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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Runenstahl am 2.02.2026 | 10:38

Titel: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Runenstahl am 2.02.2026 | 10:38
Gerade habe ich diese Aussage hier im T gelesen:

es ist ein System aus den USA ... die sind mit D&D großgeworden... in D&D IST sehr Kampfbetont und es gab wenig Settings die das nich betonten.

Es ist klar das ein Daggerheart ebenfalls im Kampf groß auftrumpft.

Aussagen wie diese liest man häufiger. Oftmals noch extremer formuliert nach dem Motto "die Amis kennen nur D&D". Gerne wird auch behauptet "Die Amis kennen RPGs nur von Critical Role und die spielen nur D&D". Ich halte diese Aussagen für schlichtweg falsch.

Fakt ist das D&D international Platz 1 ist, auch bei uns. Fakt ist auch das ein Großteil aller Rollenspiele aus den USA kommen, auch solche die eben nicht nur Kampfregeln beeinhalten (Cthulhu und Pendragon z.B). Noch ein Fakt ist das Critical Role One-Shots auch oft mit anderen Systeme spielt (Mothership, PbtA etc.).

Und ist die Situation bei uns hier denn soviel anders ? Waren die klassischen deutschen Systeme wie Midgard und DSA wirklich weniger Kampflastig als das D&D seiner Zeit ?

Die einzigen anderen größeren Systeme die mir einfallen bei denen Kampf zwar vorkommt aber nicht Zentral ist wären noch Vampire (Schwedischer Verlag aber viele US Designer) und Ars Magika (US Designer). Gibt es denn sonst noch Rollenspiele mit denen man groß geworden ist die Kämpfe nicht betonen ? Gibt es überhaupt nennenswerte Rollenspiele (die auch einen Markanteil haben) bei dem Kampf nicht die große Rolle spielt ?
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Luxferre am 2.02.2026 | 11:28
D&D ist ein kampflastiges System, welches man aber anders spielen kann.
D&D geht in neueren Editionen von einer festen Anzahl von Kämpfen pro Rast, kurzer Rast, Durchatmen, whatever aus.
Das ist doch kampflastig sein Vadder.

Midgard und DSA sind definitiv anders, vor allem europäisch mystischer, märchenhafter, pittoresker geprägt.
Und dennoch sichtbar Abkömmlinge von D&D.

Ich glaube dennoch, dass es Vorurteile gibt. weils die immer und überall gibt.
Nenn es Bubble oder Echokammer ... aber tendenziell neigen wir Menschen zu diesem Verhalten, unsere Vorurteile durch kleine Reaktionsräume bestätigt zu sehen.
Ein guter Weg daraus ist so ein Forum zB ;)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Edgar Allan Poe am 2.02.2026 | 11:30
Ein guter Weg tiefer rein ist aber auch so ein Forum ;)

Ich glaube gerade in frühen Editionen waren Midgard und DSA dem Original aus den USA noch deutlich näher. Wenn ich an DSA 2 oder sogar 1 denke, war das kaum was anderes.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Holothuroid am 2.02.2026 | 11:41
Vor allem sind DSA und Midgard für Leute, die heute anfangen ziemlich irrelevant. Pull-Faktor für Interessierte ist D&D und für einige gehts dann weiter an andere Spiele, die auch aus den USA kommen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Gunthar am 2.02.2026 | 11:51
Und genau dieser Pullfaktor auf D&D kann vergessen lassen, dass da auch bessere Systeme auf dem Markt sind. Midgard ist mein Favorit, weil es auch das Spielen ausserhalb von Kämpfen gut ermöglicht.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Raven Nash am 2.02.2026 | 12:01
Ich denke, es ist ein eher deutschen Phänomen, grundsätzlich über den Teich zu schauen, bzw. vor allem zu übersetzen.
Wenn man sich die schwedische oder französische RPG-Szene ansieht, dann ist D&D sicher bedeutend aber nicht ganz so übermächtig, vor allem historisch. Die Schweden hatten zwar RQ als Vorbild, sich aber mit Drakkar och Demoner schnell emanzipiert.
In Frankreich ist Cthulhu, iirc, die beherrschende Größe - und es gab und gibt jede Menge erfolgreiche Eigenproduktionen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: felixs am 2.02.2026 | 12:06
Das ist ungefähr so wahr, wie lange Zeit wahr war, dass in Deutschland halt DSA gespielt wurde: Es ist für den Großteil der Leute schon wahr. Und dann gibt es noch andere Nischen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Galatea am 2.02.2026 | 12:14
D&D ist ein kampflastiges System, welches man aber anders spielen kann.
D&D geht in neueren Editionen von einer festen Anzahl von Kämpfen pro Rast, kurzer Rast, Durchatmen, whatever aus.
Das ist doch kampflastig sein Vadder.
D&D hat halt auch zusätzlich noch das Problem, dass es dazu tendiert Subsysteme die nicht mit Kampf zu tun haben (z.B. Survival) beim nehmen der relevanten Skills/Zauber zu trivialisieren oder als Gameplayelement effektiv aus dem Spiel zu entfernen (looking at you, Goodberries).

Midgard und DSA sind definitiv anders, vor allem europäisch mystischer, märchenhafter, pittoresker geprägt.
Und dennoch sichtbar Abkömmlinge von D&D.
Midgard ist vor allem (zumindest auf den niedrigen bis mittleren Stufen die ich gespielt habe) sehr viel gefährlicher. Nicht unbedingt in der Form, dass Charaktere sofort drauf gehen, aber die Chance sich Verletzungen zuzuziehen, die einen für Wochen praktisch kampfunfähig machen, ist nicht sooo gering. Da überlegt man sich schon sehr viel genauer, ob man sich auf einen Kampf einlassen möchte.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 2.02.2026 | 12:54
Ich meine, klar, natürlich ist die amerikanische Rollenspielkultur nicht einfach genau 1:1 dieselbe wie hier bei uns. Das fängt ja schon wie im praktisch ganzen Rest der Unterhaltungsbranche damit an, daß wir wesentlich mehr nach "drüben" schielen als die umgekehrt zu uns. ;)

Inwieweit auf der anderen Seite des großen Teichs allerdings speziell D&D "schon immer" der große Gigant war oder ob sich das nicht doch erst im Lauf der Zeit so entwickelt hat...das will ich jetzt unbekannterweise nicht unbedingt beurteilen, weil ich da einfach nicht dabei war, eventuelle Prozesse nur mehr oder weniger schlecht aus der Entfernung mitbekommen habe, und sich auch einfach meine persönliche Wahrnehmung im Lauf der Zeit und Ladenbesuche verändert haben mag. Meine eigenen Vorurteile habe ich jedenfalls definitiv auch, aber das bezieht sich dieser Tage meist mehr auf die USA und ihre Eigenheiten allgemein, seltener direkt aufs Hobby und dann insbesondere weniger auf das Thema "Kampforientierung"; ein bißchen nuancierter als einfach bloß "Amis wollen immer kämpfen, wir eher nicht" sind die Einflüsse dann doch.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Outsider am 2.02.2026 | 13:02
Einmal den Blick, weggenommen von D&D kann ich sagen, dass zumindest die Alien-Spieler in den USA mit denen man sich so austauscht in erster Linie eher Fans der Filme sind (so kommt es mir vor) und Aliens das RPG mehr als Gesellschaftsspiel verstehen, ähnlich wie „Mensch ärgere dich nicht“. Da entstehen tolle Tische, die Leute sitzen in WeYu-T-Shirts da, es gibt Patches usw. Der Fokus dort (was man in Socmed so mitbekommt) liegt klar auf den cinematischen One Shots. Von daher kann ich da wenige echte Vorurteile ausmachen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Quaint am 2.02.2026 | 14:25
Ich spiele meist auf Deutsch, hab daher wenig bis nichts mit amerikanischen Spielern zu tun. Und bissle kampflastig leite ich selbst, vielleicht nicht immer soviel wie von DnD eigentlich gefordert, aber ich hab schon viele Spielabende mit Kampf.
Aber ich denke eigentlich nicht, dass die alle nur Critical Role und DnD kennen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: unicum am 2.02.2026 | 14:57
Ich meine das D&D eben immer noch weltweit gesehen der Platzhirsch Nummer eins ist, hatten wir hier nicht mal eine Statistik aus Roll20 dazu?
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 2.02.2026 | 15:48
Ich denke, wenn ich ein halbwegs grundsätzliches Vorurteil über US-Rollenspiel und -spieler habe, dann ist es eine gewisse Unterstellung von "Wild-West-Denke". Um's mal kurz und halbwegs schlagkräftig zu illustrieren, stellen wir mal kurz zwei Strohpuppen jeweils dieselben Fragen...

Frage: "Was liegt hinter den nächsten Bergen?"

Europäische Strohpuppe: "Na, das Nachbarkönigreich natürlich!"

US-Strohpuppe: "Unerforschte Wildnis, die von der Zivilisation (d.h. uns) erst noch erschlossen werden will!"

Frage: "Und was bräuchte es wohl, um die Kontroile über diese Gegend zu erlangen?"

Europäische Strohpuppe: "Also, entweder mindestens eine anständige Armee, wenn wir's militärisch versuchen wollen, oder viel Vitamin B, ein paar wirtschaftliche Druckmittel, und ein gutes Diplomatenkorps...und selbst dann schadet die Armee als Rückhalt für den Notfall nichts. Und wenn wir doch mal 'Wildnis' erkunden wollen, dann schicken wir doch mindestens eine möglichst gut ausgerüstete größere Expedition los."

US-Strohpuppe: "Bah, das macht 'ne kleine Gruppe von bunt zusammengewürfelten Möchtegernhelden mal eben im Alleingang -- der Rest kann dann nachkommen!"

Ich hoffe, das verdeutlicht den (wirklich nur in meinem Kopf existenten?) Unterschied ein wenig. ;)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Outsider am 2.02.2026 | 16:51
Also in meiner persönlichen Vorurteilswelt würde die US-Strohpuppe, die ja eigentlich nur ein unreifes Abbild der Europäischen-Strohpuppe ist:

Herz und Kopf der Einwohner des unbekannten Landes für sich gewinnen in dem sie die Gegend entlauben, alle Wilden in „zivilisierte“ Gegenden umsiedeln und dann für sie die wichtigen Rohstoffe in der unerschlossenen nicht mehr so wilden Wildnis abbauen :D Da man die Wilden nicht mir derlei Dingen belasten will verwaltet man die Rohstoffe dann für sie und gibt ihnen ersatzweise Dinge die sie „besser“ gebrauchen können. Alkohol und mit für sie neue Krankheiten verseuchte Decken :D

(https://scontent-dus1-1.xx.fbcdn.net/v/t1.6435-9/155953833_3829912397069094_757752710005604364_n.jpg?_nc_cat=101&ccb=1-7&_nc_sid=127cfc&_nc_ohc=4RFkuzxcQYUQ7kNvwGLHljw&_nc_oc=AdkqkUGwPo0zHUK0nAVr3RpJo2KNqOb85hTJtSGtGseMEi1wxbXuakuwT4PLfEjxjtlsUUuU6SZNUjIx_onLJFjk&_nc_zt=23&_nc_ht=scontent-dus1-1.xx&_nc_gid=EQQgaNPwcg5WN0zz5Y99AA&oh=00_AfvbQNeE2mtmsbmOY5WrEUoYDZG8j2ZmWJip_u90niGCgA&oe=69A84286)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: General Kong am 2.02.2026 | 17:16
Ich denke, wenn ich ein halbwegs grundsätzliches Vorurteil über US-Rollenspiel und -spieler habe, dann ist es eine gewisse Unterstellung von "Wild-West-Denke". Um's mal kurz und halbwegs schlagkräftig zu illustrieren, stellen wir mal kurz zwei Strohpuppen jeweils dieselben Fragen...

Frage: "Was liegt hinter den nächsten Bergen?"

Europäische Strohpuppe: "Na, das Nachbarkönigreich natürlich!"

US-Strohpuppe: "Unerforschte Wildnis, die von der Zivilisation (d.h. uns) erst noch erschlossen werden will!"

Frage: "Und was bräuchte es wohl, um die Kontroile über diese Gegend zu erlangen?"

Europäische Strohpuppe: "Also, entweder mindestens eine anständige Armee, wenn wir's militärisch versuchen wollen, oder viel Vitamin B, ein paar wirtschaftliche Druckmittel, und ein gutes Diplomatenkorps...und selbst dann schadet die Armee als Rückhalt für den Notfall nichts. Und wenn wir doch mal 'Wildnis' erkunden wollen, dann schicken wir doch mindestens eine möglichst gut ausgerüstete größere Expedition los."

US-Strohpuppe: "Bah, das macht 'ne kleine Gruppe von bunt zusammengewürfelten Möchtegernhelden mal eben im Alleingang -- der Rest kann dann nachkommen!"

Ich hoffe, das verdeutlicht den (wirklich nur in meinem Kopf existenten?) Unterschied ein wenig. ;)

Den Mentalitätsunterschieed aufgrund historischer Begebenheiten schön zusammengefasst. In Europa ist seit sehr langen NIEMAND mal als allererster wo. Da war immer schon wer vorher.
Und. Man kommt auch überall hin. Klar, kann dauern und beschwerlich und gefährlich sein, aber die Berge kann man überwinden, die Sümpfe umgehen und riesige Wüsten gibt es nicht. Alles ist überschaubar und beschaulich.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Jiba am 2.02.2026 | 17:44
Man kommt auch überall hin. Klar, kann dauern und beschwerlich und gefährlich sein, aber die Berge kann man überwinden, die Sümpfe umgehen und riesige Wüsten gibt es nicht. Alles ist überschaubar und beschaulich.

Und mit diesen Sätzen ließe sich ja Aventurien auch hinreichend beschreiben, oder?

Damit wir uns in der Fantasy vorstellen können, dass in ganzen Landstrichen mal einfach nichts ist, müssen wir Europäer zuvor erst noch ein paar Zivilisationen untergehen lassen. (Professor Tolkien könnte da die ein oder andere Vorlesung zu halten.)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 2.02.2026 | 18:02
In Europa ist seit sehr langen NIEMAND mal als allererster wo. Da war immer schon wer vorher.

Ebenso in den USA. Archäologisch ist da völlig klar, dass überall schon die Erstbesiedler da waren.
Das mit dem "von Menschen unberührt" ist nur ne Fehlwahrnehmung der Siedler und Pioniere da drüben, für die zählten "die Wilden" einfach nicht.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 2.02.2026 | 18:13
Midgard und DSA sind definitiv anders, vor allem europäisch mystischer, märchenhafter, pittoresker geprägt.
Und dennoch sichtbar Abkömmlinge von D&D.

Ich würde eher sagen: buchhalterischer, kleinteiliger, mühsamer. Eurogames (https://de.wikipedia.org/wiki/Eurogame) sind das definitiv nicht. Sie laufen einfach dem amerikanischen Mainstream immer so ziemlich 5-15 Jahre hinten nach.

Wer in den 1990igern (zu AD&D2-Zeiten) Dragon Magazine gelesen hat, weiß dass es da auch der TSR-Redaktion fast nur um Dramaturgie, ökologischen Realismus und Ablehnung von Dungeons ging.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: treslibras am 2.02.2026 | 21:06
Ich denke, es ist ein eher deutschen Phänomen, grundsätzlich über den Teich zu schauen, bzw. vor allem zu übersetzen.
Wenn man sich die schwedische oder französische RPG-Szene ansieht, dann ist D&D sicher bedeutend aber nicht ganz so übermächtig, vor allem historisch. Die Schweden hatten zwar RQ als Vorbild, sich aber mit Drakkar och Demoner schnell emanzipiert.
In Frankreich ist Cthulhu, iirc, die beherrschende Größe - und es gab und gibt jede Menge erfolgreiche Eigenproduktionen.

KA woher Du diese Infos hast, aber die französischen "Rôlistes" sind der Deutschen - und internationalen - RPG-Szene mittlerweile doch sehr ähnlich. (Minus DSA, dafür halt ein paar französische Eigenproduktionen, die aber alle eher sehr klein sind.)

DnD ist auch in FR klar der Platzhirsch - auch mit dessen französischem SRD-Ableger "Chroniques Oubliées", und ansonsten ist der Markt genauso dominiert von internationalen Publikationen. Ja, es gibt ein paar mehr französische Kleinsysteme, auch weil a) solche Sachen da etwas besser gefördert werden, und b) die Franzosen generell sehr frankophil sind.
Aber das Gros sind Übersetzungen von internationalen Rollenspielen amerikanischer und schwedischer Provenienz.
Star Wars Genesys ist in FR noch / wieder deutlich aktiver als hier, weil EDGE sich die letzten Jahre da ja fast ausschließlich auf die Übersetzung ins Französische konzentriert hat.

Philibert hat gerade seine Beststellerliste 2025 im Bereich Rollenspiele (https://www.philibertnet.com/fr/blog/articles/jeux-de-role-nos-20-meilleures-ventes-en-2025) veröffentlicht.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Skaeg am 2.02.2026 | 21:17
Fakt ist das D&D international Platz 1 ist, auch bei uns.
Das stimmt, aber in der Rollenspiel-Forenszene sind eine Menge Leute noch aus einer Generation, die eher DSA-sozialisiert ist. Und das ist schon ein anderes Ding, das muss man fairerweise sagen.

Zitat
Und ist die Situation bei uns hier denn soviel anders ? Waren die klassischen deutschen Systeme wie Midgard und DSA wirklich weniger Kampflastig als das D&D seiner Zeit ?
Doch, durchaus. Nicht unbedingt weniger kampflastig, aber anders kampflastig.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: D. M_Athair am 2.02.2026 | 22:00
Fakt ist auch das ein Großteil aller Rollenspiele aus den USA kommen, auch solche die eben nicht nur Kampfregeln beeinhalten (Cthulhu und Pendragon z.B).
Deine Beispiele sind jetzt gerade Spiele, die insbesondere die britische ... und z.T. in Folge europäische (v.a. schwedische) Szene und deren Eigenentwicklungen gepägt haben.

Dem aktuellen Runequest wird sein "europäisches" Artwork in den US gern entweder angekreidet oder hoch angerechnet.
Moon Design Publications ... die ja später Chaosium verstärkt/geerbt haben ... war ne britische Firma. Und so weiter ...
Wobei ... Chaosium, auch weil gerade Cthulhu noch andere regionale Schwerpunkte hat (allen voran: Japan!) eh mehr echte internationale Einflüsse hat, als D&D.


Ich würde auch generell sagen, dass die (zunehmend weniger) nationalen Szenen sich unterscheiden.
Und ich glaube da kommt die Kritik an D&D & Co auch hauptsächlich her:
Denn sowohl im Regeldesgn als auch in der Spielkultur von D&D (und seinen spirituellen Ablegern) stecken spezifisch weiße, US-amerikanische Metaerzählungen.
"Wild West Frontier", From Zero to Hero/Powerfantasy, The winner takes it all, (Melting Pott) ... all das muss man halt auch mögen.


Das steckt mMn eigentlich hinter der Kritik "zu kampflastig. Natürlich kommen da noch Vorurteile und Kulturverachtung dazu (die ja auch ne Reaktion auf Kulturimperialismus sind) ... und ggf. eine Ablehnung von kompetitivem Rollenspielen (was ja immer Teil von kampflastigem Spiel/Spielen ist).



Das schreibe ich jetzt als Person, die spielemäßig am ehesten in der brit. RSP-Kultur beheimatet ist, die OSR sehr mag, New School D&D und Co. (mit Ausnahme von 4E) nicht mag und mit Indies - gerade auch aus den US - ziemlich viel anfangen kann.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Eleazar am 3.02.2026 | 09:11
Ich habe mal in den 90ern ein Abenteuer aus dem Dragon gelesen mit einer genialen Grundidee= Abenteurer werden in einen Mikrokosmos gezogen. Die Ausführung war schauderhaft: "Du triffst auf XY. Sie greifen die Abenteurer sofort an." Bei intelligenten Gegnern. Null Motive, null Alternativen, einfach nur metzeln. In weiteren D&D-Abenteuern, die ich gespielt habe, genau das Gleiche.

Da war Midgard zu der Zeit um Längen weiter. Auch was den Stellenwert von Fertigkeiten außerhalb des Kampfes angingen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: unicum am 3.02.2026 | 09:27
Ich bring jezt doch mal das ein was mir eingefallen ist als ich den Betreff das erste mal las:

also: "Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA" und zwar in den USA,...

Eben diese mit dem stark plakativen Vorurteil "alles Satanisten". Ich könnte mir auch vorstellen das dies etwas durch das was in den USA seit einiger Zeit passiert noch angetrieben werden könnte, vieleicht auch unterhalb des Radars.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 09:41
Ich überlege gerade verzweifelt ... ich kenne verhältnismäßig wenig US-amerikanisches RPG-Material. Auch bei den alten Sachen. Ganz viel, was mir vertraut ist, kommt aus England (MERS, Fighting Fantasy). Sonst habe ich früher viel im Original deutsches gespielt (DSA, Midgard). Auch heute dominiert in dem, was ich so lese, die europäische Herkunft (Dragonbane, Against the Darkmaster aus Italien, Broken Lands aus Spanien, Troika! aus England).

Das US-amerikanische Rollenspiel, das ich über die längste Zeit stark rezipiert und gespielt habe, ist Call of Cthulhu, gefolgt von RuneQuest. Und gerade CoC hat ja ganz viele "Tugenden", die eher die deutschen Rollenspieler*innen für sich beanspruchen.

Tatsächlich habe ich glaube ich auch nicht viele Vorurteile bezüglich RSP aus den USA, außer, dass dort oft Trends gesetzt werden. Insbesondere negative Vorurteile habe ich eher gegen D&D, das ist in meinem Empfinden aber losgelöst von "US-amerikanischem RSP".
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 10:15
Bei allen eventuellen Vorurteilen gegenüber der US-Rollenspielkultur fallen mir zwei Punkte ein, die ich ihnen zumindest für mich selbst entgegenhalten muß.

1.) Längst nicht alles US-Rollenspiel ist gleich D&D oder auch nur krampfhaft in derselben Nische verankert -- und ohne US-Importe, ob nun Original oder übersetzt, wäre mein eigener Rollenspielhorizont schon geradezu schmerzhaft kleiner. Selbst mein aktuelles Lieblingssystem stammt ja von dort.

2.) Wie wir als Gruppe konkret spielen wollen, ist immer noch uns selbst überlassen. Selbst mit D&D in welcher Edition auch immer geht allemal mehr als nur "Vier Mörderhobos auf der Jagd nach Plussen" (egal, ob das jetzt der ab Werk voreingestellte Spielmodus ist oder nicht >;D), und mit hinreichend anderen Spielen auch aus den USA dann sowieso.

Tatsächlich mache ich für das "Mörderhobo-Problem" nicht mal unbedingt so sehr D&D als Regelsystem verantwortlich als vielmehr die allgemeinere Kaufabenteuer-Unsitte, die zugegebenermaßen mit ihm als Urgroßvater des Rollenspiels schon angefangen hat. Wer regelmäßig von den Launen der Spielleitung von einem Fertigszenario zum nächsten quer durch die ganze Spielwelt gejagt wird, der wird nun mal vermutlich nirgends so recht heimisch werden oder großartig längerfristige Beziehungen zu Leuten anfangen, die man wie die meisten NSC beim nächsten Wechsel eh wieder hinter sich zurücklassen muß...und das schafft von vornherein eine gewisse Distanz.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Prisma am 3.02.2026 | 10:20
Ich bin großer Fan von Baldurs Gate 1, habe das Spiel ca. 50 mal durchgespielt (und mehr als 100 angefangen). In dem Spiel gibt es Halborks, die ST +1 und KO +1, aber INT -2 haben. Welche damalige Bevölkerungsgruppe in den USA der 80er und 90er wurde damit wohl abgebildet?

Ohne Mods, die den Scheiss abstellen, wäre das Spiel nicht mal halb so gut.

Rassismus ist in den USA systemimmanent, bis heute.

Den Schluss das (Halb)Orks eine outgame Ethnie darstellen halte ich, ganz neutral gesehen, für falsch. Eine politisch motivierte Opferkonstruktion, um gesellschaftliche Vorteile außerhalb des Spiels zu gewinnen. Da wird das Spiel bloß als Vehikel benutzt.
Von einem Uni-Professor aus dem angloamerikanischem Bereich wurde das auch schon mal vor Jahren sachlich widerlegt. Das Video wurde seinerzeit auf Facebook in den RPG-Bereichen verlinkt. Leider wird diese Konstruktion immer weiter getragen, weil es besonders leicht ist dies zu tun.
 
Du schreibst ja selbst das der Halbork +2 und -2 bekommt. Er ist eher kräftiger und gesünder, ist aber dafür ein eher schlechterer Magier. Wenn ihm diese Klasse zur Verfügung steht. Das sagen die Werte aus. Zudem hat er andere Vorteile wie z.B. Dunkelsicht. Andere Nicht-Menschen habe auch Boni und Mali um ihre anderen Vorteile auszugleichen. Menschen kriegen in BG1 ja nichts, iirc.

Orks, oder andere Antagonisten, wie z.B. Dunkelelfen, haben in D&D nie echte Menschen repräsentiert. Doch dann kam WotC. Erst das angeblich so bedachte WotC hat Orks mit echten Menschen, bzw. Menschengruppen/Ethnien gleichgesetzt. Siehe mexikanische Orks. WotC hat das aktiv in ihr 5E+ Spiel hineingetragen. Wenn es also eine D&D Edition gibt die man als "rassistisch" bezeichnen kann, dann ist es 5E+.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: korknadel am 3.02.2026 | 11:01
Ich überlege gerade verzweifelt ... ich kenne verhältnismäßig wenig US-amerikanisches RPG-Material.

Fantasy Age ist amerikanisch, oder? Zumindest Green Ronin sitzen in den USA. Mit Shadow of the Demon Lord hast Du Dich ja auch mal länger beschäftigt. Und mit Numenera. Also kennst Du doch das eine oder andere.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 11:14
Ich überlege gerade verzweifelt ... ich kenne verhältnismäßig wenig US-amerikanisches RPG-Material. Auch bei den alten Sachen. Ganz viel, was mir vertraut ist, kommt aus England (MERS, Fighting Fantasy). Sonst habe ich früher viel im Original deutsches gespielt (DSA, Midgard). Auch heute dominiert in dem, was ich so lese, die europäische Herkunft (Dragonbane, Against the Darkmaster aus Italien, Broken Lands aus Spanien, Troika! aus England).

MERS (und folglich auch Against der Darkmaster) ist doch wirklich amerikanisch. Soviel Tolkien ist da auch sicher nicht drin, dass man ableiten könnte, es wäre kein amerikanisches Spiel.

Und Dragonbane ist ja jetzt auch hauptsächlich Drakar och Demoner und das hatte eine Chaosium-Lizenz und sogar die RuneQuest-Enten, oder?
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 3.02.2026 | 11:27
Amis hauen aber auch recht originelles Zeug wie Fading Suns raus, und das ist dort auch gar nicht mal so schlecht angekommen.
Den eindimensionalen RPG-Hillbilly mag es dort auch geben, aber den gibt es in entsprechenden Geschmacksrichtungen auch bei uns in Europa.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Skaeg am 3.02.2026 | 11:36
Ich bin großer Fan von Baldurs Gate 1, habe das Spiel ca. 50 mal durchgespielt (und mehr als 100 angefangen). In dem Spiel gibt es Halborks, die ST +1 und KO +1, aber INT -2 haben. Welche damalige Bevölkerungsgruppe in den USA der 80er und 90er wurde damit wohl abgebildet?
Gar keine?

Zitat
Rassismus ist in den USA systemimmanent, bis heute.
DSA4 hatte explizit Werteboni und -Mali für verschiedene, als solch bezeichnete, "Rassen" von Menschen. Und das ist weniger lange her. Das würde ich die Steinschleuder im Glashausschrank lassen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Luxferre am 3.02.2026 | 11:39
Am Beispiel HârnMaster möchte ich eine weitere Perspektive öffnen:

der Verlag sitzt heute in Blaine, Washington und scheint somit erstmal "USA".
Aber ... HârnMaster selbst wurde von einem Briten erdacht und mithilfe seiner Freunde aus diverserherrenländer entwickelt. Sie hatten ihre erste Basis in Kanada. Und der jetztige Kopf (Greg Dalgliesh, Sohn des Mitbegründers Tom Dalgliesh) ist schottischer Abstammung.

Zu was macht es das Spiel? Und welche Vorurteile habe ich denn nun? ;)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Skaeg am 3.02.2026 | 11:43
Amis hauen aber auch recht originelles Zeug wie Fading Suns raus, und das ist dort auch gar nicht mal so schlecht angekommen.
Den eindimensionalen RPG-Hillbilly mag es dort auch geben, aber den gibt es in entsprechenden Geschmacksrichtungen auch bei uns in Europa.
Joa. Kenne diverse Spieler, die nur oder praktisch nur DSA spielen, seit Jahrzehnten teilweise.

Und ganz ehrlich: Welche Innovation im Pen&Paper-Bereich kommt denn nicht aus den USA? Gibt es irgend ein mittlerweile etabliertes Rollenspielgenre, für das zuerst in Japan oder Europa ein Spiel erschien? Mir würden da höchstens noch aus UK wirklich eigene Richtungen (Warhammer, Fighting Fantasy) einfallen, die einen speziellen Stil etabliert haben.

EDIT: Ja, Kanada mit Hârnmaster auch noch, wie von Luxferre erwähnt.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Jiba am 3.02.2026 | 12:01
Und ganz ehrlich: Welche Innovation im Pen&Paper-Bereich kommt denn nicht aus den USA? Gibt es irgend ein mittlerweile etabliertes Rollenspielgenre, für das zuerst in Japan oder Europa ein Spiel erschien?

Najaaaaaa, du hast die gesamte Scandinavian School (Jeepform, etc.), die durchaus in der Forge-Zeit rollenspielerische Entwicklungen beeinflusst hat.

Und Outgunned, das gerade slow-burning populärer wird, ist ein italienisches Spiel. FreeLeague ist ein schwedischer Verlag und "THE ONE RING", das dort erscheint, wurde ebenfalls von einem Italiener gemacht.

Und die "City of Mist" und Konsorten, die gerade PbtA in eine Richtung durchwirbeln, stammen meines Wissens nach aus Israel.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 12:05
Was die Ismen angeht, sind zumindest manche Leute in den USA wohl einfach tatsächlich sensibler als hierzulande, was angesichts ihrer Geschichte und immer noch offensichtlicher aktiver Probleme dieser Art in ihrer heutigen Gesellschaft nicht wirklich verwunderlich ist.

Klar: man kann sich allemal auf den bequemen Standpunkt stellen, daß ein Ork nun mal kein Mensch ist und also auch gar nicht erst als Sinnbild für einen menschlichen Phänotypus mißverstanden werden "kann". Nur, wenn der Ork dann halt stärker und dümmer und ganz offensichtlich, weil ja bloß "Monster", im Dreierpack weniger wert ist als ein einzelnes Menschenexemplar und ihm wahrscheinlich gleich auch noch ein größerer Schniedel nachgesagt wird, dann finden sich eben doch gewisse unschöne Parallelen zu historischen Behauptungen über real existierende Bevölkerungsgruppen -- insbesondere aus US-Sicht mit der von manchen Leuten dort immer noch romantisiert-verklärten Sklavenhaltervergangenheit.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: felixs am 3.02.2026 | 12:12
Und ganz ehrlich: Welche Innovation im Pen&Paper-Bereich kommt denn nicht aus den USA? Gibt es irgend ein mittlerweile etabliertes Rollenspielgenre, für das zuerst in Japan oder Europa ein Spiel erschien? Mir würden da höchstens noch aus UK wirklich eigene Richtungen (Warhammer, Fighting Fantasy) einfallen, die einen speziellen Stil etabliert haben.

Kommt darauf an, wie man die Frage versteht.

Ich würde sagen, dass DSA einen sehr eigenen Stil hat. Und zwar sowohl in seiner frühen Form (1. und 2. Edition), in seiner Zwischenform (3. Edition) und seiner Spätform (4. und 5. Edition). Das wäre der "typisch" deutsch-österreichische Stil.
Midgard ist auch eine ziemlich eigene Sache, aber sicher kein eigenes Genre und wahrscheinlich weniger stilbildend als DSA.

Aus Frankreich kommt eine ganze Menge Zeug, welches aber halt meist nur auf Französisch herausgegeben wird.

Sicher ist es richtig, dass sehr viel aus den USA kommt. Richtig ist auch, dass es noch vieles anderes gibt. Kommt dann darauf an, wie man die Gewichtung versteht.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tarinyon am 3.02.2026 | 12:31
Am Beispiel HârnMaster möchte ich eine weitere Perspektive öffnen:

der Verlag sitzt heute in Blaine, Washington und scheint somit erstmal "USA".
Aber ... HârnMaster selbst wurde von einem Briten erdacht und mithilfe seiner Freunde aus diverserherrenländer entwickelt. Sie hatten ihre erste Basis in Kanada. Und der jetztige Kopf (Greg Dalgliesh, Sohn des Mitbegründers Tom Dalgliesh) ist schottischer Abstammung.

Zu was macht es das Spiel? Und welche Vorurteile habe ich denn nun? ;)

Genau dieses cultural melting-pot hat die USA ja zum Innovationstreiber gemacht, mMn. Abgesehen von UK (wie hier schon im Thread erwähnt wurde) gibt's ja keine Innovationen aus Old Europe (und vonwonaders her sowieso nicht, weil RPG in seiner Urform ist nunmal was sehr angloamerikanisches-westliches).

Es ist eher so, dass es in Europa eine von den angloamerikanischen Gamern unabhängige Kultur des Spielens gab, wo zwar teilweise auch Wargaming gemacht wurde (siehe ewiges Spiel), wo mMn aber das Verkleiden und so-tun-als-ob in romantischer Tradition im Vordergrund stand. Diese Sachen haben dann ja letztendlich auch in das moderne LARP gemündet, wo du Leute hast, die in ihrem Leben noch kein "echtes" Rollenspiel gemacht haben, sondern nur LARPen. Ich denke, das hat viel mit dem NS zu tun, denn Krieg spielen war in Deutschland (paradoxerweise, wurde ja endsviel für Militär ausgegeben) eher gesellschaftlich tabu. Und einen Großteil unserer kulturellen und wissenschaftlichen Eliten haben wir ja in die Emigration gezwungen. Anstatt einer kritischen Auseinandersetzung mit der jüngeren Vergangenheit, hat man sich halt wieder auf das Mittelalter bezogen. Und da kann man wunderbar den Bogen zum in Deutschland sehr beliebten LARP spannen, wo die Leute halt im Endeffekt nix anderes machen als romantisierendes Mittelalter-Cosplay (wie im 19. Jh.). Wenn man sich vor ca. 10 bis 15 Jahren in eine X-beliebige DSA-Runde gesetzt hat, dann haben die mMn oft auch dasselbe getan und dazwischen ein bisserl gewürfelt. Mathematik und Simulation stören da wohl nur.

Warum ist nun D&D hierzulande nun genauso beliebt wie in den USA? Zum Einen dürfte da wohl die Globalisierung ausschlaggebend sein und zum Anderen machen die Leute bei Critical Role ja auch nix anderes als sich Geschichten am virtuellen Lagerfeuer zu erzählen mit bissi Würfeln. Vielleicht kann man da von einer LARPisierung oder Banalisierung des RPG sprechen, wo das Äußere (also attraktive Darsteller, coole Props und Visuals und eine coole Geschichte) wichtiger sind als das eigentliche Game.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 13:04
Fantasy Age ist amerikanisch, oder? Zumindest Green Ronin sitzen in den USA. Mit Shadow of the Demon Lord hast Du Dich ja auch mal länger beschäftigt. Und mit Numenera. Also kennst Du doch das eine oder andere.

Stimmt, die hatte ich vergessen - Numenera passt jetzt nicht unbedingt ins kampfzentrierte amerikanische Klischee, ist zwar auch nicht kampfarm, aber schon sehr darauf ausgerichtet, alle möglichen Arten von Herausforderungen gleichberechtigt zu behandeln. FantasyAge schon eher.

Aber ich glaube, so richtig bekomme ich keine "Vorurteile gegen US-Amerika-RSP" rausdestilliert. Ich hänge da auf meinen "Vorurteilen gegen (modernes) D&D", die aber eine andere Kiste sind.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 13:10
MERS (und folglich auch Against der Darkmaster) ist doch wirklich amerikanisch. Soviel Tolkien ist da auch sicher nicht drin, dass man ableiten könnte, es wäre kein amerikanisches Spiel.

Und Dragonbane ist ja jetzt auch hauptsächlich Drakar och Demoner und das hatte eine Chaosium-Lizenz und sogar die RuneQuest-Enten, oder?

Ist Iron Crown Enterprises nicht englisch? Zumindest das jetzige ... war das alte ICE eine amerikansiche Firma?
EDIT: Gerade ergoogelt, die alten waren tatsächlich in Virginia, das neue ICE ist in den UK. Dachte, es wäre immer eine UK-Firma gewesen.

Und Dragonbane blickt jedenfalls auf eine langjährige europäische Geschichte zurück, klar, irgendwelche US-Wurzeln hat das mit RQ auch, aber wenn wir danach gehen, dann ist Rollenspiel entweder ur-US-amerikanisch oder ur-britisch, je nachdem, wie man will ...

Na ja, mein Gefühl ist tatsächlich, dass sich die Stile immer fröhlich gemischt haben und in jeder "Rollenspiel-Nationalkultur" allerlei Strömungen vertreten waren und sind.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Feuersänger am 3.02.2026 | 13:23
Naja, Vorurteile... ich kann halt nur von dem ausgehen, was ich so über die Jahre mitbekommen habe in diversen RPG-Foren mit starkem US-Nutzeranteil und so weiter. Achja und einige Erfahrungen die ich so in CRPGs auf Rollenspielservern gemacht habe.
Disclaimer aber, es scheint sich da in den letzten 10 Jahren oder so einiges gewandelt zu haben, vielleicht so eine Generationenfrage.

Früher habe ich da so starke Deal with it! Vibes mitbekommen. Stark zufällige Charaktererschaffung, mit entsprechend hoher Wahrscheinlichkeit mit irgendeinem lebensuntauglichem Gemüse ins Spiel zu gehen, naja dann verreckt der halt in der ersten Sitzung, better luck next time. Es wurde jedenfalls der Eindruck vermittelt, dass mit hoher Letalität gespielt wird, man jeden Erfolg der Spielwelt abtrotzen muss, und alle damit d'accord sind, und sich auch keiner beschwert wenn es ihn fickt.

Dann kam so vor etwa 7-10 Jahren die New Wave und auf einmal wurde erwartet, dass Dungeons rollstuhlgerecht sind, ihr versteht hoffentlich was ich meine.

Achja und dann hab ich auch gelernt dass Amis keine Würfelbecher kennen.  ;D
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Fezzik am 3.02.2026 | 13:50
Also ich hab persönlich nicht viele Bekannte die in den USA unterwegs sind, aber ich spiel schon laaange nur noch OSR Mischmasch und verfolge die entsprechenden Blogger ( l cast Light !, Methods and Madness, ten foot polemic, wrathofzombie etc.)
Ich habe nie den Eindruck das die nur Kampfbetontes Spiel kennen und die sind ja D&D sozialisiert.
Ich halte das auch für Quatsch das D&D nur Kampf kann, weil wir in unserer Runde auch nicht so spielen und ich auch im Verein nicht so leite.
Ich genieße die Freiheit eines regelleichten Systems mit altem D&D Grundgerüst, das genau das verregelt hat was ich brauche um als SL frei atmen zu können.

Klar können manche Leute von viel Kampfregeln auf nur Kampf schließen. Aber es zeigen ja auch Leute wie Critical Role das mehr geht.
Unterstützt D&D Leute die fürs Häckeln eine eigene Regel brauchen oder fürs flirten. Nein.
Ich bin aber auch die Ansicht das man dafür keine Regel im Regelbuch brauch (und wenn, dann mach ich halt n Reaktionswurf für die Barfrau).



Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 13:52
Also ich hab persönlich nicht viele Bekannte die in den USA unterwegs sind, aber ich spiel schon laaange nur noch OSR Mischmasch und verfolge die entsprechenden Blogger ( l cast Light !, Methods and Madness, ten foot polemic, wrathofzombie etc.)
Ich habe nie den Eindruck das die nur Kampfbetontes Spiel kennen und die sind ja D&D sozialisiert.
Ich halte das auch für Quatsch das D&D nur Kampf kann, weil wir in unserer Runde auch nicht so spielen und ich auch im Verein nicht so leite.
Ich genieße die Freiheit eines regelleichten Systems mit altem D&D Grundgerüst, das genau das verregelt hat was ich brauche um als SL frei atmen zu können.

Klar können manche Leute von viel Kampfregeln auf nur Kampf schließen. Aber es zeigen ja auch Leute wie Critical Role das mehr geht.
Unterstützt D&D Leute die fürs Häckeln eine eigene Regel brauchen oder fürs flirten. Nein.
Ich bin aber auch die Ansicht das man dafür keine Regel im Regelbuch brauch (und wenn, dann mach ich halt n Reaktionswurf für die Barfrau).

Adoptivamerikaner halt. ~;D
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Fezzik am 3.02.2026 | 16:07
Kaum  ;D
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 16:23
Mainstreamigstes Amerika-D&D ist in unseren Zeiten sicher Critical Role. Was das auch immer für Kämpfe bedeutet.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Mr. Ohnesorge am 3.02.2026 | 17:15
Eben diese mit dem stark plakativen Vorurteil "alles Satanisten". Ich könnte mir auch vorstellen das dies etwas durch das was in den USA seit einiger Zeit passiert noch angetrieben werden könnte, vieleicht auch unterhalb des Radars.

Satanic Panic war doch ein Ding der 80er, das heute keine Relevanz mehr hat.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: klatschi am 4.02.2026 | 20:13
Ich habe nun zwei allgemeinpolitische Beiträge zu der Frage, wie völkerspezifische Vor- und Nachteile und Rassismus zusammenhängen oder nicht in den dazu passenden Thread (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,128505.0.html) im Bereich "Rollenspiel und Gesellschaft" verschoben.

Andere allgemeinpolitische Aussagen werden ebenfalls verschoben werden, sobald wir ein Plätzchen dafür gefunden haben.

Edit:
Nachtrag (schneeland): die allgemeinpolitischen Aussagen und die Redaktion darauf sind jetzt archiviert. Bitte daran denken, dass das :T: für allgemeinpolitische Diskussionen ohne Rollenspielbezug nicht der richtige Ort ist.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: unicum am 4.02.2026 | 21:08
Gerade habe ich diese Aussage hier im T gelesen:

Aussagen wie diese liest man häufiger. Oftmals noch extremer formuliert nach dem Motto "die Amis kennen nur D&D". Gerne wird auch behauptet "Die Amis kennen RPGs nur von Critical Role und die spielen nur D&D". Ich halte diese Aussagen für schlichtweg falsch.

Fakt ist das D&D international Platz 1 ist, auch bei uns. Fakt ist auch das ein Großteil aller Rollenspiele aus den USA kommen, auch solche die eben nicht nur Kampfregeln beeinhalten (Cthulhu und Pendragon z.B). Noch ein Fakt ist das Critical Role One-Shots auch oft mit anderen Systeme spielt (Mothership, PbtA etc.).

Nun was ist denn ein Vorurteil? Doch erst einmal eine persönliche Meinung die mal mehr und mal weniger fundiert ist - und manchmal garnicht.

D&D ist eben der Platzhirsch der alles dominiert. Das schliesst ja nicht aus das es auch andere gibt. ist ja nicht so wie beim Fußball da dominiert Bayern auch alles aber ohne die anderen gibts auch keine Bundesliga.

Wenn also jemand zu mir sagt "ich mache Rollenspiel" und noch die Info das jemand aus den USA kommt. Ja dann würde ich schon sagen das die wahrscheinlichkeit jemanden der hauptsächlich D&D Spielt (in welcher variante auch immer) sehr hoch ist.

Vorurteile sind per se erstmal nicht schlecht, sie helfen uns schnell entscheidungen zu treffen. Schlecht werden sie - und zwar sehr schnell - wenn man nicht im Hinterkopf hat das ein Vorurteil auch falsch sein kann.

Und ist die Situation bei uns hier denn soviel anders ? Waren die klassischen deutschen Systeme wie Midgard und DSA wirklich weniger Kampflastig als das D&D seiner Zeit ?

Zu DSA kann ich nichts sagen - für Midgard aber sehe ich schon das es weniger Kampflastig war, man hat eigentlich versucht kämpfen zu vermeiden. Ja ich weis das es auch Leute gibt die auch heute noch Midgard mit D&D mischen,... also die "Rute der Wiederbeleung" in Midgard liegt mir immer noch schwer im Magen.

Ach ja ich hab immer wieder wenn ich in den Philipphinen bin nach RPG Läden gesucht (gefunden hab ich noch nix) aber wenn ich in einem "Spieleladen" war und nach Role Playing games fragte gab es nur eine Antwort: "Dungeons and Dragons." Sicher .ph ist nicht .us - aber ich erinnere mich das bei uns anno 1980+ in den Spieleläden auch nur D&D stand. den anderen "Krahm" fand ich auch nur in den Speziellen RPG Läden.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Fonzman am 4.02.2026 | 22:00
Der Übersetzer der D&D Red Box war Ulrich Kiesow. Ich geh mal ganz stark davon aus, er hat sich einige Inspirationen für DSA da geholt. Bestes Beispiel ist imho die Gleichsetzung von Rassen und Klassen in DSA1.

Ansonsten denke ich, die Leute waren damals lockerer. Wozu Regeln für Reiten, Schwimmen, Orientierung in der Wüste, etc.? Das kann man alles ausdiskutieren. Aber Kampfregeln waren wichtig, um ein Gleichgewicht zwischen SCs und Gegnern zu wahren. Deshalb wirken die alten Systeme eventuell sehr kampflastig.
Spielen kann man alt wie neu so oder so.

Und Gary Gygax hat in den USA ja jeden mit Klagen überzogen, der am D&D Futternapf mitnaschen wollte. Wohl auch ein Grund für die Dominanz.

Meine eigene Erfahrung mit Midgard war damals so: ich wollte es in meinem Freundeskreis etablieren, aber meine RPG Freunde konnten mit dem tödlichen Kampfsystem nichts anfangen. Tatsächlich haben sie das System dann derart umgebaut, um die Lebenspunkte AD&D-ähnlich ins unendliche steigern zu können. Ich hab das aber nie mitgespielt.
Wir sind am ende auch bei AD&D gelandet.
Es war also auch in unserer Runde (erst DSA, dann AD&D) eigentlich immer der Fokus auf Charaktermacht und -ausrüstung verbessern, idealerweise durch Monster killen, Schätze raffen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: afbeer am 4.02.2026 | 23:36
Was in den Vorurteilen den USA-Rollenspielern und dann insbesondere den D&D-Spielern angekreidet wird, ist in erster Linie die MMOdifizierung, die mit D&D 3.X eintrat. Man denke an die Schadensoptimierungs Vorschläge im Internet, die es seitdem ununterbrochen gibt (Stormwind fallacy). Das kam nicht erst  mit der Rollenbezeichnung in D&D4.
Wenn das Vermeiden von Kämpfen eine bemerkenswerte Eigenschaft ist, dann hat das Hobby genauso angefangen. Und das Erlebnis gibt es auch heute beim Computer! Rollenspiel Baldurs Gate 3 mit seinen lebendig entworfenen NPC Interaktionen.
Rollenspiel ist ein internationales Phänomen.
Da wir uns hier in einem Forum unterhalten sind wir alte Säcke. Die Avantgarde ist jetzt auf Videoplattformen unterwegs. Wir kochen hier Vorurteile einer kleinen Minderheit. Unsere Vorurteile sind nicht prägend.

Ansonsten spiel mal international.




 

Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: YY am 4.02.2026 | 23:45
Die Avantgarde ist jetzt auf Videoplattformen unterwegs.

Die jüngeren Leute sind auf Videoplattformen unterwegs.
Es ist aber deutlich nicht so, dass da irgendwas liefe, zu dem die alten Säcke so gar keinen Bezug mehr haben - in der Hinsicht stagniert das Hobby seit längerer Zeit.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 5.02.2026 | 09:25
Der Übersetzer der D&D Red Box war Ulrich Kiesow. Ich geh mal ganz stark davon aus, er hat sich einige Inspirationen für DSA da geholt. Bestes Beispiel ist imho die Gleichsetzung von Rassen und Klassen in DSA1.

Und was er nicht von D&D geholt hat, hauptsächlich aus dem Grund, damit TSR nicht klagen kann. Attacke/Parade z.B. gibt es basierend auf der Fragestellung "Wie können wir anders als D&D wirken?" Kann man bei Werner Fuchs alles nachlesen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Luxferre am 5.02.2026 | 09:30
Und was er nicht von D&D geholt hat, hauptsächlich aus dem Grund, damit TSR nicht klagen kann. Attacke/Parade z.B. gibt es basierend auf der Fragestellung "Wie können wir anders als D&D wirken?" Kann man bei Werner Fuchs alles nachlesen.

Was für einen ganz normalen und validen Entwickler-Move halte.
Auf Bestehendem aufbauen, umbauen, verändern, anflanschen, umdenken, Perspektivwechsel …
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 5.02.2026 | 09:33
Und was er nicht von D&D geholt hat, hauptsächlich aus dem Grund, damit TSR nicht klagen kann. Attacke/Parade z.B. gibt es basierend auf der Fragestellung "Wie können wir anders als D&D wirken?" Kann man bei Werner Fuchs alles nachlesen.

Mag alles sein. De fakto war das, was in der DSA1-Basisbox herauskam, dann allerdings allemal deutlich anders als "bloß direkt von D&D abgekupfert" -- den Schuh könnte sich da noch eher Midgard anziehen.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 5.02.2026 | 09:46
Mag alles sein. De fakto war das, was in der DSA1-Basisbox herauskam, dann allerdings allemal deutlich anders als "bloß direkt von D&D abgekupfert" -- den Schuh könnte sich da noch eher Midgard anziehen.

Natürlich. Ich glaube es liegt aber hauptsächlich an der kurzen Entwicklungszeit, die zur Verfügung stand, dass DSA1 tatsächlich mit einer Universal-Mechanik (ok, mit ein paar Wurmfortsätzen) auskam.

Havena ist auch toll beschrieben.

Die D&D Red Box (von 1983) enthält aber dann im Solo-Intro eigentlich mehr Stimmungsspiel als die DSA-Basis-Box von 1984.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Fonzman am 5.02.2026 | 10:21
Wobei ich es lustig finde, dass gerade Midgard (zumindest in seiner 3. Edition, die ich ein wenig kenne) fast schon als Vorlage für d20 erscheint!
- Erfolgswürfe mit Modifikator+W20 und einem Zielwert (bei Midgard meist 20).
- Wiederstandswürfe mit Mod+W20, wo der Erfolgswert des Gegners erreicht werden musste.
- 3 Rettungswürfe, für psychische (Will), physische (Fortitude) und physikalische (Reflex) Zauber.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Issi am 5.02.2026 | 12:09
Gab‘s da nicht mal einen Strang drüber?

Erinnere mich an:
Erst kam D&D (Wobei Arneson einen anderen Ansatz hatte als Gygax)
Dann entwickelte sich Midgard.

Und DSA war meiner Erinnerung nach, eher „Tunnels und Trolls“inspiriert.

 
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Swanosaurus am 5.02.2026 | 12:41

Und DSA war meiner Erinnerung nach, eher „Tunnels und Trolls“inspiriert.

Was ich regelseitig allerdings wirklich gar nicht erkennen kann. Mir scheint DSA1 ein Runequest-D&D-Mix zu sein.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 5.02.2026 | 13:08
Wobei ich es lustig finde, dass gerade Midgard (zumindest in seiner 3. Edition, die ich ein wenig kenne) fast schon als Vorlage für d20 erscheint!

d20 war auch stark Rolemaster beeinflusst. Monte Cook kam ja von ICE. Vielleicht hatte Midgard auch Einflüsse davon?

Ich habe nur Midgard 1 hier rumstehen...
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 5.02.2026 | 13:26
Ich kenne ja eigentlich auch nur Midgard 2, aber ja: als D&D3 herauskam und ich mir insbesondere seine Fertigkeitsregeln reingezogen hatte, hatte ich spontan auch ein gewisses Gefühl von "Ach, habt ihr nach all der Zeit endlich mal aufgeholt?". ;)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tarinyon am 5.02.2026 | 17:05
IIRC haben JE Franke, seine Frau und deren Freunde damals bei der ersten deutschen RPG Runde Empires of the Petal throne gezockt.

Generell ist Midgard aber IMHO stärker vom old school rpg style aus den USA beeinflusst als DSA. Gleichzeitig ist es in den europäischen Wargametraditionen verortet. Das führt ja aber auch eher zu einem angloamerikanischen Einfluss. Gibt doch bei Midgard auch viel mehr monster usw. Bei DSA gibt es Hunde und Zuchtpferde im Bestiarum.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 5.02.2026 | 18:35
Gibt es in DnD und Midgard auch
Warum vermisse ich Magira in deiner Aufführung
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Skaeg am 5.02.2026 | 18:46
Was ich regelseitig allerdings wirklich gar nicht erkennen kann. Mir scheint DSA1 ein Runequest-D&D-Mix zu sein.
Regelseitig war es das auch nicht. Diese mögliche Verbindung bezieht sich auf die "lustigen" Zauberspruchnamen und generell auf die locker-humorige Herangehensweise sowie auf die starke Fokussierung auf Soloabenteuer.
Kiesow hatte ja gerade vor dem Auftrag für DSA Tunnels & Trolls für FanPro übersetzt (neben D&D im gleichen Jahr), die Verknüpfung liegt also nahe.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Teylen am 5.02.2026 | 19:05
Ich finde ja die Amis kennen nur VtM und WoD! Ich war 7mal da und jedesmal VtM & WoD! Wooooah! XD

Naja, "die Rollenspieler aus den USA" sind eine ziemlich große Gruppe und Spiele die populär sind halt entsprechend laut.
Was nicht bedeutet das nicht auch andere Rollenspiele gespielt werden.

Nach meiner Erfahrung, also wenn man sich so die Leute aussucht die zu einem passen, gibt es beim Rollenspiel mit Personen aus den USA oder auch aus dem anderen Ausland eigentlich keine Unterschiede.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Eismann am 5.02.2026 | 19:29
Ich hab vor anderthalb Jahren mal eine Reihe von Rollenspielläden in den USA besucht und Fotos vom Angebot gemacht, falls das weiterhilft: https://eisparadies.wordpress.com/2024/10/18/painkiller-on-tour-oklahoma-city/
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 5.02.2026 | 19:37
Ich finde ja die Amis kennen nur VtM und WoD! Ich war 7mal da und jedesmal VtM & WoD! Wooooah! XD

Naja, "die Rollenspieler aus den USA" sind eine ziemlich große Gruppe und Spiele die populär sind halt entsprechend laut.
Was nicht bedeutet das nicht auch andere Rollenspiele gespielt werden.

Nach meiner Erfahrung, also wenn man sich so die Leute aussucht die zu einem passen, gibt es beim Rollenspiel mit Personen aus den USA oder auch aus dem anderen Ausland eigentlich keine Unterschiede.

Das ist halt so das kleine Problem bei Vorurteilen. :) Auf der einen Seite ist die Fähigkeit zur Verallgemeinerung schon nützlich, sonst täten wir uns allein schon mit dem Lernen aus Erfahrung überhaupt schwer. ("Bloß, weil mir die letzten zwanzig Steine wehgetan haben, die mir auf den Kopf gefallen sind, heißt das noch lange nicht, daß der einundzwanzigste das jetzt gleich auch tut!...Aua!") Auf der anderen hat sie aber natürlich auch ihre Grenzen, weil in den meisten Mengen, die man so betrachtet, eben doch nicht alle Elemente genau gleich sind -- vor allem nicht in allen ihren potentiell interessanten Eigenschaften. ("Granit, Marmor, Sandstein? Da gibt's keinen Unterschied, weh tun sie alle!" "Öh, ja, vielleicht, aber ich suche eigentlich nach einem schönen Material für Fliesen...")

Es ist also nicht besonders schwer, sich dabei auch mal zu verrennen -- aber damit kann man mit etwas Selbsteinsicht und gutem Willen umgehen und bei Bedarf nachbessern. Hoffe ich jedenfalls. :think:
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Prisma am 5.02.2026 | 19:55
Ich hab vor anderthalb Jahren mal eine Reihe von Rollenspielläden in den USA besucht und Fotos vom Angebot gemacht, falls das weiterhilft: https://eisparadies.wordpress.com/2024/10/18/painkiller-on-tour-oklahoma-city/
Sehr schön! Danke fürs Teilen! Warum sind unsere Läden nicht auch so?!

(Das Brave New World in Köln kenne ich, die haben auch sehr viel Material. Tolle Adresse!)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Eismann am 5.02.2026 | 19:58
Sehr schön! Danke fürs Teilen! Warum sind unsere Läden nicht auch so?!

(Das Brave New World in Köln kenne ich, die haben auch sehr viel Material. Tolle Adresse!)

Es ist eine Artikelserie. In Dallas war es sehr mau, da war das Angebot in den Läden ziemlich überschaubar. Oklahoma, Amarillo und Denver spielten da in einer ganz anderen Liga.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Prisma am 5.02.2026 | 21:59
Es ist eine Artikelserie. In Dallas war es sehr mau, da war das Angebot in den Läden ziemlich überschaubar. Oklahoma, Amarillo und Denver spielten da in einer ganz anderen Liga.
Sehr interessant!  :d
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tarinyon am 5.02.2026 | 22:02
Gibt es in DnD und Midgard auch
Warum vermisse ich Magira in deiner Aufführung

Vielleicht, weil du europäisches wargaming überlesen hast und spitzfindig sein willst?

Außerdem gibt es bei Midgard halt eben ein richtiges Monster Manual und ein paar Viecher, die nix machen. Nicht wie bei DSA Viecher, die nix machen und ein paar Monster.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Skaeg am 5.02.2026 | 22:13
Vielleicht, weil du europäisches wargaming überlesen hast und spitzfindig sein willst?

Außerdem gibt es bei Midgard halt eben ein richtiges Monster Manual und ein paar Viecher, die nix machen. Nicht wie bei DSA Viecher, die nix machen und ein paar Monster.
Also, das war bei DSA1 aber noch nicht so. Ja, auch im Abenteuer-Ausbauspiel gab es schon die beliebten Hunde, aber ansonsten doch 'ne Menge abgefahrenes Zeug.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tarinyon am 5.02.2026 | 22:34
Also, das war bei DSA1 aber noch nicht so. Ja, auch im Abenteuer-Ausbauspiel gab es schon die beliebten Hunde, aber ansonsten doch 'ne Menge abgefahrenes Zeug.

Ja, das stimmt schon auch. Aber bei DSA halte ich auch den Tunnels & Trolls Einfluss fur stärker. Das passt ja auch gut zur deutschen Popkultur der 80er Jahre mit so Sachen wie Otto und Co. Vieles im frühen DSA nimmt sich nicht so ernst. Havena ist ja wie der Hamburger Kiez in einem deutschen Krimifilm.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 6.02.2026 | 10:42
Ja, das stimmt schon auch. Aber bei DSA halte ich auch den Tunnels & Trolls Einfluss fur stärker. Das passt ja auch gut zur deutschen Popkultur der 80er Jahre mit so Sachen wie Otto und Co. Vieles im frühen DSA nimmt sich nicht so ernst. Havena ist ja wie der Hamburger Kiez in einem deutschen Krimifilm.

Deswegen sehen die Helden auf den klassischen Ugurcan-Covern für DSA ja auch alle aus wie Schimanski!
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Swanosaurus am 6.02.2026 | 11:04
Deswegen sehen die Helden auf den klassischen Ugurcan-Covern für DSA ja auch alle aus wie Schimanski!

Stimmt! Das merke ich jetzt zum ersten Mal.
Schimanski klingt irgendwie auch wie ein Zwergenname ...
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 6.02.2026 | 11:22
Deswegen sehen die Helden auf den klassischen Ugurcan-Covern für DSA ja auch alle aus wie Schimanski!

Schimanski hat den Look doch nur aus dem türkischen Fantasy-Kino geklaut!

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 6.02.2026 | 11:24
Schimanski hat den Look doch nur aus dem türkischen Fantasy-Kino geklaut!

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Hach, das waren noch echte Männer!
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Raven Nash am 6.02.2026 | 11:35
Damit ist aber klar, woher der Maler die Motive hatte. Das erklärt so einiges bzgl. DSA-Cover...
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 6.02.2026 | 11:39
Damit ist aber klar, woher der Maler die Motive hatte. Das erklärt so einiges bzgl. DSA-Cover...

Wissen wir doch schon fast seit 7 Jahren. In dem Thread findest du auch den ganzen Film verlinkt (https://www.tanelorn.net/index.php?topic=110919.0).
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Boba Fett am 6.02.2026 | 11:51
Deswegen sehen die Helden auf den klassischen Ugurcan-Covern für DSA ja auch alle aus wie Schimanski!
Ich glaube, das liegt daran, dass der Schnautzbart-Vokuhila Look damals einfach in Mode war.

Wurde damals in Aventuriens Hinterhöfen und Einfahrten eigentlich jeden Samstag Nachmittag den Übertragungen der Imman-Spiel-Bundeligaspiele am magischen Empfänger gelauscht, während Alrik die Kutsche wusch?
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 6.02.2026 | 12:04
Stimmt! Das merke ich jetzt zum ersten Mal.
Schimanski klingt irgendwie auch wie ein Zwergenname ...

Klingt für mich eher wie ein nicht ganz pflegeleichter Unterling unseres Affengenerals als irgendwie nach Zwerg, wenn ich ehrlich sein soll. ~;D

Aber ja, derselbe Zeitgeist, der für einen damals einfach das Normalste von der Welt war, wirkt mit hinreichendem Abstand oft ein wenig...eigen. Das ist seinerseits schlicht normal, denke ich. :)
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Jiba am 6.02.2026 | 13:57
„General Kong, Leutnant Schimpanski, melde mich wie befohlen!“
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Zanji123 am 9.02.2026 | 12:02
Jetzt muss ich ja auch mal hier antworten, nachdem mein Zitat hier schon der Anstoß des ganzen Threads war.

Was ich in dem Zusammenhang meinte war ja im Daggerheart Thread das es sehr Kampfbetont ist und alle Klassen irgendwie coole Moves und so haben alles für den Kampf. Eben etwas das SEHR D&D like und eben "amerikanisch" ist.

Selbst in D&D 5e macht man jetzt gerne alles "was nicht mit Kampf zu tun hat regeltechnisch" raus und ...erhält dann Shadowdark und wird dafür gefeiert :)

Ich kann nicht sagen das "Deutsches Rollenspiel" da seit der 4.1 anders war (auch hier herrschten dann auf einmal Builds und Pflicht Sonderfähigkeiten vor) aber gerade im Bereich "veröffentlichte Abenteuer" ist da doch n kleiner Bruch zu sehen.

Amerikanische Abenteuer sind Kampfbetonter, Kampf ist oft der einzige wirkliche Lösungsweg den es gibt (und ist es das mal nicht ist es krass besonders das es sogar extra beworben werden muss). Auch wenn Pathfinder versucht ein bisschen Horror zu erschaffen und die SCs in der ersten Stufe in einem Horror Szenario erwachen lässt, sind nicht mal drei Räume später alle Waffen usw da damit man schön weiter den Dungeoncrawl weiter machen kann.

Man versucht in D&D 5e Abenteuern die pflichtmässigen Kämpfe pro Tag reinzumachen damit alles "gebalanced" ist usw

Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 9.02.2026 | 12:56
Man versucht in D&D 5e Abenteuern die pflichtmässigen Kämpfe pro Tag reinzumachen damit alles "gebalanced" ist usw

D&D belohnt halt gewonnene Kämpfe standardmäßig durch mehr als nur den reinen Sieg in der Spielwelt -- vor allem durch Erfahrungspunkte und damit schnelleren Aufstieg, als wenn man sie vermeiden würde. Da liegt der "Wieviele Kämpfe müssen mindestens sein, damit das System nicht allzusehr hakt?"-Hund direkt in dieser einen Designentscheidung begraben...und dann wird das Ganze noch durch einschlägige Computerspiele verstärkt, die das genauso machen, weil diese Methode einem Stück zwar nicht eigenständig denk-, dafür aber schnell rechenfähigem Stück Programmcode quasi auf den Leib geschneidert ist, und die nebenbei auch zu einem großen Teil direkt aus den USA kommen.

Solche Elemente gibt's nun zwar in DSA und Midgard (zumindest den frühen Fassungen, die mir so untergekommen sind) auch, aber da sind sie etwas abgemildert. Schon die DSA1-Basisbox hat recht ausdrücklich betont, daß "Monsterschnetzeln" alleine eine eher lang- und mühsame Methode wäre, um genügend Abenteuerpunkte für die nächste Stufe zusammenzukratzen, und der Meister allemal auch vergleichsweise reichlich Punkte für bestandene Abenteuer insgesamt rüberwachsen lassen möchte, und in Midgard 2 waren reine "Kampferfahrungspunkte" halt nur für bestimmte Verbesserungen zu gebrauchen und für andere Dinge nutzlos.

Und natürlich gibt's schon lange Systeme -- auch amerikanische --, die diese Falle überhaupt vermeiden und Sieg oder Niederlage im Kampf einfach für sich schon genug sein lassen, ohne zusätzliche Extrabelohnungen oder -strafen für den Ausgang zu verteilen. BRP-Kämpfe etwa sind schon immer recht gefährlich und "belohnen" einen nur mit Häkchen für die eingesetzten kämpferischen Fertigkeiten, die sich dann bei der Abrechnung je nach Würfelglück auszahlen können oder auch nicht und nicht mal der einzige Weg sind, diese Fertigkeiten zu steigern. Traveller hat ohnehin kein schnelles Wachstum (wo überhaupt), und mit Kämpfen, denen man genausogut auch hätte aus dem Weg gehen können, riskiert man wirklich nur unnötig die eigene Gesundheit...und die Liste läßt sich fortsetzen.

Nachtrag: Ein Stück weit kann man den Unterschied in den Antworten auf die Frage "Kämpfen oder nicht?" sicher auch an allgemeinen Mentalitätsunterschieden zwischen US-Amerikanern und Europäeren (inkl. Deutschen) festmachen -- wann man zuletzt einen Krieg auf eigenem Grund und Boden hatte und gegen wen, macht beispielsweise praktisch mit Sicherheit etwas aus --, aber das analysieren zu wollen, geht vermutlich schnell über den Rollenspielbezug hinaus.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: unicum am 9.02.2026 | 13:09
Für mich ist eines der Markenzeichen von D&D auch das die möglichkeiten wiederbelebt zu werden deutlich stärker vorhanden sind als etwa in den Deutschen Systemen - gibt es das in DSA eigentlich? In Midgard war es bis M5 einfach extremst teuer und hatte so einige Einschränkungen. Weswegen mein Weltbild auch etwas ins Schwanken gekommen ist als mich jemand in Midgard nach einer "Wiederbelebungsrute" gefragt hat. Tja "Bag of Holding" war eben schon mal gestern,...

Also eben zusätzlich zu einem stark Kampfbetonten System gibt es auch das Fallback das ein zumindest teilweise gescheiterter Kampf trozdem wenig negative Konsequenzen hat.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 9.02.2026 | 13:24
Für mich ist eines der Markenzeichen von D&D auch das die möglichkeiten wiederbelebt zu werden deutlich stärker vorhanden sind als etwa in den Deutschen Systemen - gibt es das in DSA eigentlich? In Midgard war es bis M5 einfach extremst teuer und hatte so einige Einschränkungen. Weswegen mein Weltbild auch etwas ins Schwanken gekommen ist als mich jemand in Midgard nach einer "Wiederbelebungsrute" gefragt hat. Tja "Bag of Holding" war eben schon mal gestern,...

Also eben zusätzlich zu einem stark Kampfbetonten System gibt es auch das Fallback das ein zumindest teilweise gescheiterter Kampf trozdem wenig negative Konsequenzen hat.

Das würde ich gar nicht mal nur an der Wiederbelebung festmachen wollen, denn D&D hat ja auch lange vor der schon ungewöhnlich reichliche Möglichkeiten, alle Arten von Wehwehchen mit einfach nur dem richtigen Zauberspruch weghandzuwedeln. Verletzungen, Krankheiten, Flüche, potentiell tödliches Gift, sonstige unliebsame "Zustände"...für alles gibt's in den Spruchlisten irgendwo ein passendes Das-haben-wir-doch-gleich-Pflaster. Und in Sachen Erholung ist D&D auch tatsächlich mal recht konkret im Lauf der Editionen durchgehend immer großzügiger geworden.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: unicum am 9.02.2026 | 15:16
Das würde ich gar nicht mal nur an der Wiederbelebung festmachen wollen, denn D&D hat ja auch lange vor der schon ungewöhnlich reichliche Möglichkeiten, alle Arten von Wehwehchen mit einfach nur dem richtigen Zauberspruch weghandzuwedeln. Verletzungen, Krankheiten, Flüche, potentiell tödliches Gift, sonstige unliebsame "Zustände"...für alles gibt's in den Spruchlisten irgendwo ein passendes Das-haben-wir-doch-gleich-Pflaster. Und in Sachen Erholung ist D&D auch tatsächlich mal recht konkret im Lauf der Editionen durchgehend immer großzügiger geworden.

Eines der größten Traumata bei dem Midgard2 Abenteuer "Unter den Nebelbergen" waren die 2w6+7 Tage die man sich auskurieren musste nach einer kritischen verletzung,... zum Glück gab es Regeln wie man sich als Tagelöhner verdingt und dann 2w6+7 Tage Geld verdient.

Und dann war in diesem Abenteuer noch ein Krieger dem immer wieder die Anderthalbhänder abgebrochen sind,... bis er dann den örtlichen Schmied fragte ob er auch Bihinänder hat, woraufhin dieser sagte "dafür habe ich keine Gussform" - war ein lacher, schon damals, wenigstens war es eine erklärung warum die Anderthalbhänder immer wieder zerbrochen sind (beim Angriff war das eine 5% * 15% Chance, die Würfel hatten es aber nicht so mit statistik glaub ich).

Nein, wenn man gelegenheit hatte einem Kampf aus dem Wege zu gehen oder einen Konflikt anderst zu lösen nahm man damals diesen Weg und nicht den D&D Murderhobo Weg.

Aber - das muss man eben auch sagen - D&D ist zwar Amerikanisch, aber Runequest ist es auch, und das hatte ähnliche Präferenzen als "Nicht kämpfen wenn man nicht muss."
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 9.02.2026 | 16:04
D&D belohnt halt gewonnene Kämpfe standardmäßig durch mehr als nur den reinen Sieg in der Spielwelt -- vor allem durch Erfahrungspunkte und damit schnelleren Aufstieg

Also mein Eindruck ist, dass standardmäßig eher Milestones zum Leveln verbreitet sind.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 9.02.2026 | 16:21
Also mein Eindruck ist, dass standardmäßig eher Milestones zum Leveln verbreitet sind.

In der tatsächlichen Praxis an den Tischen mag das so sein. Laut Regeln (zumindest Stand 2014, mit der Neuauflage habe ich mich nicht mehr beschäftigt) ist es aber immer noch nicht die Standardmethode, sondern nur eine etwas schamhaft versteckte Alternativoption zum "richtigen" Leveln.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Zanji123 am 10.02.2026 | 08:15
Also mein Eindruck ist, dass standardmäßig eher Milestones zum Leveln verbreitet sind.

Seit der 5e ja... vorher... nein.

pathfinder 1 liebte ja auch sein XP zählen. Einige D20 Ableger hatten ja sogar unterschiedliche XP Tabellen je nach Klasse / Abstammung und gewisse Kombis bekamen dann nochmal Mali auf die XP wenn's nicht "Favorite Class" oder so war.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 10.02.2026 | 10:03
Einige D20 Ableger hatten ja sogar unterschiedliche XP Tabellen je nach Klasse / Abstammung und gewisse Kombis bekamen dann nochmal Mali auf die XP wenn's nicht "Favorite Class" oder so war.

Ja, im Old-School-Bereich war/ist die Aufstiegsgeschwindigkeit ein zusätzliches Balancemittel.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Runenstahl am 10.02.2026 | 10:10
Nein, wenn man gelegenheit hatte einem Kampf aus dem Wege zu gehen oder einen Konflikt anderst zu lösen nahm man damals diesen Weg und nicht den D&D Murderhobo Weg.

Zumindest meiner Erfahrung nach spielt die Tödlichkeit des Systems keine so große Rolle dabei ob Spieler kämpfen aus dem Weg gehen oder nicht. Es gibt auch Spieler die sagen "Das Kampfsystem ist super Tödlich und nach Verletzungen fällt man lange aus ? Prima ! Dann kann ich hier wirklich mal Zeigen das mein Charakter bereit ist für seine Prinzipien auch was zu riskieren."

Umgekehrt kenne ich auch Spieler die selbst bei D&D mit all seinen Netzen und doppelten Böden nur dann einen Konflikt suchen wenn sie wirklich alle Karten in der Hand haben und selbst dann noch zögern weil ja etwas schief gehen könnte.

Jetzt muss ich ja auch mal hier antworten, nachdem mein Zitat hier schon der Anstoß des ganzen Threads war.

Das war nicht böse gemeint. Es sollte nur ein Beispiel sein und da war es praktisch das du das sehr gemäßigt siehst denn ich wollte keinen Krieg entfachen indem ich eine der extremeren Meinungen benutze.

Zum Thema: Niemand bezweifelt doch ernsthaft das Kämpfe bei D&D (zumindest offiziell) im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Ich möchte mich nur gegen die Aussage "Die Amis kennen nur D&D / Kampflastige" Systeme wehren. Die Aussage ist dabei womöglich gar nicht falsch... es klingt dann halt nur so als ob das woanders anders wäre und das ist mMn nicht korrekt. In welchem Land stehen denn nicht-Kampflastige Systeme hoch im Kurs ?

D&D ist international Platz 1 und generell ist es bei den meisten Rollenspielen eher so, das Kämpfe im Mittelpunkt der Regelwerke stehen. Klar gibt es auch etliche Ausnahme-Systeme aber da muss man dann vielleicht auch mal anerkennen das viele denen aus den USA kommen.

Ich möchte auch anmerken das ein beachtlicher Teil der derzeiten D&D Kultur stark von Critical Role & Co beeinflusst wird. Da gibt es zwar auch oft lange Kämpfe aber der Erfolg von CR beruht mMn eher darauf das dort eben nicht nach offiziellen Richtlinien gespielt wird (X Kämpfe je Tag) sondern das Rollenspiel stark im Vordergrund steht.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Zanji123 am 10.02.2026 | 10:17
für viele Amerikaner war / ist D&D halt gleich mit Rollenspiel. Für die existiert da nicht viel (nicht umsonst ist Reddit auch voll davon das SLs keinen bock mehr auf D&D haben aber Ihre Gruppe nunmal D&D spielen will)

Das ist jetzt nicht anders als DSA in den 90ern. Hast du in meiner Region Rollenspiele gespielt, hast du DSA gespielt.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: blackris am 10.02.2026 | 10:24
Selbst in D&D 5e macht man jetzt gerne alles "was nicht mit Kampf zu tun hat regeltechnisch" raus und ...erhält dann Shadowdark und wird dafür gefeiert :)

Ich weiß ja nicht, inwieweit das Polemik war oder ernst gemeint. Aber gerade die ganzen OSR/NuSR Rollenspiele halte ich für eine ganz großartige Sache, weil sie den ganzen unnötigen Müll rausschmeißen, den manch ein aufgeblasenes Mainstream System mittlerweile so mit sich herumgeschleppt hat.

Gerade ShadowDark ist ein denkbar schlechtes Beispiel. Bei 25 Seiten zu den Regeln ist gerade einmal eine Doppelseite zum Kampf dabei. Er nimmt damit nicht mehr Platz ein als die Regeln für Saufgelage und das eigene Würfelspiel Wizards and Thiefs. 🙃
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 10.02.2026 | 13:08
Allgemein habe ich natürlich meine Vorurteile gegenüber US-Amerikanern; die machen's einem im Moment ja auch wieder leicht. ::) (Und ja, natürlich differenziere ich da trotzdem, allein schon, weil auch ein guter Teil meiner lieberen Online-Bekanntschaften dort sitzt; das macht die Klischees nur eben nicht gleich wieder komplett falsch.)

Aber im speziellen Bereich Rollenspiele und -spieler ist es einfach so, daß eben viele Spiele aus den USA kommen und dabei meiner Erfahrung nach schon eine gehörige Bandbreite abdecken. D&D mag der große Platzhirsch sein, von dem man auch auf YouTube und in anderen modernen Medien am meisten hört, aber gerade auf dem US-Markt ist die Vielfältigkeit der "einheimischen" Angebote mit ziemlicher Sicherheit nach wie vor größer sein als in irgendeinem anderen Land der Welt -- das sollte man auch nicht ganz aus den Augen verlieren.

Und was das Thema Kämpfe betrifft, bleibe ich persönlich bei "Gehören dazu, aber Rollenspiel an sich dreht sich für mich nicht um sie" (auch wenn man natürlich, wenn man unbedingt möchte, Rollenspielkampfregeln meistens leicht vom Rest lösen und als reines "Tabletop-Kampfspiel" verwenden kann). Die zentralen Konflikte eines Abenteuers oder einer Kampagne, sicher, die sind wichtig; ohne Konflikt keine Spannung. Aber ein Kampf im Sinne von "Wir packen jetzt die dedizierten Kampfregeln aus und vermöbeln uns gegenseitig" ist dann wieder nur eine Form, in der sich so ein Konflikt mal mehr oder weniger spontan manifestieren kann; eine insbesondere überlegene Gegenseite auszumanövrieren, ohne daß dabei auch nur ein Schlag oder Schuß fallen muß, ist ja auch ein Klassiker im Abenteuergenre allgemein (und frei nach Sun Tzu ohnehin der Gipfel der Kriegskunst schlechthin ;)).
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 10.02.2026 | 14:16
Aber - das muss man eben auch sagen - D&D ist zwar Amerikanisch, aber Runequest ist es auch, und das hatte ähnliche Präferenzen als "Nicht kämpfen wenn man nicht muss."

Als nächstes behauptest du noch auch Indie-RPGs wären in der USA erfunden worden!  :o :think:  :d
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 10.02.2026 | 16:07
Als nächstes behauptest du noch auch Indie-RPGs wären in der USA erfunden worden!  :o :think:  :d

Ja natürlich, in Indiana - der Name verrät es doch, du Dussel!  ;D
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Fonzman am 10.02.2026 | 21:39
Das lustige ist ja, dass in D&D BECMI eigentlich Goldmünzen mit XP gleichgesetzt werden, und der SL angehalten ist Unmengen an Schätzen zu verteilen. Kämpfe sollen maximal 20% der Erfahrungspunkte ausmachen. Steht tatsächlich so drin X-D
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: tartex am 11.02.2026 | 13:04
Das lustige ist ja, dass in D&D BECMI eigentlich Goldmünzen mit XP gleichgesetzt werden, und der SL angehalten ist Unmengen an Schätzen zu verteilen. Kämpfe sollen maximal 20% der Erfahrungspunkte ausmachen. Steht tatsächlich so drin X-D

Als Old Schooler finden das gar nicht lustig! Das muss man streng ideologisch betrachten (https://www.tanelorn.net/index.php?topic=116870.0)!
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Namo am 11.02.2026 | 14:46
Und da man im Ur-D&D mit Stufe 9 den "Namenslevel" erreicht hatte, wurde ab da auch das Thema eigenes Land, Schloss, Burg, Kirche etc. relevant. Dazu hat man dann eben auch ne Menge Kohle benötigt. Da hat sich jemand Gedanken gemacht, was man mit dem vielen Geld alles so anfangen könnte.  ;D
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: unicum am 11.02.2026 | 14:59
Als nächstes behauptest du noch auch Indie-RPGs wären in der USA erfunden worden!  :o :think:  :d

Ist der Umkehrschluss das es in den USA keine Indie-RPGs gibt?

Q1: Habt ihr RQ mit ADD abenteuern gespielt?
Q2: Wo sind den Indie-RPGs ursprünglich erfunden worden? Wenn, dann sag mir doch bitte was das allererste Indie-RPG der Welt war.
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: nobody@home am 11.02.2026 | 15:16
Q2: Wo sind den Indie-RPGs ursprünglich erfunden worden?

In Indien, natürlich. Steht doch direkt im Namen. ~;D
Titel: Re: Vorurteile gegen Rollenspiele und Rollenspieler aus den USA
Beitrag von: Kurna am 11.02.2026 | 15:42
In Indien, natürlich. Steht doch direkt im Namen. ~;D
Das war das Kamasutra. Aber da ging es um eine andere Art von Rollenspielen.  ~;D