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Shadowrun: Capital Files "Volume/02 - Drugstore Blues"
Doc Letterwood:
"Sie werden immer ungeduldiger und dreister. Es wird Zeit, dass wir ihnen zeigen, wo der Hammer hängt. Das Problem ist...wir können dort niemandem mehr so recht trauen. Ich meine, Prag, Warschau, Budapest, Odessa, Danzig - alle Städte, in denen wir uns auf unsere Connections verlassen konnten, sind nun mehr oder weniger unerreichbar. Moskau schaut zu und reibt sich die Hände. Es ist wie immer." Marov seufzte wieder. "Der Stärkere gewinnt. Und solange die Verteilungs-Kämpfe im Osten andauern, verdienen wir kein Geld, denn der Nachschub wird aufgehalten, die Routen sind geschlossen."
Fischauge bewegte sich. Einen Schritt.
"Ich will, dass du dorthin fährst." Marov schwenkte den Pokal. Seine Rechte wanderte unter den Stoff der Rothaarigen, die sich neben ihn gesetzt hatte. "Ich möchte, dass du Otto anrufst. Er wird dir vier Telekomnummern geben. Vier Männer, alle Ex-MET2000-Soldaten. Fünf Mann, sechs Ziele. Ihr werdet die neuen Leute im Osten ein wenig aufmischen. Ihre Lagerhäuser zerstören. Die Organisation erschüttern. Ihre Familien töten. Und sie selbst."
Er fuhr fast zärtlich über die samtweiche Haut der Rothaarigen. Sie wollte sich ein wenig an ihn schmiegen und Marov stupste sie sanft weg.
Die Mädchen unterhielten sich wieder leise. Jetzt hörte Kaiser, dass sie alle Russisch sprachen.
"Geld bekommst du von Fischauge. Alles läuft über ihn oder mich. Niemand anderes gibt dir Anweisungen. Die Ausrüstung wartet in Berlin auf dich. Von dort fliegst du zuerst nach Warschau. Dann in die anderen Städte." Marov blickte auf. "Manche von uns sind sogar schon so weit, dass sie Verbindungen zu Konzernen eingehen. Andrasz Vak etwa arbeitet im Osten mit Capital Empire zusammen und schmuggelt für sie Daten. Nur, damit sie ihm helfen, seine Routen im Osten wieder unter Kontrolle zu bringen. Armselig, nicht wahr? Das müssen wir endlich abstellen..."
Ludovico:
Endlich mal ein Auftrag, der meinen Fähigkeiten entspricht.
"Klingt gut! Wieviel?"
Doc Letterwood:
Marov lächelte. "Nüchtern wie immer. Solche Leute wie dich kann ich wirklich gebrauchen. Wieviel? Nun, für den Anfang erst einmal zehntausend Eier als Vorschuss. Sobald du in Berlin bist, wird Fischauge mit dir Kontakt aufnehmen und dir den Zugriff auf ein Konto gewähren. Du wirst der Leiter der Einheit. Auf dem Konto ist genug Geld, um den ersten Auftrag durchzuführen. Sobald es erledigt ist, nimmst du wieder Kontakt mit Fischauge auf. Er nennt dir das zweite Konto. Und so weiter. Am Ende erwartet dich ein Nummernkonto in Genf. Pro Auftrag, den du erledigst - zu unserer Zufriedenheit, versteht sich - wächst das Konto um zwanzigtausend Eier. Wenn ihr fertig seid, trennt ihr euch und verschwindet. Keine Namen, kein Kontakt zueinander, verstanden? Du wirst danach über Berlin in die Schweiz einreisen und dort eine Weile bleiben."
Marov räusperte sich. "Ziemlich trockene Luft hier...Fischauge, füllst du mal bitte nach?" Er hielt den Pokal hoch, und Fischauge nahm ihn wortlos. Dann trottete er zur Bar. "Ich wusste, dass dich das interessiert. Und glaube mir, ich erteile nicht jedem so einen Auftrag...übrigens, ich erhielt eine Nachricht von Andrasz Vak. Kennt ihr euch?"
Ludovico:
Herr Kaiser lief bleich an. Er war nicht für solche Sachen geschult worden. Das war ein Schuß, mit dem er nicht gerechnet hatte.
"Öhm...flüchtig!", murmelte er, während er die Tasse zum Schlucken ansetzte.
Um gleich vom Thema abzulenken, fragte er etwas lauter:
"Wann soll es denn losgehen?"
Doc Letterwood:
"Sobald es geht. Alles steht auf Abruf bereit. Woher kennst du ihn? Er bat mich, dir explizit zu sagen, dass auch er diese Operation mitbezahlt. Warum nur? Seltsam, oder?", fragte Marov und nahm den Pokal aus Fischauges Händen entgegen. Dieser zog eine Makarov-Pistole mit Schalldämpfer und richtete sie auf Kaiser.
"Weißt du, Lenka hier...", er tätschelte der Rothaarigen wieder das Knie, "ist eine Spionin von Boris Pietrov, einem der neuen Aufsteiger aus Odessa. Angeblich streckt er seine klebrigen Finger auch nach Deutschland aus und ist dabei, mit anderen aus Berlin und Hamburg ein Bündnis zu schmieden.
Er dachte, es sei clever, uns Spione auf den Hals zu hetzen. Mein Schatten...", er strich ihr über den Bauch, "war Lenka. Das Problem ist, er denkt nicht global, unser Boris. Er glaubt, es reicht, wenn er unsere internen Gespräche belauscht. 'Außenstehende' wie du kommen in seinem Gedächtnis gar nicht vor. Deshalb konnte Lenka nur Russisch. Wie all die anderen Mädchen hier auch." Er zeigte in einem Halbkreis um sich herum. Die Mädchen kicherten und blickten Kaiser herausfordernd und lasziv an. "Sie verstehen kein Wort von dem, was hier vorgeht. Nur deshalb dürfen sie bleiben und mich mit ihrem erotischen Äußeren reizen. Dich vielleicht auch, aber so genau kenne ich dich nicht, Kaiser..."
Fischauge schwenkte die Waffe herum. Sie hustete kurz, und Lenka zuckte zusammen. Ein rotes, ausgefranstes Loch erschien auf ihrer Schläfe, und Marov nahm sie sanft in die Arme, während sie zusammensackte. Ein dünnes Rinnsal lief über ihr Gesicht und benetzte den blütenweißen Gaze-Stoff mit zartrosanen Sprenkeln.
Fischauges Waffe schwenkte wieder zu Kaiser. Die milchigen Augen hinter seinen dicken Gläsern schienen zu glühen.
"Wenn mich jemand verarschen will, lebt er nur solange es mir gefällt. Das hast du verstanden, Kaiser?", knurrte Marov und blickte Kaiser in die Augen, während er Lenkas Haar streichelte.
"Niemand hintergeht mich oder die Organisation. Niemand, der noch einen Traum hat im Leben. Nicht wahr?"
Die Mädchen waren schlagartig verstummt, zwei sprangen auf, doch eine Bewegung der Makarov ließ sie im Stehen erstarren.
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