Pen & Paper - Spielsysteme > Fate
Dungeoncrawling mit Fate
nobody@home:
--- Zitat von: viral am 23.12.2016 | 10:27 ---Wo ich mir bei Fate etc. etwas schwer tue, wie spürt der Charakter und damit der Spieler die Gefahr, wenn das Dahinscheiden des Charakters eigentlich nicht gewollt ist?
--- Ende Zitat ---
Gegenfrage: wie oft wollen wir ganz konkret Spielercharaktere umbringen? Das scheint mir so ein Punkt zu sein, um den sich "aber die SC müssen doch ihr Leben riskieren, sonst gibt's ja keinen richtigen Nervenkitzel!"-Argumente gerne herumdrücken...
--- Zitat von: Greifenklaue am 23.12.2016 | 10:36 ---Aber auch das ist nicht Herausforderung {in meinen Augen}.
--- Ende Zitat ---
Tja -- was ist es dann?
Greifenklaue:
--- Zitat von: nobody@home am 23.12.2016 | 10:44 ---Tja -- was ist es dann?
--- Ende Zitat ---
Wenn ich Dir das so sagen könnte. Ich versuche es mal so:
Für mich ist Herausforderung das Überwinden einer Schwierigkeit mit bordeigenen Mitteln des Charakters.
Das ist womöglich der Grund, warum es mir schwer fällt, es bei Fate als Herausforderung wahrzunehmen. Auch hier ist es eine Herausforderung, aber eher an meine eigene Kreativität - was Spaß macht, ich aber nicht als die von mir gesuchte Herausforderung im Dungeoncrawl wahrnehme.
Ich hoffe, das hilft ;)
nobody@home:
--- Zitat von: Greifenklaue am 23.12.2016 | 10:55 ---Wenn ich Dir das so sagen könnte. Ich versuche es mal so:
Für mich ist Herausforderung das Überwinden einer Schwierigkeit mit bordeigenen Mitteln des Charakters.
Das ist womöglich der Grund, warum es mir schwer fällt, es bei Fate als Herausforderung wahrzunehmen. Auch hier ist es eine Herausforderung, aber eher an meine eigene Kreativität - was Spaß macht, ich aber nicht als die von mir gesuchte Herausforderung im Dungeoncrawl wahrnehme.
Ich hoffe, das hilft ;)
--- Ende Zitat ---
Na, ich weiß nicht. In erster Näherung scheint das "Herausforderung" doch wieder hauptsächlich auf so was wie "Überwürfeln eines angemessenen Schwierigkeitsgrads unter Verwendung aller zusammenklaubbaren Boni" zu reduzieren (denn was, bitteschön, sind die "bordeigenen Mittel des Charakters" sonst?), und da bin ich mir erstens gar nicht so sicher, daß das schon wirklich das ist, was du meinst, und zweitens kann ich das bei Fate natürlich auch haben.
Kampfwurst:
--- Zitat von: viral am 23.12.2016 | 10:27 ---Wo ich mir bei Fate etc. etwas schwer tue, wie spürt der Charakter und damit der Spieler die Gefahr, wenn das Dahinscheiden des Charakters eigentlich nicht gewollt ist?
--- Ende Zitat ---
Dresden Files Accelerated löst das, indem es den Charaktertod wieder explizit auf den Tisch bringt. Wenn du die "Doomed" Condition angekreuzt hast (ungefähr äquivalent zur 6er Konsequenz), dann (und nur dann) ist es explizit möglich, dass der Charakter sterben kann, wenn er aus dem Kampf genommen wird. Das lässt sich so oder ähnlich sicherlich auch hier umsetzen.
Chruschtschow:
Das Heilen wurde ja schon weiter oben angesprochen. Außerdem die Herausforderung.
Die Antwort darauf ist fast die gleiche. Das beginnt damit, was ich persönlich mit dem Dungeon machen wollte und für welche Arten von Dungeon ich Fate für geeignet halte. Zu aller erst gehe ich mal davon aus, dass wir hier von einem festen Dungeonsetting sprechen. Nur dann lohnt sich eine Anpassung der Mechanik im größeren Umfang. Nur mal hier und da ein bisschen Dungeon? Da spiele ich mit dem normalen Fate Core und mache das wie im Beispielabenteuer von Masters of Umdaar beschrieben. Fertig. War of Ashes hat auch was dazu. Das ist halt der Dungeon im Fate-"Normalbetrieb".
Als nächstes sehe ich beim speziellen Dungeonsetting den Dungeon vergleichbar mit Höhenbergsteigen. Oberhalb von 7000 Metern ist ein Mensch, der sich ans Klima angepasst hat, nicht mehr fähig zu regenerieren. Er muss schaffen, wozu er gekommen ist mit den Kräften, die er jetzt noch hat. Sind die aufgebraucht, wird die nächste Truppe ein Gebet über seine Überreste sprechen können. Mehr nicht. Bergen? Vergesst es, dafür sind die nicht da, dafür sind keine Kräfte übrig, denn auch die sind nur auf geborgter Zeit dabei.1
Wunderbar, das beantwortet die Frage nach Heilung: Antrag abgelehnt.
Bei Fate ist aber die Spielleitung viel mehr jemand, der mit der Gruppe zusammen agiert. Klar, ich produziere Hindernisse, Steine im Weg, Komplikationen und Kosten, die die Gruppe und die einzelnen SC zu tragen habe. Aber so richtig dagegen, wie es in diesem Spielstil laufen müsste, kann es nicht durch die Spielleitung gehen. Dafür ist es einfach das falsche System. Also brauche ich das System selbst als Gegner. Und das gibt Fate durchaus her.
Entrée Fight Fire2. Es braucht also ein relativ crunchiges Fate, das die Probleme aus seinem Spielsystem ohne willkürlichen Eingriff der Spielleitung generiert - zumindest in einem bestimmten Rahmen. Dementsprechend würde ich die einzelnen interessanten Dungeonorte wie schon oben erwähnt mit einem Satz von Werten ausstatten. Dann noch ein paar Infos dazu, wie Konsequenzen und Misserfolge aussehen könnten. Wenn die Leute dann im Dungeon agieren, vergeht Zeit. Und diese Zeit erlaubt dem "Dungeon" zu handeln und anzugreifen. Wobei dieses Angreifen einfach nur das passive Vorhandensein von Gefahren ist. Aber eben so ein bisschen wie das Feuer in Fight Fire. Das fühlt sich an wie ein lebendiges Ding. Schaut Backdraft, wenn ihr wissen wollt, was ich meine. Das Feuer brennt halt so vor sich hin. Aber gerade die Szene mit Robert DeNiro, in der er über den Brandverlauf und die Eigenheiten des Feuers spricht, als wäre es ein lebendes, ein böses Wesen, trifft es sehr gut.
Ganz grober Entwurf:
Die Gruppe hat die alte Bibliothek der versunkenen Stadt erreicht. Die ist vor allem unübersichtlich mit zahlreichen kleineren und größeren Räumen voller Regale, gefüllt mit altem Pergament. Einstürze und umgekippte Regale aus Stein tun ihr übriges, um die Bibliothek in ein chaotisches Gewimmel zu verwandeln. (Labyrinth 4) Dazu sind die alten Regale ebenso wie die Böden der Zwischenstockwerke ziemlich brüchig. (Zerfall 2) Niemand käme auf die Idee hier Fallen unterzubringen, aber dafür hat das ein oder andere Dokument zauberischer Art und die Schutzfunktionen mancher Beschwörungsschriftrollen langsam durch (Falle 3). Wenigstens haben alle Bewohner der Tiefe festgestellt, dass es hier nicht cool ist, rumzulungern (Monster 1).
Jetzt will Abraka die Magierin hier eine bestimmte Schriftrolle finden. In dem Chaos. Na dann. Sie hat eine Idee, was sie wo suchen muss. Also los: "Ich werde in die unteren Ebenen der Bücherei hinab steigen, um dort nach dem Manifest zu schauen. Die Beschreibung in den Werken des verrückten Eremiten sollten da hoffentlich stimmen." - Sie möchte also das Problem mit Nachforschung überwinden, dass in diesem Chaos das Manifest versteckt liegt. Die Unterlagen des Eremiten sind aber echt gut. Die eigentliche Gefahr rührt also eher von den gefährlicheren Werken der tiefen Ebenen ab. Die SL wirft aktiv Falle dagegen. Je nach Ergebnis kann Abraka also das Manifest finden, aber sie fliegt vielleicht auch in die Luft (Konsequenz bei einem Erfolg für einen kleinen Preis bei Gleichstand). Oder es geht richtig ab (Szenenwechsel zu einem Konflikt gegen den frei gebrochenen Dämon, Cliffhanger, weil es irgendeine Kettenreaktion bei den in magische Flammen aufgehenden Werken gab bei einem Erfolg für einen großen Preis).
Bobil der Hobbit will lieber mal schauen, ob er einen verborgenen Pfad von der alten Bibliothek in den Palast nebenan findet. Die Statuen am Eingang des Palastes sahen etwas zu lebendig aus. Also geht er mit Wahrnehmen oder vielleicht auch Diebeskunst gegen den Labyrinth-Wert der Bibliothek vor. Bei einem Gleichstand verläuft er sich vielleicht und es dauert lange, bis die Gruppe wieder zusammen ist. Das wäre ein Kreuzchen auch der Hunger-Komplikation. Daher die Zustände aus meinem ersten Beitrag. Oder schlimmeres passiert. Die Ausgestaltung der Konsequenz würde ich da aber stark der Spielleitung überlassen, weil die sich stark kontextabhängig ist.
Und wenn alle ein Mal dran waren, haut der Dungeon noch mal mit Zerfall drauf und Chanya die Kriegerin verschwindet in einem Loch. Klar, sie kommt wieder raus, aber ihr linker Arm hat was abbekommen (leicht Konsequenz, autsch).
Weitere Ideen wären noch, dass zum Beispiel eine Suche eher als Wettstreit abgehandelt wird. Und behalt ein paar Konsequenzen für den Rückweg übrig, sonst wird das mit dem Charaktertod akuter als gedacht.
1) Wobei ich Zwischenlager im Expeditionsstil nicht ausschließen will, zu denen Abenteurer zurück kehren können, um zumindest einen Teil ihrer Kräfte zu regenerieren.
2) Fight Fire ist ein Fatesetting von Jason Morningstar im Fate Worlds Volume One: Worlds on Fire. Einen kleinen Einblick in den Aufbau eines Feuers seht ihr hier. Wie gesagt sehr crunchig. Aber das halte ich für den Dungeoncrawl durchaus auch für angebracht.
Und noch ein Disclaimer hinterher: Im Spiel ist das vielleicht totaler Mist. Ich fabuliere nur mal so rum, was vielleicht eventuell wie auch immer ginge.
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