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Combat as Sport vs Combat as War, Ausgabe Juni 2020
Tegres:
--- Zitat von: nobody@home am 28.06.2020 | 21:09 ---Was interessiert mich in diesem Zusammenhang die SL-Perspektive, wenn ich gerade Spieler bin? wtf?
--- Ende Zitat ---
Weil du am Ende als Spieler derjenige bist, der sich mit den Begegnungen auseinander setzen musst und es daher relevant ist, wie diese Begegnungen überhaupt zustande kommen. Wenn ich weiß, dass mein Spielleiter hinter dem Schirm munter Begegnungen hin und her schiebt, kann ich viel lockerer an Kämpfe rangehen, weil das in der Regel ein Sympton dafür ist, Begegnungen abzuschwäcen. Wenn mein Spielleiter hingegen eine Begegnungstabelle konzipiert hat und konsequent auf ihr würfelt, dann werde ich eher auf der Hut sein, vor allem, wenn ich auch noch weiß, was für gefährliche, wenn auch seltene Ergebnisse sich darauf befinden.
--- Zitat von: nobody@home am 28.06.2020 | 20:56 ---Ich sehe vor allen Dingen viele schöne spielweltinterne Ausreden, eine Form von Balancing auf Tischebene (in der Form von "Ja, da ist ein Drache. Ja, der könnte mit euch den Boden aufwischen. Nein, solange ihr ihn in Ruhe laßt, ist er bequemerweise ungefährlich.") zu haben, ohne es ausdrücklich Balancing nennen zu müssen. ;) Denn da die Spielwelt letztendlich ja nicht real, sondern eine bewußte und absichtliche fiktive Schöpfung ist, existieren alle diese Gründe eben nicht "einfach nur so" vor sich hin, sondern nur, weil sie der dazugehörige Schöpfer eigens so hingefriemelt hat -- und das vermutlich nicht, ohne seinerseits dabei zumindest irgendetwas gedacht zu haben.
--- Ende Zitat ---
Dass die Spieltwelt so gestaltet ist, dass überhaupt Abenteuer möglich sind, und nicht alle Menschen, Zwerge, Elfen und Halblinge von Drachen gegrillt werden, halte ich für eine Grundvoraussetzung und hat nichts mit dem Combat as War oder Combat as Sport zu tun.
Der Drache kann übrigens sehr wohl durch die Lande streifen und bewusst Abenteurer grillen. Das wird nur den Druck auf die Charaktere erhöhen, sich clevere Lösungen zu überlegen, nicht gegrillt zu werden. Der Drache kann zum Beispiel nicht überall gleichzeitig sein. Das ist auch ein schönes Beispiel für den Gegensatz von Combat as War und Combat as Sport. In ersterem Fall ist alles ein potentieller Kampfschauplatz, in letzterem gibt es eine klare Trennung zwischen Rückzugsräumen ("Umkleidekabine") und Kampfschauplatz ("Spielfeld").
Ich habe damit alles gesagt, was ich dazu sagen konnte. Mein Eindruck ist, dass die meisten hier und außerhalb dieses Forums Combat as War und Combat as Sport als unterschiedliche Konzete betrachten und klare Unterschiede ausmachen. Du hingegen hältst diese Trennung für künstlich und daher vermutlich nicht für hilfreich. Ich finde diese Trennung sehr wohl hilfreich, zum Beispiel um den Unterschied zwischen dem Stil bestimmter Spielgruppe oder Moduel zu erläutern.
Edit: Reine Neugierde: nobody@home, wie gestaltest du deine Begegnungen?
takti der blonde?:
Wenn der Drache die Gegend terrorisiert, kommt er in die entsprechende Begegnungstabelle.
Daniel E.:
Ich habe mich mit den Konzepten CaS und CaW noch nicht sehr viel beschäftigt, nehme aber aus der Diskussion hier mit: mit der Unterscheidung zwischen Sport und Krieg ist noch nicht alles gesagt.
Auch unter dem Schirm des CaW kann ich die Erfolgschancen meiner Spielercharaktere im Vorfeld erhöhen oder verringern, je nach dem, wie ich die Spielwelt gestalte. Mein Kriegsgebiet könnte aus Harry Potter stammen oder aus Reign of Fire und die Spielerlebnisse wären sehr verschieden, obwohl sowohl Voldemort als auch die Drachen "Ernst machen" im Sinn des Konzepts.
Ist die Gestaltung der Spielwelt dann nur noch Geschmackssache oder werden auch an dieser Stelle konzeptuelle Maßstäbe angelegt?
Alexandro:
Wenn der Drache in der Zufallstabelle ist, dann ist es ein Schrödinger-Drache und alle Maßnahmen, welche die Spieler unternehmen um ihn nicht zu begegnen, sind bedeutungslos.
nobody@home:
--- Zitat von: Tegres am 28.06.2020 | 21:22 ---Weil du am Ende als Spieler derjenige bist, der sich mit den Begegnungen auseinander setzen musst und es daher relevant ist, wie diese Begegnungen überhaupt zustande kommen. Wenn ich weiß, dass mein Spielleiter hinter dem Schirm munter Begegnungen hin und her schiebt, kann ich viel lockerer an Kämpfe rangehen, weil das in der Regel ein Sympton dafür ist, Begegnungen abzuschwäcen. Wenn mein Spielleiter hingegen eine Begegnungstabelle konzipiert hat und konsequent auf ihr würfelt, dann werde ich eher auf der Hut sein, vor allem, wenn ich auch noch weiß, was für gefährliche, wenn auch seltene Ergebnisse sich darauf befinden.
--- Ende Zitat ---
Tja, wenn ich das denn wüßte. Letztendlich bleibt eben wieder nur die Vertrauensfrage -- glaube ich der SL, daß sie auch tatsächlich das tut, was zu tun sie behauptet, oder lasse ich es? Offensichtlich macht das einen Unterschied für unser Verhältnis, aber "Wissen" würde ich es in beiden Fällen nicht nennen.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Ich bin mal zu Magic-Zeiten in ein vergleichbares Problem hineingerutscht. Da gab's den einen oder anderen zwingend formulierten "Wirf eine Karte der Art XYZ aus deiner Hand ab"-Effekt, der den betroffenen Spieler nicht gleichzeitig auch verpflichtet hat, seine Hand dem Gegner zu zeigen -- das hieß dann aber, daß besagter Spieler theoretisch immer behaupten konnte "upps, so eine Karte habe ich gerade gar nicht!" und potentiell die Möglichkeit hatte, dabei das U vom Himmel herunterzulügen, ohne ertappt zu werden. Wenn ich mich recht entsinne, haben WotC dann irgendwann später die betreffenden Karten per Errata so umdefiniert, daß das Abwerfen von vornherein freiwillig wurde, anstatt es unbekannterweise erzwingen zu wollen.
--- Zitat ---Edit: Reine Neugierde: nobody@home, wie gestaltest du deine Begegnungen?
--- Ende Zitat ---
Gute Frage. Natürlich betreibe ich nach meiner Definition "Combat as Sport", was auch sonst... ;)
Allgemein können potentiell übermächtige Gegner schon mal vorkommen. Die sind dann normalerweise nicht als etwas eingeplant, gegen das die SC in dieser Sitzung kämpfen müssen, sondern sollen anderen Zwecken dienen (von eher sozialen Begegnungen bis hin zum reinen Schaffen von Atmosphäre), aber wenn die Spieler wollen, dann können sie natürlich gegebenenfalls schon einen Kampf vom Zaun brechen und in diesem entsprechend den Hintern versohlt kriegen oder, wenn's zu diesem bestimmten Gegner denn paßt (nicht alle müssen unbedingt gleich aufs totale Umbringen scharf sein, aber solche gibt's natürlich auch), auch mal draufgehen. Gelegentlich mag's auch tatsächlich mal der Fall sein, daß solche Gegner aktiv hinter ausgerechnet den SC zumindest mit her sind -- frei nach dem Motto "Darth Vader ist in der Stadt und sucht nach euch..." --, aber das kommt dann natürlich nicht warnungslos komplett aus dem Nichts, sondern so, daß die Spieler nach wie vor handeln können, auch wenn sich aus naheliegenden Gründen der offene Kampf nicht gerade empfehlen mag.
Ich baue meine Begegnungen auch nicht unbedingt schon fest im Vorfeld. Ein Szenario hat wahrscheinlich eine Auswahl an NSC, die darin eine wichtige(re) Rolle spielen können, und an Orten, die die SC möglicherweise besuchen wollen, aber wen man genau wo und in welcher Gesellschaft antrifft, ist bestenfalls für den Anfang halbwegs festgelegt und ergibt sich danach einigermaßen fließend aus dem Handlungsverlauf. Speziell Mooks können in ihrer Anzahl auch mal ein bißchen nach oben oder unten "frisiert" werden, die zählen ja eh weniger als Charaktere denn als Teil des Hindernisparkours.
Außerdem bin ich dieser Tage nicht besonders mit gerade D&D involviert -- was unter anderem bedeutet, daß es oft gar keine großartige technische Definition davon gibt, wie ein "ausbalancierter" Kampf nun eigentlich auszusehen hätte. (Tatsächlich ist mir bis heute kein entsprechendes System untergekommen, das mich so richtig überzeugt hätte; irgendwo hakt's immer.) Entsprechend geht die Einschätzung, was ich den SC so zumuten kann und möchte, von vornherein mehr nach der Methode Pi-mal-Daumen.
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