Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Wahrnehmung... und wie diese wahrgenommen wird
Der Läuterer:
Tomaten auf den Augen?
Bohnen in den Ohren?
Verschnupft?
Ich stelle wieder einmal fest, wie wichtig Wahrnehmung für einen Char ist. Vielleicht ist es sogar DIE wichtigste Fertigkeit?
Die wenigsten Systeme nehmen Wahrnehmung in die Liste der Attribute auf.
Manche Systeme haben es als Fertigkeit. Man kann also lernen eine Brille aufzusetzen oder wie man eine Lupe benutzt?
Es ist doch frustrierend (und behindert zusätzlich den Fluss des Spiels) wenn man die Post durchsieht oder den Mülleimer durchsucht und nichts findet, weil der Char diese Fertigkeit nicht besitzt, ein anderer Cher (mit ausgebauter Fertigkeit) dort dann mühelos die Hinweise hebt.
Und wie 'lerne' ich meine Sinne zu schärfen?
Darkling ["beurlaubt"]:
Sorry, aber worauf möchtest du hinaus? Ob Wahrnehmung lieber ein Attribut oder eine Fertigkeit sein sollte? Wie man ingame eine Wahrnehmungsverbesserung plausibel erklärt? Wohin soll die Reise in diesem Thread gehen?
Maarzan:
Der Knackpunkt ist die Mustererkennung und Interpretation des aufgenommenen , im Grenzbereich oft eben nicht scharfen Sinneseindrucks. Und das muss erlernt werden.
In dem Sinne wäre Wahrnehmung dann wohl eine - typischerweise auch spezialisierte - Fertigkeit, basierend und limitiert durch das Attribut Sinnesschärfe (x).
Der Läuterer:
--- Zitat von: Darkling am 5.10.2019 | 08:31 ---Sorry, aber worauf möchtest du hinaus?
--- Ende Zitat ---
Ich war i.d.T. etwas undeutlich.
Aber Du hast es schon richtig gedeutet, was mich bewegt.
Prinzipiell sehe ich Wahrnehmung viel mehr als Attribut denn als Fertigkeit.
Bei Cthulhu würfelt man z.B. auf 'Verborgenes erkennen', was bei dem System zu den Top 3 der nützlichen Fertigkeiten zählt.
Das genaue Hinsehen ist jedoch eher ein detektivisches Vorgehen, denn eine reine Beobachtung.
Zudem lässt die Fertigkeit alle anderen Sinne aussen vor.
Ich empfinde Wahrnehmung auch als falsche Bezeichnung und als irreführend. Wenn ich einen Menschen sehe bzw. genauer betrachte, sagt das nichts darüber aus, ob und wie ich ihn einschätzen kann.
Ich sehe ihn zwar, was aber nichts darüber aussagt, ob ich auch einschätzen kann, wie gross, wie schwer, wie alt er ist oder was er vielleicht arbeitet und was möglicherweise seine Gemütverfassung ist, u.s.w.
Das funktioniert alles über Wissen, Empathie und Intuition... also über Intelligenz und Erfahrung, aber darauf würfelt man ja niemals.
Holothuroid:
In vielen Spielen sind Wahrnehmungswürfe ungünstige Stolperstellen. Die Sache läuft ja häufig so : Charakter guckt sich um. SL sagt : "Würfel mal Wahrnehmung." Und bei Erfolg erzählt die SL den nächsten Hinweis, um das Abenteuer zu lösen. Aber wenn der Wurf jetzt schief geht? Wenn schon alle Hinweise gefunden wurden?
Die Sache ist doch : Alle Informationen, die die Spieler haben müssen, müssen die Spieler haben. Die genannten Probleme treten also auf, weil die Puzzlestücke des geplanten Abenteuers gewürfelt wird. Für die sollte man nicht würfeln. Die müssen kommen. Nicht alle auf einmal, aber kommen. Dann lösen sich all die typischen Probleme auf und Wahrnehmung ist auch nicht mehr so "mächtig".
Wenn man für Wahrnehmung würfeln will, dann sollten umgekehrt die Spieler*in entscheiden : Ich würfel jetzt! Und bei Erfolg müssen da Infos rauskommen, die nie zur Auslieferung bestimmt wahren. Sinnvolle Wahrnehmungsproben sind also :
[*] "Verteidigung" gegen Hinterhalt und Fallen
[*] Generieren von Boni (Ich gucke, wo das Monster Schwachstellen hat / auf welchen Typen Lucy steht)
[*] Abkürzungen finden
[*] Schätze finden. Die sind also bei erfolgreicher Probe da und sonst nicht.
Man sieht daran : Das sind gar nicht unbedingt Dinge, die man auf Wahrnehmung würfeln muss. Den Geheimgang könnte man auch mit Architektur finden. Auf wen Lucy steht mit Intrigant, Gerüchtegourmet, High School oder wie immer das in dem Spiel generell oder für diesen Charakter speziell eben heißen mag.
Wenn man also ein Spiel macht, muss man vorher wissen, was man würfeln will. Dann gruppiert man die Sachen und tackert nach Bedarf einen Spielwert an jede Gruppe. Es ist also nicht gut von vornherein mit der Idee zu starten, dass es Attribute und Fertigkeiten geben soll. Und dann kann man auch so Assoziationen wie "Trainierbar" vermeiden.
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