Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen

These: Nischen-Systeme werden selten so gespielt wie sie designed wurden

<< < (3/6) > >>

Radulf St. Germain:
Ich finde folgendes total faszinierend:

Designer: Ich will ein Spiel mit Cozy Crime. Aber das will keiner spielen, also packe ich Cosmic Horror rein.
Käufer: Cool, wenn ich den Cosmic Horror rausnehme habe ich endlich ein Spiel für Cozy Crime.

noch einen

Designer: Ich will ein Wrestlingspiel machen. ich nehme PbtA und packe alle Wrestlingmoves rein.
Käufer: Cool Wrestling-PbtA! Die Regeln kenne ich ja schon, endlich habe ich die Playbooks!

Alles legitim aber ich finde an manchen Ecken und Enden verschenkt man etwas, das vielleicht richtig gut gewesen wäre.

Outsider:

--- Zitat von: Settembrini am  1.08.2026 | 09:41 ---Einige Menschen lesen die Bücher tatsächlich und spielen die Spiele, wie sie geschrieben sind.

Dazu gehört eine gewisse Demut und ein gewisses Maß an Gewissenhaftigkeit. Also eher Eigenschaften, die gar nicht jedem gegeben sind, für manche sogar unerreichbar.

--- Ende Zitat ---

Ich glaube eher dazu gehört ein gutes Gespür dafür was einem selbst und den Spielern Spaß macht. Wenn man, dass dann mit Demut und Gewissenhaftigkeit umsetzt ist schon viel gewonnen.

Ansonsten bedienen Nischen-Systeme eben genau das, Nischen für die man gerade offen sein muss und willens sie zu erleben (sonst wären es ja keine Nischen im Geschmack). Ich denke daher diese Systeme machen alles richtig, solange sie nicht für sich in Anspruch nehmen etwas ganz Großes sein zu wollen.

Nackter Stahls -> Frost Zone -> das neue Shadowrun ähhh nein, nur weil man alles, aber wirklich alles in einen Topf wirft, vor den Spielern ausko*** äh ausbreitet und hofft das sich jeder darin wiederfindet, weil einfach alle bedient wird, kommt man noch lange nicht aus der Nische raus.

Zed:

--- Zitat von: Runenstahl am 31.07.2026 | 23:08 ---Ich würde das eher erweitern: Rollenspielsysteme* werden selten so gespielt wie sie designed wurden.

--- Ende Zitat ---

Und das mit vollen Recht, nach meiner Meinung.

Ein Fantasy-Rollenspiel trägt im Namen, womit es umgeht: Phantasie. Und sie ist erstmal die grenzenärmste Fähigkeit, die wir Menschen haben. Und dieser Schwerpunkt ist ihr größter Vorteil gegenüber anderen Spielgenres.

Angesichts dessen ist es in meinen Augen pure Anmaßung, wenn deren Creator erwarten oder im Vorwort sogar verlangen, dass „ihr“ Spiel komplett by the rules gespielt wird.

Als Spielleiter, der ich eigene Welten erdenke, lass ich mir von keinem System vorschreiben, welche Völker es beispielsweise in meinem Setting gibt oder wie sie aufgestellt sind.

Die Default-Einstellung ist für mich, dass die Spielleitung die Verantwortung für das Fantasy-Rollenspiel trägt und nicht die Systemcreator.

(Nein, das ist kein Plädoyer für SL-Willkür.)

Bei Main-Stream-Systemen mag es noch einen Sinn ergeben, dass es weniger Varianz beim Nutzen der Regeln gibt, weil Leute hier die Rollenspielrunde auch mal wechseln.

Dieser Bedarf ist bei Nischensystemen nicht gegeben, und hier wird mit dem System eher so umgegangen, wie es sich für dieses Spielgenre gehört: Angepasst an die eigenen Vorstellungen.

Darum: Ich stimme der These voll zu.

Sashael:
Die ersten Worte in jedem Outgunned Buch nach dem Titel sind immer:

These are tools, not rules.

Die haben verstanden, was mit ihrem System an den Spieltischen passiert.  ;)

felixs:
Nicht nur Nischen - ich habe vor Jahren mal versucht, den Begriff "impressionistisches Rollenspiel" dafür zu prägen. Hat nicht recht funktioniert. Die Diskussion ist vielleicht trotzdem interessant, wenn noch nicht bekannt:
https://www.tanelorn.net/index.php/topic,124358.0.html

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln