Autor Thema: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)  (Gelesen 752 mal)

Yney, Haukrinn (+ 1 Versteckte) und 4 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline Holothuroid

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Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« am: 28.08.2026 | 10:10 »
Player Empowerment wäre (nach langer Abstinenz) eigentlich einen neuen Thread wert ...  >;D als SL lehne ich das für meinen Stil tendenziell (nicht pauschal!) ab.

Das ist ein bisschen kompliziert. Player Empowerment ist die Idee, dass die Spielys Dinge tun, die eigentlich die SL tut. Die Begriffsbildung ist ein bisschen fragwürdig, da sie annimmt, dass ein Machtgefälle ähnlich sozialer Ausgrenzung beim Rollenspiel passiert, aber das muss uns hier nicht kümmern.

Aber dann muss man erstmal wissen, was die SL "eigentlich" tut. Das sind durchaus ein paar unterschiedliche Punkte.

Plotter: Für das Spiel ein aktuelles Szenario entwerfen, Szenen(-Folgen), Einstiegspunkte, Eskalationen.

Regisseur: Den Rahmen für eine laufende Szene setzen, feststellen welche Figuren anwesend sind, beschreiben wie die Örtlichkeit erscheint und was aktuell der Fall ist.

Supporting Cast: Andere Figuren als die Protagonisten spielen.

Regelfuchs: Die Regeln erklären, Zweifelsfälle klären.

Weltenbauer: Eine Spielwelt entwerfen. Regionen, Völker, Geschichte, Religion, Kultur.

Resolutions-Prozessor: Also eine tragende Rolle bei Resolutionsprozessen spielen. (Namensgebung kann ich.) Schwierigkeiten festsetzen, beschreiben, was bei einer Probe herauskommt.

Interessanter Weise wird Player Empowerment jetzt nicht für alle diese Funktionen benutzt. Weltenbau ist wahrscheinlich völlig unkritisch. Das muss ja auch niemand machen, wenn man eine fertige Spielwelt nimmt. Regelfüchse gibts auch häufig. Wir hatten neulich ein Thema, wo Leute beschrieben, dass sie beim Spielleiten nicht notwendig alle Regeln kennen.

Supporting Cast ist so ein Grenzfall. Es gibt Spiele wie Ars Magica, wo Personen, die nicht SL sind, ganz regelmäßig Supporting Cast verkörpern. Ist das Player Empowerment? Kommt es darauf an, um welche Figuren es sich handelt?

Resolutions-Prozessor ist auch so eine Sache. Nehmen wir mal an, Schwierigkeiten sind fix, was bei Erfolg passiert, können wir auch nachlesen und die Stellen, an denen gewürfelt wird, sind auch festgeschrieben. Also wie Moves bei einem PbtA-Spiel, dann ist ein Resolutions-Prozessor zu großen Teilen verzichtbar. Also vielleicht kann man sie noch bei Fail zum Erzählen brauchen, aber auch das lässt sich abschaffen. Dann kommt man sowas wie Ironsworn heraus. Ist das dann Player Empowerment?

Anderes Beispiel: Als Spieler kann ich mir mehr oder weniger frei aussuchen, worauf ich würfle. Also so Approaches wie bei Fate Turbo oder frei formulierbare Traits. Player Empowerment? Wie ist das, wenn wir jedes mal ausdiskutieren, ob gewürfelt werden soll und zu welchem Zweck, wie in The Pool?

Plotting ist bestimmt Player Empowerment, wenn die Spielys das machen. Anderseits kann das auch im Regelwerk fest verdrahtet sein, wie Alice is Missing. Man spielt also immer exakt ein Szenario.
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Online Haukrinn

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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #1 am: 28.08.2026 | 10:22 »
Wenn ich mir das so ansehe, wie das in der guten alten Zeit war, da dürften die Spielenden vieles davon auch nicht und Player Empowerment war trotzdem da und durch klare Mechanismen (z.B. Vergeben und Ausgeben von Fan Mail) klar verregelt.

Ich finde die Zusammenstellung auch etwas hölzern.

In der Praxis würde ich die Unterscheidung da ziehen, wo ich als Spiely eben nicht mehr nur durch mein Vehikel Spielcharakter Einfluss auf das Geschehen nehmen kann.

Das kann sowas simples sein wie auf der Metaebene anderen Mitspielenden Tipps zu geben, auch wenn mein Charakter gar nicht in der Szene ist, oder das Beantworten von Fragen und Aufforderungen der Spielleitung zur Spielwelt (Spiely: Wie sieht es da aus? SL: Keine Ahnung, sag du mir, wie es da aussieht). Das kann ein Vetomechanismus sein (vielleicht auch verregelt oder Chips oder so) um Aktionen zu blockieren oder das Ausgeben von Spielwährung (Fatepunkte, vielleicht aber auch nur Ansehen auf der Beziehungsebene am Spieltisch) zur Schaffung von Fakten.
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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #2 am: 30.08.2026 | 11:25 »
Danke für Deine Explikation zum Player Empowerment, 1o3  :d Ich bin dieser Tage mit Luxferinhos Geburtstag beschäftigt und schreibe hier danach ausführlicher.
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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #3 am: 30.08.2026 | 18:06 »
Unter Player Empowerment verstehe ich in erster Linie, daß ich die Spielwelt mitgestalten darf, das ich auch während des Spiels Dinge hinzufügen darf, wie die Feuerleiter im Hinterhof oder eine Mülltonne, bzw. Kiste wo man in Deckung gehen kann.
Ich darf meinen Charakter weites gehend frei gestalten.

Bis hin, was eher selten ist auch mit dem SL zusammen sitze und die Geschichte diskutiere und auf den Plot Einfluß nehmen kann.

Ei VEto, vor allem durch den SL ist natürlich Bestandteil davon.
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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #4 am: 30.08.2026 | 18:37 »
Ei VEto, vor allem durch den SL ist natürlich Bestandteil davon.

Am Rande: Das muss es aber nicht sein. Es gibt genügend Rollenspiele, die Spieler:innen Gestaltungsmöglichkeiten geben, die nicht durch die SL abgesegnet werden müssen.

(Ein Veto hat natürlich jede:r Teilnehmende im Rollenspiel grundsätzlich, aber das ist vielleicht ein anderes Thema.)

Bei InSpectres kannst Du beispielsweise als Spieler:in regelmäßig Dinge erfinden -- und das sind klare Setzungen, die von da ab zu berücksichtigen sind.

Das gilt freilich auch für das, was einer solchen Setzung vorangegangen ist. Wenn Spielerin A die Gruppe einen altägyptischen Opferdolch hinter der Geheimtür 'finden' lässt (d.h. ihn improvisiert), dann sollte Spieler B dies respektieren und bei einer näheren Untersuchung und einem entsprechenden Wurf nicht einfach sagen, "Das Ding ist aus Plastik und stammt vom Grabbeltisch bei KiK", nur weil er mehr Bock auf Ufos hatte.

(Wobei Altägypten und Ufos ja ganz gut zusammenpassen.)
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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #5 am: 30.08.2026 | 18:50 »
Der für mich wichtigste Aspekt von Player Empowerment ist, dass die Spielercharaktere relevant für das sind, was gespielt wird. Das sie keine Statisten sind, das sie Einfluss auf die Handlung haben und das sie nicht ständig von NSC auf Kurs gehalten oder überflüssig gemacht werden.

Der für mich zweitwichtigste Aspekt ist, dass die Spielleitung die Finger aus den Spielercharakteren rauslässt. Das heißt, dass die SL wann immer es nicht absolut unvermeidbar ist, nicht sagt, wie mein Charakter sich fühlt oder was er denkt. Und alle schwerwiegenden Entscheidungen bezüglich meiner Figur werden so weit es geht in Einvernehmen getroffen.

Online Haukrinn

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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #6 am: 30.08.2026 | 19:15 »
Am Rande: Das muss es aber nicht sein. Es gibt genügend Rollenspiele, die Spieler:innen Gestaltungsmöglichkeiten geben, die nicht durch die SL abgesegnet werden müssen.

(Ein Veto hat natürlich jede:r Teilnehmende im Rollenspiel grundsätzlich, aber das ist vielleicht ein anderes Thema.)

Ja, stimmt beides. Ich hatte vor einigen Monaten eine Western City Runde (also SL-los), wo das Spiel ja sehr klare Vetoregeln bietet. Leider war einer der Spieler extrem destruktiv drauf. Da brauch es dann das soziale Veto am Spieltisch auf jeden Fall. Das liegt aber, wie du schon andeutest, komplett außerhalb der Regeln und ist eher eine Frage des sozialen Vertrags am Spieltisch.
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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #7 am: 30.08.2026 | 20:18 »
Am Rande: Das muss es aber nicht sein. Es gibt genügend Rollenspiele, die Spieler:innen Gestaltungsmöglichkeiten geben, die nicht durch die SL abgesegnet werden müssen.


InSpectres habe ich nur einmal vor über 20 Jahren gespielt.
Ich bezog mich nur auf meine persönliche Interpretation aufgrund meiner Erfahrungen.
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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #8 am: Heute um 11:22 »
"Player Empowerment" ist für mich erst mal nur das logische Gegenteil von "Spielerkleinhalten". ;) Über die Details kann man sich dann streiten -- müssen dazu beispielsweise dedizierte eigene Regeln ins System oder ist das mehr eine Frage der Einstellung so nach dem Motto "Gegen eine hinreichend motivierte Spielleitung schützt eh das beste Regelwerk nicht"? --, aber ich denke, so als absoluter Mindestdefinitionsstandard müßte das halbwegs taugen.

Wobei natürlich zwischen Spieler und Charakter noch mal sauber zu trennen wäre, denn die eventuelle nominelle Macht des letzteren schlägt noch lange nicht automatisch wieder zurück auf die Tischebene durch -- und umgekehrt hindert einen Spieler ein Mangel an reiner Charakterpower mindestens deutlich weniger daran, das Spiel an sich mitzubestimmen, als mancher vielleicht im ersten Reflex denken möchte.

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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #9 am: Heute um 14:23 »
Der für mich wichtigste Aspekt von Player Empowerment ist, dass die Spielercharaktere relevant für das sind, was gespielt wird. Das sie keine Statisten sind, das sie Einfluss auf die Handlung haben und das sie nicht ständig von NSC auf Kurs gehalten oder überflüssig gemacht werden.

Das ist für mich noch kein Player Empowerment, das ist gutes Spielleiten. Der Gegenpart wäre Erzählonkelei.

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Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
« Antwort #10 am: Heute um 14:37 »
Für mich ist klassisches Player Empowerment wenn die Players etwa NSCs anspielen oder gegenstände ins Spiel bringen.

Also "Ich spreche auf dem Marktplatz den Bettler an der da immer vor dem haupttor sitzt, der hat bestimmt was gesehen,..."
Oder "Ich schwinge mich über den Kronleuchter zur Balustrade auf der anderen Seite,..."

Also jeweils ohne das SL da etwas dazu gesagt hätte. Wenn es erstmal gesagt ist (von wem auch immer), dann ist es auch in der Welt,... es sei denn es wurde "Vetoiert". Neben dem Veto gibt es ja auch noch das "Ja, aber" (im Falle des Bettlers: er hat was ganz anderes gesehen als der Spieler wollte das aber auch irgendwie relevant ist)

Ob man dazu nun Resourcen ausgeben muss, es also eine verregelung dazu gibt oder nicht ist erstmal einerlei.

Die "einfachste" Form des Player Empowerment sind imho solche Dinge wie mit resourchen Erfolge zu kaufen oder auch nur mal Würfe zu wiederholen. Die Stärkste wäre es die Welt aktiv zu verändern "wir haben jezt seit 20 Tagen in der Wüste uns verlaufen, ich geb einen Dramapunkt aus und wir finden eine Oase"