Autor Thema: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan  (Gelesen 11214 mal)

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Offline Lyonesse

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #175 am: Gestern um 10:01 »
Ich haben den Film jetzt im Original gesehen und ich fand, es war ein ganz ordentlicher Unterhaltungsfilm bei dem Nolans Handschrift gut erkennbar war. Kein Mega-Sommer-Blockbuster, sondern eher ein aufwendiger Film der nachdenklichen Töne. Gut gefallen hat mir, dass die Atmosphäre streckenweise schön archaisch war, dass Zeus‘ Gesetze ein Witz waren und zwar fast die ganze Zeit über, es gab einige schöne Bilder und die Erzählstruktur war auch nicht uninteressant. Insofern war alles gut.
Weniger gut war die altbekannte Schwäche Nolans, sich fast schon zu weigern einem seine Charaktere näher zu bringen. Es ist, als wenn der Zuschauer auf keinen Fall Empathie oder eine Beziehung zu den Figuren aufbauen soll. Das war hier, aufgrund der Episodenhaftigkeit, aber ohnehin schwierig.
Das andere, eigentlich noch gravierendere Problem ist, dass der Film ziemlich zerredet wird. Es ist kein Vertrauen in den Zuschauer da, dass dieser die Situation einordnen kann und die richtigen Schlüsse daraus zieht, und vor allem auch den Subtext mitbekommt. Nein, es kommt häufig ein begleitender Kommentar von den handelnden Personen selber, der meistens einfach überflüssig ist und ohne den der Film vermutlich doppelt so gut geworden wäre. Das wurde hier aber auch schon von anderen erwähnt und ich kann nun bestätigen: Ja, es stört und war größtenteils echt unnötig.
Gut war noch, dass Christopher Nolan Szenen durchaus eigenwillig interpretiert, und so auch mal ein neuer Blickwinkel entsteht. Alles in allem war es zum größten Teil solide Unterhaltung, wenn auch in meinen Augen jetzt nicht der ganz große Wurf oder gar Nolans beste Arbeit. Ich habe allerdings auch nichts gesehen, was den momentanen Hype vor allem in den Staaten wirklich nachvollziehbar macht, aber gut - muss man vielleicht noch sacken lassen.
Allerdings hatte ich für dieses Monster-Budget eigentlich größere Schauwerte erwartet, und was die Besetzung anbelangt - gar nicht mal die von Helena -, so hätte man über den einen oder anderen Part, ganz sicher aber über Matt Damon ruhig nochmal reden können. Ich hab gar nix gegen ihn, aber als Odysseus wirkte er streckenweise nicht so wirklich auf der Höhe und sonderlich verschlagen schon mal gar nicht. Tom Holland kam für meine Begriffe zu Beginn auch hin und wieder mal ins schwimmen, Charlize Theron hingegen wirkte gelangweilt, aber dafür hat Edward Cullen seine Sache durchgehend gut gemacht.
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Kann es etwas schöneres geben, als eine Einladung zum Essen bei Circe?
« Letzte Änderung: Heute um 19:16 von Lyonesse »

Online Grashoffer

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #176 am: Gestern um 10:26 »
Das andere, eigentlich noch gravierendere Problem ist, dass der Film ziemlich zerredet wird. Es ist kein Vertrauen in den Zuschauer da, dass dieser die Situation einordnen kann und die richtigen Schlüsse daraus zieht, und vor allem auch den Subtext mitbekommt. Nein, es kommt häufig ein begleitender Kommentar von den handelnden Personen selber, der meistens einfach überflüssig ist und ohne den der Film vermutlich doppelt so gut geworden wäre. Das wurde hier aber auch schon von anderen erwähnt und ich kann nun bestätigen: Ja, es stört und war größtenteils echt unnötig.

Das wird vermutlich auf neuerliche Sehgewohnheiten zurückzuführen sein, was Matt Damon selbst vor ein paar Monaten angeprangert hatte. Es geht darum, dass viele Leute Filme und Serien via Streaming schauen und nebenbei mit ihrem Smartphone herumspielen und dadurch weniger konzentriert auf den Film sind und daher dieses "Zerrede" benötigen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ob etwas dran ist? Vermutlich. (Obwohl die Leute früher vor der Flimmerkiste auch andere Dinge wie Essen oder Bügeln getan hatten...)
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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #177 am: Gestern um 11:04 »
Das wird vermutlich auf neuerliche Sehgewohnheiten zurückzuführen sein, was Matt Damon selbst vor ein paar Monaten angeprangert hatte. Es geht darum, dass viele Leute Filme und Serien via Streaming schauen und nebenbei mit ihrem Smartphone herumspielen und dadurch weniger konzentriert auf den Film sind und daher dieses "Zerrede" benötigen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ob etwas dran ist? Vermutlich. (Obwohl die Leute früher vor der Flimmerkiste auch andere Dinge wie Essen oder Bügeln getan hatten...)
Und deshalb zum Beispiel die Fernserie Police Squad vorzeitig abgesetzt wurde, weil das Studio meinte, der enthält zu viele Gags, die die Zuschauer dann verpassen. Erst als Film The Naked Gun hatte die gleiche Idee dann großen Erfolg. :)
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Offline Eisenmeile

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #178 am: Heute um 18:42 »
Ganz allgemein (ich hab den Film ja auch noch nicht gesehen) prägen solche Filme eben auch manchmal die Vorstellung.

Und? Dann haben eben ein paar Leute ein paar falsche Vorstellungen, das ficht mich nicht an.

Sollen ein paar Leute doch glauben, dass Ritter sich in ihren schweren Rüstungen kaum bewegen konnten, dass Dinosaurier im Grunde große Echsen ohne Federn waren, dass Jack the Ripper hauptsächlich Prostituierte umgebracht hätte, oder dass es theoretisch möglich wäre auf dem Mars Kartoffeln anzubauen. Nichts davon mag den Tatsachen entsprechen, aber es ist auch nicht meine Aufgabe den Oberlehrer zu spielen und diese Vorstellungen zu korrigieren, und die Aufgabe von Filmschaffenden ist das auch nicht. Wer sich dafür interessiert, der wird schnell bei entsprechender Fach- und Semi-Fachliteratur fündig - wer das nicht will, der behält eben sein persönliches Bild von der Vergangenheit.

Und sich über "falsche" Waffen, Rüstungen oder Schiffe aufzuregen ist, in meinen Augen, richtige Zeitverschwendung, angesichts echter Probleme in der Welt.