Nachdem ich vor etwa 2,5 Jahren nach 20 Jahren Pausen zurück ins Hobby als Spielleiter gefunden habe, war es gestern soweit. Vermutlich nach sogar mehr als 25 Jahren durfte ich bei einer Anfängerrunde D&D 5 als Spieler teilnehmen. Davon möchte ich hier einfach mal berichten. Ein wenig hat sich das auch herrlich nach back to the roots angefühlt. Ganz unbedarft, einfach und "roh".
Gespielt wurde D&D 5 bei einem Freund. Die Runde war eine herrlich bunte Mischung: zwei ältere Herren (mein Freund und ich), sein 15-jähriger Sohn und dessen etwas jüngere Schwester sowie zwei Arbeitskollegen von ihm Anfang 30. Einer der Kollegen leitete die Runde. Die Voraussetzungen waren dabei durchaus spannend und wild. Die Kinder hatten noch nie Rollenspiel gespielt, genauso wie mein Freund. Die beiden Kollegen spielen zwar seit einigen Jahren Rollenspiele, aber ohne festes System. Wirklich viel D&D-Erfahrung war also insgesamt nicht vorhanden.
Zu meiner Freude hatte der Spielleiter das „Todeshaus“ aus der Strahd-Kampagne ausgewählt. Das war für mich besonders interessant, weil ich dieses Abenteuer vor etwa einem Jahr selbst als Grundlage für meine Gruppe verwendet, aber damals stark umgeschrieben hatte. Ich wusste also noch grob um den Aufbau des Gebäudes, hatte aber die meisten Details längst vergessen. Das Ganze nun einmal aus Spielersicht zu erleben, fand ich interessant.
Ich bin mit recht geringen Erwartungen an die Runde herangegangen. Für mich war das eher als Bier-und-Brezel-Runde gedacht – wobei es am Ende eher eine Sprudel-und-Chips-Runde wurde. Mit Pizza, Gesprächen und Spiel saßen wir etwa vier Stunden zusammen. Und was soll ich sagen? Es hat einfach Spaß gemacht.
Natürlich mussten wir uns als Gruppe erst finden. Wie spielt man überhaupt? Wie funktioniert das System? Wann rede ich als Spieler, wann als Charakter? Das war alles noch etwas holprig. Aber das machte auch den Charme aus. Fast so wie in unseren damaligen Jugendrunden. Für mich als Spielleiter war besonders interessant zu erleben, wie sich das Spiel auf der anderen Seite des Schirms anfühlt. Man verbringt als Spielleiter so viel Zeit mit Vorbereitung, mit Gedanken über Abenteuerdesign, Dramaturgie, NSCs und Details. Und dann sitzt man plötzlich als Spieler am Tisch, bewegt sich in gemütlichem Tempo von Raum zu Raum, untersucht jeden Schrank, jede Tür und jeden Gegenstand und hat dabei einfach eine gute Zeit.
Ein großes Lob geht dabei auch an den Spielleiter. Ich weiß nicht, ob ich das selbst so entspannt hinbekommen hätte. Gerade die Kinder waren zeitweise ziemlich aufgedreht und sorgten stellenweise dafür, dass die Runde ein wenig an eine Zoom-Konferenz aus den ersten Pandemie-Monaten erinnerte. Trotzdem blieb er ruhig, gelassen und führte die Gruppe souverän durch das Abenteuer. Ich selbst kam mir manchmal ein wenig wie ein „Silberrücken“ vor. Nach einigen Jahren als Spielleiter und vielen Gedanken über Rollenspieltheorie hätte ich vermutlich in der Runde problemlos jede Unterhaltung mit den NSCs an mich reißen können. Das wollte ich aber bewusst vermeiden und habe nur ein paar punktuelle Dialoge für mich gesetzt und habe die anderen machen und erkunden lassen. Trotzdem hat mir gerade das Ausspielen meines Charakters am meisten Spaß gemacht.
Dabei wurde mir wieder einmal klar, dass mich Werte, Optimierungen oder Ausrüstung oft deutlich weniger interessieren als manch anderen Spieler. Mein Vergnügen bestand vor allem darin, den Charakter in der Spielwelt zu verkörpern und auf Situationen zu reagieren. Das passte auch hervorragend zur Gruppe. Wir waren weit entfernt von einer Powergamer-Runde. Eigentlich wusste kaum jemand so genau, was er tat. Der Spielleiter hat den Schwierigkeitsgrad spürbar abgesenkt und viele Dinge großzügig gehandhabt. Statt Regeln, Taktiken und Optimierungen standen die Aktionen der Spieler und deren Ideen im Mittelpunkt. Das war angenehm und genau richtig für diese Runde.
Da wir so langsam vorankamen, haben wir das Abenteuer natürlich nicht abgeschlossen. Im Juli soll es weitergehen, worauf ich mich tatsächlich freue. Und mein Charakter ist mir schon direkt ans Herz gewachsen. Verrückt.
Im Nachgang habe ich meinen Bekannten gefragt, ob es dem Spielleiter denn ebenfalls Spaß gemacht hat. Wir Spieler hatten offensichtlich alle Freude daran. Selbst die Kinder waren nach einer gewissen Eingewöhnungsphase voll dabei – auch wenn sie gegen Ende natürlich müde wurden. Mein Bekannter hatte ebenfalls seinen Spaß, und bei mir war das ohnehin der Fall. Ich glaube, ich bin als Mitspieler auch einigermaßen pflegeleicht. Mir war völlig egal, wer welche Gegenstände bekommt oder wie die Beute verteilt wird. Mein Fokus lag einfach darauf, den Charakter zu spielen und die Situationen auszukosten, die sich ergeben haben. Das kommt wohl auch ein wenig aus meiner eigenen Runde, bei der die drei Spieler diesbezüglich keinerlei Allüren und Neidgefühle haben. Das finde ich einfach ein total angenehmes spielen. Das ist mir über den Abend gestern auch nur nochmal mehr bewusst geworden. Was wir da für eine coole Runde und eigene Welt für uns haben.
Wobei wir als Gruppe vermutlich schon eine gewisse Herausforderung für die Spielwelt/den Spielleiter darstellen. Wenn Strahd gesehen hat, was wir mit seinem Todeshaus angestellt haben, dürfte er vermutlich bereits einen Sommerurlaub in der Karibik gebucht haben. Die Begegnung mit unserer Truppe wird er sich vermutlich noch einmal gut überlegen.
Mein größtes Fazit nach diesem Abend ist aber: Es war unglaublich angenehm, einfach einmal Spieler zu sein. Nach der Arbeit ins Auto steigen, zum Spielabend fahren, Charakterblatt auspacken, spielen, wieder einpacken und nach Hause fahren. Keine Vorbereitung, keine Karten, keine NSCs, keine Handouts, keine Sorgen darüber, ob die Spieler den Plot mögen. Einfach nur spielen und ein paar Stunden den Alltag vergessen. Dabei wurde mir erneut bewusst, wie wenig man aus Spielersicht eigentlich braucht, um einen richtig schönen Rollenspielabend zu erleben.
Auch mit dem Spielsystem von D&D konnte ich vor dem Hintergrund überraschend viel anfangen. Für so eine Runde fühlte sich das super an. Es kann recht einfach gespielt werden, so wie wir es gemacht haben. Da besteht dann bis auf die Zauberei keine große Eingangshürde. Ich denke aber, dass es ebenso gut mit skaliert wenn alle erfahrener im System werden. Fand ich auch eine Positive Erkenntnis.