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OSR Smalltalk

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Kreggen:

--- Zitat von: Dirk Remmecke am 10.12.2018 | 00:04 ---Drüben im Uhrwerk-Thread stellte Kreggen eine Frage, die ich hier besser aufgehoben finde:


--- Ende Zitat ---

Vielen Dank für die umfangreiche Erläuterung. So richtig kann ich mir das zwar immer noch nicht vostellen, was an der Spielart so besonderes ist - auch nach der soeben nochmal reingezogenen OSR-Fibel von System Matters - aber ich warte dann einfach mal ab.

rillenmanni:
Prepare to die, Kreggen! :)

Dirk, auf dem Frühjahrs-Spielefeld MUSST Du wieder leiten! Für mich!

Dirk Remmecke:

--- Zitat von: Kreggen am 10.12.2018 | 10:44 ---So richtig kann ich mir das zwar immer noch nicht vostellen, was an der Spielart so besonderes ist

--- Ende Zitat ---

Das ist ja die Crux - je nachdem, wen du fragst, ist daran auch gar nichts besonderes. "Ganz normales Rollenspiel halt", würde Settembrini sagen.

Es ist nur dann etwas besonderes, wenn man die Lehren anderer Spielkulturen zuvor verinnerlicht hat und aus anderen Richtungen kommt:

* aus der Storytelling-/Railroad-Richtung, in der Spieler es gewohnt sind, dass der SL ihnen eine spannende Story erzählt (und sich Spieler auch gerne in Spielberg-Manier durch die Welt führen lassen)
* aus der Realismus-Richtung, in der Spielregeln als Simulation einer physikalischen Welt das höchste Ideal sind (und stark abstrahierte Regeln mit auch noch spontan angepassten Auslegungen die Spielweltfakten nicht genau genug darstellen bzw. offensichtlich notwendige Auslegungen ein Indiz für ein nicht zuende gedachtes Regelwerk sind)
* aus der System-Mastery-Richtung, in der die Beherrschung kleinteiliger, synergistischer Regeln der Haupt-Spaßlieferant ist (und spontane Neudeutungen wegen gebrochener Spielweltplausibilität als unerlaubter Eingriff und "Spielverderbertum" angesehen werden - "wozu habe ich dann meine Skills so und nicht anders gelernt?")
* aus der Genre-Richtung, in der die Simulation sich nicht an Naturgesetzen festmacht, sondern an Genre-Konventionen (und daher die Spielweltplausibilität in Widerspruch dazu stehen kann - "Before I kill you, Mr. Bond"/Initiative in Doctor Who)
* aus der Storygame-Richtung, in der der Blickwinkel auch der Spieler der eines dramaturgisch agierenden Autors (oder bewusst schauspielernden, auf Außenwirkung bedachten Schauspielers) ist (statt der eines Charakters in der Situation)
* aus Player-Empowerment-Richtung, in der Spieler es gewohnt sind, ein hohes Maß an (auch spontanem) Mitgestaltungsrecht über nicht-charakterimmanente Spielweltelemente zu haben (und der Charakter gleichzeitig häufig sowas wie Plotimmunität genießt - "ich bestimme, wann mein Charakter leidet, stirbt, einen liebgewonnenen Gegenstand verliert")
* aus Indie-Game-Richtung, in der Spielkonzepte völlig losgelöst von In-Game-Elementen sein können (Jenga, Kerzen, Tarot) oder es nicht einmal feste Charaktere gibt
* aus der Ästhetik-Richtung, in der eine Spielregel auch "elegant" sein muss (und ein Sammelsurium von disparaten Mechanismen ganz offen die Ordnung des Universums in Frage stellt)
Wohlgemerkt, ich kritisiere keine dieser Spielphilosophien und habe mich daher um positive Formulierungen bemüht. Das soll lediglich die Unterschiede in der Herangehensweise an Regeln, an Charaktere, an das Verhalten am Spieltisch verdeutlichen.

Aber die OSR steht häufig im Gegensatz zu alldem aus der Liste.
(Am meisten verträgt sich m.E. die Genre-Richtung mit OSR-Prinzipien, und man kann streiten, ob OSR-D&D nicht auch ein bestimmtes Fantasy-Genre abbilden will.)

Für jeden Spielstil gibt es seinen Zeitpunkt und passende Mitspieler. Ich habe alles von dem ausprobiert und würde manches jederzeit wieder machen.

Die Reihenfolge ist übrigens mein eigener Werdegang durch die "Schulen", und nachdem ich alles andere ausprobiert habe, habe ich mich in der Alten Schule eingerichtet. OSR-nah war immer mal dazwischen dran, aber seit über 10 Jahren ist das meine Heimat.
(Witzigerweise habe ich ja mit einem fast-noch-OSR-System angefangen, es aber sofort in Richtung Storytelling gedriftet, weil ich mir den Reiz des Hobbys anders nicht erklären konnte.)


--- Zitat von: rillenmanni am 10.12.2018 | 11:30 ---Dirk, auf dem Frühjahrs-Spielefeld MUSST Du wieder leiten! Für mich!
--- Ende Zitat ---

Bist du Silvester nicht da? Ich habe eine Runde angekündigt... JollyOrc hat sich schon eingetragen.

Rhylthar:
Ich habe ja immer so meine Probleme mit der Trennschärfe bei der OSR.


--- Zitat ---- aus der Storytelling-/Railroad-Richtung, in der Spieler es gewohnt sind, dass der SL ihnen eine spannende Story erzählt (und sich Spieler auch gerne in Spielberg-Manier durch die Welt führen lassen)
--- Ende Zitat ---

Ich kann mir darunter gut etwas vorstellen, ich nehme einfach mal einen Klassiker: "Horror im Orient-Express".

Jetzt aber zu meinen "Problemfällen":
Wenn wir das System mal außen vor lassen, sind dann klassische Shadowrun Abenteuer "OSR-Stil"? Da der Metaplot weiterläuft, wenn die SC nichts machen. Oder World War Cthulhu/Cthulhu Britannica?

Oder nicht auch ein Großteil "moderner" D&D-Abenteuer, wenn man die Encounterisierung mal außen vor lässt?

rillenmanni:

--- Zitat von: Rhylthar am 10.12.2018 | 12:31 ---Ich habe ja immer so meine Probleme mit der Trennschärfe bei der OSR.

Ich kann mir darunter gut etwas vorstellen, ich nehme einfach mal einen Klassiker: "Horror im Orient-Express".

Jetzt aber zu meinen "Problemfällen":
Wenn wir das System mal außen vor lassen, sind dann klassische Shadowrun Abenteuer "OSR-Stil"? Da der Metaplot weiterläuft, wenn die SC nichts machen. Oder World War Cthulhu/Cthulhu Britannica?

Oder nicht auch ein Großteil "moderner" D&D-Abenteuer, wenn man die Encounterisierung mal außen vor lässt?

--- Ende Zitat ---

Aber Shadowrun verwendet doch ein kleinteiliges Regelsystem bzw setzen die Cthulhu-Varianten ein gutes Stück weit eine Taschenlampenfallenlasser-Mentalität (Achtung, negative Konnotation! Wäre durch mich aber gar nicht böse gemeint gewesen) einen Spieler als dramaturgisch denkenen Autor voraus.

@DirK: Wir haben beschlossen, dass wir zumindest dieses Jahr mit unseren beiden Töchtern im Schlepptau noch keinen Spaß in Spielefeld hätten. Daher bleibt mir nur das Frühjahr ...

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