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Herr der Ringe, Nationalsozialismus
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Du hast hier auf alle Fälle schon mal eine Menge Parallelen geliefert bekommen, da spare ich mir jetzt die Arbeit mit einer ausführlichen Liste.
Eins habe ich aber noch, und das ist etwas, in dem ich selber sogar tatsächlich eine Reflektion des Kriegsgeschehens erkenne : das Auenland bei Frodos Rückkehr.
Da sind Parallelen zu den Kollaborationsregimen in Frankreich bzw. Norwegen (Stichwort Vichy-Regime und Quisling) zu sehen, eigentlich zu allen NS-Besatzungsregimen, teilweise auch zum allgemeinn europäischen Kriegsnot-Rationierungssystem, gegen Ende des Kriegs.
Lotho Sackheim-Beutlin, der vor Frodos Abreise jetzt nicht besonders wichtig oder angesehen ist, ist bei seiner Rückkehr durch Sarumans Manipulationen und auch eigene Machtgier zu einem Pseudoherrscher stilisiert worden, der nur eine Marionette Sarumans ist.
Schläger von außerhalb setzen im Namen Lothos einschneidende Restriktionen durch, der eigentlich reichlich vorhandene Wohlstand der Hobbits wird verknappt und rationiert, kritische Stimmen werden entweder ins Gefängnis geworfen (Lobelia, Willi Weißfuß), oder es bilden sich Resistance-artige Widerstandsgruppen (die Tuks).
Die industrielle Verwüstung von Hobbingen, die Mangelwirtschaft mit ihren rationierten Lebensmitteln, das sind wiederum tatsächliche Erscheinungen im ländlichen England, die gegen und nach dem Kriegsende sehr bedrückend wirkten (du findest das auch in Orwells 1984!). Da hat Tolkien in meinen Augen sogar bewusst Zeiterscheinungen verarbeitet.
Ich hoffe, du kannst damit was anfangen :)
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
--- Zitat von: Archoangel am 14.01.2015 | 19:43 ---Und vergesst die bösen Ostlinge nicht: alle Menschen im Osten und Süden werden von Sauron beherrscht. Nur die Westmenschen sind gut.
--- Ende Zitat ---
Da differenziert Tolkien dann doch mehr, siehe Sams Gedankengänge, als er den toten Südling in Ithilien sieht ("War er wirklich ein böser Mensch..." etc.). Und auch bei der Schlacht auf der Dagorlad, als die Ostlinge durch Saurons Sturz am Verlieren sind ("sie waren tapfere Männer...").
Turgon:
Wirklich "böse" sind bei Tolkien "nur" Melkor (Morgoth) und seine Kreaturen, die ihm freiwillig dienen (wie Sauron), oder von ihm geschaffen wurden (die Orks).
Wobei Tolkien es in seinen späten Jahren nicht mehr haltbar fand, dass die Orks nur böse sind, er war drauf und dran, ihnen ein differenzierteres Bild zuzugestehen.
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Ja, in der History of Middle-Earth, in der viele Arbeitsnotizen Tolkiens gesammelt sind, wird erst so richtig klar, wie differenziert er sich mit seinem Mythos auseinandergesetzt hat. Da reagiere ich seit dem Lesen immer allergischer, wenn mal wieder vollmundig von "Tolkiens simplem Schwarz-Weiss-Weltbild" geredet wird.
Topic: diese Lehrerin würde ich ja gerne mal zulabern. Wenn sie denn wirklich das Ganze so aufziehen wollte, denn es kann ja auch einfach sein, daß sie sich schlecht ausgedrückt hat. Das schließe ich, wenn ich nicht direkt von den betreffenden Leuten höre, was sie wollen, niemals aus.
Holo1535:
Ich kann ja mal morgen berichten wie es lief, und was genau sie von mir hören wollte..Ich habe jetzt die Befürchtung dass sie das gar nicht mehr hören will sondern irgendeinen anderen Schmarn :D Sie hat oft Stimmungsschwankungen..^^
Bin jetzt echt auf die ausfragung gespannt, eigentlich bin ich gut vorbereitet was, die Kriege bzw den NS betrifft :)
Danke euch allen:)
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