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RANT: Warum interessiert euch bei Filmen und Serien die Meinung von Muggeln
korknadel:
Ich finde taryinions Rants ja meistens sehr sympathisch und kann gut mitfühlen, auch wenn ich die Dinge meist anders sehe.
Ich verstehe bei dem Eingangsposting nicht, dass einerseits die Klage erhoben wird, Marvel wäre "verwurstet", also zu sehr mainstreamig vermarktet, dass man sich aber mit Mainstream-Leuten wie der Mutter (oder war's die Tante) nicht über einen Marvelfilm unterhalten kann. Was denn nun? Ist Marvel Nische oder Mainstream? Wenn Marvel tatsächlich Mainstream ist, weil verwurstet, dann stünde ja die Mutter (Tante?) für die Nische.
Und Jiba hat da natürlich schon viel Richtiges gesagt. Was wir hier machen, hat mit counter culture nur in seltenen Ausnahmefällen etwas zu tun. Star Wars und Manga sind inzwischen quasi die kulturelle Muttermilch, mit der Kids aufwachsen, und alleine schon über Mangas werden so gut wie alle Tropes unserer "Nische" massenhaft verbreitet. Der Herr der Ringe wurde vor einigen Jahren vom ZDF als das beliebteste Buch der Deutschen ermittelt. 1999 schon, also noch vor den Kinofilmen, ermittelten Fnac und Le Monde die 100 besten/wichtigsten Bücher des 20. Jahrhunderts. Auch da steht natürlich selbstverständlich der Herr der Ringe mit drin (zum Glück immerhin im Ranking nicht vor, sondern eine Stelle nach Primo Levis "Ist das ein Mensch", das hätte mir sonst schon zu schaffen gemacht).
Es gibt in Deutschland knapp 30 Elbenwald-Filialen, und auch ins nischigere Rollenspiel krakt der Trend zum Mechandise, zum Paraphernaliabloat. Bei zig Crowdfunding-Projekten kriegst Du noch T-Shirt, Dice-Trays, Stickers, Plastikgedöns dazu, das folgt derselben Logik wie Actionfiguren, Legamis und dergleichen, aber nach counter culture sieht mir das gar nicht aus. Was für die Jocks Deo, Antipickelgesichtswasser und Pomade in großen Mengen ist, ist für die Nerds ein eigener Würfelsatz für jeden Char und stabiles Internet. Wo die einen die PS ihrer Motorräder oder Autos oder die Gewichte an ihren Trainern zählen, machen die anderen Minmaxing und zählen ihre Variantcover oder wie viele Versuche sie bis zum dritten Level brauchten. Es ist anderes Kolorit, aber die Kultur unterscheidet sich zumeist zu wenig, um wirklich "counter" zu sein.
Für so ein authentisches Nischengefühl empfehle ich statt Star Trek, Marvel und D&D die Oper als Nerdgebiet, vielleicht gar mit einem hübschen Schwerpunkt wie französische Barockoper oder Zwischenkriegsmoderne. Da ist die Welt dann wirklich fast ausschließlich mit Muggeln bevölkert, von einer derartigen Einsamkeit kann Hulk nur träumen.
HAL 40000:
Ok, ich gebe gleich mal zu nicht alles von jedem gelesen zu haben.
Aber das hört sich für mich stark nach "Hier sind wir und dort sind die anderen" an. Warum, lass sie doch. Was ist denn so geil daran ein Nerd zu sein? Ist auch nicht anders als Fußballfan oder Autonarr oder Gourmet zu sein. Und was ist so schlimm an Mainstream. Kann man mögen, muss man aber nicht.
Einwurf:
Brian: „Ihr seid alle Individuen!“
Menge: „Ja, wir sind alle Individuen!“
Brian: „Ihr seid alle anders!“
Menge: „Ja, wir sind alle anders!“
Einzelner Mann: „Ich nicht.“ (wird von der Menge ausgebuht)
Ich meine, ich kann verstehen das sich Leute darüber aufregen wenn ihr Lieblingsfranchise (oder Setting) stark verändert wird. Beispiel Star Trek. Ja, das hat sich schon immer verändert und war auch früher schon progressiv. Das neue Zeug ist auch nicht mehr für son alten Sack wie mich gedacht. Finde ich es schade? JA! Warum? Nun, ich sehe so viele verschenkte Möglichkeiten (und ich denke gerne an die Chance einer Möglichkeit). Es passt irgendwie nicht zum Ton der vorherigen Sachen.
Ja, nun ja, das ist nun mal meine Meinung, man.
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Auf diesem Planeten gibt es für mich ganz genau eine Person, deren Meinung mir bei Filmen und Büchern wichtig ist.
Alles andere sind mehr oder weniger interessante Nebenkommentare ^-^
Swanosaurus:
Mich interessiert die Meinung von allen anderen Leuten in meinem Umfeld, die sich für die gleichen Filme und Serien interessieren, egal, ob es "Muggel" sind oder nicht. (Und wenn überhaupt jemand die Bezeichnung "Muggel" verdient hat, dann sind es Harry-Potter-Fans). Irgendein Kulturprodukt wirklich nur für mich alleine zu rezipieren, ohne jeglichen Austausch darüber, fände ich traurig, und ein Austausch auf der Grundlage "deine Meinung interessiert mich eh nicht" ist auch traurig.
korknadel:
--- Zitat von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 23.02.2026 | 10:39 ---Auf diesem Planeten gibt es für mich ganz genau eine Person, deren Meinung mir bei Filmen und Büchern wichtig ist.
Alles andere sind mehr oder weniger interessante Nebenkommentare ^-^
--- Ende Zitat ---
Andrerseits stimmt das Argument, das hier schon mal genannt wurde, auch wieder: Damit Filme und Bücher überhaupt in Umlauf kommen und bleiben, braucht es halt mehr als nur diese eine Person. Deshalb ist die Meinung zumindest einer Gruppe eben doch auch nicht ganz uninteressant allein schon für die Produktion.
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