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FFG kündigt das Legend of the Five Rings RPG an
Jiba:
--- Zitat von: Runenstahl am 18.10.2021 | 07:18 ---Das ist natürlich Geschmackssache. Das was du beschreibst macht halt tatsächlich schon große Teile des Settings aus. Mit einem guten SL sollen solche "Widersprüche" jedoch nicht zu Frust, sondern zu spannenden Moralischen bzw Gewissenskonflikten führen. Und es soll auch nicht dazu dienen sämtliche Lösungsansätze der Spieler zu torpedieren.
--- Ende Zitat ---
Exakt. Man kann natürlich noch hunderttausendmal schreiben, Rokugan sei nicht Japan – aber Rokugan ist zumindest 85% Chanbara-Film. Und in dieses Filmgenre sind bestimmte Kernkonflikte und kulturelle Setzungen aus Japan eingebacken. Eines der Kernprobleme in Samuraifilmen ist der Konflikt zwischen "Ninjo", den persönlichen Emotionen (z.B. der Freundschaft zu einem anderen Samurai), und "Giri", den sozialen Verpflichtungen (z.B. der Treue zum Clan gegenüber). Hinzu kommt, dass Samurai bei all dem natürlich immer das Gesicht zu wahren haben (vgl. das "mentsu"-Konzept, dass es in vielen asiatischen Kulturen gibt). Im Grunde kann man das, mit Ach und Krach, als den Konflikt zwischen der eigenen Individualität und der eigenen Position im Sozialgefüge zusammenfassen – natürlich ist es im "realhistorischen" Japan alles nochmal deutlich anders gewesen, aber für das Spiel reicht es aus.
Was leider oft übersehen wird – und was "L5R" auch oft übersehen hat – ist, dass viele Samuraifilme vor dem Hintergrund sich verändernder sozialer Gefüge spielen, die das Samurai-Ehre-Konzept radikal infrage stellen. Der Bushido wird in vielen Samuraifilmen nicht idealisiert, sondern dekonstruiert, in seiner Starrheit. in "Yojimbo" tauchen beispielsweise plötzlich Schusswaffen auf, die den Ronin-Protagonisten vor eine neue Bedrohung stellen und das Samuraischwert überholt wirken lassen. In "Last Samurai" (um mal einen westlichen Film zu nennen, der kein Chanbara-Film ist, aber das Genre berührt) ist die Bedrohung für die Samurai eine politische, weil in der Meiji-Restauration die Kriegerkaste der Samurai ausgedient hat. Samuraifilme spielen oft mit der Aussage: "Hey, euer uralter Ehrenkodex ist schon etwas aus der Zeit gefallen". Ich weiß grade nicht, wie dieser zentrale Konflikt des Samuraifilms im neuen Rokugan aufbereitet ist, aber im alten hat das immer ein wenig gefehlt.
Ich kann einen Samuraifilm schauen und gut finden, ohne die historischen Gegebenheiten des Hintergrundes im Detail zu kennen – oder auch nur zu schätzen. Man schaut ihn dann halt wegen der schonungslosen Action. Aber letztlich sind ja nicht wenige Samuraifilme Tragödien... oder enden zumindest in melancholischen oder nachdenklichen Phyrrussiegen (muss natürlich nicht so sein, im Samurai-Anime etwa gibt es ja auch viele leichtherzige oder lustige Geschichten).
Und ja, ich bespiele Rokugan genau dafür!
Wie hoch man diesen Aspekt in den individuellen Runden drehen will, ist eine Sache. Aber ich finde der muss schon da sein.
Wir müssen ja auch manchmal einfach zugeben können, dass ein Setting nicht für alle ist. Rokugan ist speziell, und genau das macht seinen Reiz aus. Das macht es nischig, aber es gibt Märkte, wie zum Beispiel in den USA, die stehen da genug drauf, damit auch für uns hier was abfällt.
Wenn ich leichtherzige asiatische Fantasy habe, die völlig aus westlicher Perspektive betrachtet wird und wo ich mich nicht um solche Dinge wie einen asiatischen Ehrebegriff scheren muss, dann habe ich doch genug Auswahl: "Exalted" ist da beispielsweise sehr gut für geeignet. Oder der asiatisch inspirierte Raum bei "Splittermond".
Nach Rokugan gehe ich aber, wenn ich genau das will: Chanbara. Ninjo-Giri-Konflikt. Das rigide Klassensystem. Der enorme Leidensdruck der Gesellschaft. Und das alles angemalt in bunter pan-asiatischer Ästhetik. Also all das Zeugs, das wir in Standard-Fantasy-Runden geflissentlich ignorieren. Und das auch mit allem Recht tun. Ich muss das nicht immer haben, aber wenn ich das haben will, dann ist Rokugan für mich da.
Dabei will ich aber immer mit Leuten spielen, die auch genau das wollen. Es soll kein SL-Autoritarismus sein, wo der Richter hinterm Spielleiterschirm sitzt, mit kritischem Blick bemisst, wo Spielercharaktere ihre Ehre verletzen, und denen dann Seppuku reindrückt, weil ers grade gut findet. Alle am Tisch sollen beteiligt sein, diese Ehrkonflikte zu gestalten. Dazu gehört auch, dass allen klar ist, was der Tisch im Konsens als Samuraiehre definiert und welche Aspekte man nicht unbedingt bespielen mag. Sich einfach darauf zu verlassen, dass die Spieler "den Bushido" (ja klar, als ob der genau kodifiziert worden wäre) halt zu kennen haben.
Auf SL-Bushido-Egoveranstaltungen hätte ich auch keine Lust.
--- Zitat ---Ach ja, bei einem solchen SL würde ich dann aber auch das Recht des "Tötens im Vorübergehen" einfordern, d.h. einfach einen Bauern meine Schwertscheide in den Bauch rammen und ihn auf der Stelle enthaupten. Ist verbrieftes Recht - aber ob ihm das schmeckt? ::)
--- Ende Zitat ---
Also, in unseren L5R-Runden kam das auch mal durchaus vor. Natürlich gab es Charaktere, die das grundsätzlich nicht getan haben (immerhin ist "Barmherzigkeit" auch eine der Samurai-Tugenden) und solche, die wegen der politischen Implikationen davon absahen (Daimyo: "Wer läuft da rum und tötet meine Bauern..."). Aber doch, sowas gab es bei uns auch damals.
Raven Nash:
--- Zitat von: Jiba am 18.10.2021 | 09:35 ---Ich kann einen Samuraifilm schauen und gut finden, ohne die historischen Gegebenheiten des Hintergrundes im Detail zu kennen – oder auch nur zu schätzen. Man schaut ihn dann halt wegen der schonungslosen Action. Aber letztlich sind ja nicht wenige Samuraifilme Tragödien... oder enden zumindest in melancholischen oder nachdenklichen Phyrrussiegen (muss natürlich nicht so sein, im Samurai-Anime etwa gibt es ja auch viele leichtherzige oder lustige Geschichten).
--- Ende Zitat ---
Das Ende kommt aus dem asiatischen (Oberschicht-)Theater (in Japan vor allem dem Nô), das stark von Buddhismus (Leiden macht frei) und Konfuzianismus (Status Quo ist vom Himmel festgelegt) beeinflusst ist. Findet sich genau gleich in China und Korea. Hat sehr viel Ähnlichkeit mit der griechischen Tragödie.
--- Zitat ---Wenn ich leichtherzige asiatische Fantasy habe, die völlig aus westlicher Perspektive betrachtet wird und wo ich mich nicht um solche Dinge wie einen asiatischen japanischen Ehrebegriff scheren muss, dann habe ich doch genug Auswahl: "Exalted" ist da beispielsweise sehr gut für geeignet. Oder der asiatisch inspirierte Raum bei "Splittermond".
--- Ende Zitat ---
Fixed it for you.
Der Begriff von "Ehre" ist in China z.B. wesentlich weniger stark kodifiziert, in Korea dafür fast noch strenger (je nach Reich).
In China haben wir z.B. die Jianxia, die Schwertkämpfer, die einen eigenen Ehrenkodex hatten und sehr häufig das einfache Volk beschützten - auch gegen die Obrigkeit (übrigens keine Erfindung des Wuxia-Films, sondern durchaus historische Realität).
Bei Lo5R habe ich den Eindruck, dass es sich um "Japan durch die US-Brille" handelt, also einerseits der Chanbara-Film, aber eben von US-Amerikanern betrachtet. Das komplexe Gefüge das da angesprochen wird, können und wollen die meistens gar nicht erfassen. Last Samurai ist da ein gutes Beispiel, weil er vor Fehlern nur so strotzt, die dem US-Verständnis entspringen.
Jiba:
--- Zitat von: Raven Nash am 18.10.2021 | 09:59 ---Fixed it for you.
--- Ende Zitat ---
No need. ;)
Ich habe mich an der Stelle tatsächlich auf "asiatische Ehrbegriff(e)" bezogen, weil die Ausgangsfrage sich ja um asiatische Settings allgemein drehte. Dass der Bushido doch schon eine sehr eigene Geschmacksrichtung ist, ist mir ja auch bewusst.
--- Zitat ---Bei Lo5R habe ich den Eindruck, dass es sich um "Japan durch die US-Brille" handelt, also einerseits der Chanbara-Film, aber eben von US-Amerikanern betrachtet. Das komplexe Gefüge das da angesprochen wird, können und wollen die meistens gar nicht erfassen. Last Samurai ist da ein gutes Beispiel, weil er vor Fehlern nur so strotzt, die dem US-Verständnis entspringen.
--- Ende Zitat ---
Ja und nein. Also ich finde Rokugan fängt die besondere Dynamik von Chanbara (auch im japanischen Sinne) eigentlich schon ziemlich gut ein. Dass man immer amerikanische Zuschreibungen hat, ist eigentlich klar (wer mal "7te See" gelesen hat, weiß auch, dass amerikanische Vorurteile, die Unsinn sind, auch durchaus europäische Kulturen treffen können ;) ). Will heißen: Es könnte weit schlimmer sein. Und wenn man sich der Thematik nähern will, ist L5R eigentlich genau richtig, weil es weit genug von Sengoku-Japan weg ist, um nicht zu überfordern, aber nah genug dran, um ein Verständnis davon lostreten zu können, wie das damals gewesen sein könnte.
Also man kann Rokugan viel vorwerfen, aber schlecht umgesetzt ist das Setting nicht. Für amerikanische Verhältnisse eher im Gegenteil.
Raven Nash:
--- Zitat von: Jiba am 18.10.2021 | 10:08 ---weil es weit genug von Sengoku-Japan weg ist
--- Ende Zitat ---
Und genau da liegt der (japanologische) Hund begraben: Das Bushidô, das hier offenbar beschrieben wird, ist das der Edo-Periode. In der Sengoku-Ära ist der Bûshidô weder kodifiziert noch allgemein gültig. Es sind Richtlinien, die vor allem militärische Befehlsketten und Hierarchien bestimmen.
Das Bakufû, als militärisches Oberkommando, bestimmt das Leben der Bûshi wesentlich mehr als die Frage nach Ehre. Ehrenduelle sind zwar faktisch an der Tagesordnung, aber meistens aus politischen Gründen (und auch das nur unter Befehlshabern, bzw. ihren direkten Untergebenen). "Ehre" wird als Vorwand für jeden Scheiß genommen - und in Wahrheit gibt kaum einer wirklich etwas drauf.
Chanbara ist ja nichts anderes als unser Mantel-und-Degen Film. Eine Verherrlichung einer Zeit, die es so nie gab. Inklusive einem Ehrenkodex, der so auch nie existiert hat oder gar gelebt wurde.
Sequenzer:
Viel wichtiger ist was in jeder Edition von L5R drin steht
"Rokugan ist nicht Japan!" stellenweise stark abgelehnt wenn man sich den Löwen und Kranich Clan anguckt. Der Rest ist geht von den mongolischen bis hin zu thailändischen und koreanischen Einflüssen. Das durch die Sicht von einem US Autor.
Wer da zuviel historie rein interpretiert sollte was anders spielen
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