Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Monster aus der Spätvorstellung, New Hong Kong Story und ähnliche Systeme
Little Indian #5:
Hallo, ich bin Little Indian #5 und ich leide an System-ADHS.
Es fällt mir leicht, mich für ein Regelsystem und/oder einen Hintergrund zu begeistern und ich leite dann auch gerne Abenteuer in dem System und Hintergrund. Allerdings kann ich mich dann wieder genauso schnell für ein anderes System begeistern und möchte dann dieses leiten. Was das Setting angeht, finde ich eigentlich fast die gesamte Bandbreite toll: Ich möchte klassische EDO-Fantasy genauso gern leiten wie Sci-Fi, Sowrd & Sorcery, Horror, Wild West, Agenten, Superhelden, Pulp, Piraten - und wenn ich glauben würde, dass meine Spieler das mitmachten, sogar auch gerne mal was mit Furries. :embarassed:
Deshalb wechseln wir relativ häufig System und Hintergrund und ich glaube, bei meinen Spielern da eine gewisse Ermüdung festzustellen, was das Aneignen neuer Regelkenntnisse, die Erschaffung neuer Charaktere und die Immersion in einen neuen Hintergrund angeht.
Deshalb interessieren mich im Moment Systeme wie "Monster aus der Spätvorstellung" und "New Hong Kong Story". Für diejenigen, die diese Werke nicht kennen (ich habe sie, ehrlich gesagt, auch bisher nur quergelesen): Die Spieler spielen Schauspieler, die ihrerseits in verschiedenen Filmen auftreten, wobei die im Film erzählte Story das darstellt, was man in einer Rollespielkampagne als "Abenteuer" bezeichnen würde. Wenn ein Film abgedreht (also ein Abenteuer abgeschlossen) ist, kann man denselben Schauspieler in einem völlig neuen Setting verwenden. Dann wird eben ein neue Film gedreht.
So könnte ich ja verschiedenste Genres ausprobieren, ohne regelmäßiges Wechseln des Regelsystem und ständige neue Charaktererschaffung.
Das klingt für mich ja schon verlockend, allerdings weiß ich mangels Erfahrung mit solchen Arten von Rollenspielen nicht, ob das auch wirklich gut funktionieren kann.
Hat hier vielleicht jemand Erfahrung mit den genannten Systemen (insb. auch bzgl. längerer Kampagnen) und kann ein paar Tipps geben?
Wie sind denn die genannten Systeme zu bewerten, insb. im direkten Vergleich?
Gibt es noch andere entsprechende Regelsyteme, die ich vielleicht übersehen habe?
Für Unterstützung wäre ich wirklich sehr dankbar (und meine Spieler wahrscheinlich auch).
Don Kamillo:
Hallo little Indian,
ich hoffe du findest bald Dein System oder auch mehrere und vielleicht kann ich Dir etwas dabei helfen.
Ich bin Fan, obwohl ich es noch nicht oft geleitet habe, von "The Strange". Das ist ein System aus der Cypher-Gruppe von Monte Cook, kam aber vor dem allgemeinen Regelwerk raus.
Es hat die selben Regeln wie Numenera, das mich halt vom Setting her nicht rockt, aber ein sehr weitläufiges Setting, das mir sehr gut gefällt.
Man spielt im Allgemeinen ( da geht aber noch viel mehr ) Agenten einer geheimen Einheit auf der Erde, die Planetenfresser und deren vielerlei Schergen daran hindert, die Erde zu entdecken und zu fressen. Diese Wesen können die Erde nicht aufspüren, aber Orte, die mit der Erde verbunden sind, quasi andere Dimensionen, Rekursionen genannt. Dies können fiktive Orte sein, müssen aber nicht.
Dorthin reisen die Charaktere ( es gibt aber auf der Erde auch genug zu tun ), um Tore zu schließen, Agenten der Bösen aufzuhalten und andere Probleme zu lösen.
Das Spannende ist, das man sich einen Charaktere mit 3 Beschreibungen baut, von denen sich eine ändern kann, wenn man die Dimension wechselt. So hat man seinen Basischarakter und einen weiteren Teilcharakterbogen, den man über die Teile legt, die sich beim Weltenwechsel ändern. Es gibt quasi alles, was man sich ausdenken kann, auch gerne Dinge aus der allgemeinen Popkultur.
Little Indian #5:
"The Strange" kenne ich und schäzte es durchaus, allerdings funktioniert das Cypher-Regelsystem meiner Meinung nach leider gar nicht. Der Hintergrund ist allerdings schon toll (auch wenn Monte Cook das System wohl in Schönheit hat sterben lassen). Allerdings ist es ja schon so, dass man teilweise doch nach einer "Translation" einen neuen Charajter erschaffen bzw. den existierenden modifizieren muss. Das fand ich (mitten in einem Abenteuer) schon irgendwie lästig.
Wir haben tatsächlich sogar eine "The Strange"-Kampagne gespielt mit den Barbarians of Lemuria-Regeln ("Barbarians of the Strange"). Die kam eigentlich ganz gut an und der Regel-Homebrew hat auch gut funktioniert. Mittlerweile ist ja "Everway" raus, was das Spielen in verschiedenen Genres und Welten noch einmal vereinfachen sollte. Vielleicht kann ich die Kampagne ja noch einmal aufwärmen.
Hellstorm:
Zum Thema New Hongkong Story:
Damit New Hong Kong Story gut funktioniert, musst du deine Spieler sehr genau kennen oder gut einstellen. Das Spiel arbeitet sehr intensiv mit den Trops der Kung Fu und chinesischen Gangster/Triaden Filme. Deine Spieler müssen sich das im Vorfeld klar machen und am besten Fans dieser Art Film sein, damit das Spiel sein Potenzial voll entfaltet. Wenn die Gruppe sich darauf einlässt, das es das Ziel ist einen "geilen"Film zu drehen und nicht das "Abenteuer" zu schaffen, dann ist es ein fantastisches Spiel und durch die Settingwechsel wird es auch nicht langweilig. Gerade Police-Rpg wird durch dieses Setup erleichtert, weil es halt ein "Film" ist und demnach auch "Filmlogik" benutzt werden kann. Niemand will 5 Stunden zukucken wie Leute Akten ausfüllen (Außer man mag the Wire). Das Potenzial dieses "Meta"Rollenspiels (fällt kein besseres Wort ein) ist grandios. Gerade wenn der GM den Spielern auch genug Leine gibt, sind fantastische Abende drin. Auch reine Actionfests ala Shadowrun gehen in dem System leichter von der Hand (its a MOVIE!).
Das Spiel selber bietet die Möglichkeit zwei Routen einzuschlagen. Du kannst das "Filmsetting" mehr als Narrative Erklärung nutzen, warum jeden Abend das Setting wechselt. Es ist aber genau so möglich auch das "Schauspieler" Leben mit einzubauen. Also nicht nur das es Herausforderung innerhalb des Films, sondern auch außerhalb dessen. Ergo wenn man noch "Hollywood" Drama will?
Hong Kong Story ist meine Entdeckung von 2019 und hab mich auf der Nordcon gut eingedeckt. Werde es vermutlich mal auf der Drachenzwinge anbieten und vielleicht auch mehr in meinem Realfreundeskreis nutzen (aktuell geht da noch DCC).
Einziger Wermutstropfen ist das es doch etwas "aufgeblasen" ist in Bezug auf Ausrüstung und "Fähigkeiten". Es ist definitiv wichtig, das diese Sachen so angesprochen werden. Da sie doch sehr eindeutig, das Feeling der Filme einfangen. Es wirkt dadurch nur etwas viel. Ich empfehle für den Einstieg Spieler lieber Schauspieler zu geben und sie später eigene Schauspieler entwickeln zu lassen. Sonst sehe ich die Gefahr der Überfrachtung.
Regeltechnisch empfinde ich das System fassbarer als PbtA beispielsweise oder Fate. Rerolls und andere Mechaniken werden durch den Metaaspekt des Filmes erklärt und fühlen sich dadurch nicht "Gimiky" an.
Nodens Sohn:
Also ich bin absoluter Fan von: Das Monster aus der Spätvorstellung.
Die Regeln funktionieren auch super ... für B-Movies. Dafür ist es gemacht und es gibt einen Mords Spaß am Tisch. Man kann wirklich jedes Genre mit dem selben Schauspieler bedienen, bzw. durch den Kakau ziehen. Und wenn ein Darsteller in seiner Rolle heldenhaft stirbt, kommt er mit neuer Perücke und neuer Rolle zurück in den Film. Ich verwende dieses Rollenspiel immer dann, wenn mal kurz die Luft raus ist, oder wenn das vergangene Abenteuer doch sehr ernst oder mental anstrengend war. Zum Lüften des Gehirns ist diese Spiel grandios, doch als Hauptsystem würde ich es nicht nehmen wollen, auch wenn einige abgedrehte Filme bestimmt einen Oscar verdient hätten. Das gibt das Regelwerk dann nicht her. Außer, du liebst B-Movies so sehr, dass du dies dauerhaft aushältst.
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