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Medien & Phantastik => Andere Spiele => Thema gestartet von: WeepingElf am 22.03.2026 | 10:34

Titel: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2026 | 10:34
Weil in diesem Thema (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,132621.0.html) die Frage aufkam, was denn der Unterschied zwischen Wargames und Brettspielen ist, mache ich hier ein neues Thema auf, wo wir nach Herzenslust über diese Frage diskutieren können.

Ich würde sagen, dass Wargames eine Unterkategorie von Brettspielen sind. Ein Brettspiel ist eigentlich jedes Spiel, bei dem man irgendwelche Steine oder Figuren nach irgendwelchen Regeln auf so was wie einem Spielbrett platziert. Beispiele sind Schach, Go oder auch Mensch ärgere Dich nicht. Ich würde aber auch beispielsweise Käsekästchen oder Tic-Tac-Toe im weiteren Sinne zu den Brettspielen zählen, auch wenn das "Brett" hier in der Regel ein Blatt Papier ist, auf dem man Markierungen anbringt. Aber man kann diese Spiele ja auch im Prinzip auf einem "richtigen" Brett mit irgendwelchen Steinen spielen. Und umgekehrt gibt es klassische Brettspiele, die sich gut zum Spielen mit Stiften und Papier eignen, wie z. B. Go, wo die Steine, einmal gesetzt, ja bis zum Spielende nicht mehr bewegt werden, so dass man keine Markierungen mehr ausradieren muss. (Auch Schach lässt sich mit Bleistift und Radiergummi prinzipiell auf Papier spielen, auch wenn das eher mühselig ist.)

Ein Wargame, wenn ich das richtig verstehe, ist ein Spiel, in dem mit Countern (Spielsteinen, die für militärische Einheiten stehen) auf einer Landkarte oder in einem Geländemodell eine militärische Operation dargestellt wird. Im Unterschied etwa zu Schach erhebt so ein Wargame einen gewissen Anspruch auf Realismus, die Schlacht wird mehr oder weniger detailliert simuliert. Aber ist die Landkarte bzw. das Geländemodell nicht im weiteren Sinne ein Spielbrett? So gesehen, denke ich, sind Wargames eine Unterkategorie von Brettspielen.

Viel Spaß beim Diskutieren!
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Grashoffer am 22.03.2026 | 10:37
Auch hier sei mal ein Lesezeichen gesetzt.

Interessant ist, denke ich, die schiere Vielfalt an Brettspielen. Bespielsweise kooperative Spiele, One-On-Ones, Alle gegen alle; mit Würfeln, mit Karten...
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 22.03.2026 | 10:47
"Wargame" wird so verwendet:

- Kriegssimulationsbrettspiele, meist (aber nicht immer) auf Hexfeldern.

- Kurz für "miniature wargames", also frei bewegliche (Zinn-)Figurenspiele auf modellierten Landschaften.

- Jedes Spiel, bei dem es um Krieg geht (also durchaus auch Risiko).

- Rollenspiele*

Die Sache wird nicht einfacher dadurch, dass der deutsche Gebrauch vom englischen Gebrauch abweicht. Grob gesagt würde man auf Deutsch vermutlich den letzten Fall nicht als "Wargame" bezeichnen. Es gibt außerdem eine starke Tendenz, unter "Wargame" vor allem den zweiten Fall (frei bewegliches Zinnfigurenspiel) zu verstehen. Die Hexfeld-Spiele sind auf Deutsch oft eher "Kosims" (Konfliktsimulationen).
* Der letzte Fall ist vor allem für den Sprachgebrauch in den UK in den 70ern und 80ern typisch - frühe Rollenspiele wurden, wohl ihrer Ableitung aus dem Kosim-Genre wegen, oft als "Wargames" bezeichnet.

Es ist also verwirrend und man wird nicht umhin kommen, zu erklären, was man unter "Wargame" verstehen will.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 11:08
Wenn Du Brettspiele so definierst, dann sind Wargames und Rollenspiele Unterkategorien von Brettspielen. Kann man machen. Dann hat die Eigenschaft "brettspielig" halt keine Bedeutung.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Skaeg am 22.03.2026 | 11:24
Nein, wargame und board game gehören einfach nicht zur gleichen Oberkategorie. Ein Spiel kann beides sein, oder nur eines, oder gar keines davon.
Board wargame = Beides.
Miniatures wargame = Nur eines.
City-building board game = Nur eines.
Trivia card game = Keines.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 11:35
Nein, wargame und board game gehören einfach nicht zur gleichen Oberkategorie. Ein Spiel kann beides sein, oder nur eines, oder gar keines davon.
Board wargame = Beides.
Miniatures wargame = Nur eines.
City-building board game = Nur eines.
Trivia card game = Keines.
So würde ich es persönlich auch sehen.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 22.03.2026 | 12:37
Nein, wargame und board game gehören einfach nicht zur gleichen Oberkategorie. Ein Spiel kann beides sein, oder nur eines, oder gar keines davon.
Board wargame = Beides.
Miniatures wargame = Nur eines.
City-building board game = Nur eines.
Trivia card game = Keines.

Wenn wir schon Haare spalten, dann würde ich aber doch bezweifeln, dass Trivia card game gesichert nicht zur Kategorie board games gehört. Richtig ist freilich, dass "board game" eigentlich bedeuten sollte, dass die Spiele ein "board" haben sollen. Es ist aber doch gängige Praxis, viele Kartenspiele trotzdem der Kategorie "board game" zuzuschlagen.
Ist jetzt die Frage, wieviel Raum wir der gängigen Praxis (im Widerspruch zur sauberen Definition) geben wollen.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2026 | 12:48
"Wargame" wird so verwendet:

- Kriegssimulationsbrettspiele, meist (aber nicht immer) auf Hexfeldern.

- Kurz für "miniature wargames", also frei bewegliche (Zinn-)Figurenspiele auf modellierten Landschaften.

- Jedes Spiel, bei dem es um Krieg geht (also durchaus auch Risiko).

- Rollenspiele*

Die Sache wird nicht einfacher dadurch, dass der deutsche Gebrauch vom englischen Gebrauch abweicht. Grob gesagt würde man auf Deutsch vermutlich den letzten Fall nicht als "Wargame" bezeichnen. Es gibt außerdem eine starke Tendenz, unter "Wargame" vor allem den zweiten Fall (frei bewegliches Zinnfigurenspiel) zu verstehen. Die Hexfeld-Spiele sind auf Deutsch oft eher "Kosims" (Konfliktsimulationen).
* Der letzte Fall ist vor allem für den Sprachgebrauch in den UK in den 70ern und 80ern typisch - frühe Rollenspiele wurden, wohl ihrer Ableitung aus dem Kosim-Genre wegen, oft als "Wargames" bezeichnet.

Es ist also verwirrend und man wird nicht umhin kommen, zu erklären, was man unter "Wargame" verstehen will.

Es ist nicht selten der Fall, dass ein Wort, das aus einer Sprache in eine andere entlehnt wird, dabei eine Bedeutungseinengung erfährt. So bezeichnet beispielsweise im Deutschen das Wort Mokassin eine bestimmte Art von Schuh, aber in der indigenen nordamerikanischen Sprache, aus der es stammt, bedeutet es schlicht und einfach 'Schuh'. Es ist einfach die Art von Schuh, die bei diesen Leuten üblich war.

Und Rollenspiele haben zweifellos Brettspiel-Elemente. Wenn eine Battlemap ins Spiel kommt, dann ist das im Prinzip ein "Brett". Wenn ich Dich jetzt richtig verstehe, ist für Dich eine wichtige Eigenschaft eines Spielbretts, dass es in Felder, mögen diese quadratisch, sechseckig oder sonst wie geformt sein, unterteilt ist, und Züge diskret sind, also von einem Feld auf ein anderes, und Bewegungen von Figuren innerhalb eines Feldes spieltechnisch irrelevant sind. Habe ich das richtig verstanden?
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 22.03.2026 | 13:28
Und Rollenspiele haben zweifellos Brettspiel-Elemente. Wenn eine Battlemap ins Spiel kommt, dann ist das im Prinzip ein "Brett". Wenn ich Dich jetzt richtig verstehe, ist für Dich eine wichtige Eigenschaft eines Spielbretts, dass es in Felder, mögen diese quadratisch, sechseckig oder sonst wie geformt sein, unterteilt ist, und Züge diskret sind, also von einem Feld auf ein anderes, und Bewegungen von Figuren innerhalb eines Feldes spieltechnisch irrelevant sind. Habe ich das richtig verstanden?


Ich wollte mich dazu gar nicht äußern, sondern nur das Problem anhand einer mehr oder weniger phänomenologischen Darstellung umreissen.

Grundsätzlich sehe ich zwei mögliche Ansätze:
Deskriptiv. Das habe ich versucht: Beschreiben, wie der (übliche) Gebrauch der Wörter ist.
Präskriptiv/normativ: Beschreiben, wie man meint, dass der Gebrauch sein sollte.

Beides ist sinnvoll, beides hat seinen Platz.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2026 | 15:08
Ich habe jetzt mal in der Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Tabletop#Abgrenzung_zu_anderen_Arten_von_Spielen) nachgeschaut, und wenn ich das richtig verstehe, ist der Unterschied zwischen einem Tabletop und einem Brettspiel, dass in ersterem die Figuren frei und stufenlos auf der Spielfläche beweglich sind, in einem Brettspiel hingegen die Spielfläche in diskrete Felder gerastert ist. Letzteres ist wohl das Schlüsselkriterium für die Klassifikation eines Spiels als Brettspiel; sonst könnte man ja auch Billard, Boule oder gar Fußball (zumindest Tischfußball) als "Brettspiele" klassifizieren, und das tut eigentlich niemand ;)
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 15:20
Also sind Wargames jetzt doch keine Unterkategorie der Brettspiele?
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Metamorphose am 22.03.2026 | 15:53
Ich habe jetzt mal in der Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Tabletop#Abgrenzung_zu_anderen_Arten_von_Spielen) nachgeschaut, und wenn ich das richtig verstehe, ist der Unterschied zwischen einem Tabletop und einem Brettspiel, dass in ersterem die Figuren frei und stufenlos auf der Spielfläche beweglich sind, in einem Brettspiel hingegen die Spielfläche in diskrete Felder gerastert ist. Letzteres ist wohl das Schlüsselkriterium für die Klassifikation eines Spiels als Brettspiel; sonst könnte man ja auch Billard, Boule oder gar Fußball (zumindest Tischfußball) als "Brettspiele" klassifizieren, und das tut eigentlich niemand ;)
Blood Bowl?
Warhammer Underworlds?
Dreadball?
Brawl Arcane 28?
*Nur kurz Zeit, ich schreib später was dazu
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: tarinyon am 22.03.2026 | 15:56
Ihr wisst aber schon, dass Schach auch ein Kriegsspiel ist?

Spielehistorisch gab es die meiste Zeit der Brettspielgeschichte nur sog. Racing Games (von so Spielen wie Senet bis Mensch ärgere dich nicht) und Kriegsspiele wie Schach, petteia, Go etc.

Die meisten Spiele waren dabei ultra primitiv (siehe zb das Gänsespiel), auch Schach war ja im Mittelalter null kompliziert und eher Teil der höfischen Kultur.

Die ganzen Sachen, über die ihr debattiert, kamen ja erst in den letzten 100 jahren. Und Rollenspiel, sofern es nicht als larp gespielt wird, ist auch nur ein Brettspiel, meistens halt ohne Brett gespielt. Selbst wenn man bei irgendeinem indieshit Minotauren aus Ton oder Blubeards gestörte Frau oder whatever spielt, sind es auch nur Figuren in einem Spiel, wo man halt aus Faulheit kein Brett und tatsächliche Figuren nutzt, sondern sich halt vorstellt, was die Figuren auf dem Brett machen.

Dee Großteil der Menschheit spielt übrigens auch heute nur Kriegsspiele oder racing games, wenn sie Brettspiele spielen. Eben Schach, mensch ärgere dich nicht oder monopoly. Ausnahmen wie Scrabble bestätigen die Regeln. Das gehört ja eher in die Tradition von Lernspielen, die es immer parallel gab
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 22.03.2026 | 16:38
Dee Großteil der Menschheit spielt übrigens auch heute nur Kriegsspiele oder racing games, wenn sie Brettspiele spielen. Eben Schach, mensch ärgere dich nicht oder monopoly.

Monopoly ist ein Kriegsspiel? Oder ein Rennspiel?
Halte ich für ziemlich falsch - Monopoly ist einer der frühen erfolgreichen Vertreter neuartiger Brettspiele. Gab immer wieder in der Geschichte Versuche von Leuten, etwas ganz anderes zu machen. Meist mit Abwandlungen bestehender Spiele, so wie diverse Schachvarianten mit neuen und zahlreicheren Figuren. Aber auch Dinge wie Würfelschach, die schon recht originell sind. Kartenspiele hatten auch ein enormes Innovationspotential - Cribbage ist ziemlich originell, ähnliches gilt für Tarock, diverse Stichspiele mit und ohne Trumpf, Raubspiele wie Scopa, Legespiele, Sammelspiele wie PokerGin Rummy etc. Und das ist "nur" Europa.

Nicht wenige Definitionen kranken daran, dass derjenige, der die Definition aufstellt, bei weitem nicht alles kennt, was es so gibt.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: tarinyon am 22.03.2026 | 16:44
Klar ist monopoly ein racing game. Racing game heißt einfach nur, man bewegt sich im Kreis oder von einem Ende zum anderen. Das habe ich mir nicht ausgedacht. Da gibt's auch wenig zu diskutieren. Das sind einfach Ergebnisse der Spieleforschung. Klar, kann man alles ignorieren, aber dann kann man auch sagen, Pluto ist ein Planet.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2026 | 16:49
Wir debattieren hier im Wesentlichen über Wortbedeutungen. Nichts dagegen, das kann durchaus Spaß machen, Missverständnisse ausräumen und zu Erkenntnisgewinn führen. Ich denke, die Frage hier ist: Ist es, um ein Spiel als Brettspiel zu klassifizieren, erforderlich, dass das Brett in diskrete Felder unterteilt ist, so dass jede Figur immer auf genau einem Feld steht? Das scheint hier der springende Punkt zu sein. Und ich denke, ein Wargame kann auch dann, wenn man diskrete Felder verlangt, ein Brettspiel sein, nämlich dann, wenn solche Felder (etwa in Form von Hexagons) vorhanden sind. Was ja das Spielen insofern vereinfacht, dass man nicht mit einem Maßband herumfummeln muss, um die Entfernung zwischen zwei Figuren zu ermitteln, sondern nur Felder zählen muss - aber eben eine Abstraktion darstellt, die nicht vorbildgetreu ist (denn wirkliche Soldaten springen ja auch nicht von einem UTM-Gitterpunkt zum nächsten).

Und natürlich ist Schach im weitesten Sinne ein Kriegsspiel - es stellt, wenn auch sehr abstrakt, eine Schlacht zwischen zwei Heeren dar. Aber die wenigsten Wargamer hierzulande würden das als "Wargame" ansehen, auch wenn "Wargame" nur das englische Wort für "Kriegsspiel" ist. Und letzten Endes müssen die Wargamer selbst entscheiden, was für sie ein Wargame ist und was nicht. Und ich bin nun mal kein Wargamer.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 16:50
Klar ist monopoly ein racing game. Racing game heißt einfach nur, man bewegt sich im Kreis oder von einem Ende zum anderen. Das habe ich mir nicht ausgedacht. Da gibt's auch wenig zu diskutieren. Das sind einfach Ergebnisse der Spieleforschung. Klar, kann man alles ignorieren, aber dann kann man auch sagen, Pluto ist ein Planet.
*lol* Nein. Ein Race game ist ein Spiel bei dem die Spieler versuchen ihre Spielsteine ins Ziel zu bekommen. Monopoly ist definitiv KEIN Race Game.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Ainor am 22.03.2026 | 16:55
Also sind Wargames jetzt doch keine Unterkategorie der Brettspiele?

Ich glaube ein Grossteil der Verwirrung geht darauf zurück dass ich im anderen Tread auf:

Nur am Rande: Chainmail ist und war nie ein Brettspiel. Das ist ne ganz andere Spielgattung.

geantwortet habe:

Sind Wargames so anders? Was ist der fundamentale Unterschied zwischen Chainmail und Schach?

Mit Wargames meinte ich natürlich "Spiele wie Chainmail" die ja anscheinend im Deutschen als "Tabletop-Spiele" und im Englischen als "Miniature wargame" bezeichnet werden. Offensichtlich sind das keine Brettspiele, aber andere Wargames, z.B. "Hex and Counter Wargames" schon. 

Mir ging es dabei aber nur darum dass Chainmail und Schach beides (normalerweise) kompetitive Zweispielerspiele sind die man im wesentlichen durch taktische Überlegungen gewinnen kann. Ob mit Spielfeldern oder ohne gespielt wird spielt für diese Überlegungen keine Rolle.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Holothuroid am 22.03.2026 | 16:57
Ich wäre davon ausgegangen, dass es bei Wargames um die Zweitverwertung von selbst gestaltetem Spielmaterial geht. Also ich pinsel meine Figuren an oder kitbashe sie erst aus Einzelteilen oder gestalte sie gleich selbst für 3D-Druck, und dann spiele ich mit ihnen. Hier ist also eine gewisse Variation möglich. Ich kenne diverse Leute, die damals Figuren für das Löwen-Imperium von Confrontation als Hochelfen für Warhammer genutzt haben. Oder heute eben alles mit OPR spielen.

Brettspiele kommen fertig daher. Ich kann die Box aufmachen und losspielen (theoretisch). Man würde nicht auf die Idee kommen, Figuren aus Lords of Olympus für Rising Sun zu verwenden.

Sozial hat das zur Folge, dass Tabletopper "ein System" spielen oder mehrere. Also für entsprechendes Spiel passende Figuren besitzen und vorbereitet haben. Das macht aus Sicht von Brettspiel keinen Sinn. Ich kann heute die Box für Age of Innovation aufmachen und nächste Woche die für Root. (Es gibt so Exoten, wie Twilight Imperium, wo man am besten genau dafür einlädt.)

Rollenspiel ist insofern weder das eine noch das andere. Rollenspiel lebt von Facilitators. Bei Rollenspielen ist die Frage, ob die "jemand anbietet". Das kann bei Brettspielen insofern nötig sein, dass jemand das Spiel besorgen und die Regeln erklären muss, bei Rollenspielen steckt da aber normalerweise mehr Arbeit hinter.

Also wenn die Tabletop-Sparte ein Event organisiert, sagen sie an, welches System gespielt wird, und achten darauf, dass genug Tische und Gelände da ist. Wenn die Brettspielys planen, dann fragen sie mal um, ob jemand ein bestimmtes Spiel spielen möchte und sonst gucken sie bei Beginn mal, wer was mitgebracht hat. Und wenn ich den Rollenspiel-Oneshot-Abend organisiere, schaue ich, dass ich genug SLs habe.

In diesem Sinne bilden TCGs eine weitere Gruppe. Die haben ein ähnliches Buy-In wie Tabletops, können aber eigentlich überall gespielt werden. Die Gruppe ist bei uns im Verein, die am wenigsten organisierte. Social Deduction Games könnte man als weitere Gruppe sehen.  Die wollen für ihren Spaß vor allem viele Leute.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 16:58
Wir debattieren hier im Wesentlichen über Wortbedeutungen. Nichts dagegen, das kann durchaus Spaß machen, Missverständnisse ausräumen und zu Erkenntnisgewinn führen. Ich denke, die Frage hier ist: Ist es, um ein Spiel als Brettspiel zu klassifizieren, erforderlich, dass das Brett in diskrete Felder unterteilt ist, so dass jede Figur immer auf genau einem Feld steht? Das scheint hier der springende Punkt zu sein. Und ich denke, ein Wargame kann auch dann, wenn man diskrete Felder verlangt, ein Brettspiel sein, nämlich dann, wenn solche Felder (etwa in Form von Hexagons) vorhanden sind. Was ja das Spielen insofern vereinfacht, dass man nicht mit einem Maßband herumfummeln muss, um die Entfernung zwischen zwei Figuren zu ermitteln, sondern nur Felder zählen muss - aber eben eine Abstraktion darstellt, die nicht vorbildgetreu ist (denn wirkliche Soldaten springen ja auch nicht von einem UTM-Gitterpunkt zum nächsten).

Und natürlich ist Schach im weitesten Sinne ein Kriegsspiel - es stellt, wenn auch sehr abstrakt, eine Schlacht zwischen zwei Heeren dar. Aber die wenigsten Wargamer hierzulande würden das als "Wargame" ansehen, auch wenn "Wargame" nur das englische Wort für "Kriegsspiel" ist. Und letzten Endes müssen die Wargamer selbst entscheiden, was für sie ein Wargame ist und was nicht. Und ich bin nun mal kein Wargamer.
Du, WeepingElf. Dir ist schon klar, dass Wargames (also sowas was Du als Wargame kaufen kannst, nur auf die entsprechende Situation, die das Militär austesten will) vom Militär verwendet werden, um einen Konflikt vorzubereiten, oder?
The Games Behind Your Government's Next War (https://www.youtube.com/watch?v=lYaDXZ2MI-k) und nein. Da geht es nicht um Schach oder Go oder entsprechend Abstraktes.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2026 | 17:07
Mit Wargames meinte ich natürlich "Spiele wie Chainmail" die ja anscheinend im Deutschen als "Tabletop-Spiele" und im Englischen als "Miniature wargame" bezeichnet werden. Offensichtlich sind das keine Brettspiele, aber andere Wargames, z.B. "Hex and Counter Wargames" schon.

Ich weiß nichts über Chainmail, außer dass D&D mehr oder weniger daraus entwickelt wurde. Insofern kann ich nicht sagen, ob die Spielfläche diskret ist oder nicht (oder was auch immer man als Kriterium heranzieht, um ein Spiel als Brettspiel zu klassifizieren). Ich habe das Kampfsystem von OD&D kaum noch in Erinnerung (ist schon fast 40 Jahre her, dass ich das zuletzt gespielt habe), da gab es eine Battlemap mit Quadratraster, aber das Quadratraster war, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, nur ein Koordinatensystem wie auf einer handelsüblichen Landkarte. Wo es ein Hexraster gab, das waren Landkarten, also Darstellungen der "Wildnis", wie das genannt wurde. Hex-and-Counter-Wargames hingegen sind in dem Sinne Brettspiele, dass die Spielfläche in diskrete Felder unterteilt ist.

Du, WeepingElf. Dir ist schon klar, dass Wargames (also sowas was Du als Wargame kaufen kannst, nur auf die entsprechende Situation, die das Militär austesten will) vom Militär verwendet werden, um einen Konflikt vorzubereiten, oder?
The Games Behind Your Government's Next War (https://www.youtube.com/watch?v=lYaDXZ2MI-k) und nein. Da geht es nicht um Schach oder Go oder entsprechend Abstraktes.

Ja, das ist mir klar. Dazu wurden diese Spiele erfunden. Die hobbyistische Verwendung kam später.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 17:10
Mit Wargames meinte ich natürlich "Spiele wie Chainmail" die ja anscheinend im Deutschen als "Tabletop-Spiele" und im Englischen als "Miniature wargame" bezeichnet werden. Offensichtlich sind das keine Brettspiele, aber andere Wargames, z.B. "Hex and Counter Wargames" schon. 
Genau deswegen habe ich Probleme damit Wargames als Unterkategorie von Brettspielen zu sehen. Das sind sie nicht.
Zitat
Mir ging es dabei aber nur darum dass Chainmail und Schach beides (normalerweise) kompetitive Zweispielerspiele sind die man im wesentlichen durch taktische Überlegungen gewinnen kann. Ob mit Spielfeldern oder ohne gespielt wird spielt für diese Überlegungen keine Rolle.
Doch. Natürlich. Das habe ich da auch schon erklärt, dass bei Wargames im Fokus steht, einen Konflikt so realistisch wie möglich zu simulieren, während Schach keine realistische Simulation irgendeines Konfliktes darstellen will.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 17:14
Ja, das ist mir klar. Dazu wurden diese Spiele erfunden. Die hobbyistische Verwendung kam später.
Dann verstehe ich Deine komplette Argumentatiion hier nicht. Du weisst, dass die Ursprungsaufgabe die realistische Simulation eines Konfliktes war (und immer noch ist, siehe Video) und doch versuchst Du hier zu argumentieren, dass sie diese Aufgabe nicht haben.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Ainor am 22.03.2026 | 17:36
Genau deswegen habe ich Probleme damit Wargames als Unterkategorie von Brettspielen zu sehen. Das sind sie nicht.

Naja, "Wargames" sind ja kein monolithischer Block. Es gibt ja nunmal die Kategorie Board Wargames.
Der moderne Trend bei Brettspielen (das was im Ausland als "German Games" bezeichnet wird) ist in der Tat recht weit weg von Wargames, aber das gilt halt nicht für Brettspiele allgemein.

Doch. Natürlich. Das habe ich da auch schon erklärt, dass bei Wargames im Fokus steht, einen Konflikt so realistisch wie möglich zu simulieren, während Schach keine realistische Simulation irgendeines Konfliktes darstellen will.

Das trifft zu, aber das ist halt kein wesentlicher Unterschied im Sinne der Spieltheorie. Und auch hier kommt es darauf an welche Wargames genau man meint. Realistisch ist bei Chainmal(Fantasy) oder Warhammer so ne Sache. Und dort haben Figuren Punktewerte mit der typischen Annahme das zwei gleichwertige Armeen aufeinandertreffen.

Wenn es hingegen um die möglichst realistische Simulation vergangener oder zukünftiger Konflikte geht ist das natürlich etwas anderes, aber dann ist es fraglich ob man das Spiel im herkömlichen Sinne bezeichnen sollte. Es ist eben dann in erster Linie eine Simulation (auch wenn der Sprachgebrauch das nicht sauber trennt).
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2026 | 17:41
Dann verstehe ich Deine komplette Argumentatiion hier nicht. Du weisst, dass die Ursprungsaufgabe die realistische Simulation eines Konfliktes war (und immer noch ist, siehe Video) und doch versuchst Du hier zu argumentieren, dass sie diese Aufgabe nicht haben.

Wie kommst Du denn auf den Trichter? Das habe ich nie so gesagt, und schon gar nicht so gemeint.

Inzwischen habe ich in der englischen Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/Chainmail_(game)) nachgeschaut, was Chainmail für ein Spiel ist. Das ist anscheinend ein Tabletop, mit einer Spielfläche ohne Felderraster, also nach der hier anscheinend vorherrschenden Definion kein Brettspiel.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 18:01
Naja, "Wargames" sind ja kein monolithischer Block. Es gibt ja nunmal die Kategorie Board Wargames.
Der moderne Trend bei Brettspielen (das was im Ausland als "German Games" bezeichnet wird) ist in der Tat recht weit weg von Wargames, aber das gilt halt nicht für Brettspiele allgemein.
Ich verstehe da immer noch nicht, wieso das als Argument funktionieren soll, dass Wargames eine Unterkategorie von Brettspiele sein soll. Du sagst ja selber dass Wargames verschiedene Spielarten sein können.
Ergo: Wargames sind keine Unterkategorie von Brettspielen.
Zitat
Das trifft zu, aber das ist halt kein wesentlicher Unterschied im Sinne der Spieltheorie. Und auch hier kommt es darauf an welche Wargames genau man meint. Realistisch ist bei Chainmal(Fantasy) oder Warhammer so ne Sache. Und dort haben Figuren Punktewerte mit der typischen Annahme das zwei gleichwertige Armeen aufeinandertreffen.
Für fiktive Situationen, die in der Realität so nicht vorkommen (Magie, Fiktive Welten, Superkärfte usw.) gibt es den Begriff "Verisimilitude" (https://en.wikipedia.org/wiki/Verisimilitude_(fiction)). Ich wollte den Begriff hier extra raushalten, aber okay. Ersetze bei fiktiven Welten das Wort Realismus durch Verisimilitude.
Zitat
Wenn es hingegen um die möglichst realistische Simulation vergangener oder zukünftiger Konflikte geht ist das natürlich etwas anderes, aber dann ist es fraglich ob man das Spiel im herkömlichen Sinne bezeichnen sollte. Es ist eben dann in erster Linie eine Simulation (auch wenn der Sprachgebrauch das nicht sauber trennt).
Also Freizeitbeschäftigung, ist die Simulation nur das Werkzeug um Spass zu haben, a ka Spiel.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 22.03.2026 | 18:33
Klar ist monopoly ein racing game. Racing game heißt einfach nur, man bewegt sich im Kreis oder von einem Ende zum anderen. Das habe ich mir nicht ausgedacht. Da gibt's auch wenig zu diskutieren. Das sind einfach Ergebnisse der Spieleforschung. Klar, kann man alles ignorieren, aber dann kann man auch sagen, Pluto ist ein Planet.

Bist Du sicher? Die Definition würde ich gern mal sehen.
Ich würde meinen, ein Racing Game ist eines, bei dem es darum geht, zuerst ein Ziel zu erreichen (ggf. mit mehr als einer Figur).
Bei Monopoly ist das Herumlaufen im Kreis ja nur Mittel zum Zweck und das Spielende wird anders eingeläutet.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 22.03.2026 | 18:36
Wie kommst Du denn auf den Trichter? Das habe ich nie so gesagt, und schon gar nicht so gemeint.
Dann hat sich Dein Argument zur Abstraktion um die Soldatenebene (dass ja Wargames auch genauso oder ähnlich abstrakt wären wie andere Spiele) erledigt.
Gut. :)
Zitat
Inzwischen habe ich in der englischen Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/Chainmail_(game)) nachgeschaut, was Chainmail für ein Spiel ist. Das ist anscheinend ein Tabletop, mit einer Spielfläche ohne Felderraster, also nach der hier anscheinend vorherrschenden Definion kein Brettspiel.
Aber gleichzeitig ein Wargame (steht ja sogar in der englischen Wiki).
Ergo: Wargames sind keine Unterkategorie von Brettspielen. Es gibt Wargames, die sich auf einem Brett abspielen, aber eben nicht nur. Ergo ist Deine Definition vom Anfang falsch, oder Du ziehst sie weiter. Dann sind Rollenspiele eben auch Brettspiele. Ich weiss allerdings nicht, ob diese weiter gezogene Definition hier im Thread irgendwie hilfreich ist.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2026 | 20:40
Ergo: Wargames sind keine Unterkategorie von Brettspielen. Es gibt Wargames, die sich auf einem Brett abspielen, aber eben nicht nur. Ergo ist Deine Definition vom Anfang falsch, oder Du ziehst sie weiter. Dann sind Rollenspiele eben auch Brettspiele. Ich weiss allerdings nicht, ob diese weiter gezogene Definition hier im Thread irgendwie hilfreich ist.

OK. Von der Definition, die auch stets nur vorläufig war, bin ich abgerückt, weil sie zu nichts führt und nicht dem allgemeinen Usus entspricht. Wargames und Brettspiele haben eine Schnittmenge, aber es gibt nicht nur Brettspiele, die keine Wargames sind, sondern auch Wargames, die keine Brettspiele sind. So viel habe ich verstanden; ich bin da durchaus lernfähig, und habe in dieser Diskussion viel gelernt und werde sicher noch einiges lernen - was ja auch der Grund ist, warum ich dieses Thema eröffnet habe: ich wollte diese Frage geklärt haben.

Im Übrigen ist das Wort Tabletop im Deutschen anscheinend ein Stück weit ein Scheinanglizismus, so ähnlich wie "Handy" oder "Bodybag", wenngleich nicht so krass. Es leitet sich vom englischen tabletop wargame, wörtlich 'Tischplatten-Kriegsspiel', ab, was, wenn ich das richtig sehe, ein Wargame bezeichnet, das auf einer Tischplatte gespielt wird, ob mit oder ohne diskrete Felder, im Unterschied etwa zu einem Sandkastenspiel oder einem Wargame im Computer. Sehe ich das richtig? Im Deutschen wird das Wort Tabletop, so wie es mir erscheint, hauptsächlich für solche Wargames verwendet, die auf einer Spielfläche ohne diskrete Felder gespielt werden, also im strengen Sinne keine Brettspiele sind, aber der Sprachgebrauch scheint da nicht ganz einheitlich und konsistent zu sein. Sollte ich doch noch was falsch verstanden haben, korrigiert mich bitte (aber bitte in höflichem Ton); ich lerne hier noch dazu.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 22.03.2026 | 21:58
Im Übrigen ist das Wort Tabletop im Deutschen anscheinend ein Stück weit ein Scheinanglizismus, so ähnlich wie "Handy" oder "Bodybag", wenngleich nicht so krass. Es leitet sich vom englischen tabletop wargame, wörtlich 'Tischplatten-Kriegsspiel', ab, was, wenn ich das richtig sehe, ein Wargame bezeichnet, das auf einer Tischplatte gespielt wird, ob mit oder ohne diskrete Felder, im Unterschied etwa zu einem Sandkastenspiel oder einem Wargame im Computer. Sehe ich das richtig? Im Deutschen wird das Wort Tabletop, so wie es mir erscheint, hauptsächlich für solche Wargames verwendet, die auf einer Spielfläche ohne diskrete Felder gespielt werden, also im strengen Sinne keine Brettspiele sind, aber der Sprachgebrauch scheint da nicht ganz einheitlich und konsistent zu sein. Sollte ich doch noch was falsch verstanden haben, korrigiert mich bitte (aber bitte in höflichem Ton); ich lerne hier noch dazu.

Ja, das stimmt. "Tabletop" ist Denglisch. Auf Englisch müsste man von "tabletop wargames" sprechen, welche aber eben z.B. auch den ganzen Bereich "hex and counter" umfassen.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 23.03.2026 | 04:06
Tabletop ist im Englischen alles was auf einem Tisch gespielt wird. Die handelsüblichen Rollenspiele werden dort auch gerne als Tabletop Roleplaying Game oder TTRPG genannt im Gegensatz zu Computer Roleplaying Game. Ich stolpere da selber immer wieder über den Begriff, weil ich dann immer in die Details des Produktes gehen muss, um mich zu vergewissern, das das Teil, das ich mir anschaue auch wirklich ein Rollenspiel ist. Schade dass sich da nicht Pen&Paper durchgesetzt hat.
EDIT: Hier der englische Wikipedia-Beitrag für "Rollenspiel": https://en.wikipedia.org/wiki/Tabletop_role-playing_game
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Galatea am 23.03.2026 | 06:31
Tabletop ist im Englischen alles was auf einem Tisch gespielt wird.
Jopp, und es braucht dafür noch nicht mal ne Battlemap.
Prinzipiell ist sogar Poker ein Tabletop game, weil es auf dem top eines tables gespielt wird.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: tarinyon am 23.03.2026 | 06:41
*lol* Nein. Ein Race game ist ein Spiel bei dem die Spieler versuchen ihre Spielsteine ins Ziel zu bekommen. Monopoly ist definitiv KEIN Race Game.

Naja, schau dir mal das Spielbrett an. Das ist einfach nur die Weiterentwicklung von Pachisi. Es gibt ja auch sehr wohl ein Zielfeld. Man läuft halt danach nur sinnlos im Kreis rum, bis man pleite ist. Macht also null Spaß, genauso wie Pachisi. Dass Monopoly keinen Sinn gibt, liegt wohl daran, dass es auf einem satirischen Spiel basiert. Du hast sicher nen Punkt, dass es kein reines race game ist. Aber es steht klar in der Tradition. Ist halt zugleich sowas wie das erste moderne Brettspiel.

Nicht von ungefähr sind Monopoly und Pachisi / Mensch ärgere dich nicht unter den beliebtesten Brettspiele der Moderne. Es ist das selbe Prinzip, dass es schon seit Jahrtausende gibt. Man würfelt und bewegt seine Figur im Kreis bzw im Zickzack in eine Richtung. Dass es noch irgendwelche Sonderregeln gibt, also von wegen gehe zurück zum Start, gehe hier ins Ziel, ziehe dort ne Karte oder Geld. Geschenkt. Über die frühen race games wissen wir ja nix, dh vielleicht gabs da auch super krasse Sonderregeln (zb bei Senet war das wahrscheinlich so). Oder Mehen, wo man vielleicht gar nicht gewürfelt hat.

Man sieht also, dass Kategorisierungen, die versuchen, zwischen abstrakten und komplexen Brettspielen zu Unterscheiden, zu kurz greifen. Alle Spiele sind immer in einem soziokulturellen Kontext verortet. Wir schauen da mit der nerd Brille drauf. Aber die Familie, die Mensch ärgere dich nicht Spiel, spielt evtl gar nicht casual, sondern ultra kompetitiv. Oder die Adligen, die im Mittelalter Schach spielen, spielen das nicht kompetitiv, wenn sie zb den Bauern in eine nach damaligen Regeln superschlechte Dame umwandeln, die nix kann, außer halt die höfischen Kultur zu verkörpern.

Es ist doch aber genau dieser Kontext, der Rollenspiele zu etwas besonderem macht. Ohne die milieuspezifische Aufladung mit Bedeutung ist es für Außenstehende nur irgendein komisches Brettspiel mit viel Regeln. Das selbe gilt für wargames.

PS dmathematische Lernspiele wie Rithmomachie die sowohl so spiele wie Monopoly als auch moderne wargames beeinflusst haben, sind auch so ein Hybrid (einerseits Lernspiel, andererseits Kriegsspiel).
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 23.03.2026 | 07:10
Naja, schau dir mal das Spielbrett an. Das ist einfach nur die Weiterentwicklung von Pachisi. Es gibt ja auch sehr wohl ein Zielfeld. Man läuft halt danach nur sinnlos im Kreis rum, bis man pleite ist. Macht also null Spaß, genauso wie Pachisi. Dass Monopoly keinen Sinn gibt, liegt wohl daran, dass es auf einem satirischen Spiel basiert. Du hast sicher nen Punkt, dass es kein reines race game ist. Aber es steht klar in der Tradition. Ist halt zugleich sowas wie das erste moderne Brettspiel.
Vor allem wird Monopoly nicht nach den Regeln gespielt, wodurch einiges an Spielspassmöglichkeit aus dem Spiel rausgenommen wird und unnötig das Spiel verlängert wird. Der satirische Ansatz war auch meiner Meinung nach bereits raus, als es als Monopoly rausgekommen ist. Danach war es ein normales Brettspiel.
Und natürlich ist Monopoly immer noch kein Race Game.
Zitat
Nicht von ungefähr sind Monopoly und Pachisi / Mensch ärgere dich nicht unter den beliebtesten Brettspiele der Moderne. Es ist das selbe Prinzip, dass es schon seit Jahrtausende gibt. Man würfelt und bewegt seine Figur im Kreis bzw im Zickzack in eine Richtung. Dass es noch irgendwelche Sonderregeln gibt, also von wegen gehe zurück zum Start, gehe hier ins Ziel, ziehe dort ne Karte oder Geld. Geschenkt. Über die frühen race games wissen wir ja nix, dh vielleicht gabs da auch super krasse Sonderregeln (zb bei Senet war das wahrscheinlich so). Oder Mehen, wo man vielleicht gar nicht gewürfelt hat.
Ich denke auch Du hast Monopoly nicht nach den Regeln gespielt haben. Macht nichts. Wie oben beschrieben. Die Meisten haben Monopoly nicht nach den Originalregeln gespielt.
Unabhängig davon würde Deine verallgemeinernde Argumentation Rollenspiele mit Würfeln zu Würfelspiele wie Kniffel machen. Wenn Du keine Probleme mit der Verbindung hast, dann bitte. Ich würde da doch etwas genauer hinschauen wollen. Besonders wenn man wie Du versucht etwas Besonderes in Rollenspielen zu beschreiben.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: tarinyon am 23.03.2026 | 07:34
Also wenn ich mir Moderne Rollenspiele anschaue, dann ist das von Kniffel nicht weit entfernt. Und dein letzter Satz widerspricht meiner Aussage nicht. Das Besondere muss nicht aus den Regeln kommen. Siehe wiederum moderne Rollenspiele, wo die Regeln oft keinen Sinn ergeben oder gar nicht vorhanden sind. Da sitzen die Leute am Tisch und würfeln halt.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Managarmr am 23.03.2026 | 07:54
Wie schon oben geschrieben, macht das hier den Eindruck, dass die Definitionsersteller nicht wirklich die Vielfalt da draussen kennen, oder ihre Definitionen zu eng fassen:

Gaslands z.B. ist auch ein Wargame. Ohne Zinnfiguren, kann lineare(!) Rennen beinhalten. Erfordert null Material und Vorbereitung von den Spielern, es reicht wenn nur ein Spieler eine Handvoll (Hot Wheels, Matchbox, Siku etc) Autos direkt aus der Packung, selbst ausgeschnittene Karton Templates und Würfel ( zur Not reichen W6, auch wenn es dann etwas mühsam ist) hat.
So Tabletop ist vielleicht der bessere Begriff für Definitionsdiskssionen?

Dann wird oben auf die freie Bewegung bei Wargames gepocht. Viele der frühen Wargames hatten Hexfelder (z.B. Battletech) und klare Objectives.

Brettspiele wie hier bisher genannt sind auch zu eng definiert. Was ist mit all den Worker placements,  Mosaik-legespielchen, Deck-Builderelemente, Social deductions (u.a. Werewolf), Exit-Spiele, Sachen wie Pitch Car und Klask?
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 23.03.2026 | 08:06
Also wenn ich mir Moderne Rollenspiele anschaue, dann ist das von Kniffel nicht weit entfernt. Und dein letzter Satz widerspricht meiner Aussage nicht. Das Besondere muss nicht aus den Regeln kommen. Siehe wiederum moderne Rollenspiele, wo die Regeln oft keinen Sinn ergeben oder gar nicht vorhanden sind. Da sitzen die Leute am Tisch und würfeln halt.
Und hast Du Dir schon die Regeln von Monopoly angeschaut?
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 23.03.2026 | 08:10
Brettspiele wie hier bisher genannt sind auch zu eng definiert. Was ist mit all den Worker placements,  Mosaik-legespielchen, Deck-Builderelemente, Social deductions (u.a. Werewolf), Exit-Spiele, Sachen wie Pitch Car und Klask?

Deswegen ist der Begriff "Gesellschaftsspiel" meiner Meinung nach besser (auch wenn ich da selber im normalen Sprachgebrauch immer noch "Brettspiel" verwende).
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 23.03.2026 | 10:37
Unbestritten ist, dass die Bewegung im Rondell bei Monopoly von typischen Rennspielen inspiriert ist. Allerdings geht Monopoly weit darüber hinaus und der Fokus verschiebt sich völlig - die Kernmechanik ist eine andere. Die ursprüngliche Version The Landlord's Game hatte sogar schon Regeln für kooperatives Spiel. Falls man eine Kategorie "Lernspiele" annimmt, gehören vermutlich beide (Monopoly und Landlord's Game) da rein. Allerdings ist das dann eine Kategorie, die sich nach der Zielsetzung, nicht nach der Spielmechanik definiert. Kommt mir auch nicht sauber vor.

Ich finde übrigens auch nirgends was zur Eingruppierung von Monopoly als "Rennspiel" oder "racing game". Ist aber auch blöd zu suchen, weil es von Monopoly ja wirklich zu jedem Thema eine Ausgabe gibt, darunter mehrere zum Thema Autorennen.

Allerdings muss man sagen, dass es auch den "Spezialisten" nicht leicht fällt, Spiele sinnvoll zu kategorisieren:

https://www.ludologie.de/fileadmin/user_upload/PDFs/211126_Kategorisierung_von_Spielen_Puzzles_und_Spielwaren.pdf

Das ist Kraut und Rüben, wirft lustig diverse Kategorien durcheinander.

Insgesamt funktioniert die Zuordnung zu "Familien" von Spielen zueinander wohl ganz gut; also Spiele, die genealogisch miteinander verwandt sind. Es gibt aber dann immer wieder Spiele, die das durchbrechen (Monopoly gehört, meine ich, dazu) und eine neue Linie aufmachen. Bei der Vielfalt der Monopoly-Ausgaben könnte man fast überlegen, ob "Monopoly" eine eigene Spielefamilie sein sollte.

Ansonsten wäre ich bei Monopoly noch eher bei "Würfelspiel", aber auch das trifft es eigentlich nicht so recht.

Insgesamt lassen sich alte Spiele besser kategorisieren als neuere (20. JH und später). Für Schach, Weiqi, Mühle, Puff Tric-Trac etc. ist es recht einfach. Ebenso bei traditionellen Kartenspielen (wobei es einige recht kleine Familien gibt, die auch eher darauf hindeuten, dass man hier einen Ausrutscher hat.
In den letzten Jahren ist es sehr schwierig geworden, weil Mechanismen sehr bunt gemischt werden. Auch die Grenze zwischen "eurogame" und "ameritrash" ist verschwommen. "German style board games" in Reinform gibt es auch nicht mehr viele.

Deswegen ist der Begriff "Gesellschaftsspiel" meiner Meinung nach besser (auch wenn ich da selber im normalen Sprachgebrauch immer noch "Brettspiel" verwende).

Der hat aber wieder den Nachteil, dass er Solo-Spiele nicht so recht erfasst.
Ich habe keinen besseren Vorschlag, aber jede Menge Probleme anzubieten  :)
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 23.03.2026 | 10:49
@felixs: Hm. Ja. Stimmt. Die Solospiele hatten mittlerweile auch einen gewissen Boom und benötigen auch keine Gesellschaft.
Schwierig.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 23.03.2026 | 11:47
Wo ist das gängige Praxis? Mir ist noch nie jemand begegnet, der ein Kartenspiel - das nicht auch ein Spielbrett hat - als Brettspiel bezeichnet hat.

Mir auch nicht ;)
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Galatea am 23.03.2026 | 17:53
Ist Blue Moon dann ein Kartenspiel oder ein Brettspiel?
Es hat ein Spielbrett aber prinzipiell gesehen braucht man das überhaupt nicht, wenn man die Regeln halbwegs drauf hat.
Die Hälfte meiner BM-Spiele war ohne Brett, Karten und Tisch reicht völlig, eigentlich ist das Brett aber vorgesehen.

(https://images-cdn.fantasyflightgames.com/ffg_content/blue-moon-legends/KN23-layout.png)
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Varkung am 24.03.2026 | 11:33
Wo ist das gängige Praxis? Mir ist noch nie jemand begegnet, der ein Kartenspiel - das nicht auch ein Spielbrett hat - als Brettspiel bezeichnet hat.
Vielleicht nicht, wenn über ein konkretes Spiel gesprochen wird - aber als Sammelbegriff wird es durchaus mitunter mitgemeint.
Ulisses hat bspw. kürzlich das Sublabel "Ottavio" gegründet, das sie als ihren "Ableger für Brettspiele" bezeichnen, und dort veröffentlichen sie jetzt auch Kartenspiele, auch solche ohne Brett.
Ich würde auch erwarten, in einem "Fachgeschäft für Brettspiele" Kartenspiele zu bekommen. Mit Wargames oder Rollenspielen würde ich dagegen nicht rechnen.

Daraus würde ich schließen, dass es eine Tendenz gibt, den Begriff "Brettspiele" (auch) in einer der folgenden Bedeutungen zu verwenden (bin mir selbst nicht sicher, welche wohl am ehesten gemeint ist)

a) "In Boxen verpackte Spiele, die man aufmachen kann, und es ist alles drin, was man braucht" (die Distinktion klang ja weiter oben schon mal an) oder auch
b) "Spiele, die sich nicht explizit an Nerds richten" (denn meiner Erfahrung nach gibt es in der Realität zwei Grobkategorien: Jene Spiele, die genealogisch auf die frühen Wargames zurückgehen - das sind im heutigen Sprachgebrauchs die Tabletops und die Rollenspiele - , und alles andere, wobei die zweite Kategorie all solche Spiele umfasst, an die ein durchschnittlicher Mensch denkt, wenn man ihn/sie zum "Spieleabend" einlädt).
TCGs sind ein spannender Sonderfall und hüpfen je nach Definition wild durch die Kategorien.
Ein weiterer Sonderfall, der zwischen den Brettspielen und den Wargameahnen changiert, sind Dungeoncrawler ála Heroquest. Die erfüllen wirklich alle äußeren strukturellen Merkmale eines Brettspiels, aber sie kommen aus dem Wargame und werden auch insbesondere in diesen Kreisen rezipiert.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: WeepingElf am 24.03.2026 | 14:50
Dadurch, dass es in einem Fahrradgeschäft auch Roller gibt, wird ein Roller nicht zum Fahrrad.

Ja. Das Fahrradgeschäft heißt nicht Fahrradgeschäft, weil es da nur Fahrräder gibt, sondern weil Fahrräder und Fahrradzubehör den Hauptteil des Warensortiments ausmachen. Das schließt nicht aus, dass es dort auch andere, zumindest Fahrrädern ähnliche, Produkte zu kaufen gibt, wie z. B. die von Dir genannten Roller. Genauso kann ein Brettspielgeschäft auch andere Spiele neben Brettspielen anbieten, die dadurch noch nicht zu Brettspielen werden.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Ainor am 28.03.2026 | 11:04
Ich verstehe da immer noch nicht, wieso das als Argument funktionieren soll, dass Wargames eine Unterkategorie von Brettspiele sein soll. Du sagst ja selber dass Wargames verschiedene Spielarten sein können.
Ergo: Wargames sind keine Unterkategorie von Brettspielen.

Das ist richtig, aber ich habe auch nichts gegenteiliges behauptet. Das muss ein Missverständniss sein. Aber es gibt Wargames die am Brett gespielt werden und somit als Brettspiele bezeichnet werden.  Tabletop-Spiele/Miniature wargames sind natürlich keine Brettspiele. Aber worum es mir geht ist das das Brett kein wesentliches Element ist. Wesentlich ist der Spielmodus, und das ist bei Chainmail/W40K etc. normalerweise kompetitives 2-Spieler Spiel mit festen Regeln.

Für fiktive Situationen, die in der Realität so nicht vorkommen (Magie, Fiktive Welten, Superkärfte usw.) gibt es den Begriff "Verisimilitude" (https://en.wikipedia.org/wiki/Verisimilitude_(fiction)). Ich wollte den Begriff hier extra raushalten, aber okay. Ersetze bei fiktiven Welten das Wort Realismus durch Verisimilitude.

Es ist aber nicht dasselbe weil es für Magie kein reales Vorbild gibt das man durch Regeln abbilden will. Eine weise Stimme hier im Forum hat mal gesagt:

Jupp. Sind sie. Sie haben einen anderen Ansatz als Brettspiele. Schach hat völlig abstrahierte und auf Spielbarkeit getrimmte Regeln, während in Wargames die realistische Simulation der jeweiligen Begebenheit den Fokus hat. In Chainmal kann es keinen "Läufer" geben, der sich nur diagonal über die Felder bewegt.

Das ist richtig solange wir von normalen Truppen reden. Aber Magier (oder zaubernde Priester) könnten z.B. entlang von Kraftlinien teleportieren. Ob sowas in einem Fantasy Wargame vorkommt ist eine reine Designentscheidung und ja, Spielbarkeit spielt da meistens eine wesentliche Rolle. Selbst wenn man ein literarisches Vorbild hat ("Magie wie bei Tolkien") ist das bei weitem ungenauer als ein realistisches Vorbild ("Kannonen des 19. Jahrhunderts.")

Also Freizeitbeschäftigung, ist die Simulation nur das Werkzeug um Spass zu haben, a ka Spiel.

Es gibt halt auch Freizeitbeschäftigungen die keine Spiele sind. Aber mir geht es hier um den Unterschied zwischen "recreational wargaming" und "professional wargaming" https://en.wikipedia.org/wiki/Professional_wargaming (https://en.wikipedia.org/wiki/Professional_wargaming) Insbesondere: "Professional wargames tend to have looser rules and simpler models than recreational wargames, with an umpire arbitrating situations based on personal knowledge."

Wenn man das unter Wargaming versteht ist man natürlich sehr nah am Rollenspiel mit SL, aber recht weit weg von Chainmail/W40K (zumindest typischerweise). Interessanterweise ist diese Unterscheidung recht nah an Combat as War/Combat as Sport.
Und ob Wargames eher Combat as War oder eher Combat as Sport gleichen hängt davon ab welche Wargames man betrachtet.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 28.03.2026 | 12:18
Das ist richtig, aber ich habe auch nichts gegenteiliges behauptet.
Lies nochmal nach. Du hast meine entsprechende These relativiert.(Einfach weiter hoch gucken worauf Du vorher geantwortet hast.
In der Zwischenzeit hatten wir aber eh schon im Thread etabliert, dass Wargames keine Unterkategorie von Brettspielen sind.
Zitat
Es ist aber nicht dasselbe weil es für Magie kein reales Vorbild gibt das man durch Regeln abbilden will.
Deswegen ja auch der Begriff. Du versuchst so plausibel wie möglich die Situation für diese fiktive Spielwelt nachzubilden.
Wenn in Deiner fiktiven Welt Magie existiert, dann versuchst Du diese Magie so plausibel wie möglich in Regeln zu verpacken. Das ist Versimilitude. Genau dafür wird in fiktiven Geschichten der Begriff Versimilitude statt Realismus verwendet.
Der Rest ist aus meiner Sicht völlig egal für die Diskussion zwischen uns Beiden.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Galatea am 29.03.2026 | 12:02
Warum Fragen stellen, die man selber beantwortet?

Ist Schach auch kein Brettspiel, weil man das im Kopf spielen kann, wenn man ausreichend fit ist?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Blue Moon "for all intents and purposes" als Kartenspiel gesehen wird, egal ob man es mit Spielbrett spielt oder ohne.
Nur weil ein Spiel ein Spielbrett hat macht es das noch nicht zu einem Brettspiel (siehe Battletech).


Das ist richtig solange wir von normalen Truppen reden. Aber Magier (oder zaubernde Priester) könnten z.B. entlang von Kraftlinien teleportieren. Ob sowas in einem Fantasy Wargame vorkommt ist eine reine Designentscheidung und ja, Spielbarkeit spielt da meistens eine wesentliche Rolle.
Da kann ich sogar mindestens drei Beispiele für sowas in Wargames nennen, die Buglöcher im Starship Troopers Tabletop, die Tunneleingänge der Tyraniden in Epic40k und die Wurmlöcher der Koralons in Urban War.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 29.03.2026 | 13:08
Die Buglöcher waren bereits im Film gewesen. Du meinst die wurden bereits in den Film eingebaut, damit Du damit im Tabletop 8 Jahre später eine bessere Spielbarkeit erreichen kannst?
EDIT: Sorry, aber das traue ich gerade dem Verhoeven nicht zu...
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Metamorphose am 29.03.2026 | 15:20
Ich versuchs mal:
-Ein Wargame ist teilweise ein Brettspiel und teilweise nicht. Ein Wargame ist ein Spieltyp/Genre, ein Brettspiel ist das Format.
-In einem Wargame gehts meist um bewaffneten Krieg zwischen zwei Seiten, bei dem strategische und taktische Entscheidungen fokussiert werden. Der Krieg steh meist im Zentrum, simulationistische Aspekte werden meist zumindest teilweise eingebaut.

Trennscharf wird es durch weiterentwicklungen, verschiedenen Definitionen usw nie werden. Denkt dran: Es geht um Spiele, auch wenn manche Wargamer die Spiele und deren simulationistische Aspekte als sehr wichtig erachten. Seid trotzdem konstruktiv und as always respektvoll ;)
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 29.03.2026 | 15:38
-Ein Wargame ist teilweise ein Brettspiel und teilweise nicht. Ein Wargame ist ein Spieltyp/Genre, ein Brettspiel ist das Format.
Dem Teil kann ich voll zustimmen. :d
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 29.03.2026 | 17:05
Gaslands z.B. ist auch ein Wargame. Ohne Zinnfiguren, kann lineare(!) Rennen beinhalten. Erfordert null Material und Vorbereitung von den Spielern, es reicht wenn nur ein Spieler eine Handvoll (Hot Wheels, Matchbox, Siku etc) Autos direkt aus der Packung, selbst ausgeschnittene Karton Templates und Würfel ( zur Not reichen W6, auch wenn es dann etwas mühsam ist) hat.
So Tabletop ist vielleicht der bessere Begriff für Definitionsdiskssionen?

Das ist in einigen Punkten nicht richtig:

1) "Zinnfiguren" im engeren Sinne natürlich nicht, aber es ist ja schon lange klar, dass die Figuren auch z.B. aus Plastik sein dürfen, oder gar aus Holz geschnitzt oder aus Papier gefaltet; und dass es auch Dinosaurier oder Plastiksoldaten aus dem 100er-Pack vom Kiosk sein dürfen (sofern man letztere noch findet, ist sehr selten geworden).

2) Die Realität von Gaslands ist leider eben nicht das kreative DIY mit Autos und Sachen, die man noch rumliegen hat, sondern der gezielte Kauf von Autos und deren Modifkation mit Teilen aus dem 3D-Drucker oder von Herstellern - gezielt für Gaslands.

3) Das eigentlich entscheidende: Gaslands ist in den meisten Formaten eher ein Rennspiel. Und jedenfalls tatsächlich ein Spiel, bei dem die Zugehörigkeit zu "wargames" eher zweifelhaft ist. Man kann das allerdings argumentieren, gerade für die Kampf-bis-zum-Tod-Szenarien.

Ich schreibe das nicht, weil ich kontrovers sein möchte oder Lust am Widerspruch empfinde, sondern weil ich einerseits glaube, dass es komplizierter ist und andererseits, weil ich wenigstens Punkte 1 und 2 wichtig finde.

Dazu kommt, dass für praktisch jedes frei bewegliche Zinnfigurenspiel ("miniature wargame") gilt, dass man mit praktisch beliebigem Material spielen kann. "Proxen" wird im deutschsprachigen Bereich gern für diese Art der Darstellung von Spielfiguren mit anderen Mitteln verwendet. Abgeleitet von engl. "proxy" - "Ersatz". Jedenfalls ist auch das keine Besonderheit von Gaslands.

(Und ja, mir geht ein wenig auf den Keks, dass Gaslands als ach so "kreativ", ach so "punk", ach so "DIY" bejubelt wird. Es ist einfach nicht wahr. Ebensowenig wie bei diesen seltsamen Trench-Crusade-Sachen.)

Und ob Wargames eher Combat as War oder eher Combat as Sport gleichen hängt davon ab welche Wargames man betrachtet.

Ja, auf jeden Fall.
Bei "miniature wargames" hat sich (leider) durchgesetzt, dass man mittels Punktesystemen und dergleichen eine Art Waffengleichheit herstellen möchte. Funktioniert nicht gut. Das Ziel ist aber eindeutig Combat as Sport.
Spielt man hingegen historische Schlachten, oder meinetwegen auch welche aus Film- oder Buchvorlagen, nach, dann kann das viel mehr in Richtung Combat as War gehen, wo dann das Kräfteverhältnis sehr ungleich verteilt sein kann. (Macht, finde ich, erheblich mehr Spaß).
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Chobe am 29.03.2026 | 18:39
Ich versuchs mal:
-Ein Wargame ist teilweise ein Brettspiel und teilweise nicht. Ein Wargame ist ein Spieltyp/Genre, ein Brettspiel ist das Format.
This. Cosims, also Konfliktsimulationen gibt es in den verschiedensten Formaten. :)
Im Brettspiel-Bereich dürfte es nach meiner Wahrnehmung mit Abstand die meisten geben und die Anzahl und Frequenz neuer Releases wirkt auch nicht so, als würde das in irgendeiner Form weniger werden.
Und die haben alle Spielbretter mit Feldern o.ä., man kann also problemlos 1000 Cosims gespielt haben und hatte dabei nicht ein einziges Mal ein Maßband oder Lineal in der Hand. Den anfänglich erwähnten Fokus darauf gibt es also nicht.

In erster Linie sind alle Cosims thematische Spiele.
Damit meine ich nicht die subjektive Einordnung, wie thematisch ein Spiel auf einen wirkt, sondern das zugrunde liegende Designkonzept. Gerade im Brettspielformat ist das so ziemlich das Gegenteil eines Eurogames, denn ein gewisser Grad "Simulation", also die Abbildung von realen oder im fiktiven Setting real betrachtete Details, steckt in jedem thematischen Design. Cosims sind da in der Regel echte Vorzeigebeispiele.
(...wenn auch nicht unbedingt in punkto Streamlining oder Einsteigerfreundlichkeit, aber das ist ein anderes Thema.. :D )
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 29.03.2026 | 21:40
In erster Linie sind alle Cosims thematische Spiele.
Damit meine ich nicht die subjektive Einordnung, wie thematisch ein Spiel auf einen wirkt, sondern das zugrunde liegende Designkonzept. Gerade im Brettspielformat ist das so ziemlich das Gegenteil eines Eurogames, denn ein gewisser Grad "Simulation", also die Abbildung von realen oder im fiktiven Setting real betrachtete Details, steckt in jedem thematischen Design. Cosims sind da in der Regel echte Vorzeigebeispiele.
(...wenn auch nicht unbedingt in punkto Streamlining oder Einsteigerfreundlichkeit, aber das ist ein anderes Thema.. :D )

Das ist ein sehr wichtiger Punkt  :d Man könnte auch von "Simulationsspielen" statt von "thematischen Spielen" sprechen (meint aber dasselbe und "thematic games" ist verbreitet).

Du verwendest "Wargame" und "Cosim" synonym?
Ich würde den Sinn dahinter verstehen, meine aber, dass "Cosim" im landläufigen Gebrauch vor allem Hex-and-Counter-Spiele bezeichnet, ggf. auch ähnliche Spiele (Storm over Arnhem gehört da sicher mit rein, hat aber keine Hexfelder etc.)
"Wargame" hingegen beinhaltet auch (und vielleicht vor allem?) "miniature wargames".
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Colgrevance am 29.03.2026 | 22:36
Das ist ein sehr wichtiger Punkt  :d Man könnte auch von "Simulationsspielen" statt von "thematischen Spielen" sprechen (meint aber dasselbe und "thematic games" ist verbreitet).

Da wäre ich vorsichtig, meinem Verständnis nach ist "Thematic Games" ein Begriff, der üblicherweise nicht deckungsgleich mit "Simulationsspielen" verwendet wird und normalerweise Wargames i. e. S. nicht mit einschließt. Hier eine Quelle dazu: https://boardgamegeek.com/wiki/page/Thematic_Games
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 30.03.2026 | 05:15
@felixs: Cosim ist die deutsche Bezeichnung für Wargames. Ich meine mal gelesen zu haben, dass man aus offensichtlichen Gründen in Deutschland den Begriff Kriegsspiel vermeiden wollte und deshalb von Konfliktsimulationen in den 80-er und 90-er redete.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Chobe am 30.03.2026 | 15:23
Da wäre ich vorsichtig, meinem Verständnis nach ist "Thematic Games" ein Begriff, der üblicherweise nicht deckungsgleich mit "Simulationsspielen" verwendet wird und normalerweise Wargames i. e. S. nicht mit einschließt. Hier eine Quelle dazu: https://boardgamegeek.com/wiki/page/Thematic_Games
Nein, das passt schon ganz gut.

"Thematic games are games that emphasize a highly developed theme, characters, heroes, or factions (...)"
Thema wird durch nichts besser transportiert als durch thematische Mechanismen - nicht Artwork, Miniaturen oder ein bißchen Flufftext hier und da. Diese Beschreibung auf BGG beschreibt meiner Meinung nach eher klassischen Ameritrash, gerade wegen "moderate to high level of luck". Das sind natürlich auch alles thematische Spiele (oder wollen es sein), aber nicht jedes thematische Spiel ist automatisch Ameritrash, darüber sind wir weit hinaus.

Meiner Meinung nach simulieren thematische Spiele grundsätzlich immer etwas, so gut und detailliert wie sie es können oder es für noch spielbar halten. :D
Egal ob Sword & Sorcery sich z.B. einem bewaffneten Gruppenkampf in einem Videospiel annähert, Rallyman DIRT den Druck und div. Aspekte einer Werteprüfung abbildet oder All Things Zombie der Tatsache Rechnung trägt, dass während einer Zombieapokalypse nicht alle Überlebenden automatisch Helden mit Nerven aus Stahl sein müssen, deren Verhalten immer durchdacht und berechenbar ist. ;D

Cosim-fokussierte Verlage und Designer kommen ja auch immer wieder mit völlig anderen Spielethemen daher, deren Regelwerk macht aber oftmals sofort klar, wo die Wurzeln liegen, z.B. Thunder Alley, Grand Prix, Space Empires 4X, All Things Zombie oder Dawn of the Zeds.

Die Schubladen bei BGG sind da schon immer etwas beliebig gewesen, meiner Meinung nach. z.B. sind Der Ringkrieg und Dune: Krieg um Arrakis auch als Wargames gelistet, Star Wars Rebellion aber nicht. :think:
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Gorilla am 30.03.2026 | 15:57
Hui, da hat man mal ein Wochenende lang nicht die Zeit, das Tanelorn ausführlich zu verfolgen und schon versucht die Community hier sich an der großen Aufgabe, die definitorischen Lücken mit unserer Zeit mit vermeintlich eindeutigen Begriffen zu füllen. Zu einem Unterhaltungsmedium, das seit einigen Jahren und aktuell massiv im Wandel ist und das sich immer mehr zu einem immer relevanteren Mainstream-Phänomen entwickelt. Spannend.

Nein, wargame und board game gehören einfach nicht zur gleichen Oberkategorie. Ein Spiel kann beides sein, oder nur eines, oder gar keines davon.
Board wargame = Beides.
Miniatures wargame = Nur eines.
City-building board game = Nur eines.
Trivia card game = Keines.

Ich versuchs mal:
-Ein Wargame ist teilweise ein Brettspiel und teilweise nicht. Ein Wargame ist ein Spieltyp/Genre, ein Brettspiel ist das Format.
-In einem Wargame gehts meist um bewaffneten Krieg zwischen zwei Seiten, bei dem strategische und taktische Entscheidungen fokussiert werden. Der Krieg steh meist im Zentrum, simulationistische Aspekte werden meist zumindest teilweise eingebaut.

Trennscharf wird es durch weiterentwicklungen, verschiedenen Definitionen usw nie werden. Denkt dran: Es geht um Spiele, auch wenn manche Wargamer die Spiele und deren simulationistische Aspekte als sehr wichtig erachten. Seid trotzdem konstruktiv und as always respektvoll ;)

Die beiden Antworten sehe ich hier bisher am fruchtbarsten an.
Eine Trennschärfe und Eineindeutigkeit (d.h. ein Konsummedium kann nur das Eine und nicht gleichzeitig das Andere sein) wird uns wohl eher nicht gelingen.
Versucht das mal ähnlich in einem Forum zum Thema Musik, Literatur oder wasauchimmer - und dort gibt es seit Jahrhunderten wissenschaftliche Forschung zu diesen Fachbereichen.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Colgrevance am 30.03.2026 | 18:41
Nein, das passt schon ganz gut.

"Thematic games are games that emphasize a highly developed theme, characters, heroes, or factions (...)"
Thema wird durch nichts besser transportiert als durch thematische Mechanismen - nicht Artwork, Miniaturen oder ein bißchen Flufftext hier und da. Diese Beschreibung auf BGG beschreibt meiner Meinung nach eher klassischen Ameritrash, gerade wegen "moderate to high level of luck". Das sind natürlich auch alles thematische Spiele (oder wollen es sein), aber nicht jedes thematische Spiel ist automatisch Ameritrash, darüber sind wir weit hinaus.

Meiner Meinung nach simulieren thematische Spiele grundsätzlich immer etwas, so gut und detailliert wie sie es können oder es für noch spielbar halten. :D
Egal ob Sword & Sorcery sich z.B. einem bewaffneten Gruppenkampf in einem Videospiel annähert, Rallyman DIRT den Druck und div. Aspekte einer Werteprüfung abbildet oder All Things Zombie der Tatsache Rechnung trägt, dass während einer Zombieapokalypse nicht alle Überlebenden automatisch Helden mit Nerven aus Stahl sein müssen, deren Verhalten immer durchdacht und berechenbar ist. ;D

Cosim-fokussierte Verlage und Designer kommen ja auch immer wieder mit völlig anderen Spielethemen daher, deren Regelwerk macht aber oftmals sofort klar, wo die Wurzeln liegen, z.B. Thunder Alley, Grand Prix, Space Empires 4X, All Things Zombie oder Dawn of the Zeds.

Die Schubladen bei BGG sind da schon immer etwas beliebig gewesen, meiner Meinung nach. z.B. sind Der Ringkrieg und Dune: Krieg um Arrakis auch als Wargames gelistet, Star Wars Rebellion aber nicht. :think:

Ok, das ist deine Meinung; ich sehe das anders und habe zumindest Mal eine Sichtweise der größten Spieledatenbank zitiert, was darauf hindeutet, dass ich da nicht alleine stehe. Was ist dein Beleg?

Ich glaube, ich habe meine Perspektive nicht klar genug gemacht: Es geht mir hier um eine rein deskriptive Sicht, also wie der Begriff von einer Mehrzahl der Spieler aufgefasst wird. Präskriptiv eine ideale, allgemeingültige Definition zu finden wird m. E. nicht gelingen (und ich sehe auch keinen unmittelbaren Nutzen darin).
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Chobe am 30.03.2026 | 23:04
Ok, das ist deine Meinung; ich sehe das anders und habe zumindest Mal eine Sichtweise der größten Spieledatenbank zitiert, was darauf hindeutet, dass ich da nicht alleine stehe. Was ist dein Beleg?

Ich glaube, ich habe meine Perspektive nicht klar genug gemacht: Es geht mir hier um eine rein deskriptive Sicht, also wie der Begriff von einer Mehrzahl der Spieler aufgefasst wird. Präskriptiv eine ideale, allgemeingültige Definition zu finden wird m. E. nicht gelingen (und ich sehe auch keinen unmittelbaren Nutzen darin).
Mein Beleg ist BGG selbst, das widerspricht seiner eigenen Definition an allen Ecken und Enden.
Es gibt z.B. Subdomains, für War-, Abstract oder auch Thematic Games. Wenn du da mal die Top 100 aufmachst, hast du da ein Gloomhaven, Frosthaven, Sleeping Gods, Klong, Sky Team, Mage Knight oder Obsession.

Wie gut passt das deiner Meinung zu BGGs 'offizieller' Beschreibung eines thematischen Spiels? :D
Meine Theorie ist, dass diese Einträge einfach ewig nicht aktualisiert wurden.. es wirkt auf mich, als hätte da einfach jemand (offended ^^) "Ameritrash" mit "Thematic Games" ausgetauscht und alles andere aber so stehen gelassen. Oder mein nächster Punkt ist dafür verantwortlich:

Bei der Suche nach der verbreitetsten Sichtweise, würde ich persönlich mich erstmal auf etwas beschränken, das für mich relevant ist... z.B. das Land Deutschland. :) Sehr vieles, über das wir hier plaudern, dürfte z.B. in den USA oder hierzulande sehr unterschiedliche Antworten ergeben.

Ich verstehe z.B. bis heute nicht, wieviele "kooperativ" beworbene Spiele da drüben entwickelt wurden und werden, die einen "Gewinner" kühren, also faktisch ihrem eigenen Konzept im Weg stehen.  wtf?
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Colgrevance am 31.03.2026 | 10:03
Mein Beleg ist BGG selbst, das widerspricht seiner eigenen Definition an allen Ecken und Enden.

Du argumentierst immer noch auf der inhaltlichen Ebene (auf der ich dir nicht einmal widersprechen würde), wohingegen ich über die übliche Verwendung des Begriffs "thematic games" geschrieben habe - für letzteres ist es direkt zunächst egal, ob es widersprüchliche Kategorien gibt oder ein Begriff "sinnvoll" definiert ist.

Nur dein Argument mit Deutschland vs. Amerika/anglophoner Raum ist sicherlich ein guter Punkt - ich bin vor allem auf englischsprachigen Seiten unterwegs, mag also sein, dass wir da unterschiedliche Referenzrahmen haben.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Chobe am 31.03.2026 | 11:49
Du argumentierst immer noch auf der inhaltlichen Ebene (auf der ich dir nicht einmal widersprechen würde), wohingegen ich über die übliche Verwendung des Begriffs "thematic games" geschrieben habe - für letzteres ist es direkt zunächst egal, ob es widersprüchliche Kategorien gibt oder ein Begriff "sinnvoll" definiert ist.

Nur dein Argument mit Deutschland vs. Amerika/anglophoner Raum ist sicherlich ein guter Punkt - ich bin vor allem auf englischsprachigen Seiten unterwegs, mag also sein, dass wir da unterschiedliche Referenzrahmen haben.
Du hattest doch die "Sichtweise der größten Spieledatenbank" herangezogen, die ich einfach nur entwertet habe, bzw. diesen einen Wiki-Eintrag, der offensichtlich nichtmal für die Plattform selbst etwas aussagt.

Ah.. mein Fehler, ich dachte tatsächlich, es wäre klar, dass der Begriff, je nachdem wohin man schaut, quasi für alles mögliche verwendet wird. :D
Für viele ist es einfach nur modern benannter Ameritrash, bei Eurogamern hierzulande wird es z.B. allzu gerne für jedes Spiel verwendet, das subjektiv Thema erzeugt, sobald jemand gerne über Designprinzipien nachdenkt oder selbst damit zu tun hat, ist meine Definition relativ verbreitet.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Ich habe den Wiki-Eintrag mal komplett gelesen, der ist ja komplett an der Spielegegenwart vorbei... wtf?
Nach der Beschreibung bzw. deutlichen Abgrenzung zu "traditional wargames" wären alle einsteigerfreundlichen und/oder fiktive Settings behandelnden Titel keine Wargames. ;D
Also so ziemlich alles von Columbia Games, das letzte Spiel der COIN-Reihe...
Mindestens mal fragwürdig würde ich das nennen. ;D
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Colgrevance am 31.03.2026 | 13:02
Ah.. mein Fehler, ich dachte tatsächlich, es wäre klar, dass der Begriff, je nachdem wohin man schaut, quasi für alles mögliche verwendet wird. :D

Mir ist das klar; wenn du das auch so sieht, warum widersprichst du dann meinem ersten Kommentar, in dem ich nach felixs' Deutung von "thematic games" einfach nur darauf hingewiesen habe, dass der Begriff (m. M. n. von großen Teilen der Spielerschaft, aber da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren - mit passenden Belegen) auch anders verwendet wird?


Ich habe den Wiki-Eintrag mal komplett gelesen, der ist ja komplett an der Spielegegenwart vorbei... wtf?
Nach der Beschreibung bzw. deutlichen Abgrenzung zu "traditional wargames" wären alle einsteigerfreundlichen und/oder fiktive Settings behandelnden Titel keine Wargames. ;D
Also so ziemlich alles von Columbia Games, das letzte Spiel der COIN-Reihe...
Mindestens mal fragwürdig würde ich das nennen. ;D

Hier sind wir wieder auf der Ebene, wie sinnvoll eine Definition inhaltlich ist - das ist überhaupt nicht mein Thema. Wir reden hier meinem Eindruck nach aneinander vorbei, daher steige ich an dieser Stelle aus.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Chobe am 31.03.2026 | 15:45
Mir ist das klar; wenn du das auch so sieht, warum widersprichst du dann meinem ersten Kommentar, in dem ich nach felixs' Deutung von "thematic games" einfach nur darauf hingewiesen habe, dass der Begriff (m. M. n. von großen Teilen der Spielerschaft, aber da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren - mit passenden Belegen) auch anders verwendet wird?
(...)
Hm... jetzt komme ich nicht mehr mit: Erst verallgemeinert du, wie ein Begriff "üblicherweise" verwendet wird und nachdem wir uns einig sind, dass Umfeld, Land etc. zu verschiedenen Ansichten führt, wirft mein Widerspruch zu deiner Verallgemeinerung Fragen auf? :think:

Naja, egal.
Ich hatte reichlich begründet, wieso dieser eine Wiki-Eintrag völlig an der Zeit vorbei ist und meiner Meinung nach ist es gerade nicht verkehrt, mal über eine vielleicht zeitgemäßere und besser funktionierende Genre-Abgrenzung zu reden.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Chobe am 2.04.2026 | 10:59
Was soll BattleTech denn sein, wenn kein Brettspiel? Also, ein Miniaturenspiel ist es schonmal nicht - ich spiele das seit Jahhrzehnten und habe noch nie Miniaturen dafür gebraucht.
Das ist eine gute Frage.
Ich habe das Spiel auch Ewigkeiten wie ein ganz normales Brettspiel gespielt, Miniaturen, Counter, viele verschiedene Karten mit Hexfeldern.
Mit all den ganzen Tabellen, um ziemlich detailliert technisches Versagen einzelner Bauteile abzubilden... eigentlich ein Wargame? ;D

Ich würde sagen, im Kern ist es schon ein Tabletop. Es wurde aber - wie heute auch noch sehr oft - in einsteigerfreundlichen Brettspielen angeboten, sozusagen als Teaser.
Spannend finde ich dabei, dass das gefühlt bei gar nicht wenigen Leuten nie zum Einstieg ins Tabletop-Hobby geführt hat. ;D
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Galatea am 2.04.2026 | 13:27
Was soll BattleTech denn sein, wenn kein Brettspiel? Also, ein Miniaturenspiel ist es schonmal nicht - ich spiele das seit Jahhrzehnten und habe noch nie Miniaturen dafür gebraucht.
Ich spiel Battletech seit Ewigkeiten nur noch mit Miniaturen und Gelände, Distanzen werden in Zoll gemessen statt in Feldern.
Sieht auch optisch viel besser aus, weil die Entfernungen nicht so lächerlich kurz sind. Ergo, kein Brettspiel.

Zudem nach der Denkweise auch Battlefleet Gothic ein Brettspiel wäre, wenn man das mit Markern spielt (was absolut möglich ist, weil für Spielzwecke nur das Base der Schiffe zählt (Modell ist völlig egal) und es auch für Gelände Schablonen gibt, Spielfeldtischdecken sowieso).
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Ainor am 4.04.2026 | 10:03
Es ist eigentlich ganz einfach. Man muss nur die Spielmechanik (also das Spiel im mathematischen Sinne), die Implementierung (Karten, Brett Würfel, etc), und das Thema (Wargame, Fantasyabenteuer, etc.) auseinanderhalten.

Da kann ich sogar mindestens drei Beispiele für sowas in Wargames nennen, die Buglöcher im Starship Troopers Tabletop, die Tunneleingänge der Tyraniden in Epic40k und die Wurmlöcher der Koralons in Urban War.

Gutes Beispiel.

Die Buglöcher waren bereits im Film gewesen. Du meinst die wurden bereits in den Film eingebaut, damit Du damit im Tabletop 8 Jahre später eine bessere Spielbarkeit erreichen kannst?

Naja, die Inspiration für Buglöcher sind offenbar Ameisennester. Das Thema (Insektenaliens) gibt also vor das es sowas wie Buglöcher gibt. Wie sie dann implementiert sind ist eine andere Frage da es keine direkten realen Vorbilder gibt, aber sie können eben dazu führen dass es "schräge" Zugmöglichkeiten gibt. Ich kenne die 40K Regeln nicht, aber bei Starcraft waren sie quasi Teleporter.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: 6 am 4.04.2026 | 10:21
Naja, die Inspiration für Buglöcher sind offenbar Ameisennester. Das Thema (Insektenaliens) gibt also vor das es sowas wie Buglöcher gibt. Wie sie dann implementiert sind ist eine andere Frage da es keine direkten realen Vorbilder gibt, aber sie können eben dazu führen dass es "schräge" Zugmöglichkeiten gibt. Ich kenne die 40K Regeln nicht, aber bei Starcraft waren sie quasi Teleporter.
Nochmal zurück zu Deiner Argumentation, auf die das Beispiel mit den Buglöchern gekommen ist und auf die ich geantwortet habe:
Ob sowas in einem Fantasy Wargame vorkommt ist eine reine Designentscheidung und ja, Spielbarkeit spielt da meistens eine wesentliche Rolle.

Jetzt nochmal: Hat Paul Verhoeven also aus Deiner Sicht Buglöcher in den Film eingebaut, um dem zugehörigen Spiel dann 8 Jahre später eine bessere Spielbarkeit zu ermöglichen?
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: felixs am 6.04.2026 | 19:49
Da wäre ich vorsichtig, meinem Verständnis nach ist "Thematic Games" ein Begriff, der üblicherweise nicht deckungsgleich mit "Simulationsspielen" verwendet wird und normalerweise Wargames i. e. S. nicht mit einschließt. Hier eine Quelle dazu: https://boardgamegeek.com/wiki/page/Thematic_Games

Das liegt aber hauptsächlich daran, dass BGG für "traditional wargames" (gemeint sind "hex and counter wargames", nicht Schach etc.) nochmal eine eigene Kategorie hat.
Sind halt alles historisch gewachsene Kategorien.
Mir scheint, dass so ziemlich alle "wargames" auch "thematic games" und auch "Simulationsspiele" sind, aber nicht andersrum.

Ich würde der oben geäußerten Meinung (habe den Überblick verloren, wer was vertritt - und ist ja auch egal) zustimmen, dass die BGG-Kategorien als Bezug für den Versuch einer systematischen Kategorisierung von Spielen eher untauglich sind. Mir ist aber auch keine bessere Systematik bekannt.

@felixs: Cosim ist die deutsche Bezeichnung für Wargames. Ich meine mal gelesen zu haben, dass man aus offensichtlichen Gründen in Deutschland den Begriff Kriegsspiel vermeiden wollte und deshalb von Konfliktsimulationen in den 80-er und 90-er redete.

Ja, der politische/soziale Hintergrund ist sicher so. Gern auch "Kosim" geschrieben.

Andererseits umfasst "Cosim/Kosim" auf deutsch dann aber eben den Bereich der Zinnfigurenspiele eher nicht. Meine zumindest, das so noch nie gesehen zu haben.
Titel: Re: Wargames vs. Brettspiele
Beitrag von: Ainor am 8.04.2026 | 01:32
Jetzt nochmal: Hat Paul Verhoeven also aus Deiner Sicht Buglöcher in den Film eingebaut, um dem zugehörigen Spiel dann 8 Jahre später eine bessere Spielbarkeit zu ermöglichen?

Die relevante Frage ist: ergibt sich aus den Buglöchern im Film die spielmechanische Umsetzung in davon abgeleiteten Spielen?