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Funktionierender Sozialismus

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Maarzan:
Theoretisch geht so etwas auch nach dem Prinzip Räuber-/Piratenbande mit Basisdemokratie und gleichen Beuteteilen. Aber die brauchen als menschliche Raubtiere dann halt auch genügend und besser auch einfache Beute.
Sonst sortiert sich das auch wieder nach Risiko und Beitrag zur Überwindung der Opfer, denn alle hinten stehen  klappt halt nicht so richtig gut, wenn der Gegner doch mal wehrhafter ist.

Eismann:
Ich meine mich daran zu erinnern, dass manche Hochkulturen wie die Altägypter oder Sumerer oft planwirtschaftlich gearbeitet haben. Da wurde also ein Großteil der Produktion eingesammelt und dann nach Bedarf wieder verteilt. Ist dann aber natürlich autokratisch.

Mr. Ohnesorge:

--- Zitat von: Eismann am  2.04.2026 | 15:22 ---Realweltlich könnte man sich dann noch den spanischen Anarcho-Syndikalismus anschauen

--- Ende Zitat ---

Daran orientieren sich genannte Eclipse Phase-Subsettings.

Feuersänger:
Hier im Thread wird sowieso einiges konflationiert, also durcheinandergebracht. Sozialismus heisst nicht unbedingt, dass es keinen Privatbesitz geben darf und niemand reich sein kann und erst recht nicht dass es Planwirtschaft geben muss. Sozialismus bedeutet in allererster Linie erstmal nur, dass die _Produktionsmittel_ kein Privatbesitz sein können, die es dem Eigentümer ermöglichen, das Proletariat auszubeuten.
Also nach dem Motto: "Ich besitze eine Maschine, die jeden Tag für 1000GM Dinge herstellt, aber die Arbeiter die diese Maschine bedienen beteilige ich nur mit 1GM und behalte den Rest für mich selbst."

Insofern wäre schonmal diskutabel, ob Abenteurerausrüstung die wie das +2 Flammenschwert unbedingt in Kollektiveigentum zu überführen wäre. Es ist insofern "Produktionsmittel" in der Abenteurerindustrie, ja, aber sein Gebrauch beutet ja nicht das eigene Kollektiv aus.

Dann wurde das Mittelalter erwähnt: im europäischen Mittelalter finden wir ganz schön viele antikapitalistische Elemente. Verbot von Zinswucher etwa, und ziemlich flache Gehaltsprogressionen. Da hat ein Meister oft nur 10-20% mehr verdient als sein Geselle. (Lehrlinge waren natürlich trotzdem am Arsch.) Wer beschissen hat wurde in den Fluss getunkt usw.

Aber umgekehrt stimmt freilich auch das was Weltengeist sagt: wenn eine soziale Gesellschaft niemanden so leicht durchs Netz fallen lässt, gibt es auch umso weniger Nährboden für Bettelei und Kriminalität.

--

That said!
Auch wenn ich es selber bisher nicht so betrachtet habe, trägt eigentlich mein eigenes Heartbreaker-Fantasysetting einige sozialistische Züge. Zur kurzen Erklärung, in erster Linie war da meine Motivation "Wie sähe eine stringent durchdeklinierte Hochkultur in einer magischen D&D-Welt aus? Insbesondere wenn es reale, Gute Gottheiten gibt, die am Wohl der Demi-Menschheit interessiert sind?"
Und da hat sich dann mit der Zeit so einiges rauskristallisiert. Es gibt zB auf dem Lande schon sozialistische Arbeitsteilung, etwa mit einer Art "Kantine" die alle mit Essen versorgt, damit die Bauern was handfestes zu beissen bekommen, wenn sie vom Feld kommen. (Es ist zwar High Magic, aber nicht _so_ High Magic dass jedes Bauernkaff mit Ackergolems ausgestattet wäre oder alle Nahrung magisch erschaffen werden könnte; das hatten wir in eigenen Threads alles schonmal durchgerechnet.) Freie Heilfürsorge durch den Klerus, soziales Netz für die Armen, sodass niemand betteln muss auch wenn er nicht arbeiten kann.

Der Schwerpunkt der Wirtschaft liegt jedoch in der magischen Ökonomie. Ein Großteil der Werktätigen ist mit der Erzeugung von Komponenten für magisches Crafting beschäftigt. Die daraus hergestellten magischen Gegenstände bringen hohe Steuereinnahmen, aus denen dann auch die o.g. Wohltaten finanziert werden.

Abenteurerei wird in gewissem Rahmen staatlich gefördert, schließlich gibt es insbesondere in den Randgebieten der Zivilisation immer noch gefährliche Bedrohungen. Es wird aktiv nach talentiertem Nachwuchs gesucht - insbesondere Magiebegabte - und deren Ausbildung gefördert. Dadurch ist auch die soziale Mobilität relativ hoch.

Es ist halt dennoch kein perfekter Kommunismus und keine klassenlose Gesellschaft. An Klassen gäbe es da zB den Kleriker, den Barden, den Kämpfer... nee Flax, will sagen es gibt durchaus auch noch Erbbesitz und wohlhabendere Familien. Und auch wenn Adelstitel bzw genauer gesagt: Ämter nominell nicht erblich sind, ist es halt dennoch an der Tagesordnung dass ein Grafentitel vom Vater an den Sohn übergeht und nicht unbedingt komplett neu vergeben wird, solang derjenige seinen Job ordentlich macht.
(Vergleiche dazu, dass im Realen Mittelalter Lehen ursprünglich auch nicht erblich gedacht waren, sondern nach dem Tod des Belehnten wieder an den Lehnsgeber zurückfallen sollten, das änderte sich dann iirc so im Laufe des 11./12. Jh, einfach dadurch dass die Vasallen ihre Lehen als Erbbesitz betrachteten und der König ab einem gewissen Punkt nicht mehr die Macht hatte, sie wieder einzukassieren.)

WeepingElf:

--- Zitat von: Eismann am  2.04.2026 | 16:25 ---Ich meine mich daran zu erinnern, dass manche Hochkulturen wie die Altägypter oder Sumerer oft planwirtschaftlich gearbeitet haben. Da wurde also ein Großteil der Produktion eingesammelt und dann nach Bedarf wieder verteilt. Ist dann aber natürlich autokratisch.

--- Ende Zitat ---

Ja, solche Wirtschaftsformen sind meines Wissens älter als die Marktwirtschaft, aber das würde ich nicht als Sozialismus bezeichnen. Sozialismus ist nicht einfach das Gegenteil von Marktwirtschaft, das darf man nicht mit Planwirtschaft gleichsetzen, auch wenn mir jetzt kein gutes historisches Beispiel für eine sozialistische Marktwirtschaft einfällt (ich habe schon mehrfach gelesen, dass es so was in Jugoslawien gegeben haben soll, aber darüber weiß ich zu wenig) - nicht-sozialistische Planwirtschaften hat es hingegen gegeben. Die meisten sozialistischen Utopien vernachlässigen in der Tat, dass Menschen nicht immer rational handeln und Individuen mit divergierenden Interessen sind, und betreiben eine Gleichmacherei, die der Natur des Menschen widerspricht. Weshalb die russischen Kommunisten sich gezwungen sahen, eine Diktatur zu errichten, und Kommunisten in anderen Ländern machten es ihnen nach. Und was dabei herumkam, wissen wir ja nur zu gut. Der US-amerikanische Entomologe und Soziobiologe Edward O. Wilson hatte eine ganz kurze und knappe Antwort auf die Frage, was wir in Sachen Gesellschaftsaufbau von den staatenbildenden Insekten lernen können. Sie lautete: "Nichts."

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