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Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Tudor the Traveller:
--- Zitat von: caranfang am 31.01.2026 | 11:22 ---Genau. Es geht sogar noch weiter. Diese Einteilung nach Gut und Böse ist absolut. Alle Elfen sind gut, alle Orks sind böse, und daher ist ein guter Ork genauso unbekannt wie ein böser Elf, obwohl letzteres deutlich eher voirkommt als ersteres.
--- Ende Zitat ---
Das ist m.E. Fokus auf der falschen Ebene. Wie im anderen Post auch schon gesagt, spielt sich das absolute Gute bzw. Böse mehr auf kosmischer Ebene ab. Wir reden bei Mittelerde also über Morgoth als "das große Böse". Die Elfen kämpfen doch über alle Zeitalter hinweg gegen Morgoth und seine Kreaturen, sind also grundsätzlich auf der guten Seite. Sie sind aber imo nicht "absolut gut" in dem Sinne. Im Übrigen widersprichst du dir in dieser Aussage ja auch selbst im letzten Teil.
Crimson King:
Tolkiens Elfen als grundgut anzusehen, halte ich auch für falsch. Die kämpfen im ersten Zeitalter nicht gegen Morgoth, weil er böse ist, sondern weil er elfisches Eigentum geklaut hat, folgen dafür einem König mit eingeschränkter Zurechnungsfähigkeit, verweigern sich den Valar und begehen Massenmord an anderen Elfen. Die grundsätzliche Arroganz, die Elfen in den allermeisten EDO-Settings haben, legen sie auch bis ins dritte Zeitalter nicht ab. Sie sind halt die Erstgeborenen, sie sind was besseres.
nobody@home:
Mal ganz abgesehen davon, daß selbst bei Tolkien nicht so recht klar ist, wo "das Böse" eigentlich konkret herkommt. Okay, wir haben mit Melkor/Morgoth eine klassische gefallene Engelsfigur a la Luzifer oder Satan -- aber jemand, der erst nachträglich rebellisch wird und gegen seinen großen Boß anstänkert, kann doch eigentlich gar nicht so recht in der Das-Urböse-Schlechthin-(TM!)-Klasse mitboxen! (Natürlich ließe sich da wiederum ein Stück weit argumentieren, daß das "Böse" halt dem "Guten" von vornherein letztendlich nicht das Wasser reichen kann, und das schwingt auch bei Tolkien teilweise durchaus mit...nur, einen anständigen Dualismus zwischen zwei einigermaßen ebenbürtigen Parteien kriegen wir auf diese Weise auch wieder nicht.)
Tatsächlich, denke ich, würde der Professor letzten Endes auch Morgoth höchstselbst nicht als komplett verloren einstufen. Selbst der könnte prinzipiell noch Vergebung finden und auf die "helle" Seite zurückkehren...und daß vermutlich eine ganze Reihe von Valar bei dem Gedanken gehörige Magenschmerzen bekämen, sagt uns allenfalls auch nur, daß die ihrerseits nicht einfach nur "rein gut" sein können. Selbst hier ist die Moral also nicht einfach nur platt schwarzweiß -- und das finde ich persönlich für einen überlebensgroß geschriebenen Familienstreit auch nur angemessen.
Galatea:
Das Schöne bei Tolkien ist ja, dass er zwei dunkle Lords hat, die absolut gegensätzlich sind.
Morgoth in seiner Frustration über seine Unfähigkeit selbst Leben zu schaffen, mit dem Resultat, dass er aus Wut die gesamte Schöpfung einreißen und zerstören will, und Sauron der Perfektionist, der die Schöpfung wie eine Maschine betrachtet, die man rücksichtslos "optimieren" kann.
Die wenigsten Geschichten schaffen es zwei so fundamental inkompatible Charaktere auf einer Seite zu vereinen, ohne dass die sich früher oder später an die Gurgel gehen.
Ich denke es ist auch beabsichtigt, dass es nicht das "Ur-Böse" gibt, das böse ist weil es böse ist, sondern dass die dunklen Lords die Schattenseiten menschlicher Schaffenskraft repräsentieren.
Tudor the Traveller:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Wird dann etwas philosophisch, weil Henne und Ei Problem: ist das Böse böse, weil es so handelt, oder handelt es so, weil böse zu handeln eben in seiner bösen Natur liegt?
Wie auch immer: imo gehört ein Gut-Böse-Konflikt zu EDO dazu.
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