr dazu erfahren willst, kann ich dir echt empfehlen, die den Band mit seinen Briefen zuzulegen (u.a. hier: http://www.amazon.de/Briefe-Humphrey-Carpenter/dp/3608936505/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1421246373&sr=8-2&keywords=Tolkien+Briefe).
Das ist zwar nur eine Auswahl, aber du erfährst eine ganze Menge über seine politische Haltung, Detailfragen zu Mittelerde, seine Haltung zu Verfilmungsprojekten usw.
Holo1535:
Erstmal danke für die antworten:)
Ich bin da echt eurer Meinung und halte es fürn schman da den Nationalsozialismus reinzuinterpretieren aber ich brauche das für mein Referat morgen..ich dachte ich muss mir eine Inhaltsangabe machen bis meine Lehrerin mir heute sagte ich muss parallelen zum NS aufstellen..totaler Unsinn find ich aber ich muss es trotzdem machen.
Könnt ihr mir da bitte weiterhelfen und habt ihr ein paar Argumente die dafür sprechen dass der hdr mit dem NS ähnelt...?:)
Bin grad echt am verzweifeln *schäm*
Lg
Thandbar:
Der Herr der Ringe enthält Motive, die im Hinblick auf realgeschichtliche oder biographische Ereignisse einen tieferen Sinn interpretiert werden können.
Im Sinne der tolkienschen "Anwendbarkeit" sind jene aber niemals 1:1-Metaphern für bestimmte Figuren oder Vorgänge, die sich in der realen Welt ereignet haben.
Tom Shippey sieht zum Beispiel in den Verhandlungen mit Saurons Mund Anspielungen auf die Appeasement-Politik Chamberlains. Dabei wird die konkrete historische Situation nicht einfach nachgespielt; vielmehr ist halt von Bedeutung, dass die Helden auf die Bedingungen des Mundes nicht eingehen. (Ich kann Dir sein Buch "J.R.R. Tolkien - Autor des Jahrhunderts sehr empfehlen.)
Sarumans Macht kann man gewiss als Kommentar zur Wirkung von Propaganda werten. Saruman selber steht aber auch für die Verlockungen des technischen Fortschritts schlechthin, seine Stimme kann auch als die gleißnerische Verführung der Werbung interpretiert werden.
Den Begriff "Parallelen zum NS" finde ich für meinen Teil unpassend, weil sich keine direkten Vergleiche ziehen lassen.
Turgon:
--- Zitat von: Kwuteg Grauwolf am 14.01.2015 | 15:45 ---Ja, Tolkien hat die Geschichte so schon vor den oft damals damit parallel gesetzten realen Ereignissen durchgeplant.
--- Ende Zitat ---
Noja, er hat 1938 damit angefangen und Anfang der 50er Jahre beendet, dabei immer wieder bereits fertige Teile weggeworfen und ganz anders neu gemacht (siehe History of Middle-Earth). Dabei könnten schon aktuelle Bezüge eingeflossen sein, auch wenn Tolkien das selbst bestreitet und offenbar nicht absichtlich gemacht hat.
Eins-zu-eins-Entsprechungen finden sich aber nicht, was ich an dem Buch sehr schätze. Es kommt in vielen Dingen erstaunlich subtil daher.
Turgon:
--- Zitat von: Thandbar am 14.01.2015 | 15:54 ---Tom Shippey sieht zum Beispiel in den Verhandlungen mit Saurons Mund Anspielungen auf die Appeasement-Politik Chamberlains. Dabei wird die konkrete historische Situation nicht einfach nachgespielt; vielmehr ist halt von Bedeutung, dass die Helden auf die Bedingungen des Mundes nicht eingehen. (Ich kann Dir sein Buch "J.R.R. Tolkien - Autor des Jahrhunderts sehr empfehlen.)
--- Ende Zitat ---
Ah, der schießt aber so manches Mal über das Ziel hinaus in seiner "Interpretationswut" ;-)
Das o.g. Beispiel finde ich noch nachvollziehbar, aber spätestens wenn es um sowas geht wie die Gleichsetzung Rammas Echor = Maginotlinie, wird's ziemlich abstrus.
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