Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
nobody@home:
Mal ganz abgesehen davon, daß selbst bei Tolkien nicht so recht klar ist, wo "das Böse" eigentlich konkret herkommt. Okay, wir haben mit Melkor/Morgoth eine klassische gefallene Engelsfigur a la Luzifer oder Satan -- aber jemand, der erst nachträglich rebellisch wird und gegen seinen großen Boß anstänkert, kann doch eigentlich gar nicht so recht in der Das-Urböse-Schlechthin-(TM!)-Klasse mitboxen! (Natürlich ließe sich da wiederum ein Stück weit argumentieren, daß das "Böse" halt dem "Guten" von vornherein letztendlich nicht das Wasser reichen kann, und das schwingt auch bei Tolkien teilweise durchaus mit...nur, einen anständigen Dualismus zwischen zwei einigermaßen ebenbürtigen Parteien kriegen wir auf diese Weise auch wieder nicht.)
Tatsächlich, denke ich, würde der Professor letzten Endes auch Morgoth höchstselbst nicht als komplett verloren einstufen. Selbst der könnte prinzipiell noch Vergebung finden und auf die "helle" Seite zurückkehren...und daß vermutlich eine ganze Reihe von Valar bei dem Gedanken gehörige Magenschmerzen bekämen, sagt uns allenfalls auch nur, daß die ihrerseits nicht einfach nur "rein gut" sein können. Selbst hier ist die Moral also nicht einfach nur platt schwarzweiß -- und das finde ich persönlich für einen überlebensgroß geschriebenen Familienstreit auch nur angemessen.
Galatea:
Das Schöne bei Tolkien ist ja, dass er zwei dunkle Lords hat, die absolut gegensätzlich sind.
Morgoth in seiner Frustration über seine Unfähigkeit selbst Leben zu schaffen, mit dem Resultat, dass er aus Wut die gesamte Schöpfung einreißen und zerstören will, und Sauron der Perfektionist, der die Schöpfung wie eine Maschine betrachtet, die man rücksichtslos "optimieren" kann.
Die wenigsten Geschichten schaffen es zwei so fundamental inkompatible Charaktere auf einer Seite zu vereinen, ohne dass die sich früher oder später an die Gurgel gehen.
Ich denke es ist auch beabsichtigt, dass es nicht das "Ur-Böse" gibt, das böse ist weil es böse ist, sondern dass die dunklen Lords die Schattenseiten menschlicher Schaffenskraft repräsentieren.
Tudor the Traveller:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Wird dann etwas philosophisch, weil Henne und Ei Problem: ist das Böse böse, weil es so handelt, oder handelt es so, weil böse zu handeln eben in seiner bösen Natur liegt?
Wie auch immer: imo gehört ein Gut-Böse-Konflikt zu EDO dazu.
Fonzman:
Viel spannender: wer entscheidet, wer "gut" bzw. "böse" ist? Es entscheidet immer der Sieger. Wenn Sauron gewonnen hätte, wären dann die Menschen, Elben und Zwerge die Bösen gewesen.
D. M_Athair:
--- Zitat von: Tudor the Traveller am 1.02.2026 | 19:41 ---Wie auch immer: imo gehört ein Gut-Böse-Konflikt zu EDO dazu.
--- Ende Zitat ---
Da möchte ich nachhaken und fragen: Bei welchen SF/Fantasy-Genres gehört das gar nicht dazu?
(In meinen Augen kann man nämlich ais Elric als Gut/Böse-Geschichte framen, mit der Mäßigkeit als das gute Prinzip und einseitig Chaos oder Ordnung als böse.)
Schließlich muss ja für ein Abgrenzungsmerkmal nachgewiesen werden, dass es definitorischen Stellenwert hat ... und nicht einfach bloß da ist oder als vorliegend verstanden werden kann.
Wo stehen da eigentlich Midgard (das ich quasi nicht kenne), Mystara & Hârnworld (die ich je nicht genug kenne)?
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln