34–37 Mick Herron – Slow Horses 5–8
Die Reihe lässt nicht nach. Der Humor ist bissig, die Dialoge sind scharf, und als Hörbuch kommen sie besonders gut zur Geltung. Vor allem aber Jackson Lamb: ungehobelt, abstoßend, faul und dabei brillanter als alle anderen. Lamb ist bei mir zu einem Vorbild für einen Rollenspiel-SC geworden.
13/15
38 Silke Maier-Witt – Ich dachte, bis dahin bin ich tot
Die Lebensgeschichte eines ehemaligen RAF-Mitglieds der zweiten Generation: Untergrund, Deutscher Herbst, Abtauchen in der DDR, Verhaftung nach der Wende und später die Friedensarbeit auf dem Balkan. Der Stoff hätte eigentlich viel hergegeben. Die Schilderung bleibt aber seltsam distanziert, und die Innensicht auf die RAF bringt wenig Neues. Hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.
07/15
39 Julian Barnes – Vom Ende einer Geschichte
Tony Webster blickt im Ruhestand auf seine Jugend zurück und merkt, dass seine Erinnerung ihn täuscht. Das Thema, die Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses, ist reizvoll, und Barnes schreibt elegant. Kurz, gut hörbar, aber recht schnell wieder vergessen.
09/15
40 Ulrike Herrmann – Das Ende des Kapitalismus
Herrmanns These: Grünes Wachstum ist eine Illusion, Klimaschutz verlangt ein geplantes Schrumpfen nach dem Vorbild der britischen Kriegswirtschaft ab 1939. Das Hörbuch ist gut hörbar und verständlich aufgebaut, auch die historische Herleitung des Kapitalismus ist ordentlich. Die Thesen selbst sind für mich aber nicht nachvollziehbar. Wie eine demokratische Gesellschaft freiwillig in eine Rationierungswirtschaft übergehen soll, bleibt offen, und die Kriegswirtschaft als Blaupause halte ich für abwegig. Ich wollte es mir als Gegenpol zu Zietelmann anhören.
06/15
41 Scott Lynch – Die Lügen des Locke Lamora
Ocean's Eleven in einem fantastischen Venedig: Die Gentleman Bastards um Locke Lamora ziehen in Camorra große Betrügereien ab, bis sie in einen Machtkampf der Unterwelt geraten. Kulisse und Setting sind ganz nett. Irgendwie kein bleibender Eindruck. Die Fortsetzungen werde ich mir wohl sparen.
10/15
42 John Keegan – A History of Warfare
Ein Klassiker der Militärgeschichte. Keegan widerspricht Clausewitz: Krieg ist für ihn nicht die Fortsetzung der Politik, sondern Ausdruck von Kultur. Der Bogen reicht von der Osterinsel über Zulu, Mongolen und Samurai bis zu den Weltkriegen. Das ist enorm gelehrt und voller überraschender Querverbindungen. Als Hörbuch ist es stellenweise anstrengend, weil Keegan sprunghaft zwischen Epochen wechselt und man ohne Karten leicht den Faden verliert. Trotzdem schärft es den Blick.
12/15
43 T. A. Williams – Mord in der Toskana
Für den Italienurlaub: Cosy Crime mit Toskana-Kulisse, Wein und gutem Essen. Der Fall ist vorhersehbar, die Figuren bleiben blass.
06/15
44 Antonello Rossi – Toskanische Schatten
Genauso austauschbar. Die Atmosphäre ist ordentlich, der Plot bedient die üblichen Genre-Klischees. Nett für nebenbei, nicht mehr.
06/15
45 James Holland – Burma 44
Die Schlacht um die „Admin Box“ im Arakan im Februar 1944. Hier stoppten die Alliierten erstmals einen japanischen Angriff und brachen den Mythos von der unbesiegbaren japanischen Armee. Holland erzählt gewohnt lebendig, mit vielen Augenzeugenberichten und einem guten Gespür für Logistik und Luftversorgung. Beim Hören gibt es manchmal etwas zu viel Detail auf Einheitsebene.
11/15
46+47 Samantha Shannon – Das Kloster des Geheimen Baumes 1+2 (Prequel)
Die Vorgeschichte spielt Jahrhunderte vor dem Orden, als die Drachen des Feuers erwachen und die Welt an den Rand der Vernichtung bringen. Das Weltenbauen ist beeindruckend, die Katastrophenschilderung eindringlich, und die Figuren (sehr viele Frauen!) sind interessant und vielschichtig. Trotz der enormen Laufzeit hat mich das Hörbuch durchgehend gefesselt. Für mich sogar etwas stärker als der Orden.
13/15
48+49 Samantha Shannon – Der Orden des Geheimen Baumes 1+2
Epische High Fantasy mit starken Frauenfiguren, Drachen, Hofintrigen und einer fein gezeichneten Liebesgeschichte. Sehr gute Unterhaltung, auch wenn das Finale nach langem Aufbau fast zu schnell kommt.
12/15
50 Jeffery Deaver – Der Insektensammler (Lincoln Rhyme 3)
Rhyme und Amelia Sachs verschlägt es nach North Carolina. Die forensische Detailarbeit ist wie immer faszinierend, und Sachs' Loyalitätskonflikt mit Rhyme tut der Reihe gut. Deaver übertreibt es aber mit den Wendungen, gegen Ende wirkt es fast beliebig. Solide Unterhaltung.
10/15
51 Viktor Frankl – … trotzdem Ja zum Leben sagen
Frankls Bericht über seine Zeit in Auschwitz, Dachau und anderen Lagern ist kein reines Zeitzeugnis, sondern eine psychologische Analyse dessen, was Menschen in extremster Lage am Leben hält. Die Kernbotschaft, dass wer ein Warum zum Leben hat, fast jedes Wie erträgt, ist die Grundlage seiner Logotherapie. Der Text ist nüchtern, fast leise und gerade dadurch erschütternd. Sehr stark und berührend.
14/15
52 R. F. Kuang – Babel
Oxford in den 1830er Jahren: Das Übersetzungsinstitut Babel hält das Empire mit Silbermagie am Laufen, die auf den Bedeutungsverschiebungen zwischen Sprachen beruht. Die Grundidee ist frisch, und insbesondere der Fokus auf Linguistik ist interessant. Die Kolonialismuskritik ist sehr prominent und wird mir mit zunehmender Laufzeit zu plakativ/stumpf vorgetragen. In der zweiten Hälfte hört es sich an wie ein Aktivisten-Pamphlet.
06/15