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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Luxferre am 12.12.2025 | 11:38

Titel: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Luxferre am 12.12.2025 | 11:38
Wie geht Ihr damit um, wenn die SL die Satzung eines Settings plötzlich ändert?


In der Diskussion um Gewalt und Orks und das Böse ist mir aufgefallen, dass der Kern dessen, was mich stört, nachträgliche, ggfs plötzliche Änderungen an eigentlich festen Satzungen von Settings sind.

EDIT = Spoilertag und Konkretisierung

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)


Wie geht Ihr mit Änderungen (plötzliche insbesondere) bei Satzungen Eurer Settings um?


Gebt auch bevorzugt andere Beispiele an, da ich Orks und auch dieses Beispiel hier NICHT zum x-ten Male diskutieren möchte. Danke  :d
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Irian am 12.12.2025 | 11:55
War es wirklich eine feste Satzung, also habt ihr darüber geredet und das klar so abgenickt oder ist das nur das Gefühl, dass du/ihr hattet, nachdem ihr die Welt eine Welt beobachtet habt?

Ich bin auch nicht sicher, wo man da eine Satzungsänderung sieht... Was genau fand GM so schlimm? Dass ihr bewaffnete Orks getötet habt? Oder dass GM die extremste mögliche Konsequenz eurer Aktionen gewählt hat (obwohl auch andere gab) und ihr dann nicht betroffen wart? Nur so zur Klarstellung.

Persönlich tippe ich hier eher auf das übliche Problem, dass jeder irgendwelche Annahmen macht, keiner drüber redet und sich dann beschwert, wenn's knallt, was gute Kommunikation locker verhindert hätte.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: CK am 12.12.2025 | 12:08
Aber im Grunde hat der SL doch nur Eure "Gefühlskälte" moniert, unabhängig davon, ob Orks selber jetzt abgrundtief böse sind oder nicht?
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Luxferre am 12.12.2025 | 12:09
Wir haben das ja nachträglich besprochen und geklärt. Und um diesen Teil geht es ja auch explizit nicht.
Mein Beispiel dient nur zur Verdeutlichung des Themas. Leider im Fahrwasser der Diskussion nebenan ...


Mir geht es darum, wie ihr mit nachträglichen, für Euch neuen/plötzlichen Änderungen von Satzungen in bespielten Settings umgeht  :d
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Quaint am 12.12.2025 | 12:27
Ja wie soll man da groß mit Umgehen. Kommt halt auf die Änderung an. Wenn man die gut findet: Prima. Wenn nicht: drüber reden. Wenn keine Einigung: Aushalten oder gehen.

Bei deinem Beispiel wäre ich aber wohl etwas ärgerlich mit dem SL. Zumal ihr euch (unter der Annahme Orks seien alle immer Böse) sehr kulant gegenüber der Familie gezeigt habt.

Ich find das aber auch schwierig, wenn es halt eigentlich Genrekonventionen gibt und die auf einmal einseitig gekippt werden. Das kann allerdings auch durch Spieler passieren wenn die etwa ihre Figuren entgegen des Genre handeln lassen.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Irian am 12.12.2025 | 13:05
Ich verstehe auch ned das Problem... FALLS man bemerkt, dass es für die Mitspieler so eine Änderung wäre, dann sollte man das natürlich ansprechen. Ist ja idR ein Thema für die Session 0, wenn man da z.B. vom "Standard" abweichen will, also auch später, wenn man das tut.

Aber ich denke, in 99% der Fälle denkt sich SL nicht "Och ja, böse Orks sind doof, von nun an sind all meine Orks neutral" sondern hat das eher schon immer im Hinterkopf, aber es kam nicht rüber, weil die spezifischen Orks, die man so trifft, halt Banditen, Plünderer, Invasoren, etc. waren - und die sind halt "so und so" Feind, da spielt es keine Rolle, aber die nun auch aus angeborener Bösartigkeit heraus Steuern hinterziehen würden.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: nobody@home am 12.12.2025 | 13:24
Wenn sich ein bestimmter bisher anerkannter Sachverhalt in Sachen Setting plötzlich gezielt und bewußt ändern soll, weil die SL das jetzt so besser fände, dann gehört das mMn einfach genauso angesprochen wie beispielsweise die Entscheidung für eine neue Hausregel, von der die Spieler noch gar nicht wissen, daß sie mit ihr beglückt werden sollen. "Bait and switch"-Tricks fallen da für mich einfach unter schlechtes Benehmen.

Daß man ansonsten von Vorstellungen, über die man gar nicht erst gesprochen hat, schon mal rein aus Versehen erst deutlich später merkt, daß die zwischen den einzelnen Köpfen am Tisch eigentlich doch gehörig auseinandergehen...na ja, das passiert halt.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: First Orko am 12.12.2025 | 14:57
Also damals, in der Guten Alten Zeit TM als in unserer DSA3-Gruppe öfter die "Meister" wechselten, haben sich ständig Satzungen wie oben beschrieben geändert - einfach weil der nächste SL grad den Settingband zu - zum Beispiel Orkland gelesen hat und Phexcaer total geil fand - und plötzlich gab es Halborks und eine kleine Zweckgemeinschaft mitten im Orkland.
Der kaiserlich-garethische Palast wurde ständig umgebaut, je nachdem wer grad geleitet hat, immer passend zum Abenteuer.
Amazonen waren mal so mal so, Zwerge wurden von sauflustigen Klischee-Raufbolden zu Quasi-Halblingen (Hügelzwerge), Ritter waren zunächst halt so Ritter, dann wurde plötzlich differenziert - klassisch albernischer Ritter oder Bornländischer Bronnjahr-Ritter...usw usf. War irgendwie alles wilder, in Bewegung.. und erforderte Einiges an Ambiguitätstoleranz  ~;D
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Zed am 12.12.2025 | 15:16
Puh, Luxferre, da bin ich auf der Seite der Spielenden: Das geht so nicht.

Eure Spielleitung kann nicht jahrelang die ethische Baseline ziehen, dass Orks nur Schlachtvieh ist, und plötzlich diese ethischen Rahmenbedingungen ändern. Und ihr sollt Euch plötzlich Scheiße fühlen. Nee, das ist unfair.

Ein Shift der ethischen Maßstäbe muss zuvor abgesprochen oder mindestens angekündigt werden.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Feuersänger am 12.12.2025 | 15:20
Jo, also ich finde es bekloppt, wenn bisherige Setting-Wahrheiten auf einmal umgeschmissen oder umgekehrt werden. Ich kann solche Retcons in offiziellen Publikationen nicht leiden, und genauso wenig wenn ein SL in der Heimrunde eigenmächtig sowas abzieht.

Tjo, wie damit umgehen? Wie Quaint sagt: drüber reden, sich einigen oder gehen.

Allgemein gehe ich halt erstmal davon aus, wenn man ein veröffentlichtes Setting bespielt, dass dann dort auch grundsätzlich die offiziellen Setzungen gelten, es sei denn man hat etwas anderes besprochen. Und darum nervt es mich halt auch, wenn Settings auf einmal offiziell umgeschmissen werden, weil dann eben der gemeinsame Vorstellungsraum gebrochen wird, und am allerbeschissensten ist es wenn das dann auch noch in die heimische Setting-Kontinuität reinpfuschen würde.

Wenn ich zB auf Mittelerde spielen würde, und der SL käme mir auf einmal mit "was macht ihr mit den armen Orks, ihr Monster?" würde ich ihm so viele Mittelfinger zeigen, ich müsste mir ein paar zusätzliche Hände wachsen lassen.
(https://gifsec.com/wp-content/uploads/2022/09/middle-finger-gif-16.gif)
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: unicum am 12.12.2025 | 16:06
Mir geht es darum, wie ihr mit nachträglichen, für Euch neuen/plötzlichen Änderungen von Satzungen in bespielten Settings umgeht  :d

Ich vermeide das als SL wie der Teufel das Bad im Taufbecken.

Ich kann neues reinbringen, ja klar aber altes festgesetztes ändern?


Ändert jezt nichts daran das man moralische Dilemma durchaus bringen kann und konventionen auch mal brechen. Also "alle Drow sind böse,... ausser Drizzt. (und... und ... und...) (und sind das dann noch Drow?)" Also nicht falsch verstehen; ich mag Murderhobos als Gruppe auch nicht, aber auf der anderen Seite bin ich weder der Psycotherapheut der Spieler noch igrendwie ein Richter oder Advokat.

Als Spieler würde ich auch eher mal mit "???" reagieren und dann das Gespräch suchen aber wenn mir dann jemand mit dem moralischen kommt muss er damit rechnen das ich mein Ethikum ihm um die Nase haue.

Mein Gott! Ich will in der Regel spielen und nicht wegen jedem Dings eine moralische Diskussion führen. Das sind keine wirklichen Lebewesen das ist Fiktion! Moralische Diskussionen gibts in der realen Welt schon genügend.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Kappadozius am 12.12.2025 | 16:11
[…] Wenn ich z.B. auf Mittelerde spielen würde, und der SL käme mir auf einmal mit »Was macht ihr mit den armen Orks, ihr Monster?«, würde ich ihm so viele Mittelfinger zeigen, ich müsste mir ein paar zusätzliche Hände wachsen lassen.
Das ist zwar etwas undiplomatisch, aber so sehe ich das ebenfalls! :loll:
Letztendlich muss man sich dann doch einmal zusammensetzen und über das gemeinsame Spiel reden. Hilft ja nichts! :korvin:
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Galatea am 12.12.2025 | 17:57
Also im konkreten Fall würde ich das als Unfall deklarieren, denn es war ja nicht eure Absicht die Orkfamilie umzubringen. Im Gegenteil, ihr habt euch ja sogar alle Mühe gegeben sie zu verjagen.


Was das Grundthema angeht, jedes Wesen, das ausreichend selbstbewusst und kulturschaffend ist, qualifiziert sich als PERSON. Dabei ist egal ob es sich um Pseudohominiden (Orks, Goblins, Gnome), Drachen, Insektoiden oder Maschinenwesen handelt. Orks, die sich nicht einmal theoretisch entscheiden können ein neutrales oder wehrloses Wesen am Leben zu lassen, sind Automaten, organische Killerroboter - keine lebenden selbstständig denkenden Wesen (dasselbe trifft übrigens auf Elfen zu, wenn diese nicht böse sein *können* - die sind dann letztlich auch nur programmierte Marionetten einer Gottheit/kosmischen Macht, die ihre Handlungen bestimmt).

Das Empfinden, was gut und böse überhaupt ist, ist zudem relativ - selbst die Ansichten darüber, welcher Homo sapiens überhaupt ein Mensch ist, haben sich im Lauf der Geschichte ziemlich drastisch verändert.
Wenn die Orks andere Spezies wie Menschen in der Regel auf Sichtkontakt töten (und umgekehrt), dann kann das auch an Jahrtausende altem kulturell verinnerlichten Konkurrenzkampf liegen, nicht weil eine der Spezies inhärent böse ist.

Ich sehe kein Problem damit in einem Rollenspiel eine Gruppe pseudogriechischer Abenteurer zu spielen, die aus ihrem kulturellen Hintergrund heraus "Nicht-Zivilisationsmenschen" anderer Kulturen als Tiere betrachten. Das ist im Lauf der menschlichen Kulturgeschichte mehr als einmal vorgekommen. Letztlich sollte allen klar sein, dass man hier fiktive Charaktere darstellt.


Und als letzten Punkt möchte ich hinzufügen, dass sich gerade im LARP die "bösen" Spieler/-gruppen (Orks, Goblins, moralisch flexible Söldner) in den allermeisten Fällen sehr viel mehr wie normale Menschen aufführen (wir möchten Land/Schätze/Geld, das uns der dunkle Lord/o.ä. versprochen hat, um uns ein schönes Leben zu machen) als die ganzen Paladin-/Pseudotemplergruppen, die sich wirklich aufführen wie Nazi-Todeskommandos (tötet alle Orks, verbrennt alle Hexen, keine Gefangenen, lasst keinen am Leben, etc.) - teilweise benehmen die sich so sehr daneben, ich hab schon Cons erlebt, wo es im "guten" Lager deswegen zu einem Bürgerrkieg kam und der "vernünftige" Teil (bzw. das was davon übrig war) anschließend mit dem "bösen" Lager einen Kompromis ausgehandelt hat.
Fanatiker handeln immer gleich, egal auf welcher Seite sie stehen/sich sehen.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Galatea am 12.12.2025 | 18:17
Wenn ich zB auf Mittelerde spielen würde, und der SL käme mir auf einmal mit "was macht ihr mit den armen Orks, ihr Monster?" würde ich ihm so viele Mittelfinger zeigen, ich müsste mir ein paar zusätzliche Hände wachsen lassen.
(https://gifsec.com/wp-content/uploads/2022/09/middle-finger-gif-16.gif)
Zwei Dinge hierzu:

1. Selbst Tolkien hat Orks letztlich als "prinzipiell redeemable" eingestuft, weil sie durch Magie verdorbene Elben und Menschen sind, keine Konstrukte. Auch die Szene, in der Sam die Orks in Cirith Ungol belauscht, wie diese darüber reden, was sie nach dem Krieg machen wollen, zeigt, dass selbst Tolkiens Orks letztlich keine blinden Killermaschinen sind, solange sie nicht unter dem direkten Einfluss eines dunklen Lords stehen.

2. Tolkiens Orks sind teilweise tatsächlich Automaten/Killerroboter, ihre Körper können von göttlichen Wesen wie Morgoth oder Sauron wie Marionetten kommandiert werden - die Orks haben überhaupt keine Möglichkeit, dem Willen ihres dunklen Lords zu widerstehen, selbst wenn sie es wollten. Wenn Sauron sagt "geht in die Schlacht", dann folgt der Ork dem Ruf, ober er will oder nicht.
Sieht man auch sehr schön, als sich nach dem "Tod" Saurons das um ein vielfaches überlegene Orkheer in alle Winde zerstreut - viele Orks sind mit der plötzlichen Leere in ihrem Kopf sogar so überfordert, dass sie sich direkt in ihre eigenen Waffen stürzen.
Die Kehrseite davon sieht man als die Orks Isildurs Gruppe auf dem Weg nach Rivendell überfallen und töten - sie werden von dem Ring in Isildurs Besitz nicht nur angezogen wie Motten vom Licht, sondern auch so aufgestachelt, dass sie sich ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben gegen die Gondorer werfen, was diese völlig überrumpelt und letztlich überwältigt. Die Orks verstehen ziemlich wahrscheinlich nicht einmal warum sie das tun (sie wissen definitiv nichts von dem Ring), höchstens dass etwas sie dazu treibt.

In dem Fall ist das daher nicht so ganz einfach, denn selbst wenn der Ork aufgeben und wegrennen möchte, heißt das nicht, dass er dazu auch fähig ist.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Feuersänger am 12.12.2025 | 18:50
1. Selbst Tolkien hat Orks letztlich als "prinzipiell redeemable" eingestuft

Wo soll das stehen? Was aus den Anhängen hervorgeht, ist dass die Orks letztendlich praktisch aussterben - und zwar ganz ohne genozidalen Vernichtungsfeldzug seitens der Menschen - weil sie als grundsätzlich chaotisch-böse Wesen es einfach ums buchstäbliche Verrecken nicht auf die Kette kriegen, eine funktionale Gesellschaft zu bilden.

Zitat
Auch die Szene, in der Sam die Orks in Cirith Ungol belauscht, wie diese darüber reden, was sie nach dem Krieg machen wollen, zeigt, dass selbst Tolkiens Orks letztlich keine blinden Killermaschinen sind, solange sie nicht unter dem direkten Einfluss eines dunklen Lords stehen.

Im Gegenteil. Sie haben lediglich keinen Bock darauf, in einem Krieg verheizt zu werden. Wie sehen ihre Träume denn aus, was sie statt Krieg lieber täten? Bauern werden oder ein Handwerk ausüben? Nein, sie wollen "somewhere where there's good loot nice and handy, and no big bosses". Sie wollen nach wie vor plündern, sie haben bloß keinen Bock darauf unter Lebensgefahr gegen Bewaffnete zu kämpfen.

Ja, der Eine Ring zwingt sie dazu, Sauron zu gehorchen und als geordnete Armee zu funktionieren. Aber ohne den Ring werden sie deswegen nicht nett, nur chaotischer.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Alexandro am 12.12.2025 | 22:50
Wenn Absprachen ignoriert werden, dann nervt das natürlich. Egal ob die SL oder Spielende das machen (hatte schonmal Spielys, die eine bestimmte Motivation für ihre Charaktere angegeben hatten, aber wenn ich dann extra was ins Spiel eingebaut habe, um ihnen die Chance zu geben das anzuspielen: [Grillenzirpen]).

Oft ist es einfach ein Missverständnis, weil bestimmte Settingsetzungen in den Büchern nicht klar genug formuliert wurden (und deswegen von verschiedenen Lesenden unterschiedlich interpretiert werden) oder, wenn die Setzungen bei der "Session 0" gemacht wurden, ein gewisser "information overload" vorlag, wo bestimmte Infos einfach nicht von allen notiert wurden.

(den Rest der Diskussion spare ich hier, weils darum nicht mehr geht)

Schade. Mich hätte interessiert, was die SL zum Thema "sie hatten ja die Chance zu fliehen" zu sagen gehabt hatte. Das ist nicht unwichtig.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Galatea am 13.12.2025 | 00:33
Wo soll das stehen? Was aus den Anhängen hervorgeht, ist dass die Orks letztendlich praktisch aussterben - und zwar ganz ohne genozidalen Vernichtungsfeldzug seitens der Menschen - weil sie als grundsätzlich chaotisch-böse Wesen es einfach ums buchstäbliche Verrecken nicht auf die Kette kriegen, eine funktionale Gesellschaft zu bilden.
In den diversen Briefen, in denen Tolkien Teile seines Lores näher beleuchtet und darüber philosophiert hat. Gerade die Frage, ob Orks 'redeemable' sind hat ihn in den späteren Briefen doch ziemlich umgegetrieben. Sein Schluss war in etwa "prinzipiell müssen sie es sein (weil sie ja letzten Endes Geschöpfe Erus sind), aber es wird ein sehr sehr langer und schwieriger Prozess die ganze Korruption aus ihnen herauszubekommen - und vermutlich auch erst nach ihrem Ableben möglich sein".
(Das hat u.a. auch mit der Frage zu tun, wo die Seelen der Orks hingehen, wenn sie sterben - prinzipiell wären das ja die Hallen von Mandos (weil sie eigentlich Elben und/oder Menschen sind), aber es ist auch möglich, dass sie den Weg nicht finden oder vom dunklen Herrscher daran gehindert werden/an diesen gebunden sind/von diesem in andere Körper gebunden werden, z.b. als Barrow Wights).


Im Gegenteil. Sie haben lediglich keinen Bock darauf, in einem Krieg verheizt zu werden. Wie sehen ihre Träume denn aus, was sie statt Krieg lieber täten? Bauern werden oder ein Handwerk ausüben? Nein, sie wollen "somewhere where there's good loot nice and handy, and no big bosses". Sie wollen nach wie vor plündern, sie haben bloß keinen Bock darauf unter Lebensgefahr gegen Bewaffnete zu kämpfen.
Also für Orkverhältnisse ist das schon ziemlich cosy - einen anderen 'way of life' kennen die wahrscheinlich überhaupt nicht.
Wobei "good loot" jetzt auch nicht direkt impliziert, dass man dafür jemanden umbringen muss.

Ja, der Eine Ring zwingt sie dazu, Sauron zu gehorchen und als geordnete Armee zu funktionieren. Aber ohne den Ring werden sie deswegen nicht nett, nur chaotischer.
Das liegt nicht nur am Ring, sowohl Morgoth als auch Sauron können die meisten Orks dominieren, weil diese so geschaffen sind (die haben den Kontroll-Link quasi schon serienmäßig eingebaut und müssen nicht erst über irgendwelche Ringe dominiert werden). Orks ohne einen dunklen Herrscher sind bösartig und hinterlistig, aber feige und unorganisiert, und gehen offenen Konfrontationen eher aus dem Weg. Aber ja, netter werden sie ohne einen dunklen Lord erstmal nicht (aber unter den richtigen Umständen stolzer und unabhängiger, wie die Orks des fernen Ostens, die Sauron nach Morgoths Verbannung erstmal abblitzen lassen haben).

Und klar, für Charaktere in Mittelerde ändert das erstmal nichts. Da sind Orks Todfeinde, egal ob die jetzt einem dunklen Lord dienen oder nicht.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Aedin Madasohn am 13.12.2025 | 12:54

Wobei "good loot" jetzt auch nicht direkt impliziert, dass man dafür jemanden umbringen muss.


Umbringen muss man erst dann jemanden vor dem looten, wenn er sich wehrt.
Aktion des militanten Lootlingsverweigerers - Reaktion des in seiner berufsausübung behinderten Looters.
 :muharhar:

und auf dem Opfer-Täter-Umkehr-Schwurbel lassen sich ganze Medien aufbauen/finanzieren/am Leben halten.
Da kann rumraspuliert werden, bis alle gaga sind.

Daher kann ich Lux verstehen, wenn er so welche überraschenden "Moralische Richtungs Änderungen" nicht mag.

Der Grad der "Gewaltanwendung" MUSS zwingend vorab geklärt sein, weil genau dort sind die Sollbruchstellen.
Ebenso der Grad der "Moralkeule Dilemata"

(die langgestreckte Karawane der Flüchtlinge wird von überlegen mobiler Warg-Kavallerie attackiert. Die werden nur lebend-Futter-Kapitulation annehmen...
daher: wild rum-Scharmützeln?
sich aufteilen?
nur die flinken Flüchtlinge nach Helmsklamm durchbrechen lassen?
von den Helden erwarten, dass sie per General Custer LastStand TPK alle Wargis auf sich ziehen?
SL Ansage: ihr werdet es nicht schaffen, alle zu schützen, aber das ihr ausgerechnet DIE habt nicht schützen können, also neeee... >;D)


 
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: nobody@home am 13.12.2025 | 13:07
Tja: "ICH hab's so eingefädelt, daß es kein Happy End geben kann, aber natürlich seid trotzdem IHR schuld, wenn's keins gibt!" geht nun mal gar nicht. So einer SL gehören ihrerseits die Leviten gelesen, und wenn sie dann immer noch auf ihrem Standpunkt beharrt, dann sucht man sich wohl besser eine andere.

Wenn die Spielleitung dagegen ehrlich ist und sich dann die Spieler (oder zumindest ihre Charaktere) trotzdem noch "freiwillig" Vorwürfe machen, daß sie trotz vorbestimmter Chancenlosigkeit keine bessere Lösung haben finden können...okay, das gibt's und ist im Zweifelsfall eine andere Baustelle. Aber ein offenes Zugeständnis, daß sie es mit so einer Situation zu tun hatten, muß schon drin sein.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 13.12.2025 | 14:05
Wie geht Ihr damit um, wenn die SL die Satzung eines Settings plötzlich ändert?

das kommt auf den Grund , Kontext usw. an.

Wir haben ein apokalyptisches Setting auf einmal kommt die Magie zurück?
Wir sind in Setting X auf einmal landet man in einem anderen Setting?

Ist das okay?

et Feuertänzer

Das mal ganz unabhängig davon das Tolkien sagte man müsse Orcs mit Kindness behandeln also hat der SL das Setting geändert?

@unicum

Drizzit ist ein etwas unzuverlässiger Berichterstatter, Elistraee und ihre Kirche existieren IRL erheblich länger als Drizzt AFAIK

Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 13.12.2025 | 14:06
Puh, Luxferre, da bin ich auf der Seite der Spielenden: Das geht so nicht.

Eure Spielleitung kann nicht jahrelang die ethische Baseline ziehen, dass Orks nur Schlachtvieh ist, und plötzlich diese ethischen Rahmenbedingungen ändern. Und ihr sollt Euch plötzlich Scheiße fühlen. Nee, das ist unfair.

Ein Shift der ethischen Maßstäbe muss zuvor abgesprochen oder mindestens angekündigt werden.

 :d sehe ich auch so.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Prisma am 13.12.2025 | 14:26
Setting-Konventionen sollten eingehalten werden, klare Sache. Natürlich lassen sich kleine Details auf das eigene Abenteuer abstimmen, aber bei großen Veränderungen sollte das in der Runde abgesprochen sein. So können Orks auch in Mittelerde die Guten sein, wenn man "Mittelerde spiegelverkehrt" spielen möchte. Das ist dann ein Sonderfall und nicht der Standard der zu erwarten ist.

Zum Fall der Orkfamilie finde ich eins witzig: Man wollte "sie gehen lassen" und hat als "als Zeichen des guten Willens" ihren Eingang angezündet. Das ist eine typische Rollenspielerstory.  >;D
 

Wichtiger ist aber: Es zeigt sich in der Diskussion ein schlimmer Denkfehler. Hier wird der Fehler begangen Reales mit Fiktivem zu vermischen.
Liebe Leute, Spielercharaktere/NPCs sind fikitve Figuren und keine Personen. Die qualifizieren sich für gar nichts. Die gibt es nicht. Die bildet ihr euch nur ein. Klar gesagt: Es ist absolut ohne realen Belang wenn eure Figuren andere fiktive Menschen/Tiere, Monster, Orks, Elfen, Zwerge, Aliens, Roboter oder sonstwas im Spiel liebhaben, beschützen, beschenken, ehren, heiraten, abschlachten, hinrichten, foltern, vergewaltigen, aussaugen, verfluchen oder Greultaten an ihnen und/oder ihren fiktiven Kindern verüben. Das ist auch keine Frage der Moral oder irgendwelcher Rechte, oder ob man sie "zum Guten oder Schlechten bekehren könnte". Es spielt auch gar keine Rolle, ob diese Figuren als kulturschaffend definiert werden oder nicht. Diese Figuren gibt es schlicht nur in eurer Fantasie und auf dem Papier.
Figuren sind keine realen Personen/Wesen. Figuren sind schlicht Funktionen/Werkzeuge innerhalb eines Settings, einer Geschichte, einer Erzählung und nicht mehr. Die erfüllen einen Zweck und dieser ist definiert: z.B. "Ritter sind pauschal edel, der schwarze Ritter aber nicht" oder "Orks sind pauschal böse" oder auch "Hügelorks sind pauschal böse, aber Talorks pauschal gut" etc. Protagonisten, Helden, Antagonisten, Schurken, Schwert- und Kanonenfutter erfüllen so schlicht ihren Zweck. Dabei können sie durchaus komplex in ihrer Motivationen und ihrem Hintergrund sein, um dem Setting, der Geschichte besser zu dienen, aber sie sind bloß fiktive Werkzeuge und werden benutzt.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Kappadozius am 13.12.2025 | 14:51
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Luxferre am 13.12.2025 | 15:40
@Prisma: es war EIN Eingang - es gab mehrere mögliche Ausgänge ;)
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Prisma am 13.12.2025 | 18:27
@Prisma: es war EIN Eingang - es gab mehrere mögliche Ausgänge ;)
Ja, schon klar, dennoch lustig.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Luxferre am 13.12.2025 | 19:15
Ja, schon klar, dennoch lustig.

Ah, okay  :d Stimmt, mit der etwas "geschmeidigen" Moral meines SCs (in HârnMaster ein Skill, mit Werten zwischen 3 und 18) liegt diese mit 9 beim unteren Ende der normalmenschlichen Skala. Habe ich so gedacht/gewählt, weil er als Magiebegabter von der Kirche gejagt und sofort verbrannt würde. Da braucht man etwas mehr Kreativität im Umgang mit Moral, allein schon um zu überleben.
Das nur als kurze Anekdote ;)
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Luxferre am 16.12.2025 | 15:33
Ich finde ja, dass die SL, sobald er/sie merkt dass die SC vielleicht von falschen Voraussetzungen ausgehen, einfach einen Wissenskunde-Wurf machen könnte. Dafür haben die SC schließlich auch entsprechende Skills erlernt oder durch Background/whatever erhalten.

Wenn die Spielenden also am Tisch ihre Taktik besprechen, sollte doch spätestens der Groschen fallen.
"Hey Leute, ich glaube, ihr geht hier von einer falschen Prämisse aus. Bei mir sind Demons of the ninth Void gar keine bösen Chaoswesen, sondern der neunte Zirkel der Leere steht für Gärtnerei, Kuchenbacken und Plüschkissensammeln."


Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Kappadozius am 16.12.2025 | 15:41
Ach so! Dann ist das warme, pulsierende Herz also nur eine ›geheime‹ Zutat im Kuchen? >:D
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Luxferre am 16.12.2025 | 15:53
Ich hätt' auch von Glitzervampiren, glattrasierten Indianerwerwölfen und gutdesignten 4e Regeln schreiben können  >;D
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: nobody@home am 16.12.2025 | 17:23
Glitzervampire sind grundsätzlich bösartige Eindringlinge aus der Mary-Sue-Dimension. Gegen die sind tatsächlich mal alle Mittel erlaubt! >;D
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Runenstahl am 16.12.2025 | 17:45
Aus meinen Erfahrungen als SL und Spieler (vor allem aber als SL) kann ich sagen das jeder SL SEHR vorsichtig sein sollte was nachträgliche Änderungen angeht. Dabei ist es schnurz ob es sich nun um die Einführung von Hausregeln oder Änderungen am Setting dreht. Grundsätzlich muss das immer mit der Gruppe abgesprochen werden und vorher sollte der SL noch mindestens eine Nacht drüber schlafen ob die Änderungen wirklich so unglaublich wichtig und gut sind das sie unbedingt jetzt noch in die laufende Kampagne eingefügt werden müssen, oder ob es nicht vielleicht Sinnvoller ist die in die Schublade zu legen und bei der nächsten Kampagne einzuführen.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Zanji123 am 9.01.2026 | 11:31
in dem Beispiel geht's irgendwie weniger um "alle Orks sind böse jetzt wird es geändert" sondern eher um

"eine unbewaffnete Ork Familie (Mutter und Kinder) sind so eingeschüchtert, dass die sich nicht raustrauen und sterben"

also...egal ob die "böse" sind, der SL sah die als "Zivilisten"
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: felixs am 9.01.2026 | 11:49
Denke, in so einer Situation ist es richtig, sich vor oder während des ethischen Vorgehens zu verständigen. Hinterher ist blöd.

Leider ist es nicht ganz selten, dass Spielszenarien oder SL solche Fallen stellen: Ein Szenario verlockt zu falschen Annahmen, man handelt danach, dann wird die Moral rausgeholt. Ein extremes Beispiel dafür war mal ein Brettspiel, bei dem Bahnstrecken und deren Betrieb so geplant werden sollten, dass man einige Millionen Menschen befördern kann. Nach dem Erfolg wurde den Spielern dann gesagt, dass sie gerade den Holocaust organisiert haben. Was für ein Quatsch!

Spiele bilden immer nur Teile der Spielwelt ab und die Interpretationen von dem, was man dort eigentlich passiert, was in der Spielwelt gesetzt ist und was man entsprechend da treibt, sind je nach Mitspieler meist ein wenig unterschiedlich. Die Datenlage ist - im Vergleich zur realen Welt - schlecht und entsprechend unterkomplex. Im obigen Holocaust-Beispiel kann sich in der Realität niemand darauf berufen, den Zweck nicht verstanden zu haben (vielleicht nicht in ganzer Konsequenz, aber grundsätzlich war schon klar, dass man nicht normale Passagiere befördert). Ebenso scheint sich auch im Ork-Beispiel der SL Dinge gedacht zu haben, welche die Spieler schlecht voraussehen konnten.

Also ja: besser kommunizierte Setzungen helfen. Gleichzeitig ist gerade diese Manipulation von Setzungen zwecks Erzeugung moralischer Probleme ein beliebtes Mittel, wird oft auch für lehrreich gehalten. Ich finde es unredlich und würde das nicht mitmachen.

Falls sich jemand am Spieltisch moralisch unwohl fühlt mit dem was passiert, kann und soll man das äußern. Auch (und gerade) als SL.

Natürlich gibt es - durchaus häufiger als ich es gern hätte - öfter auch mal die Situation, dass Mitspieler absichtlich ethische Grenzen (der anderen Mitspieler) verletzen, vielleicht sogar "böse" spielen wollen. Da wäre ich dann raus - kann man aber natürlich machen, wenn alle am Tisch das wollen. Mir gefällt das zwar nicht, ist aber letztlich nicht wesentlich anders als der Konsum von extremerern Horror-Genres oder entsprechenden Computerspielen.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: nobody@home am 9.01.2026 | 11:51
in dem Beispiel geht's irgendwie weniger um "alle Orks sind böse jetzt wird es geändert" sondern eher um

"eine unbewaffnete Ork Familie (Mutter und Kinder) sind so eingeschüchtert, dass die sich nicht raustrauen und sterben"

also...egal ob die "böse" sind, der SL sah die als "Zivilisten"

Der SL war's nur halt auch, der überhaupt erst entschieden hat, daß sie lieber lebendig verbrennen, als die Flucht durch einen der noch verbliebenen Ausgänge zu wagen. Das mag ihm in dem Moment am plausibelsten erschienen sein, ändert aber nichts daran, daß die Orks als NSC ja von vornherein keine andere Wahl hatten, als nach seiner Pfeife zu tanzen...hm, macht das dann nicht letztendlich irgendwie ihn zu ihrem "Dunklen Herrscher", der sie in diesem Fall ausdrücklich in den Selbstmord getrieben hat? 8]
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Eleazar am 9.01.2026 | 12:27
Der SL war's nur halt auch, der überhaupt erst entschieden hat, daß sie lieber lebendig verbrennen, als die Flucht durch einen der noch verbliebenen Ausgänge zu wagen. Das mag ihm in dem Moment am plausibelsten erschienen sein, ändert aber nichts daran, daß die Orks als NSC ja von vornherein keine andere Wahl hatten, als nach seiner Pfeife zu tanzen...hm, macht das dann nicht letztendlich irgendwie ihn zu ihrem "Dunklen Herrscher", der sie in diesem Fall ausdrücklich in den Selbstmord getrieben hat? 8]

Das ist der Punkt: Ich vermute mal, dass ihr ja sogar darüber geredet habt, zu welchem Zweck ihr das Feuer gelegt habt, nämlich um sie zur Aufgabe und zum Abzug zu bewegen. Dass das tödlich endete, war die Entscheidung des SL.

Grundsätzlich sehen wir zu, dass das Setting und die Grundannahmen in einer Gruppe konsistent bleiben. Deswegen bespielt praktisch jeder SL seine eigene Welt und die SpielerInnen haben jeweils andere Figuren.

Konsistenz ist erst mal ein Wert an sich.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich das Verständnis einer Spielwelt nicht auch weiterentwickeln könnte. Dass es Abenteuer gibt, in denen die Spieler zusammen mit ihren Figuren schlauer werden können. Aber ohne moralischen Zeigefinger des SLs.

Wir haben mal eine Kampagne gespielt, in denen die Orks klar die Bösen waren und wir abenteuerweise Orktrupps erledigt haben.

Und dann sollten wir Gefangene aus einem Orkdorf in einer anderen Gegend befreien. Eigentlich Leute aus unserer Gruppe, die ne Sonderaktion gemacht hatten. Beim Anschleichen haben wir zwei Orks getroffen, die durch den Wald patroullierten. Denn einen haben wir im Fernkampf gekillt, den anderen schlafen gelegt, um ihn später zu verhören. Beim Verhör stellte sich raus, dass die beiden gar keine Wachen, sondern ein Liebespaar beim Spaziergang waren.

Der nächste Trupp waren kleinere Orks mit gezogenen Messern und Körben im Wald. Der Hinterhalt war schon gelegt, als einem von uns die Idee kam: "Oder die sammeln Pilze!" Der Angriff wurde abgeblasen und die Orkkinder wurden streng befragt, was in ihrem Dorf los war. Und dann erzählten uns die Kinder, dass böse Menschen ins Dorf eingedrungen wären und ohne Grund ein paar Erwachsene getötet hätte und jetzt sollte ihnen der Prozess gemacht werden.

Dann haben wir uns ein Dokument gefälscht und sind offiziell ins Dorf eingeritten und haben den Orkchef gebeten uns die gesuchten Mörder auszuliefern, damit ihnen ordentlich der Prozess gemacht werden könnte. Der Bluff hat funktioniert und wir haben die Gefangenen, gefesselt auf ihren Pferden aus dem Dorf geführt.

Seitdem habe ich noch nie wieder ein Dorf mit derart kultivierten und netten Orks getroffen. Und der Abend hat uns allen gewaltig Spaß gemacht.

Insofern sehe ich es nicht als Problem an, wenn ich in einem Abenteuer von falschen Annahmen ausgehe oder ein Verhalten sehr, sehr überraschend ist. Ich muss nur die Chance haben, das irgendwie zu erkennen, bevor ich komplett reinfalle. Und ich will nicht vom SL moralisch verurteilt werden.

Unserem SL wäre es nämlich auch wurscht gewesen, wenn wir die Gefangenen gewaltsam befreit hätten. Das wär nur riskanter und "rollenspielerisch" nicht so interessant gewesen.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Thandbar am 9.01.2026 | 12:47
Schuld haben natürlich die Orks.
Die sind anfällig für eine Verwischung klarer Linien, weil sie je nach Text irgendwas von diesen Sachen sind:

De facto-Dämonen; von Natur aus bösartige Humanoide; eine den Menschen ähnliche Spezies, die das Pech hatte, unter eine destruktive Ideologie zu geraten; Fantasy-Klingonen; Stand-Ins für realweltliche Bevölkerungen bis hin zu von Kolonialismus bedrohten Indigenen.

Deshalb muss man die auch besonders festzimmern, wenn man eine eigene Erzählwelt eröffnet.

Meine Herangehensweise ist da meistens, dass ich am Anfang gemeinsam mit den Spielern Setting Truths festlege und aufschreibe, wenn ich SL bin.
Ich gehe nicht davon aus, dass ich als SL das Recht habe, diese Setting- und Genre-Erwartungen zu verändern, ohne das explizit zum Thema mit den Spielern zu machen.
Spieler gehen heute mit Recht davon aus, dass diesbezüglich Transparenz hergestellt wird und der SL kein geheimes Drehbuch verfolgt.

Zu den Absprachen gehört auch, wie Konflikte in der Kampagnenwelt grundsätzlich gelöst werden und mit welchen Gegnern zB Verhandeln überhaupt eine Option darstellt. 
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Tudor the Traveller am 9.01.2026 | 12:54
Imo tut man sich allgemein keinen Gefallen, die Grenze zwischen Monstern und Personen zu verwischen. Das wird halt sehr unmittelbar sehr philosophisch. Insofern sollte man sich dann einmal klar positionieren, ob Orks, Vampire, Dämonen etc. in die eine oder andere Kategorie gehören.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Thandbar am 9.01.2026 | 12:59
Imo tut man sich allgemein keinen Gefallen, die Grenze zwischen Monstern und Personen zu verwischen.

Wobei das für mich sehr vom jeweiligen Spiel abhängt. In Electric Bastionlands etwa ist das Sympathie für das Monster fest in dessen Erschaffungsprozess angelegt.

Es ist halt die Frage, ob man einen reinen Monsterklopper ohne weitere Fragen spielen will. Das unterliegt dann dem Gruppenkonsens, der in dem allerersten Beispiel gebrochen wurde, ohne dass die SL das gemerkt hat.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: felixs am 9.01.2026 | 13:13
Imo tut man sich allgemein keinen Gefallen, die Grenze zwischen Monstern und Personen zu verwischen. Das wird halt sehr unmittelbar sehr philosophisch. Insofern sollte man sich dann einmal klar positionieren, ob Orks, Vampire, Dämonen etc. in die eine oder andere Kategorie gehören.

Sehe ich auch so.

Oder zumindest muss man sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Traditionelles Rollenspiel wie gewohnt ist nämlich nicht mehr möglich, wenn sich aus Gewalt gegen "Monster" Probleme ergeben. Ist ein bisschen wie Veganismus - auf einmal stellt sich die ganze Welt und fast jeder gewohnte Konsum als ethisch problematisch dar und man muss sein Leben ändern, kann alte Gewohnheiten nicht mehr so fortführen. (Natürlich mit dem Unterschied, dass es hier nur um fiktive Zusammenhänge geht und die Leidtragenden nicht real existieren).

Gleichzeitig ist interessant, dass die Problematisierung von "Monstern" schon lange ein Teil von Rollenspielen ist. Wobei das, so meine Erfahrung, von den meisten Gruppen nicht umgesetzt wird. Problematisch wird diese Inkonsistenz eigentlich auch nur dann, wenn sie jemand thematisiert - es gibt ja (schließlich ist es Fiktion) kein verdrängtes Leiden im Hintergrund, außer dieses wird gezielt angespielt.

Grundsätzlich finde ich es aber wichtig, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass im Rollenspiel meist viel Kontext fehlt. Die oben erwähnten orkischen Pilzsucher wären sehr wahrscheinlich auf den ersten Blick von einer Gruppe in kriegerischer Absicht zu unterscheiden. Es ist dann die Schilderung des SL, welche gezielt einen falschen Eindruck hervorruft. Sowas funktioniert als erzählerisches Mittel zwar ganz gut, wenn aber auf Grundlage dieser Informationen Entscheidungen getroffen werden, sind das eben Entscheidungen, die aufgrund einer falschen oder irreführenden Datenlage getroffen wurden. Das ist auch wieder ein Problem und schränkt die Brauchbarkeit als moralisches Lehrstück stark ein.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Maarzan am 9.01.2026 | 13:19
Imo tut man sich allgemein keinen Gefallen, die Grenze zwischen Monstern und Personen zu verwischen. Das wird halt sehr unmittelbar sehr philosophisch. Insofern sollte man sich dann einmal klar positionieren, ob Orks, Vampire, Dämonen etc. in die eine oder andere Kategorie gehören.

ich sehe das Problem nicht im verwischen selbst, sondern darin die jeweils gewählte Spielweltsetzung nicht verbindlich festgelegt und bekannt gemacht zu haben.
Ob das Philosophieren am Tisch gewünscht ist oder nicht ist ja Geschmackssache.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: nobody@home am 9.01.2026 | 13:19
Deshalb muss man die auch besonders festzimmern, wenn man eine eigene Erzählwelt eröffnet.

Ganz so auf speziell "Session Zero" würde ich mich da nicht einmal festlegen wollen. Die Charaktere werden ja generell mehr Allgemeinwissen über ihre Welt haben, als sich die Spieler auch aus noch so vielen Quellenbüchern und langen Absprachelisten anlesen könnten; da kann ich als SL letzteren also zur Not auch noch bei der ersten Begegnung mit etwas für sie Neuem kurz verklickern, was so der Wissensstand ihrer Charaktere zum Thema ist. Eventuelle Punkte, die ihnen als ungewöhnlich auffallen dürften, gleich mit -- wenn die Charaktere beispielsweise Orks nur als herumstreifende weitgehend undisziplinierte Räuber und Plünderer kennen und die Orks, denen sie in einem Abenteuer über den Weg laufen, sich plötzlich sichtbar anders verhalten (egal, ob sie nun an Blumen schnuppern oder als offensichtlich "richtige" Soldaten mit Rüstung und Abzeichen auftreten), dann sind das offensichtlich keine 08/15-Standardorks mehr, und ob das gut oder schlecht ist, muß sich erst noch weisen.

Natürlich wird's immer auch mal Dinge geben, die die SC (noch) nicht wissen, aber das ist noch mal ein anderes Thema als ein mehr oder weniger bewußtes Generell-im-Dunkeln-Tappen-Lassen-Wollen. Mindestens Augen, Ohren, und die eine oder andere Gehirnzelle haben sie in der Spielwelt ja normalerweise doch.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Zanji123 am 9.01.2026 | 14:33
Der SL war's nur halt auch, der überhaupt erst entschieden hat, daß sie lieber lebendig verbrennen, als die Flucht durch einen der noch verbliebenen Ausgänge zu wagen. Das mag ihm in dem Moment am plausibelsten erschienen sein, ändert aber nichts daran, daß die Orks als NSC ja von vornherein keine andere Wahl hatten, als nach seiner Pfeife zu tanzen...hm, macht das dann nicht letztendlich irgendwie ihn zu ihrem "Dunklen Herrscher", der sie in diesem Fall ausdrücklich in den Selbstmord getrieben hat? 8]

ok kommt drauf an wie man es ausspielt... als zivilist hätte ich z.b. auch kein Vertrauen darauf das die Typen die gerade meinen Vater/Bruder/Ehemann ermordet haben und vor der Tür n Feuer anzünden um zu sagen "ihr könnt gehen wir werden euch nicht verfolgen" nicht doch bei den anderen Ausgängen auflauern

:) wie gesagt is nur meine spontane idee. Komisch is halt das man dieses "moralische Problem" jetzt irgendwie random reinpackt wenn vorher nie sowas im Spiel kam.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: unicum am 9.01.2026 | 14:50
Also ich habe grundsätzlich nichts dagegen mit Moralischen Problemen konfrontiert zu werden auch wissend das gerade diese meistens nicht zur allgemeinen zufriedenheit gelöst werden können.

Klar - Orks müssen auch was Essen, Orks haben auch Kinder, Orks haben auch Sex,... (gut die könnten auch ohne Sex und Kinder einfach magisch aus der Retorte von Saruman kommen - aber das ist glaube ich doch eher selten und wir gehen hier erstmal von erstem aus denke ich).

Insofern sehe ich die Satzung des Settings im übrigen auch in der realen Welt hier und da auch mal einer Wandlung unterzogen. Gerade in Kriegen passieren da so einige Dinge über welche man trefflich den moralischen Zeigefinger erheben kann die aber aus der betrachtung der betroffen nicht gar so klar sind.

Die Lösung ist aber wie so oft "miteinander reden" und für den SL dann eben vieleicht auch - nicht mehr solche Moralischen Dilemma ausrollen.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Tudor the Traveller am 9.01.2026 | 15:08
Klar - Orks müssen auch was Essen, Orks haben auch Kinder, Orks haben auch Sex,... (gut die könnten auch ohne Sex und Kinder einfach magisch aus der Retorte von Saruman kommen - aber das ist glaube ich doch eher selten und wir gehen hier erstmal von erstem aus denke ich).

Nein, nichts daran ist "klar", und selten ist es imo nur dann, wenn Autoren die Phantasie fehlt. Selbst die irdische Biologie kennt andere Lebens- ubd Fortpflanzungskonzepte. "Wie Menschen" empfinde ich bei Orks und Co als unglaublich einfallslos.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Feuersänger am 9.01.2026 | 16:11
Ich sag mal so, es fängt mit der grundsätzlichen Frage an: sind bestimmte Rassen wie zB Orks (oder jede beliebige andere "Monsterrasse") explizit und ausdrücklich geschaffen worden, um Mord, Angst und Schrecken zu verbreiten (wie zB in Mittelerde)? Oder auch wahlweise eher "zufällig" entstandene Ausgeburten des Chaos, die aber eine zivilisierte Koexistenz unmöglich machen?
Oder sind sie halt einfach eine unter (fantasytypisch) vielen intelligenten und kulturschaffenden Spezies, die mit allen anderen um Lebensraum konkurrieren? Wo es also objektiv betrachtet kein "wir Gut, die Böse" gibt, weil alle Seiten sich halt ausbreiten wollen so weit sie können, und es da halt schonmal zu dem einen oder anderen Genozid kommt?

Das sollte halt möglichst schon von Anfang an definiert sein, und nicht auf einmal mitten im Spiel umgestoßen, aber das hatten wir ja schon.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Quaint am 9.01.2026 | 16:34
Naja, wenn die Leute sich ausbreiten und Leute umbringen, um deren Land zu nehmen, dann ist das ziemlich klar böse. Wenn das alle machen, dann sind halt alle böse. Und dann ist es halt wir gegen die, nicht gut gegen böse.
Und ich denke, so ganz vollständig kann man ein Setting gar nicht ausdefinieren, aber den groben Rahmen abstecken, das geht halt schon. Und wie ich schon sagte: wenn sich was ändert, dann kann das ja theoretisch auch eine willkommene Änderung sein. Wenn es stört, müsste man halt evtl. mal drüber reden. Wenn sich da keine Regelung findet, muss man dann halt entweder damit leben oder gehen.
Das hier genannte Beispiel ist halt nicht das beste, weil es ja nicht nur um die Änderung geht (was? Orks haben auch Zivilisten?) sondern auch um den eher unglücklichen Umgang der Spielleitung damit und eben das "foppen" der Spieler. Ich weiß nicht, ob das gar so negativ aufgenommen worden wäre, wenn die Familie halt gegangen wäre und es damit erledigt gewesen wäre.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: unicum am 9.01.2026 | 16:49
Nein, nichts daran ist "klar", und selten ist es imo nur dann, wenn Autoren die Phantasie fehlt. Selbst die irdische Biologie kennt andere Lebens- ubd Fortpflanzungskonzepte. "Wie Menschen" empfinde ich bei Orks und Co als unglaublich einfallslos.

Definition des ursprünglichen Autors: Orks essen (LotR:Two Towers) und über Sex schweigt er sich als Katholik ziemlich aus. Aber da er die Orks als verdorbene Elfen darstellt und Elfen sich "einfallslos" vortpflanzen,...

und btw welche höhere irdische Lebensform vermehrt sich denn ohne Sex? Ich mein ich weis eine männliche Kakalake ist erstmal unntütz aber es gibt trozdem welche. Ich würde schon sagen dieses Konzept ist eines der Erfolgreichen.

--

Also ich Spiel da sehr gerne damit (moral). Ich hab auch schon deutlich früher als das hier aufgeführte Drama meinen Spielern mal einen Ork mit einer Hacke auf einem Acker vorgesetzt. Der wurde auch Prompt gefangen genommen und es wurde gesagt das er die Hacke wohl einem Bauern abgenommen hatte - Hatte er nicht war seine eigene hacke und er hat einen Acker bestellt. "Ob das Sein Acker war?" "Wie kann man einen Acker besitzen? Land besitz man nicht, es ist einfach da."

Das war sicherlich noch weit vor 2000 übrigens. Den Ork haben sie dann noch lange Zeit mit sich rumgeschleift, ich würde mal sagen als "Kriegsgefangenen" oder vieleicht als "Diener (sic)"?

Es gibt ja auch mehr als eine Moral. "Wir" halten halt immer an unserer aufgeklärten Moral fest und alles andere ist minderwertig. Also vom hohen moralischen Ross runter.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Alexandro am 9.01.2026 | 17:05
Zitat
Naja, wenn die Leute sich ausbreiten und Leute umbringen, um deren Land zu nehmen, dann ist das ziemlich klar böse. Wenn das alle machen, dann sind halt alle böse. Und dann ist es halt wir gegen die, nicht gut gegen böse.

Oder es sind halt recht unterschiedliche Mentalitäten unter den Spezies.
Siehe die Harnmaster-Orks, die eher wie eine Ameisenkolonie funktionieren. Mit denen kann man in der Regel nicht rational verhandeln, sie nehmen sich einfach Sachen (inkl. Menschen) für ihren "Bau", und töten jeden der sich dagegen wehrt. Weil sie halt nicht anders agieren können (SC-Gargun, die sich außerhalb dieser Gesellschaft bewegen, evtll ausgenommen).
Trotzdem sind sie nicht grundsätzlich böse, sie machen ihre Raubzüge in der Regel nicht um anderen zu schaden, sie haben nur kein Konzept von "richtig" und "falsch", sondern kennen nur die Erhaltung ihrer Kolonie als höchstes Gut. Und es ist auch nicht unbedingt angeraten, möglichst offensiv gegen Gargun vorzugehen, den Bau abzubrennen und die Königin zu töten - denn eine Kolonie mag nicht ideal sein, ist aber zumindest einigermaßen stabil (einige Gargun praktizieren sogar Viehzucht). Ganz anders sieht es aus, wenn hunderte Gargun chaotisch durch die Lande marodieren, weil sie keinen Bau und keine Königin (mehr) haben und einfach nur alles Plündern und Töten, was in ihrem Weg steht.

ok kommt drauf an wie man es ausspielt... als zivilist hätte ich z.b. auch kein Vertrauen darauf das die Typen die gerade meinen Vater/Bruder/Ehemann ermordet haben und vor der Tür n Feuer anzünden um zu sagen "ihr könnt gehen wir werden euch nicht verfolgen" nicht doch bei den anderen Ausgängen auflauern

Oder sie konnten nicht schnell genug die Barrikaden wieder abbauen, bevor der Rauch reinzog.
Wie gesagt: ohne eine Aussage der SL, wie die Aktion gedacht war, lässt sich da viel reininterpretieren.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Boba Fett am 9.01.2026 | 17:12
Wie geht Ihr mit Änderungen (plötzliche insbesondere) bei Satzungen Eurer Settings um?

Aus der Spielleiter-Perspektive: Ich liefere verlässliches Rollenspiel. Punkt!

Natürlich juckt es einem als kreativer Spielleiter auch mal in den Fingern durch einen Twist moralische Attitüden zu hinterfragen.
Aber das macht man nicht bei altetablierten Setting-Fakten.
Wenn ich so eine Idee hab, dann mach daraus eine neue Kampagne und mache in Session Zero klar, dass der bisherige Status Quo nicht gegeben sein muss, sondern auf Fehlinformationen resultieren kann. Und dann kann ich loslegen.
Und wenn jemand überrascht wird, und sich noch so verhält, wie jümmers, dann reagiere ich nicht vorwurfsvoll oder eingeschnappt. Was soll denn sowas?

Als Spieler fände ich es blöd - da kann ich konservatives Denken verstehen. Ich will Handlungssicherheit und wenn die Spielleitung meint, mir einen David Lynch Setting vorzusetzen, wo alle 10 Minuten irgendwelche skurilen Omas, die mit kurzgesägten Holz-Stämmen kuscheln, rückwärts sprechend die universellen Tatsachen des Settings verdrehen, dann soll er mir das vorher sagen.
Und vor allem nicht hinterher damit kommen, dass ich abartig wäre, nur weil ich Laura Palmer mit der Schrotflinte erschossen hab - die ist schliesslich die Leiche und who did it war die Prämisse. Wieso taucht die jetzt wieder auf? Und hey, es waren nur 16 Schrotpatronen. Zombies behandelt man so.
Lasst uns fahren, sonst ist kein Cherry Pie mehr da.
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: nobody@home am 9.01.2026 | 18:03
und btw welche höhere irdische Lebensform vermehrt sich denn ohne Sex?

Parthenogenese (d.h., die kommen zumindest ohne Männchen aus, manche haben sie wohl auch einfach gleich gar nicht) gibt's bei einigen Echsen- und Schlangenarten definitiv. Hoch genug? ;)
Titel: Re: Änderung der Satzung eines Settings
Beitrag von: Skaeg am 9.01.2026 | 18:42
und btw welche höhere irdische Lebensform vermehrt sich denn ohne Sex? Ich mein ich weis eine männliche Kakalake ist erstmal unntütz aber es gibt trozdem welche. Ich würde schon sagen dieses Konzept ist eines der Erfolgreichen.
Naja, irdisch muss es in einem Fantasy-Spiel ja nicht bleiben. Die Gargun wurden schon genannt; dann die Warhammer-Orks, die biologisch Pilze sind und sich über Sporen fortpflanzen - da gibt es auch keine Ork-Kinder und -Familien, über die man sich Gedanken machen muss.