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Beobachtung in Blogs, Rezensionen usw.: Warum geht es nicht ohne Abwertung?

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unicum:
Im übrigen: Es gibt in meinem Bekanntenkreis Leute die, wenn sie etwas voll Scheiße finden ich mir das merke weil es dann ja für mich interesant sein kann - und umgekehrt funktioniert das genauso, loben sie etwas über alle Massen dann weiß ich das es mit ziemlicher sicherheit nichts für mich ist.

In diesem Sinne: Man muss eben die Leute irgendwie einordnen können von denen man irgendwelche Infos bekommt.

Weltengeist:
Deshalb wäre ja mein eigener Wunsch, dass mehr Leute ihre Meinungen kundtun. Gerne auf entsprechenden Plattformen (sei es nun Amazon, Goodreads oder das Tanelorn), damit die Texte auch auffindbar sind. Denn da jede Rezension die Tendenz hat, von persönlichen Vorlieben gefärbt zu sein, kriegt man nur aus der Mischung verschiedener Beiträge ein differenziertes Bild.

Die Forderung "die wenigen, die sich die Mühe machen, etwas zu schreiben, sollen es bitte dann auch perfekt machen" dagegen ist wohl unrealistisch.

Gorilla:
Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich der Beobachtung, die dem Thread zugrunde liegt, grundsätzlich so zustimmen kann und würde einfach mal infrage stellen, ob es denn tatsächlich so ist, dass "immer mehr immer schlimmer" wird und es vor allem immer häufiger zu immer mehr Abwertung kommt.
Ist dem den so? Oder haben wir nicht (auch?) ein Wahrnehmungsproblem?

Besonders die Rollenspielszene erscheint mir doch (meist) als sehr respektvoll, wohlwollend und tolerant.
Natürlich gibt es Ausreißer, aber die würde ich nicht als die Regeln ansehen.

Insgesamt ist es sicher so, dass
1.) Wir Alle unser Hobby doch mit viel Leidenschaft betreiben und oftmals sehr deutliche Präferenzen und Ansichten haben (und vertreten)
2.) Wir Alle unsere persönliche Vorgeschichte mit unterschiedlichsten System und Welten (und manchmal zu einigen davon selbst eine ausgeprägte Hassliebe entwickelt) haben

Beides nicht zuletzt, weil wir im Wortsinn regelmäßig Stunden unserer wertvollen Lebenszeit in unserem Hobby versenken und oftmals auch sehr emotionale Momente in der Gruppensituation erleben.

Ich behaupte, bzw. würde annehmen, dass diese Faktoren einen starken Einfluss auf Alles haben, was mit unserem Hobby in Zusammenhang steht.
In der Folge liegt es beinahe zwangsläufig nahe, dass wir Kritik immer (auch) persönlich verstehen und (teilweise) auf uns als Person beziehen. Das gilt für alle Bereiche des Lebens, aber für ein leidenschaftlich betriebenes Hobby wohl besonders stark.

Vielleicht fehlt uns Lesenden und Hörenden von Kritik auch einfach oft die Fähigkeit oder Motivation des wohlwollenden Lesens?
Vielleicht sollten wir nicht ständig versuchen, alle Aussagen immer von der schlimmstmöglich anzunehmenden Interpretationsweise aus zu denken, sondern genau umgekehrt versuchen, die Kritiken als sachlich intendiert und unter Umständen pointiert vorgebracht zu verstehen?
Vielleicht entwickeln wir uns im Zeitalter von Social Media einfach auch selbst immer mehr zu dauerempörten Snowflakes, die nur darauf warten, dass sie sich über die nächste vermeintliche Grenzüberschreitung aufregen können?

Als historisches Beispiel, dass früher nicht Alles so unglaublich viel weniger Verriss war, wurde ja bereits Marcel Reich-Ranicki angeführt. Der war oft so gar nicht nett und galt gleichzeitig (völlig zurecht) als äußerst kompetent und respektiert.

Luxferre:
Fronten, Gatekeeping und Co sind ja kein Alleinstellungsmerkmal unserer Hobbynische.
AUDI vs BMW vs Mercedes oder Opel vs Ford ... Oldmoney-Style vs Newemoney-Style ... IGS vs Gymnasium ... Esoterik vs Religion ... Apple vs Samsung.
Überall und täglich werden wir von und mit Gatekeepern konfrontiert.
Für reflektierte Leute, die auch andere Meinungen akzeptieren können oder Fünfe gerade sein lassen, ist das nicht immer leicht. Da kommt man/mensch gern mal an die eigenen Grenzen.

Ich finde, dass teilweise gut recherchierte und sauber formulierte Kritk auch mal (totschlagargumenterweise) als Abwertung dargestellt wird.
Da werden also Menschen mit einer Meinung in die gleiche Ecke gestellt, wie die Idioten, die abwerten und popularisieren.
Auch keine gesunde Diskussionskultur.

Und da wollte ich hin.
Eine gesunde Diskussionskultur verträgt Humor, leichte Spitzen, andere Meinungen. Das ist kein reines Sender-Syndrom! Das ist auch Resilienz und Ambiguitätstoleranz beim Empfänger und eine gewisse Lockerheit.

Sashael:

--- Zitat von: Gorilla am 28.03.2026 | 17:32 ---Als historisches Beispiel, dass früher nicht Alles so unglaublich viel weniger Verriss war, wurde ja bereits Marcel Reich-Ranicki angeführt. Der war oft so gar nicht nett und galt gleichzeitig (völlig zurecht) als äußerst kompetent und respektiert.

--- Ende Zitat ---
Marcel Reich-Ranicki ist meiner Meinung nach ein ganz schlechtes Beispiel.
1) Alle wussten oder gingen davon aus, dass der Mann wirklich wusste, wovon er da redet. Die Zuschauer haben ihm die Kompetenz einfach zugestanden.

Das ist nichts, was ein durchschnittlicher Blogger für sich beanspruchen kann und damit wird alles, was er sagt, anders bewertet als wenn es von einem Reich-Ranicki käme.

2) Es ist völlig egal gewesen, ob MRR dein Buch gelobt oder wortwörtlich in seiner Sendung zerissen hat. Die Verkäufe gingen nach oben.
Bei einem Verriss haben die Verlage und Autoren die Schampusflasche eben mit einem "Was für ein arroganter Sack!" geöffnet.

Auch das passiert nicht, wenn heutzutage jemand eine Kritik schreibt.

Die Lage um Herrn Reich-Ranicki war einfach ziemlich ... besonders.
Den jetzt als "Früher gings doch auch" zu bemühen, geht an der damaligen Situation vorbei.

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