Das Tanelorn spielt > [Cthulhu] Spawn of Azathoth
[SoA] Smalltalk
Joran:
--- Zitat von: KAW am 26.12.2017 | 21:39 ---IM AUTO
Während ich auf eine Antwort von Hans warte, blättere vorsichtig ich in dem Buch auf meinem Schoß, darauf bedacht, dass abgewetzte Material nicht noch weiter zu beanspruchen. Meine Gedanken sind ohnehin noch immer bei dem Leichenschmaus und so nehme ich erst nach einer Weile wahr, dass große Teile des Buches auf Lateinisch geschrieben sind, manche Passagen aber auch in fremdartigen Schriftzeichen verfasst sind. Ich versuche ein paar Brocken des Textes zu verstehen, vergeblich. Irritiert blicke ich die Blätter vor mir an. Der Titel klingt nach einem Einführungswerk und auch Dr. Alexander Roth hat nichts davon erwähnt, dass dieses Buch außergewöhnliche Sprachkenntnisse erfordert. Angestrent blicke ich daher auf die Schrift, bis die Symbole vor meinem Auge verschwinden. Dann zeige ich Hans eine der Passagen. "Hast du eine solche Schrift schon einmal gesehen?"
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: Joran am 4.01.2018 | 21:32 ---IM AUTO
Die angespannte Stimmung verweilt nicht im Font, sondern ergreift unvermutet auch von mir Besitz. Als hätten die beiden eine nicht materielle und dennoch spürbare atmosphärische Spannung aus dem Haus der Witwe mit in den Wagen gebracht, die nun leise knisternd auf die unausweichliche Entladung wartet.
Während der Fahrt muss ich immer wieder an das Gespräch mit Lewi denken: "... von Eisensteins uneheliches Kind und sein Verhältnis zu einer ... Minderjährigen? ... der Physiker Nebolowski, der offenbar für von Eisensteins finanzielle Misere verantwortlich ist, den Mann vielleicht erpresst hat ..." Und dann sind da noch die Gesprächsfetzen, die ich durch den Speiseaufzug und zuvor im Wohnzimmer mitbekommen habe ... "Wie war das mit der Tochter? ..."
"Und was stimmt mit diesem rüde Kerl im Rollstuhl nicht? ... Dann noch die Toten, nicht zu vergessen! ... Gibt es da wohlmöglich irgendeinen Zusammenhang? ... Es wäre verwunderlich, wenn es nicht so wäre ... Wenn Menschen gewaltsam oder unter mysteriösen Umständen ums Leben kommen, geht es meistens entweder um Geld oder um Gefühle ... Eifersucht, Hass, Liebe ... Hier scheint beides in Unordnung geraten zu sein: das Finanzielle und die Gefühle!"
Ich rutsche unruhig auf meinem Sitz hin und her. Seufzend gebe ich den untauglichen Versuch auf, durch eine Veränderung meiner Sitzhaltung das ungute Gefühl zu vertreiben. Mein Blick verweilt immer wieder auf dem Rückspiegel, durch den ich verstohlen die Lohensteins beobachte.
"Was kann schon an diesem Buch so besonders sein? Warum schaut sie nicht in die Zeitungen?"
Meine Stirn legt sich in Falten, als ich erfolglos versuche, durch den Rückspiegel einen Blick auf den Buchtitel zu erhaschen.
"Und der Professor bekommt die Zähne mal wieder nicht auseinander! ... Manchmal möchte ich ihn einfach nur packen und ordentlich durchschütteln, damit sein Verstand aufwacht und zurückkommt ... von wo auch immer er dann ist!"
Resignierend schüttele ich kaum merklich den Kopf.
"Das ist sicher kein guter Augenblick, um Klatsch und Tratsch zu verbreiten. Die Lohensteins wären vermutlich eher angewidert von solchen Reden über einen Toten. Die Konversation der Herrschaft unterliegt anderen Regeln als die Gespräche der Dienstboten bei der Arbeit. ... Aber letztendlich reden 'DIE' auch über ihren Arbeitstag und unsere Arbeit, SIND nun einmal die, für die wir buckeln. Da kommt es auch schon mal vor, dass man sich ein wenig Luft macht oder einen kleinen persönlichen Ausgleich für die Unbillen des Lebens schafft. ..."
Und doch gehen mir das Kind, das Geld und Nebolowski nicht aus dem Kopf. Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas gar nicht gut läuft. "Ein Gefühl, dass mir im Krieg schon das eine oder andere Mal das Leben gerettet hat. ... Nur hat damals niemand über sowas geredet."
Schlussendlich bin ich darum über mich selbst verärgert und mahne mich zur Vernunft: "Ein uneheliches Kind kommt in den besten Familien vor ... schlechte Investitionen auch ... Vergiss es einfach! ... Du wirst Dich doch von Trudi mit ihrer Neigung zu Räuberpistolen nicht aus der Spur bringen lassen!!!"
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: KAW am 8.01.2018 | 23:10 ---IM AUTO
Eine zunehmende Unruhe erfasst mich, während ich durch die Buchseiten blättere und ich rücke intuitiv eine Spur näher zu Hans. Dennoch übt dieses Werk auch eine befremdliche Faszination auf mich aus, sodass ich immer weiterlese. Oder es zumindest versuche. "Herr Anton", sage ich schließlich, ohne jedoch den Blick von den Seiten zu heben, "Sprechen Sie eigentlich irgendwelche Fremdsprachen? Sie sind ja im Krieg vielleicht ein wenig herumgekommen?"
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: Joran am 9.01.2018 | 12:13 ---Im Auto
"Ich bedaure, Frau Professor! Auf der Volksschule hat man uns sowas nicht beigebracht ... und im Krieg ... nun ... da haben Franzosen nur eine andere Sprache verstanden, wenn Sie verstehen, was ich sagen will ... wir waren nun einmal nicht zum Reden dort, auch wenn zu Beginn manche glaubten, es ginge auf eine Urlaubsreise. Mit Kriegsgefangenen hatte ich auch nicht wirklich zu tun. ... Ich kann Ihnen da leider nicht behilflich sein."
Nachdem Agathe Lohenstein mich angesprochen hat, wäge ich erneut ab, ob ich nicht doch auf das Gespräch mit Lewi eingehen sollte. "Ich kann es wenigstens versuchen. Mal sehen, wie sie reagieren."
"Ich habe Ihnen die Zeitungen bereitgelegt. ... Da stehen ein paar Artikel drin ... die Sie vielleicht lesen sollten. Sie scheinen den seligen Herrn Professor von Eisenstein zu betreffen. ... Man redet hier in der Nachbarschaft darüber ... vielleicht nur Tratsch ... aber ich weiß nicht recht, mir scheint mehr dran zu sein ..."
"Dieser Physiker, Krassimir Nebolowski, hat in der Archenhold-Sternwarte gearbeitet bevor er ... nun ... vielleicht lesen Sie es besser selbst. ... Der Herr Professor von Eisenstein, Gott hab' ihn selig, soll so manchen Ärger mit diesem Mann gehabt haben. Man sieht ja jetzt, dass das ein übler Kerl zu sein scheint."
--- Ende Zitat ---
Anton war zumindest am Rande berührt, hat beobachtet, wie Agathe irritiert/beunruhigt in dem Buch gelesen hat, hat mitbekommen, dass es in einer fremden Sprache / Schrift verfasst ist (also der Umschalg nicht zum Buch zu passen scheint). Ob ihm in dieser Situation das gerade ganz besonders als merkwürdig aufgefallen ist oder umgekehr die anderen Ereignisse diese Umstände verdrängt haben, überlasse ich Deiner Entscheidung. Bislang ist Anton ja ein eher sehr akribischer Beobachter und saugt Informationen in sich auf. Er wirkt grobschlächtig und ist wenig gebildet, aber mit INT 60 auch nicht dumm. Ich bin ganz offen.
Auch kommen die Lohensteins selbst ja immer wieder auf das Buch zurück. Hans will es sich jetzt noch einmal ansehen etc. Bei einem ganz normalen Anfängerleitfaden erschiene das angesichts der ganzen Vorkommnisse doch ungewöhnlich, oder?
Vielleicht hilft Psychologie 50 bei der Entscheidung, ob Anton gemerkt hat, dass das Buch von Agathe als außergewöhnlich / bedrohlich / fremdartig empfunden wird?
Der Läuterer:
Du kannst es nicht lassen. Sofort alle Textstellen gefunden. Respekt.
Wie ist Anton eigentlich zu dem Buch gekommen?
Agathe drückt ihm das Werk in die Hand. "Hier. Schau mal rein, Anton. Lesen bildet." ???
Mir ist das in dem Augenblick gar nicht so aufgefallen, aber das ist mehr Spieler denn Char.
Prinzipiell habe ich nichts dagegen.
Du solltest nur aufpassen, dass DEIN Intellekt nicht zu sehr in den Char einfliesst.
Joran:
--- Zitat von: Der Läuterer am 2.09.2018 | 16:41 ---Wie ist Anton eigentlich zu dem Buch gekommen?
Agathe drückt ihm das Werk in die Hand. "Hier. Schau mal rein, Anton. Lesen bildet." ???
--- Ende Zitat ---
Verstehe ich jetzt nicht ganz.
Nein, Anton hat das Buch nicht gelesen. Agathe hat es ihm nicht gegeben. Anton hat nur im Rückspiegel beobachtet, wie Agathe auf der Autofahrt in dem Buch gelesen hat und beunruhigt war. Anton hat sich gefragt, was an dem Buch wohl so besonders sein mag. Er hat gehört, dass Agathe ihren Mann fragt, ob er so eine Schrift jemals gesehen habe. Und Agathe hat Anton wegen des Buchs gefragt, ob er Fremdsprachen beherrscht. Er hat das (zugegeben knappe) Gespräch der Lohensteins über das Buch im Auto mitgehört.
Also Anton weiß meines Erachtens nur, dass an diesem Buch aus dem Nachlass des Prof. von Eisenstein irgendetwas sehr merkwürdig / beunruhigend zu sein scheint, dass das Buch oder Teile davon in einer fremdartigen Schrift/Sprache verfasst sind, die die gebildeten Lohensteins weder verstehen noch überhaupt einordnen können. Mehr nicht.
--- Zitat von: Der Läuterer am 2.09.2018 | 16:41 ---Prinzipiell habe ich nichts dagegen.
Du solltest nur aufpassen, dass DEIN Intellekt nicht zu sehr in den Char einfliesst.
--- Ende Zitat ---
Da gebe ich Dir völlig recht.
Nur sehe ich das Problem, dass das Spiel darunter leiden könnte, wenn ich Anton jetzt "dümmer" spiele und auf die Rolle des Handlangers beschränke. Eigentlich war Anton weniger als Ermittler, sondern vor allem als (auch gewaltbereites) ausführendes Element geplant (Stichwort PULP). Von der ursprünglichen Konzeption (mehr Spieler: Boo ist weg, Mondsänger ist weg, ich habe keine Ahnung, ob Puklat noch zu uns stößt) sind wir inzwischen weit entfernt. Da erscheint es mir schwierig, die verbliebenen SCs auf solche Rollenschemen zu beschränken.
Inzwischen agieren unsere verbliebenen drei SCs ziemlich isoliert. Ich habe Bedenken, ob man das über eine ganze Runde so aufrechterhalten kann. Trondetreublatt hat z.B. im Moment nichts zu tun. Wenn er damit kein Problem hat, ist alles gut. Ich wollte die SCs irgendwie mehr zusammenführen. Das setzt aber Interaktionen voraus. Was soll Anton alternativ tun, um Interaktion zu schaffen? Agathe angraben? Über das Wetter reden? Das ist jetzt nicht ernst gemeint, soll nur das Problem verdeutlichen, das ich sehe.
Ich wollte Anton ursprünglich viel egoistischer, unsympathischer, proletarischer spielen. Mir selbst wird er eigentlich langsam zu nett.
In der Vorgeschichte von Anton habe ich ein wenig anklingen lassen, dass er seit Kindesbeinen einen gewissen Instinkt dafür entwickelt hat, wo sich Gefahren auftun. Das hat ihm im Krieg das Leben geretten ... so jedenfalls seine Überzeugung. Das habe ich jetzt ausgebaut. Mit den Zusammenfassungen (Bericht im Auto, Notizbuch im SC-Thread etc.) wollte ich verhindern, dass der Faden verloren geht.
Es ist ein grundsätzliches Problem, ob man dem überzeugenden Charakterspiel Vorrang einräumt oder dem Fortgang der Geschichte. Soll man sehenden Auges wichtige Informationen unerwähnt lassen und das Risiko in Kauf nehmen, dass nicht alle sie bemerkt / im Hinterkopf behalten haben? Das ist eine Wertungsfrage. Beide Wege sind in Ordnung.
Aber im Grunde ist richtig, was Du beanstandest.
Du entscheidest. Ich habe kein Problem damit, mich künftig zurückzuhalten. Andere Lösungen sind denkbar. Du könntest z.B. auch einen Pool der gesammelten Informationen in einem gesonderten Thread OT aufstellen o.ä.
Der Läuterer:
Ich beanstande das gar nicht, Joran. Kein Gedanke.
Man sollte es nur nicht überbeanspruchen. Deshalb meine Meldung, dass Du das im Hinterkopf behältst.
Du nimmst mir hier auch einiges an Arbeit ab. Das weiss ich mehr als zu schätzen.
Versuch den Mittelweg zu finden.
Du wirst das schon hinkriegen. Ich vertraue Dir. Ich denke, dass weisst Du auch.
Joran:
Dein Hinweis ist ja berechtigt. Ich sehe garkeinen Dissens. Nur die Suche nach dem idealen Weg.
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