Meine Rollenspielrunden sind wohl verflucht.
Am Samstag haben wir gespielt. Ich habe meinen "Zombieapokalypse-Arc" wie geplant beendet. Dass die Story etwas holperig sein würde, war mir klar, weil ich die Meta-Story einer von Anfang bis Ende geplante Kampagne in einen Abend runterdampfen musste. So weit, so erwartbar. Das war für mich aber jetzt kein großes Problem.
Problematisch war eher folgendes: Kurzfristig hatte sich ein weiterer Spieler gemeldet. Er hatte bisher null Interesse an dem Hobby, aber jetzt wollte er es mal ausprobieren. Ich habe mich darüber wirklich gefreut. Ich habe aber schon bei der Charaktererschaffung bemerkt, dass der Spieler eigentlich gar kein großes Interesse an dem System an sich hatte. Er wedelte das meiste fix ab. Als ich ihm die Domänenkarten reichte, die er sich auswählen konnte, hat er kurz draufgeguckt und dann random 2 genommen - ohne überhaupt wirklich zu wissen, was draufsteht. Da ahnte ich schon Schlimmeres.
Im Spiel selbst war ich überrascht, wie frei von der Leber weg dieser Spieler erzählte. Das war wirklich super! Er griff hier zwar das eine oder andere mal in die Bereiche ein, die er eigentlich nicht hätte steuern sollen (sowas wie "Ich hab mich mit dem NPC unterhalten und er hat mir gesagt, dass er Schmied ist") - aber ich fand das so super, dass ich einen Teufel tat und ihm reingrätschte. Ich wollte, dass er Spaß hat und ich dachte mir, dass so ein Spieler für Daggerheart Gold wert ist.
Dann kam aber der erste Kampf. Und man sah dem Spieler innerhalb der ersten 5 Minuten an, dass er keinen Spaß hatte. Und es wurde über den Abend verteilt dann nicht besser. Im Gegenteil. Der Spieler wirkte abwesend. Verliess immer mal wieder den Tisch um etwas zu erledigen. Sagte kaum noch etwas. Jeder Würfelwurf musste plötzlich von Sitznachbarn erklärt werden. Fragen nach seinen Fähigkeiten wurden wörtlich mit "keine Ahnung" abgeschmettert.
Ab und an blühte er nochmal auf, wenn es ums reine Erzählen ging. Aber die Stimmung war hier im Eimer, weil alle am Tisch immer wieder rüber zum neuen Spieler schauten und natürlich bemerkten: Der Gute würde am liebsten aufstehen und gehen - tut es aber nicht, weil er zu liebenswürdig ist. Er hätte es auch nicht getan, wenn wir ihm angeboten hätten, das Spiel zu verlassen. Er ist ein Guter und ich liebe den Mann.
Um das Leiden zu beenden, habe ich weite Teile des geplanten Abenteuers weiter weggekürzt - was der Story natürlich auch nicht geholfen hat. Und da trotzdem noch recht viel Handlung abgearbeitet werden musste, um den Arc halbwegs zufriedenstellend zu beenden, hat es trotzdem bis 23:00 gedauert, bis alles fertig war.
Kein toller Abend. Weder meine Spieler noch ich selbst werden von "Spannung" sprechen, wenn sie an diesen Abend zurückdenken. Der neue Spieler sagte zumindest im Feedback ehrlich, dass er den Erzähl-Part ganz witzig fand, aber sobald es tatsächlich in Richtung "Gameplay" ging (sprich: Regelsystem, Karten und co), fand er es zu viel. Zu langweilig. Zu anstrengend.
Ich könnte mir vorstellen, dass ein Spiel fast ohne Crunch ihm eventuell zusagen könnte (!). Aber ... ich glaube nicht, dass er nochmal einen Versuch starten wird. Und ich hadere natürlich mit mir, ob der Fehler vielleicht bei mir lag.
Am Ende war es gefühlt (!) ein verlorener Spielabend. Die Spieler haben zwar wieder gesagt, dass sie Spaß hatten ... aber ich bin mir sicher, dass das dieses mal tatsächlich nur eine Höflichkeitsfloskel war.