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[Ich erzähle euch von] Coyote & Crow
nobody@home:
Klingt ein bißchen nach einem (nicht-kolonisiert) amerikanischen Gegenstück zu "Eis & Dampf". Auch da gibt's ja eine Eiszeit, die die Entdeckung der Neuen Welt bisher verhindert hat, so daß sich das in Richtung Steampunk entwickelte Setting im Wesentlichen auf Eurasien und Teile Afrikas beschränkt. Dürfte allerdings kaum auf derselben Erde spielen, wenn die Leute bei C&C nicht auch gerade mit Unterseebooten erste Invasionsversuche über den Pazifik hinweg gestartet haben... :)
Waldviech:
Wieso? Die klangen bei Eis&Dampf ziemlich nach Azteken - und Mittelamerika umfasst C&C ja nicht. Das spricht also nicht gegen ein Crossover ;D
Achamanian:
--- Zitat von: Waldviech am 20.01.2023 | 16:31 ---Gut, das auszugliedern! Das Setting klingt tatsächlich echt spannend und interessant - und trifft bei mir vielleicht sogar einen gewissen Nerv, da ich Solarpunk mag. Wo ich allerdings gewisse Bedenken hätte, wäre ob hier (zumindest nach der bisherigen Beschreibung) nicht doch ein wenig zu sehr der "Edle Wilde" durchschielt. Das klingt jetzt vielleicht etwas hässlicher formuliert, als es gemeint ist (ich finde nach wie vor, dass Coyote & Crow gut und interessant klingt), aber: Die Zivilisation der "Free Lands" ist furchtbar divers und tolerant, lebt selbstverständlich spirituell im Einklang mit der Natur und hat dabei bei gleichzeitiger Entwicklung von Sci-Fi-Technologien natürlich nie die selben Fehler gemacht hat wie die unspirituellen Weißen in der realen Welt. Sind das nicht genau die Projektionen, die man eben nicht auf die American Natives werfen soll?
--- Ende Zitat ---
Würde ich mit einem klaren "Jein" beantworten. Einerseits kann man es durch diese Brille lesen, andererseits bin ich da eben inzwischen auch durch das genannte Buch von Wengrove und Graeber geprägt, dass durchaus sehr glaubwürdig vermittelt, dass manche der Dinge, die man als "Projektionen" romantischer Ideale auf Native Americans betrachtet, vielleicht tatsächlich z.B. über die Jesuitenberichte überhaupt erst als Ideale nach Europa gekommen sind. Und dadurch (und durch die Native-Autor:innen - wobei natürlich klar ist, dass deren Blick ganz sicher auch nicht frei von Projektionen ist) bekommt das für mich schon eine andere Legitimation.
Und auch nicht zu unterschlagen: Es gibt eben schon Kriege, Kulturkämpfe und Formen sozialer Ausgrenzung in dem Setting (wobei, letzteres in Cahokia selbst eigentlich echt nicht ...), also ist nicht alles besser. Nur steht eben die Idee einer technischen Zivilisation, die mit der Ökologie im Einklang steht, im Vordergrund, und das ist natürlich ein unglaublich hochgestecktes Ideal, das uns im Moment unerreichbar erscheint - und klar, das einfach mal so als Qualität einer nicht kolonisierten Native-American-Welt zuzuschreiben, riecht natürlich nach Idealisierung von Native Americans. Dem steht aber wieder die Aussage im Regelbuch entgegen, dass man seinen Charakter am besten einfach als Menschen spielen soll, mit allem guten und schlechten, was einen Menschen ausmacht, was ja wieder nicht nach "Natives sind die BESSEREN Menschen klingt."
Letztendlich ist die Frage, als wie zwangsläufig man den industrillen Weg des technologischen Fortschritts, der sich von Europa her über die Welt ausgebreitet hat, betrachtet. Wenn man davon ausgeht, dass technologischer Fortschritt eben so und eigentlich nur so geht - klar, dann ist das Setting von C&C eine hoffnungslos idealisierte Native-American-Zivilisation, die das unmögliche vollbracht hat. Wenn man davon ausgeht, dass Industrialisierung und massive Ausbeutung von Ressourcen nur ein sehr spezifischer Entwicklungsweg ist, der als historische Zufall die Oberhand gewonnen hat, dann ist n dem C&C-Setting gar nix komisch. Was jetzt stimmt lässt sich mangels realer alternativer Geschichtsverläufe schwer abschätzen ...
Ich würde das Ganze wohlwollend als eine optimistische Alternate History auslegen die natürlich bekannte Tropes aufgreift, aber auch versucht, die gezeichnete Entwicklung sinnvoll herzuleiten und sich dem Konfliktpotenzial nicht zu verschließen.
Achamanian:
--- Zitat von: Waldviech am 20.01.2023 | 16:37 ---Wieso? Die klangen bei Eis&Dampf ziemlich nach Azteken - und Mittelamerika umfasst C&C ja nicht. Das spricht also nicht gegen ein Crossover ;D
--- Ende Zitat ---
Bei C&C sitzt in Mittelamerika das ziemlich expansive Ecaz-Reich, dem wäre das durchaus zuzutrauen ... (und da ich derzeit in Mexiko lebe, bin ich ehrlich gesagt ein bisschen verschnupft darüber, dass da an das Klischee der kriegerischen Azteken angeknüpft wird, nicht, dass da nix dran wäre, aber natürlich denkt man nach kurzer Zeit hier: "Moment, aber an den Azteken war doch nochh so viel MEHR als der Umstand, dass sie gerade dabei waren, mit Gewalt ein Imperium aufzubauen, als ihnen die Spanier dazwischenkamen!").
Gunthar:
Das ganze tönt faszinierend. War schon immer an den nord- und mittelamerikanischen Natives interessiert. Und daher finde ich es cool, dass es da auch mal was gibt.
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