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OSR Smalltalk
felixs:
Ich kann mit grenzwertigen, bewusst provozierenden, "künstlerisch" ambitionierten Rollenspielpublikationen nichts anfangen.
Dieser ganze abgefuckte Sch... geht mir auf die Nerven. Das ist ein persönliches Geschmacksurteil und man kann anderer Meinung sein.
Wenn man aber Sachen geil finden möchte, gerade weil sie so abgefuckt sind, dann wird das m. E. erklärungsbedürftig.
Kann man meinetwegen im Rahmen künstlerischer Freiheit etc. alles gern machen, ich hätte aber gern vorher eine Warnung, was die da vorhaben. Das wäre sowohl seitens des Autors als auch seitens empfehlender Rezensenten und Mitforumisten nett. Wenn etwas eher abseits üblicher Geschmackslagen liegt, sollte man darauf hinweisen.
Mir ist übrigens Tomb of Annihilation schon viel zu abgedreht und teilweise auch zu morbide.
Megavolt:
--- Zitat von: ghoul am 20.01.2019 | 18:00 ---Raggi und Co haben viele originelle Ideen, aber dann mischen sie so viel krankes Zeug rein, einfach weil, dass es manchmal nicht mehr spielbar ist bzw. etwas, das man spielen möchte. :o
--- Ende Zitat ---
Davon profitiert in meinen Augen letztlich der Sense of Wonder, weil einfach alles passieren kann.
Ich finde es eigentlich schlimmer, dass manche Abenteuer einfach nicht gut funktionieren, aber das liegt vielleicht an der breiten Palette der Autoren, die sich teilweise erheblich unterscheiden.
--- Zitat ---Die Schere bei den Illustrationen geht teilweise stark auseinander, das war für mich aber eh nie kaufentscheidend.
--- Ende Zitat ---
Immerhin versuchen sie ja innerhalb der Werke einen durchgängigen Stil hinzukriegen, und sie trauen sich was. Immer mal wieder ist der Stil dann halt auch Mist (wie der Punk-Comic-Stil von Twin Towers). Trotzdem halte ich das letztlich für einen richtigen Ansatz.
Ich kann mittlerweile eigentlich zuverlässig voraussagen, dass ich die eher lyrische Schreibe vom Zak S. nicht ab kann. Aber so ist das halt. Der Macher von Veins of the Earth ist dafür ein brillanter Schreiber, und so gleicht sich das letztlich wieder aus.
Weird ist super und mutige, bzw. künstlerisch-originelle Ansätze sind auch super, ich bleibe dabei, dass das für den Ausschuss voll entschädigt und deshalb grundsätzlich zu unterstützen ist. Und was die Schockeffekte angeht: Sonst schimpfen immer alle über die Biederkeit und Tüdeligkeit von Fantasy-Kitsch, und wenn dann aber mal Gore und Genitalien gezeigt werden, dann passts auch wieder nicht.
felixs:
--- Zitat von: Megavolt am 20.01.2019 | 19:13 ---Davon profitiert in meinen Augen letztlich der Sense of Wonder, weil einfach alles passieren kann.
--- Ende Zitat ---
Mir kommt dieser Begriff ("Sense of Wonder") sehr überstrapaziert vor.
Es muss doch möglich sein, sich überraschen lassen zu können, ohne dass das auf (übrigens unplausibel) abgefahrene und eklige Arten passiert.
Außerdem erschließt sich mir nicht, worüber man sich wundern soll, wenn ohnehin alles passieren kann und man damit dann ja auch rechnet. Abgefahrenes Zeug wird dann (zumindest für mich) schnell abgenutzt.
Megavolt:
--- Zitat von: felixs am 20.01.2019 | 19:18 ---Mir kommt dieser Begriff ("Sense of Wonder") sehr überstrapaziert vor.
Es muss doch möglich sein, sich überraschen lassen zu können, ohne dass das auf (übrigens unplausibel) abgefahrene und eklige Arten passiert.
Außerdem erschließt sich mir nicht, worüber man sich wundern soll, wenn ohnehin alles passieren kann und man damit dann ja auch rechnet. Abgefahrenes Zeug wird dann (zumindest für mich) schnell abgenutzt.
--- Ende Zitat ---
Klar, das ist ein Standpunkt, den ich nachvollziehen kann. Weird muss man mögen, das kann man nicht gegen den Strich bürsten.
Der Gegengedanke geht ungefähr so: Pans Labyrinth ist einer der besten Filme dieses Planeten. Er profitiert stark davon, dass zu Beginn relativ überraschend und unmotiviert jemandem mit einer Flasche das Gesicht zermatscht wird, was unglaublich beklemmend ist (und ich bin niemand, der üblicherweise von sowas getriggert wird). Nach dieser Szene weiß man: Uh-oh, solche Dinge sind ab sofort immer möglich. Keine Szene danach ist jemals wieder unschuldig.
So ist das halt auch bei Lamentations. Auf nix ist Verlass, es gibt keinen Schonraum, alles ist gefährlich und spannend.
felixs:
--- Zitat von: Megavolt am 20.01.2019 | 19:26 ---Der Gegengedanke geht ungefähr so: Pans Labyrinth ist einer der besten Filme dieses Planeten.
--- Ende Zitat ---
Ich würde an der Stelle aussteigen.
Und bezüglich des Arguments würde ich meinen, dass ein gleichbleibend hohes Gefährlichkeitsniveau Abstumpfung fördert. Es braucht ein gewisses Maß an Normalität und Vorhersehbarkeit, mit dem man Überraschungen konstrastieren kann.
Zustimmen würde ich darin, dass ein Durchbrechen dieser Normalität ein mächtiges Stilmittel ist.
Und ja, ich habe bisher nichts gelesen oder gesehen, was sich selbst als weird bezeichnet und mir gefallen hätte.
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