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Die Götter von Eberron

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Quaint:
Ich glaube hier prallen auch einfach ein wenig unterschiedliche Philosophien aufeinander.
Ich hab jetzt noch nicht soviel in Eberron gespielt, aber schon einiges an anderem DnD und die Beschreibungen der Götter sind ja meist relativ knapp. Das war in meinen Runden aber noch nie ein Problem, weder für SL noch für Spieler. Nur bei einer Handvoll Götter in einigen Welten gibt es da durch Romane usw. mehr Material.

Bei DnD werden da glaube auch einfach mehr Freiräume gelassen. Die zwischen Orkschnetzeln und Drachenhort plündern ein wenig mit Leben zu füllen, kann man durchaus machen, wenn einem danach ist, aber es ist jetzt auch nicht notwendigerweise ein Beinbruch, wenn man das nicht tut. Letzten Endes spielen sich z.B. viele Kleriker zumindest ähnlich, auch wenn sie substantiell anderen Göttern dienen.
Bei DSA gibt es da mehr Material, das ja auch teilweise sehr ins Detail geht. Und das alles zu studieren ist auch nicht jedermann's Sache. Und man muss sich ggf. eben auch an dem Material messen lassen, da kann es schonmal vorkommen, dass man darauf hingewiesen wird, das z.B. Boroni normalerweise soundso sind bzw es wird implizit oder explizit die Falschheit der Charakterdarstellung angesprochen. Umgekehrt kann dieses Material das Spiel natürlich auch bereichern, und ich würde jetzt, trotz wenig Erfahrung mit DSA Regeln, nicht unbedingt sagen, dass sich ein Borongeweihter, eine Hesindergeweihte oder eine Traviageweihte ähnlich spielen.

Und bei Eberron kommt halt erschwerend noch hinzu, dass die Religionen ein wenig auf dem absteigenden Ast sind, scheint mir, vor lauter modernem Krimskram, Luftschiffen, Eisenbahn, intelligente Roboter usw usf. und eben auch in diverser Hinsicht zumindest mal mit der Konkurrenz der Dragonmarked Houses zu kämpfen haben. Da finde ich es sogar einigermaßen passend, wenn man relativ weltliche und abgeklärte Priester hat, die nicht bei jeder Gelegenheit quasi-abergläubisch den Namen ihres Herrn in den Mund nehmen. Man kann es ja auch so sehen, dass der Kleriker eben seine entsprechenden Fähigkeiten und Kräfte erhalten hat, und die dann Bitte im Sinne seiner Religion einsetzt, aber einfach so zu beten wird (bekanntermaßen) normalerweise keine Wirkung haben. Schließlich hat DnD überlicherweise keine Regeln für spontanes göttliches Eingreifen.

Rev. Bilk:
Grundsätzlich muss man in die Diskussion mit einbeziehen, das Eberron unter der Prämisse entwickelt wurde, D&D mit film Noir Elementen zu vermengen. Somit sind die generell in DSA (unterschwellig) und sonstigen D&D-Welten stark verknüpften Gesinnung <> Glaube-Geflechte hinfällig. Des Weiteren wird durch das Steampunk-Feeling die Welt auch zum Teil am Rande der Frühindustrialisierung (wenn auch auf magische Weise) gebracht.

Dies bringt mich zu folgenden Aussagen:
- je mehr der Mensch mit sich selbst und seinem Überleben (vgl. auch der Letzte Krieg auf Eberron), desto mehr rückt die Religion in den Hintergrund
- "Wunder" werden durch magischen Fortschritt abgelöst

Vergleiche das Ganze doch einmal mit der realen christlichen Kirche. Auch diese Institution hat in den letzten Jahrhunderten an Präsenz und Relevanz im öffentlichen Leben verloren. Somit weiß auch nicht Hinz & Kunz, welcher Heilige heute verehrt werden sollte bzw. welcher christliche Feiertag ist. Noch weniger weiß jedermann, welche Abspaltung der christlichen Kirche welchen Teil des gesamtchristlichen Glaubens-/ Ritualfundus verfolgt und wer welche Mittel für angemessen hält.

Daher würde ich mir nicht den Kopf machen, ob die Glaubensdarstellung einem Kanon entspricht. Fordere einfach Deine Spieler dazu auf, kreativ zu sein und Ihre Position im Glauben ihrer Kirche selbst zu bestimmen.

aikar:
Danke an alle für das ausführliche Feedback!

Damit keine falschen Vorstellungen aufkommen: Ich bin zwar (wie die meisten) mit DSA im Rollenspiel groß geworden, habe aber kein Problem mit freiem, dynamischen Spiel. Meine persönlichen Vorlieben liegen inzwischen sogar eher bei Fate und Numenera.

Die Eberron-Runde besteht aber größtenteils aus Neulingen. Wir hatten die Runde lange primär mit Dungeoncrawl und Kämpfen verbracht, aber es kam jetzt der Wunsch auf, auch mehr Intrigen, Forschung und persönliches RP reinzubringen.
Eberron bietet da meiner Meinung nach durch die vielen Parteien und das Multi-Kulti-Feeling ja durchaus interessante Möglichkeiten.

Für mich waren Priester eben immer DIE Charaktere für starkes Charakterspiel. Und da zumindest der Aureon-Kleriker-Spieler sowohl schauspielerisch als auch am Hintergrund interessiert ist, hatte ich hier Potential gesehen, er war aber sichtlich überfordert, "vor der weißen Leinwand" zu spielen.

Es wird also wohl darauf raus laufen, dass ich mich mit ihm mal zusammensetze, wir gemeinsam seinen persönlichen Wunsch-Aureon-Kult kreieren und den für unsere Kampagne verankern.
Das ist halt ein Aufwand, den ich aus zeitlichen Gründe eigentlich gerne vermieden hätte.


--- Zitat von: Rev. Bilk am 27.02.2017 | 06:36 ---Vergleiche das Ganze doch einmal mit der realen christlichen Kirche. Auch diese Institution hat in den letzten Jahrhunderten an Präsenz und Relevanz im öffentlichen Leben verloren. Somit weiß auch nicht Hinz & Kunz, welcher Heilige heute verehrt werden sollte bzw. welcher christliche Feiertag ist. Noch weniger weiß jedermann, welche Abspaltung der christlichen Kirche welchen Teil des gesamtchristlichen Glaubens-/ Ritualfundus verfolgt und wer welche Mittel für angemessen hält.

Daher würde ich mir nicht den Kopf machen, ob die Glaubensdarstellung einem Kanon entspricht. Fordere einfach Deine Spieler dazu auf, kreativ zu sein und Ihre Position im Glauben ihrer Kirche selbst zu bestimmen.
--- Ende Zitat ---
Wie gesagt, ich hätte damit z.B. in meinen üblichen Fate-Runden mit RP-Veteranen kein Problem.
Für Neulingen wären eben ein paar Vorlagen schön gewesen. Und auch Kreativität braucht oft etwas, worauf sie aufbauen kann.

Ich glaube ein Problem hier ist auch, dass es überhaupt sowas wie eine institutionalisierte Kirche gibt. Die "Götter" bei Earthdawn sind auch nicht genauer beschrieben, aber dort ist jeder Questor unabhängig und der Glaube etwas sehr persönliches. Da habe ich dann auch keine Probleme damit.
Eine Kirche vermittelt für mich aber eine gewisse übergreifende Basis, die auch der persönliche Glaube des Priesters mit einbeziehen sollte.

alexandro:
Ich kann mir auch vorstellen, dass die (organisierten, öffentlichen) Kirchen sehr stark von nationalen Interessen geprägt sind. Im Letzten Krieg konnten sie es sich einfach nicht erlauben neutral zu bleiben und einen Kleriker hat man schon gerne auf der eigenen Seite. Insofern könnte sich der Kult um Aureon in Breland stark von der Art unterscheiden, wie er z.B. in Karrnath verehrt wird.

Oder man macht es umgekehrt, und sagt dass die Kleriker im Krieg so etwas wie das "Rote Kreuz" waren und es sich eben erlauben konnten neutral zu bleiben, weil alle auf ihre Dienste angewiesen waren (in diesem Fall mussten die Kirchen aber eng zusammenhalten, denn wenn einer von ihnen ausschert, dann wars' das für den Rest).

EDIT: was den Glauben an die Götter auch beeinflussen könnte, ist die Tatsache, dass Artificer die niedrigstufigen "Wunder" der Kirche nachbauen können und damit an deren Monopolstellung sägen.

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