Autor Thema: Erzählen Würfelwürfe bei euch Geschichten und haben Einfluss auf die Welt?  (Gelesen 1797 mal)

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Online nobody@home

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Aber ich glaube, es gab sogar mal solche Baukästen, mit denen man Abenteuer mit dem Würfel erstellen konnte. Frage ist nur, wer würde gerne ein Abenteuer spielen, das nur durchs Zufallsprinzip entstanden ist.

Ich meine mich dunkel zu erinnern, daß es beispielsweise Computerspiele gibt, die zumindest Zufallsdungeons generieren, und auch die haben ihre Fans. Prinzipiell ginge so etwas also wohl auch mit Würfel, Notizen, und Karopapier...natürlich käme dabei wahrscheinlich nichts heraus, was besonders Sinn ergeben oder organisch gewachsen wirken würde, aber als Kaufabenteuer würden diese Ergüsse dem einen oder anderen Verlagslektorat vermutlich immer noch durchgehen. Sooo himmelhoch sind die Industriestandards da ja nun auch wieder nicht immer und überall. ;)

Offline Torsten (Donnerhaus)

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Es gibt ja Leute, die sagen "Das Leben schreibt die spannendsten Geschichten".
Leider ist das falsch. "Die spannendsten Geschichten werden vom Leben geschrieben", wäre näher dran. Dummerweise schreibt das Leben für jede spannende Geschichte etwa zehn Millionen stinklangweilige. Der blinde Uhrmacher funktioniert als Evolutionstheorie, aber er ist kein verlässlicher Dramaturge.

Im Rollenspiel ist es daher auch so ein Problem, wenn Regelsysteme versuchen die Wirklichkeit zu simulieren.
Was viele Würfelsysteme gut hinbekommen, ist Chaos zu erzeugen. Und Chaos ist erst einmal spannender, als Langeweile. Ob Chaos rein für sich das Spiel bereichert, hängt daher stark von den Grunderwartungen ab. Ist Chaos das Beste, was ich kriegen kann, dann nehme ich Chaos. Aber Kontext, Tiefe und komplexe Zusammenhänge finde ich oft wesentlich erstrebenswerter.

Letztlich ist es die gesunde Mischung aus Plan und Chaos, vorgepflasterter Straße und Abwegen, Berechenbarkeit und Zufall.

Offline First Orko

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Dummerweise schreibt das Leben für jede spannende Geschichte etwa zehn Millionen stinklangweilige.
...
Letztlich ist es die gesunde Mischung aus Plan und Chaos, vorgepflasterter Straße und Abwegen, Berechenbarkeit und Zufall.

Insgesamt sehr schöner Beitrag, der das Dilemma sehr gut umreißt  :d
Ich würde noch ergänzen: Und dann gibt es Geschichten, die so passiert sind aber im Nachhinein völlig unglaubwürdig wirken, weil sie derart mit unser (von westlichen Erzählkultur und Klischees geprägten) Erwartungshaltungen bricht. Gibt nicht nur ein Beispiel von Verfilmungen realer Ereignisse, wo zugunsten von Glaubwürdigkeit ein paar Details abgeschwächt werden mussten  ;D

Aber ja, die Qualität einer Geschichte ist auch immer abhängig von der Frage, wie ich die Geschichte betrachte. Wenn ich im JETZT lebe und mir Abhängigkeiten, innere Zusammenhänge, Logiken völlig wurscht sind und es nur darauf ankommt, wie die Figuren im Moment handeln, dann kann ich mich komplett auf ausgewürfelte Ergebnisse stützen.
Soll sich aber rückblickend eine gewisse Art von Stringenz ergeben (wie zBsp dass der große Bösewicht am Ende bereits zu Anfang kurz auftauchte - und sei es nur als Gerücht - und nicht einfach eine rando Zufallsbegegnung ist) dann müssen die entsprechenden Zufallstabellen derart auslegbar sein, dass man diese Stringenz hineinweben kann.
It's repetitive.
And redundant.

Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.